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16.04.2009 Andrea Niehues, 4pfoten-design (Tierfotografie)

Tierfotografie - Tipps und Tricks, damit schöne Tierfotos gelingen (Teil 1)

Wieso gelingen meine Tierfotos meistens nicht so gut, fragt sich doch jeder Hobbyfotograf und knipst hundert mal, um eventuell ein professionell wirkendes Tierfoto zu erhalten. Wie Tierfotografie besser funktioniert, erklärt uns Tierfotografin Andrea Niehues, die seit Jahren mit Tieren vor der Kamera arbeitet, in einem zweiteiligen Artikel. Nachdem sie 2003 und 2004 in Australien gelebt hatte, veröffentlichte sie drei Bücher über die schönsten Nationalparks in Australien, Neuseeland und Australien. Seit ca. 2005 arbeitet sie als freiberufliche Fotografin für Naturfotografie, Haustierfotografie, Zoofotografie, aber auch Wildlife-Fotografie in Deutschland.

Portrait eines Malinois: Die Abendsonne im Mai produzierte das sanfte Licht bei diesem von leicht unterhalb des Hundes fotografierten Tierfotos. Grashalme direkt vor dem Objektiv sind für die Weichzeichnung am unteren Bildrand verantwortlich. Daten dieses Tierfotos: Canon EOS 20D, ISO 100, Brennweite 100 mm, Belichtung 1/2000 s, Blende 2,8 (Foto: A. Niehues)

Wem ist es bei der Tierfotografie nicht schon passiert: Da schaut der eigene Hund gerade besonders niedlich, die Katze liegt ganz künstlerisch auf dem Fenstersims oder ein Schwan fliegt malerisch in den Sonnenuntergang. Zufällig hat man auch seine Kamera dabei und "schießt" - dank digitaler Technik – drauf los was das Zeug hält, in der Hoffnung, dass eines der Tierfotos aus den 25 "Shots" sicher toll aussieht. Doch allzu oft wird man dann aus seinen Träumen gerissen, denn den niedlichen Hund muss man auf den Ablichtungen suchen, die träumende Katze ist ein schwarzes Knäuel vor grell-weißer Wand und die Schwäne alle nur verschwommene Punkte und Striche vor gelbem Licht. Jeder Hobbyfotograf kann sicher ganze Fotoalben füllen mit solch misslungenen Schnappschüssen. Doch was hat man eigentlich falsch gemacht, braucht man für ein gelungenes Tierfoto seines zumeist vierbeinigen Freundes wirklich eine Profiausrüstung bei der Tierfotografie? Damit es schließlich nicht mehr heißt: "Motiv: großartig – Foto: grässlich".

Tiere fotografieren statt knipsen

Dank moderner Digitalkameras ist das Fotografieren bei der Tierfotografie auch im Hobbybereich ein erschwinglicher Spaß für beinahe jedermann geworden. Dabei helfen nicht nur die digitale Technik, sondern auch die verschiedenen Kameraprogramme – von der manuellen Einstellung bis zur Vollautomatik. Auf dem Markt sind eine Vielzahl Kameras mit zahllosen Qualitätsunterschieden. Doch für den Hausgebrauch muss es keine teure Spiegelreflexkamera sein – auch mit einer digitalen Kleinbildkamera gelingen Schnappschüsse und schöne Tierfotos. Nachteil vieler Kleinbildkameras sind allerdings die langen Auslösezeiten oder Zoomzeiten, die wichtig für Bewegungsaufnahmen sind.

Der Markt bietet vier Kameraklassen, mit denen man unterschiedliche Ergebnisse in der Tierfotografie erzielen kann. Die Consumercamera ist eine Kompaktkamera im Kleinbildformat und reicht für die gelegentliche Hobbyfotografie aus. Die Prosumercamera baut auf der vorigen Klasse auf, bietet etwas höhere Qualitäten und vor allem mehr Einstell- und Funktionsmöglichkeiten wie z.B. die manuelle Bedienung. Die sogenannten semiprofessionellen Spiegelreflexkameras und die Profi-Spiegelreflexkameras bieten u.a. auswechselbare Objektive, wobei die "Profis" die Bildqualität analoger Kameras zum Teil weit übertreffen, nicht nur bei Tierfotos.

Die Hauptrolle an der Digitalkamera spielt auch bei der Tierfotografie die Güte des Objektivs – je hochwertiger, desto besser ist vor allem die Bildschärfe der Tierfotos. Hauptaugenmerk sollte dabei auf die Lichtstärke gelegt werden. Je lichtstärker, desto besser kann man bei schlechterem Licht arbeiten. Der Bildsensor oder CCD-Chip (Charged Coupled Device) ist ein weiteres Herzstück der Digitalkamera. Er ist – um es verkürzt zu sagen – der herkömmliche Film. Der CCD-Chip legt die Kapazität in Pixeln fest. Entgegen einer allgemein verbreiteten Meinung macht aber nicht die höchste Pixelanzahl die beste Bildqualität aus. Oft hat eine Kamera mit weniger Pixeln eine bessere Bildqualität als eine mit deutlich mehr Pixeln.

Grundsätzlich ist zu sagen: Die einzusetzende Technik, die Anzahl der mitzuführenden Geräte, bestehend aus Kameratechnik nebst Zubehör etc. ist abhängig vom Umfang und Art der Tierfotografie. Aufgrund eventuell einzuhaltender Distanz, die man zu manchen Tieren wahren muss (diese kann natürlich auch mit der eigenen Sicherheit zusammenhängen), sind vor allem Teleobjektive notwendig, die zudem noch auf die Größe des Tieres abgestimmt sein müssen. Es macht natürlich einen nicht unbeträchtlichen Unterschied, ob man einen Löwen in freier Wildbahn fotografiert oder ob man Tierfotos von Ameise oder Hund macht.

Erfolgreiche Tierfotografie hat mehrere wesentliche Voraussetzungen:

1. Ausrüstung für die Tierfotografie

Im Allgemeinen empfiehlt sich bei der Tierfotografie im Zoo und auch bei der Haustierfotografie der Einsatz eines lichtstarken Zooms mit einem Brennweitenbereich von etwa 80 bis 200 mm. Bei der Zootierfotografie und auch der Tierfotografie in freier Wildbahn kann auch ein Zoom mit einer Brennweite bis 300 mm oder gar 400 mm angebracht sein, da hier die Distanzen für schöne Tierfotos in weitläufigen Freigehegen und z.B. auf einer Safari um einiges größer sind. Zu beachten ist, dass die Lichtverhältnisse umso besser sein müssen, je größer das Objektiv ist, bzw. das Objektiv mit zunehmender Größe eine immer bessere Lichtstärke haben muss. Ein flexibles Objektiv wie z.B. ein Zoom von 70-200 mm oder 100-400 mm hilft, sich schnell auf wechselnde Bedürfnisse einzustellen.

Lichtstarke Objektive sind bei Tieraufnahmen besonders wichtig, da mit langen Brennweiten fotografiert wird und deshalb die Verwackelungsgefahr besonders hoch ist. Die Blende 2,8 besagt, dass die Blendenöffnung sehr groß ist und deshalb viel Licht auf den Chip gelangt und man folglich mit einer kurzen Belichtungszeit fotografieren kann. Je kürzer also die Zeit ist, desto geringer ist die Verwackelungsgefahr bei den Tierfotos. Ohne lichtstarkes Objektiv stellt man die ISO-Einstellung an der Kamera auf 400 ISO. Dadurch wird der Chip lichtempfindlicher.

In dem Brennweitenbereich von 200-400 mm ist auf jedem Fall ein Stativ zu verwenden, denn schon aufgrund des Gewichts kann bei diesen Brennweiten das Objektiv nicht ruhig gehalten werden und das Tierfoto ist verwackelt. Bei der Haustierfotografie reicht mitunter bereits ein preiswertes Stativ zum Klemmen aus, bei der Tierfotografie im Zoo sollte mindestens ein stabiles Einbeinstativ zum Einsatz kommen. Bei der Wildlife-Fotografie mit größeren Distanzen und langen Teleobjektiven kommt man um ein stabiles Dreibeinstativ nicht mehr herum.

Wenn man bei langen Brennweiten doch aus der Hand - also ohne Stativ – fotografieren will oder muss, verschafft man sich zusätzlichen Halt, indem man die Kamera an einen Zaun oder auf einen Baumstamm auflegt. Ist nichts dergleichen zur Hand kann man sich auch durch hinknien und den linken Ellbogen auf das Knie abstützen, behelfen. Dadurch liegt die Kamera ruhiger in der Hand.

In der Wohnung oder bei ungünstigen Lichtverhältnissen, muss man oftmals den Einsatz künstlicher Lichtquellen für schöne Tierfotos zur Hilfe nehmen. Ein Blitzlicht ist allerdings eher ungeeignet. Zum einen schadet es den tierischen Augen, zum anderen wirft es zu harte Schatten, als dass man eine Aufnahme als gelungen ansehen könnte. Wenn der Blitz überhaupt benutzt wird, dann sollte bei Tierfotografie-Aufnahmen in Innenräumen am Besten die Decke angeblitzt werden. Diese reflektiert das Licht und gibt weiche Schatten. Bei Freilichtaufnahmen kann man sich behelfen, indem man das Blitzlicht nur als Aufhellblitz einsetzt.

Neben entsprechender Ausrüstung wie Spiegelreflexkamera, einem gutem Teleobjektiv (bei kleinen Tieren ein Makroobjektiv) und eventuell einem Stativ ist vor allem Folgendes gefragt:

2. Gutes Licht für schöne Tierfotos

Das Licht ist das "A und O" beim Fotografieren, nicht nur in der Tierfotografie. Achten Sie dabei auf weiches Licht, denn wie schon Goethe sagte: "Wo viel Licht, da auch viel Schatten".

Bei Außenaufnahmen werden im Sommer die besten Ergebnisse früh morgens oder spät abends (kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang) erzielt. Im Frühling und Herbst eignet sich der Vor- und Nachmittag. Im Winter hat man gelegentlich sogar ganztägig gutes Licht.

Entscheidend für eine gelungene Aufnahme von Tierfotos im Freien ist der Stand der Sonne. Im Sommer steht sie tagsüber hoch, heizt die Luft auf, das Licht wird schwammig und grell. Im Winter steht die Sonne auch mittags recht tief und bei klarem Wetter oder Schnee kann man auch um 12 Uhr die besten Tierfotos schießen.

Grundsätzlich gilt: Hartes Sonnenlicht vermeiden, leicht diffuses Licht ist für Tierfotografie immer die erste Wahl, sei es in freier Wildbahn, im Zoo oder bei Aufnahmen im heimischen Garten. Nicht gegen das Licht fotografieren, sondern immer mit dem Licht (Sonne im Rücken). Es ist durchaus von Vorteil bei Zooaufnahmen sich vorher über die Lichtverhältnisse zu informieren, denn ein harter Schlagschatten, der sich quer durch das Gehege zieht ist äußerst störend.

3. Geduld bei Tierfotos

Tierisches Verhalten und Reaktionen sind nicht vorhersehbar und machen die Arbeit des Tierfotografen manchmal nicht gerade einfach. Professionelle Tieraufnahmen erfordern Geduld und Zeit. Haustiere zu fotografieren hört sich leichter an, als es ist – jedenfalls wenn die nötige Geduld und das Einfühlungsvermögen bei der Tierfotografie fehlen. Menschen lassen sich mit Worten und Gesten in eine Fotosituation einführen, doch wie erklärt man einer Katze, in welche Richtung sie nun zu laufen hat, dem Hund, wohin er zu schauen hat, um fotogen zu wirken, damit die gewünschten Aufnahmen gelingen? Hier kommen nun Leckereien und Helfer zur Seite stehen, die diesen Part übernehmen.

Völlig anders sieht es bei der Tierfotografie im Zoo aus. Hier kann man in der Regel nicht einfach ins Gehege steigen und dirigierend eingreifen. Die Tiere sind zwar an den Menschen gewöhnt, das erleichtert zwar manches Tierfoto, aber erschwerend ist die vorhandene Umgebung mit Gittern und Netzen und natürlich weitere Besucher. Hier wie in der freien Natur gilt es, ein recht langes Teleobjektiv (200-300 mm) mit hoher Lichtstärke einzusetzen, unter Umständen sogar, je nach Gehegegröße, mit einem 1,4- oder gar 2-fach-Konverter bestückt, um durch Gitter und Netze "hindurch zu fotografieren". Ein Stativ ist natürlich von Vorteil. Die schönsten Tierfotos gelingen am frühen Morgen, weil die Tiere dann aktiver sind. Tage mit vielen Besuchern z.B. am Wochenende unbedingt vermeiden.

Bei Aufnahmen wildlebender Tiere und deren Verhalten in freier Natur sollte der Naturschutzgedanke an erster Stelle stehen. Stets sollte man so umsichtig wie möglich vorgehen, sodass sich die Tiere nicht gestört oder bedrängt fühlen. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen dass z.B. Vögel ihr Gelege verlassen und die Brut aufgeben. Auch sollte ein einschlägiges Fachwissen über die zu fotografierenden Tiere vorhanden sein.

Zu allen Jahreszeiten findet der naturbegeisterte Tierfotograf lohnende Motive, wenn man mit offenen Augen die Natur betrachtet. Diese zumeist schon in unmittelbarer Umgebung. Auf den innerstädtischen Gewässern oder Angelgewässern sind die Wasservögel in der Regel an Menschen gewöhnt, so dass ihre Fluchtdistanz dementsprechend kurz ist. Der Tierfotograf wird für einen "normalen" Spaziergänger oder Angler gehalten, so dass gute Tierfotos mit einer Brennweite von 200 mm gelingen können.

Gute Flugbilder lassen sich an den Küstengewässern machen, an denen Möwen ihr Leben nach den Gezeiten einrichten. Kurz über der Wasseroberfläche stehend, fischen sie sich den Fisch aus dem Meer.

Für alle Bereiche, seien es Haustiere, Zootiere oder wildlebende Tiere gilt für die Tierfotografie was auch Angler häufiger erfahren: Es gibt Tage, da beißen (also modeln) sie einfach nicht...

Ausblick auf den zweiten Teil zur Tierfotografie

Im zweiten Teil zur Tierfotografie erfahren Sie mehr zu den Themen Bildgestaltung, Beherrschung der Kamera und Auswahl der richtigen Location für schöne Tierfotos.

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weitere Bilder:

Border Collie beim Agility: Hier wurde auf den Rand des Tunnels scharfgestellt und eine Serie von Tierfotos ausgelöst, als der Hund im Tunnel erschien. Daten dieses Tierfotos: Canon EOS 40D, ISO 160, Brennweite 139 mm, Belichtung 1/1600 s, Blende 3,2 (Foto: A. Niehues)
Honigesser: Hier stimmt die Perspektive, doch der Zweig rechts im Bild wirkt störend. Hätte man hier eine Blende von z.B. 2.8 gewählt, wäre auch der Hintergrund nicht so unruhig. Daten dieses Tierfotos: Canon EOS 20D, ISO 200, Brennweite 200 mm, Belichtung 1/1000 s, Blende 5,6 (Foto: A. Niehues)
Seeschwalbe im Flug: Eine ganze Reihe von "Shots" war nötig um dieses Tierfoto zu bekommen. Die Bewegung des Seevogels ist durch die Verschlusszeit von 1/2000 s gut eingefroren. Daten dieses Tierfotos: Canon EOS 40D, ISO 100, Brennweite 300 mm, Belichtung 1/2000 s, Blende 3,2 (Foto: A. Niehues)
Libelle: Eine schöne Aufnahme, die vom Tierfotografen viel Geduld und Ausdauer verlangte, bis sich das Objekt der Begierde auf den Halm setzte und für einen kurzen Moment verweilte. Daten dieses Tierfotos: Canon EOS 20D, ISO 400, Brennweite 200 mm, Belichtung 1/400 s, Blende 5,6 (Foto: A. Niehues)
Leopard in einer Astgabel: Auch eine kleine Digitalkamera macht gute Bilder, sofern das Objektiv stimmt. Daten dieses Tierfotos: Canon EOS 350D, ISO 400, Brennweite 400 mm, Belichtung 1/200 s, Blende 7,1 (Foto: A. Niehues)
Kakadu: Dieses Foto ist nicht sehr gelungen: Der Kakadu wurde von oben fotografiert und nicht auf Augenhöhe. Darüber hinaus ist aufgrund der Blendeneinstellung der Hintergrund und Vordergrund viel zu unruhig. Daten dieses Tierfotos: Canon EOS 350D, ISO 100, Brennweite 80 mm, Belichtung 1/250 s, Blende 8 (Foto: A. Niehues)