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06.03.2008 Ralf Gotthardt, GlobusLine

Schlittenhunde machen Urlaub in Finnland (Teil 1)

Die Hinreise - 21 Hunde auf dem Weg in den Norden

Ralf und Christiane Gotthardt von der Huskyfarm GlobusLine sowie ihre Doghandlerin Ute und 21 Hunde besuchten Finnland zum Schlittenhundefahren. Wie Menschen und Hunde den Urlaub erlebten, schildert Ralf Gotthardt für uns in seinem mehrteiligen Erlebnisbericht.

Unser Quartier in Finnland. (Foto: L. Hamann)

21 Schlittenhunde und das Team starten mit dem LKW

Pünktlich um 2:30 Uhr waren unsere 21 Schlittenhunde verladen und wir starteten mit unserem LKW in Altmannshausen. Meine Schlittenhunde und ich waren schon häufig zusammen in Finnland, für meine Frau Christiane und unsere Doghandlerin Ute jedoch war es die erste Reise in den hohen Norden. Dementsprechend groß waren die Aufregung und die Spannung der beiden.

Vergessen waren die umfangreichen Vorbereitungen, wir waren unterwegs nach Finnland! Unser Ziel liegt 200 km unterhalb des Polarkreises direkt an der russischen Grenze. Retkikeskus Peuran Polka heißt der Ort, an dem wir 17 Tage in Eis und Schnee mit unseren Siberian und Alaskan Huskys sowie unseren Gästen endlich wieder den Norden spüren und genießen wollten. Drei Erwachsene und 21 nach dem Laufen verrückte und schon trainierte Schlittenhunde zirka 2800 km weit zu transportieren mit allem, was dafür notwendig ist, war schon eine organisatorische Meisterleistung und durchaus mit einem Umzug vergleichbar. Neben der Unterbringung unserer bereits älteren Schlittenhunde, die wir in unserer Abwesenheit gut versorgt wissen wollten, da wir sie nicht mitnehmen wollten, um ihnen die Reisestrapazen zu ersparen, der Buchung der Fähre - die uns viele Nerven gekostet hat, weil unsere ursprünglich schon bestätigte Buchung bei Superfast plötzlich knapp zwei Wochen vor Abfahrt durch die Fährgesellschaft wegen der Schlittenhunde einfach storniert worden war -, der Vorbereitung unseres Fahrzeugs auf einen minus 40 Grad kalten Winter und den Einreisebestimmungen für die Huskys musste an tausend weitere Sachen gedacht werden. Was nicht eingepackt wurde, das fehlt dann halt, und dies kann an Ort und Stelle sehr unangenehm werden. Zum nächsten Einkaufscenter muss man mitunter bis zu 80 Kilometer weit fahren, was bei total vereisten Straßen auch gefährlich werden kann. Hat man hundespezifische Dinge vergessen, kann die Fahrt gar 240 Kilometer lang werden. So hatten wir unter anderem knapp 300 kg Hochleistungsfutter für unsere Schlittenhunde in Zwanzig-Kilo-Säcken und 240 kg Rindfleisch, drei Schlitten mit komplettem Zubehör, Geschirre und Ersatzgeschirre, Zugleinen, ein Notfallpack für die Hunde, Winterkleidung, die der nordischen Eiseskälte angepasst war, unsere Verpflegung inklusive Getränken und und und im Gepäck. Ein kleiner Umzug eben.

Die erste Etappe der dreitägigen Reise führte uns durch Deutschland nach Travemünde. Auf der knapp elfstündigen Fahrt hielten wir immer wieder an und holten unsere Huskys aus den Boxen. Sie sind zwar gern in diesen Boxen, doch haben sie zwischendurch Durst und müssen sich auch mal lösen. 21 Schlittenhunde auf Parkplätzen aus dem Auto zu holen, ruft immer wieder Erstaunen hervor, und ich will gar nicht wissen, wie viele Rast machende Autofahrer uns für komplett verrückt gehalten haben - viele Blicke sprachen jedenfalls Bände :-).

Ankunft am Hafen - Schlittenhunde erregen Aufsehen

Wider Erwarten fanden wir unser Hafenterminal auf Anhieb. Da wir mit den Huskys auf das Wetterdeck der Fähre gestellt wurden, begann eine endlose Warterei im Hafen von Travemünde. Denn wir mussten warten, bis die Fähre mit allen LKW und dann auch noch allen PKW beladen war, bevor wir als letzte auf das Wetterdeck gelotst wurden. Wir nutzten diese Zeit, um unsere Schlittenhunde aus den Boxen zu nehmen, sie vor der Überfahrt zu füttern und ihnen Gelegenheit zu geben, sich zu lösen. Auch im Hafen von Travemünde gaben wir mit unseren Huskys wieder ein nicht so alltägliches Bild ab. Wir wurden beobachtet, mehr oder weniger argwöhnisch beäugt, von Interessierten tausend Dinge gefragt :-). Ganz nebenbei bekamen wir auch mit, dass das Wetter in Finnland momentan sehr gut sein sollte. Das klang doch schon einmal ganz gut. An dieser Stelle möchten wir auch mal den Angestellten von Finnlines (an Land und an Bord) danken, die sich gut um uns gekümmert haben. Was immer wir auf der Fähre für die Huskys brauchten - wir bekamen es. Es wurde extra Platz für unsere Schlittenhunde gelassen, sodass wir sie - wann immer wir wollten - ans Stake-Out aus den Boxen nehmen und gut versorgen konnten.

Die Huskys hatten schon in der Vorbereitungsphase gespürt, dass dies keine unserer "normalen" Reisen werden würde und führten sich vorbildlich auf und heulten doch nicht wie erwartet das ganze Schiff zusammen. Vor allem unser Schlittenhunde-Nachwuchs, der so etwas ja nun überhaupt nicht kannte, aber auch die Nordic-Erfahrenen waren auf die Zeit in Finnland körperlich und mental vorbereitet, nachdem sie sich ausgeruht, gefressen und geschlafen hatten. Spätestens auf der Fähre wussten sie, wohin es ging, da bin ich mir sehr sicher.

Eine kleine Geschichte noch am Rande. Ein finnischer LKW-Fahrer namens Marco hatte sich Knall auf Fall in unsere Doghandlerin Ute verliebt und ihr während der ganzen Überfahrt den Hof gemacht. Er machte ihr sogar einen Heiratsantrag, plante mit ihr bereits den Umbau des Hauses, versprach Ute, sich Schlittenhunde anzuschaffen. Sie konnte sich seinen Heiratsplänen nur entziehen, weil wir uns mit den Huskys auf den Weg in den Norden machten. Er war sehr traurig, als wir von Bord gingen. Ute weniger :-).

Abfahrt in Travemünde und Ankunft im Hafen von Helsinki

Pünktlich um 3:00 Uhr verließ das Schiff den Hafen von Travemünde, und nach 27 Stunden und 1300 km Seeweg kamen wir morgens um sieben Uhr im wunderschönen Naturhafen Helsinki an. Die morgendliche Einfahrt in den Hafen durften wir auf gar keinen Fall verpassen. Da wir die Schlittenhunde um 1:00 Uhr noch einmal aus den Boxen gelassen hatten, konnten wir uns gleich auf den Weg in Richtung Norden machen. Vor uns lagen immerhin noch 730 km auf Straßen, die in Deutschland jeden Verkehr zusammenbrechen lassen würden. In Finnland wird nicht gestreut, nur Schnee geschoben. Dadurch entsteht eine zentimeterdicke Eisschicht auf den Straßen, die mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt ist. In Finnland darf auch noch mit Spikes gefahren werden, und es sind wirklich gute Winterreifen notwendig. Darauf hatte uns auch an Bord noch einmal eine nette ältere Finnin sehr eindringlich aufmerksam gemacht. Dazu kommt, dass es im Dezember bereits um 14:30 Uhr dunkel wird (ja, wirklich um halb drei nachmittags), was das Fahren nicht gerade einfacher macht. Doch wir erreichten um 20:00 Uhr nach 13 Stunden Autofahrt ohne irgendwelche ernsthaften Zwischenfälle oder uns verfahren zu haben und nach drei Tagen Gesamtreisezeit unser Ziel im Norden Finnlands an der russischen Grenze. Unsere Schlittenhunde hatten allesamt die Reise ohne Probleme überstanden. Lediglich mussten wir ein paar Mal anhalten, um die Scheinwerfer von Eis und Schnee zu befreien. Sonst war es dunkel vor dem Auto. Und dunkel heißt wirklich dunkel. Pausen für Tankstopps und die Husky-Versorgung waren natürlich ebenso eingeplant. In Finnland sind der Diesel und das Benzin übrigens erheblich billiger als bei uns in Deutschland. Je weiter wir in den Norden kamen, desto kälter wurde es, und der Schnee nahm zu. Einfach herrlich. Wir konnten bizarre Eisformationen an gefrorenen kleinen Wasserfällen beobachten, und überhaupt ist Finnland ein schönes Land.

Direkt nach der Ankunft verlegten wir unsere Schlittenhunde aus den Boxen in ihre Zwinger. Schnee, den einige Huskys das erste Mal in ihrem Leben sahen, Kälte und nach der langen Zeit in den Boxen endlich Bewegungsfreiheit ließen sie aufgeregt herumspringen und vor Freude heulen. Es war wunderbar, ihnen zuzuschauen. Die Schlittenhunde hatten während der Reise eine spürbare Wandlung durchgemacht und zeigten uns nun unmissverständlich, dass sie bereit waren, vor dem Schlitten zu laufen. Doch das musste noch ein wenig warten. Zunächst einmal war unser LKW zu entladen. Die Frauen inspizierten erst einmal unsere Unterkunft und waren ganz freudig überrascht, wie schön warm und gemütlich alles war. Die Reihenfolge der Inspektion verlief irgendwie "frauentypisch" - erst die Toilette, dann das Bad, danach die Betten und die Küche und schließlich der Rest :-). Als wir alles entladen hatten und die Huskys gefüttert waren, zollte die Reise ihren Tribut. Wir waren einfach nur müde, und nach einem kurzen Snack und Willkommenstrunk auf Finnland und unseren Urlaub legten wir uns in die Betten.

Vorschau auf den zweiten Teil

Im zweiten Teil des Reiseberichts wird Ralf Gotthardt von der Freude der Schlittenhunde über das Fahren auf Schnee und Eis erzählen. Lesen Sie, wie sicher Schlittenhunde auf blankem Eis laufen können, wie gefährlich es werden kann, einen Schneeanker zu setzen und warum die Huskys im Dunkeln besser laufen.

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weitere Bilder:

Das Hundequartier und unser Huskytruck. (Foto: L. Hamann)
Ein Blick auf den See neben der Unterkunft. (Foto: L. Hamann)
Doghandlerin Ute beim Entladen des Trucks. (Foto: L. Hamann)
Hundezwinger für die Schlittenhunde. (Foto: L. Hamann)
Christiane lässt die Schlittenhunde in den Auslauf. (Foto: L. Hamann)
Unterkunft mit Christiane, einem Husky und Truck. (Foto: L. Hamann)