gelesen: 1.388 mal
18.01.2018 Christine Schmidt, Hundephysiotherapie und Hundeosteopathie Bochum - Wattenscheid

Verschiedene Variationen der Massage am Hund

Es ist ein Wunsch vieler Hundebesitzer, ihrem vierbeinigen Freund mit sanften, aber intensiven Techniken und Methoden schnell und wirksam zu helfen. Oftmals leidet ein Hund im Laufe seines Lebens an vielen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Schnell verletzt sich das Tier beim Laufen, erkrankt neurologisch oder es wird inkontinent. Der Hundephysiotherapeut weiß sich dabei zu helfen und wendet unterschiedlichste Massageformen wie Rollungen, Streichungen, Knetungen und Tapotement an.

Der Igelball kommt zum Einsatz (Foto: Christine Schmidt)

All das sind Begriffe in der Tierphysiotherapie. Bei Erkrankungen der inneren Organe und des Bindegewebes kann die Physiotherapie am Hund durchgeführt werden. Damit sind die Anwendungsmöglichkeiten noch lange nicht im ganzen Umfang beschrieben. Sollte Ihr Hund obendrein an HD, ED, am Kreuzbandriss, am Bandscheibenvorfall leiden, oder allgemein Schmerzen haben, wird ebenfalls Massage, oftmals auch in Verbindung mit anderen Therapieformen wie Magnetfeldtherapie, Elektrotherapie, Krankengymnastik, Ultraschall, Lasertherapie mit großem Erfolg angewendet, um schnell und effizient zu helfen. Ich lade Sie dazu ein, die Massage in ihrer Herkunft und in ihrem Tun besser zu verstehen.

Der Begriff "Massage" entstand zwischen 1755 und 1771 und wird nicht nur erfolgreich beim Menschen, sondern nachweislich genauso oft und intensiv bei Tieren eingesetzt. Das Wort "Massage" kommt aus dem griechischen Wort massein und bedeutet "Kneten". Man vermutet, sie wurde im asiatischen und im afrikanischen Raum zum ersten Mal angewandt. Damit ist sie eine der ältesten Naturheil- und Therapieverfahren. Sie ist eine manuelle Einwirkung auf die Haut, das Bindegewebe und die Muskulatur.

Die Massage ist in ihren Variationen sehr vielseitig: Es gibt die klassische, oder auch therapeutische Massage, die Bindegewebsmassage, die Kolonmassage, die Fußreflexzonenmassage (auch beim Hund möglich ) und nicht zu vergessen, die Wellnessmassage. Die klassische Massage besteht aus einer individuellen Kombination von Grifftechniken.

Hauptaspekt der therapeutischen Massage ist die Schmerzlinderung und das Steigern des Wohlbefindens des tierischen Patienten. Rein mechanisch (also mit der Kraft der Hand) werden Verklebungen in Haut und Bindegewebe sowie Verhärtungen in der Muskulatur gelöst und eine stärkere Durchblutung in Haut, Unterhaut und Muskulatur durch bestimmte Grifftechniken angeregt. Es gibt zwei Arten, einmal die entspannende Massage und dann auch noch die anregende Massage. Mit der entspannenden Massage werden schmerzhafte Muskelverspannungen und -verhärtungen schrittweise gelöst. Dagegen führt der Hundephysiotherapeut die anregende Massage mit hoher Geschwindigkeit und Intensität durch. Sie soll die Muskulatur des Tieres mitsamt den Nerven stimulieren. Damit wächst die Grundspannung des Muskels wieder. Diese Art der Massage wird zum Beispiel beim Bandscheibenvorfall angewendet, welche oft mit Lähmungserscheinungen einher gehen.

Die Bindegewebsmassage beschäftigt sich mit dem Stimulieren des Bindegewebes des Hundes. Sie wurde 1929 von Elisabeth Dicke begründet. Dabei wird mit Zugreizen an Haut, Unterhaut und Bindegewebe gearbeitet. Der Hund verspürt dabei ein ziependes Gefühl. Mit kleinen Handgriffen werden dabei Verspannungen gelöst. Die Wellnessmassage ist zur reinen Entspannung gedacht. Sie löst keinen Schmerz aus und soll entspannend auf Körper und Geist wirken.

In der Massage gibt es verschiedene Techniken, welche der Hundephysiotherarpeut anwenden kann. Einige gab es schon seit ihrer anfänglichen Anwendung und andere sind nach und nach dazugekommen. Die Knetung dient der Lockerung von Haut, Bindegewebe und auch Muskulatur. Sie war eine der ersten Techniken. Hinzugekommen sind Reibungen, die die Muskulatur nach und nach aufwärmt. Klopfungen, Hackungen und Klatschungen sind besonders gut geeignet gegen Atembeschwerden Ihres Hundes und Vibrationen und Schüttelungen für die Lockerung der Muskulatur des Tieres.

Um die Wirksamkeit der Massage deutlich zu erhöhen, setzt der Hundephysiotherapeut das eine oder andere Hilfsmittel ein, wie zum Beispiel den Igelball. Er hat Noppen und dadurch sieht der Ball wie ein Igel aus. Er ist für Hunde gut geeignet, die sich nicht gerne anfassen lassen. Die gezielte Massage mit einem Igelball wirkt schmerzlindernd und durchblutungsfördernd. Die Heiße Rolle ist eine andere tolle Kombinationsmöglichkeit zusätzlich zur Massage.Stellen Sie sich die Heiße Rolle folgendermaßen vor: Ein Handtuch wird so gewickelt, dass ein Trichter entsteht. In diesen Trichter wird heißes Wasser gefüllt, dass das Handtuch auf angenehme Weise erwärmt. Damit rollt der Hundephysiotherapeut entweder bestens für den Anfang einer Therapiestunde geeignet, um den Körper des Hundes aufzuwärmen. Die Heiße Rolle lockert die Muskulatur, kann Schmerzen beheben und wirkt durchblutungsfördernd. Ich persönlich nehme sie sehr gerne am Anfang der Behandlung. Der tierische Patient kann sich damit sehr gut entspannen, fasst schnell Vertrauen zum Therapeuten und alleine wie in Kombination mit anderen Massagetechniken kommen wir so schneller zum gewünschten Erfolg. Was ist wichtig, wenn man beim Tier- oder Hundephysiotherapeuten die Massage machen lässt?

Der Therapeut sollte immer vor der ersten Behandlung einen therapeutischen Befund anfertigen. Dieser gibt Hundehalter und Therapeuten einen Aufschluss, wo die Probleme des Hundes wirklich liegen. Dort, wo offensichtlich das Problem ist, muss nicht unbedingt der Auslöser sein. Sollte Ihr Hund beispielsweise einen Kreuzbandriss oder andere derartige Indikationen haben, empfiehlt sich die Erstdiagnose durch einen Tierarzt. Besonders hilfreich für den Hundephysiotherapeuten sind auch vorhandene Röntgenbilder und eine lückenlose Anamnese (Darstellung der Krankengeschichte), um die effizientesten Therapien wählen zu können. Für die gezielte Anamnese sorgt der Hundephysiotherapeut. Eine Massage sollten nur die geübte Hände eines ausgebildeten Therapeuten durchführen. Diese können die Problemstellen während der Befunderhebung lokalisieren. Damit kann dann die gezielte Behandlung starten. Zur Massage gehört viel Einfühlungsvermögen und Erfahrung.

Ich kann jedem Hundehalter die neben der therapeutischen die vorbeugende Massage nur ans Herz legen. Denken Sie daran, dass der Hund ein Bewegungstier ist. Ohne Bewegung sinkt die Lebensqualität und die Schmerzen steigen. Da mit der Bewegung Gelenke, Muskeln und Sehnen beansprucht werden, ist es das Beste – nicht nur bei Sporthunden,sondern bei jedem Hund – an die Prävention zu denken. Massage ist dafür bestens geeignet. Die Massage ist also eine Technik, welche den Hund nicht nur entspannt, sondern auch präventiv, schmerzlindernd, durchblutungsfördernd und heilend wirkt und somit für das Tier eine echte Erhöhung der Lebensqualität bedeuten kann.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

Snautz.de sucht Hunde- und Katzenfans, die uns z.B. eine bestimmte Rasse, Gesundheitsthemen oder anderes Wissenswertes über die Vierbeiner in einem Artikel näher bringen möchten. Teilen Sie uns Ihre Artikelidee einfach per Mail an magazin@snautz.de mit...

Links zum Artikel:

weitere Bilder:

Der Hund in der Knetung. Sie dient der Lockerung von Haut, Bindegewebe und auch der Muskeln. (Foto: Christine Schmidt)
Der Hund in der Streichung. Diese dient unter anderem der Aufwärmung der Muskulatur. (Foto: Christine Schmidt)