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09.03.2015 Melissa Seitz, Hundebesitzerin

Hundebetreuung: Ein kleiner Ratgeber für die Suche (Teil 2)

Wie Sie erkennen, dass Ihr Vierbeiner sich in der Betreuungsstätte wohlfühlt

Hundepension, Hundehotel, Hundetagesstätte oder Hundesitter? Im ersten Teil berichteten Melissa Seitz, Hundebesitzerin und Rita Markus, Hundesitterin, über die Auswahlkriterien und Schwierigkeiten bei der Unterbringung des geliebten Vierbeiners. Weitere Tipps, zum Beispiel zu Hundepensionen mit Rudelhaltung, Probetagen und eventuellen Schadensfällen geben sie nun hier.

Hunde einer Hundepension mit kleiner Rudelhaltung. (Foto: Melissa Seitz/Rita Markus)

Wie sieht das neue Rudel aus?

Wenn Sie sich für eine Hundebetreuung entscheiden, dann ist es in der Regel so, dass Ihr neuer Betreuer auch andere Hunde in seiner Obhut hat. Mit der Zeit bildet sich bei jedem Hundesitter ein Rudel heraus, welches aus Stammkunden besteht, die regelmäßig kommen. Lassen Sie Ihren Hund z. B. während Ihrer Berufstätigkeit betreuen, wird auch er irgendwann Teil dieses Stammrudels sein. Daher ist es umso wichtiger zu erfragen, wie sich dieses Stammrudel zusammensetzt. Wie hoch ist das Durchschnittsalter? Hunde im Alter um sechs Jahre mögen in der Regel nicht so gern aufdringliche und spielfreudige Welpen in ihrem Dunstkreis. Diese vorwitzigen Hundekinder kennen keine Grenzen und werden daher schon mal von der älteren Generation in ihre Schranken gewiesen. Grundsätzlich ist das kein Problem und auch Teil eines erwünschten Lernprozesses, doch sollte hier definitiv das Größenverhältnis stimmen. Wenn ein entnervter Labrador - ja, das gibt es auch - einen überaufdringlichen Dackelwelpen maßregelt, kann das durchaus in Verletzungen und Negativerfahrungen münden, die keiner für seine Fellnase möchte.

Behinderte und alte Hunde hingegen genießen oft einen Freifahrtschein. Hier gibt es kaum bis gar keine Schwierigkeiten, einen solchen Hund in eine neue Gruppe zu integrieren. Diese Hunde werden mit Respekt behandelt und sind bereits nach wenigen Minuten Teil der neuen Gruppe. Behinderte und alte Hunde wollen nicht streiten. Sie streben in der Gruppe keinen hohen Rang an. Ihnen genügt ein friedliches, ruhiges Domizil mit einer bequemen Decke und der ein oder anderen Leckerei. Sie wollen einfach entspannt vor sich hin leben und niemanden in ihrer Nähe, vor dem sie sich fürchten. Sie genießen die Gesellschaft, doch mitmachen wollen sie nicht. Sie schauen lieber zu. Böse Zungen behaupten, dass sich das Stammrudel hier Vorteile durch die Anwesenheit des Seniors erhofft. Man munkelt sogar, dass Senioren und körperlich eingeschränkte Hunde Menschen besonders gut manipulieren könnten, sehr zum Wohlgefallen des restlichen Rudels, aber das sind nur dunkle Legenden, die sich Hunde untereinander berichten.-

Ebenfalls eine wichtige Entscheidungshilfe sind die Aktivitätsgewohnheiten des neuen Rudels. Ich tu meinem Hundesenior beispielsweise keinen Gefallen, wenn ich ihn in eine Gruppe lauffreudiger und agiler Jungspunde gebe.

Domizil passt, Rudel passt, Hund fühlt sich tendenziell wohl - wie geht es weiter?

Auch wenn der erste Eindruck stimmt und Sie das Gefühl haben, Ihr Hund könnte sich in der Betreuungsstelle wohl fühlen, sollten Sie dennoch einen Probetag vereinbaren. Eine seriöse Betreuungsstelle bietet solch einen Probetag auch immer unentgeltlich an. Nur auf diese Weise können Sie einschätzen, ob Ihr Hund sich noch immer wohlfühlt, wenn Sie nicht mehr anwesend sind und er sich länger mit der neuen Situation auseinander setzen muss. Daher sollte sich Ihr Hund während des Probetags auch mindestens einen halben Tag bei seinem neuen Betreuer aufhalten.

Um Ihrem Vierbeiner die Eingewöhnung zu erleichtern, sollten Sie ihm zum Probetag etwas Vertrautes mitgeben. Hier empfehle ich eine seiner Liegedecken, eines Ihrer getragenen Kleidungsstücke oder Ähnliches. Spielzeug scheidet an dieser Stelle aus. Im Idealfall freut sich die anwesende Hundegruppe über das Geschenk und zerlegt es in seine Einzelteile. Es könnte aber auch ein Streit über dieses Spielzeug entbrennen, da Ihr Hund es als rechtmäßiger Besitzer nicht unbedingt in fremde Pfoten bzw. Mäuler geben möchte. Dies wiederum könnte zur Empörung beim Hunderudel führen, welches in der Folge den Ausschluss des Neulings beschließen könnte. Solch eine Erfahrung sollten Sie Ihrer Fellnase ersparen. Ihr Hund soll und möchte schließlich Freundschaften schließen und nicht schon am ersten Tag der Depp sein.

Nach dem Probetag

Nach dem Probetag in der Hundepension können Sie eigentlich schon sehr sicher sagen, ob die Betreuungsstelle die richtige Wahl ist. Wenn Sie noch ein letztes Quäntchen Unsicherheit quält, könnten Sie ein paar Tage nach dem Probetag nochmals einen Spaziergang in der Nähe des neuen Domizils machen. Wie zufällig könnten Sie dann auch am Haus des Hundesitters vorbeiflanieren. Wie reagiert Ihr Hund? Ist er interessiert? Erkennt er den Ort des Geschehens wieder oder will sogar nochmals von sich aus vorbei schauen? Dann ist alles geritzt. Hat Ihrem Hund der Probetag nicht gefallen, wird er Ihnen das bei dieser Gelegenheit ebenfalls durch ausweichendes Verhalten demonstrieren.

Betreuungsvertrag oder mündliche Absprache?

Sie haben den richtigen Betreuungsplatz für Ihre Fellnase gefunden und jetzt geht es ans Eingemachte. In Hundehotels/-pensionen werden Sie sicherlich einen Betreuungsvertrag erhalten, in dem alles Wichtige schriftlich festgehalten wird. Im privaten Bereich ist dies eher unüblich. Dennoch sollte man gerade dann alle Eventualitäten abstimmen. Ein gewissenhafter Hundesitter wird sich an dieser Stelle interessiert zeigen, grundlegende Dinge klären wollen und Ihre Wünsche zu bestimmten Vorgängen erfragen.

Was sollte unbedingt vor der Betreuung im Privathaushalt geklärt werden?

Bevor Sie Ihren Vierbeiner in die betreuenden Hände einer Privatperson geben, wird diese sich nach Besonderheiten rund um Ihre Fellnase erkundigen. Ist eine Läufigkeit zu befürchten? Hat der Hund besondere Verhaltensweisen wie z. B. den Nachbarhund als Feindbild, grundsätzlich Angst vor Wiederkäuern oder Ähnliches? Müssen Tabletten verabreicht werden? Gibt es körperliche Beeinträchtigungen, die der Hundesitter bei seinem Umgang mit Ihrem Hund berücksichtigen muss, wie z. B. Rückenprobleme oder HD?

Im Vorfeld ebenfalls abzustimmen ist die Möglichkeit eines Schadenfalls. Wer haftet, wenn Ihr Hund plötzlich den Don Quichote mimt und im Kampf gegen Windmühlen die Couch zerlegt? Kommt hierfür Ihre Versicherung auf? Auch müssen Sie sich Gedanken darüber machen, wie Ihr Hundesitter Verletzungen behandeln soll. Wer kommt für die Kosten auf? Gerade wenn Ihr Hund als Urlaubsbetreuung für mehrere Tage oder Wochen am Stück bei Ihrem Hundesitter verbleibt, sind hier klare Absprachen wichtig. Akute Verletzungen und Notfälle lässt ein Hundesitter erfahrungsgemäß beim Tierarzt bzw. der Tierklinik in der Nähe behandeln. Befindlichkeitsstörungen, die nicht lebensbedrohlich sind, lassen sich sicherlich beim Tierarzt Ihres Vertrauens beheben.

Am unangenehmsten ist sicherlich die Frage nach der Vorgehensweise im Todesfall. Gerade wenn Hundesenioren in die Betreuung gehen, sollte dies kein Tabuthema sein. Auch noch mitten im Leben stehende Hunde sind genau wie wir Menschen nicht vor dem plötzlichen Tod gefeit, sei es durch einen Unfall oder organische Defekte. Natürlich möchte man sich als Hundehalter ungern mit diesem Thema auseinandersetzen, doch sinnvoll ist es allemal, vor allen Dingen, falls Sie während der Betreuung nicht erreichbar sein sollten.

Was kostet mich die Betreuung meiner Fellnase?

Auch hierzu kann man keine allgemein gültige Aussage treffen. Die Angebote variieren je nach Leistungsangebot. Erfahrungsgemäß ist ein Hundehotel bzw. eine Hundepension kostspieliger als die Unterbringung im Privathaushalt, da die gewerblichen Betreuer viele Gemeinkosten abzudecken haben, die im Privathaushalt in dieser Dimension nicht anfallen. Grundsätzlich möchte aber auch der private Hundebetreuer für seine Dienstleistung adäquat entlohnt werden. Im Ruhrgebiet liegt die Richtschnur z. B. bei 15 bis 20 EUR/Tag. Dieser Wert ist natürlich variabel und nicht bundesweit gültig. In München oder Hamburg müssen Sie sicherlich für einen Betreuungsplatz tiefer in die Tasche greifen, in eher ländlichen Gebieten könnte es günstiger sein.

Bevor Sie mit dem Gedanken spielen zu feilschen, sollten Sie sich Folgendes vor Augen führen: Bei einer 24-Stunden-Betreuung inkludiert der Preis nicht nur die stete Anwesenheit des Hundesitters, sondern auch Futter und Leckereien, Spielzeug, welches bei Defekt ausgetauscht wird, regelmäßig gewaschene Liegemöglichkeiten, Ersatz für angeknabberte Hausschuhe oder zerkratzte Türzargen, Utensilien für die Fellpflege und nicht zuletzt das Benzin für regelmäßige Autofahrten in diverse Naherholungsgebiete. Ist das Wetter schlecht und Ihre Fellnase sieht aus, als wäre sie gerade dem nächsten Tümpel entstiegen, schleppt sie diese Naturmitbringsel sowohl ins Auto als auch in die Wohnung des Hundesitters. Diese Hinterlassenschaften, ebenso wie alle anderen großen und kleinen Malheure unserer Vierbeiner zu entfernen, ist ebenfalls im Preis mit inbegriffen. Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, lässt sich sehr schnell ermitteln, ob ein Betreuungsangebot preislich angemessen ist oder nicht.

Die Entscheidung liegt bei Ihnen

Nun habe ich Ihnen allerhand Informationen an die Hand gegeben, um das Thema "Hundebetreuung" eventuell aus einem anderen Licht zu betrachten. Möglicherweise sind Sie aber auch verunsicherter als vorher und fahren lieber mit Ihrem Hund zusammen in den Urlaub. Dennoch sollte sich jeder Hundehalter meines Erachtens mit dem Fall der Fälle beschäftigen und dafür sorgen, dass er die Möglichkeit hat, seinen Hund im Notfall unterzubringen. Vielleicht können Sie auch Freunde oder Verwandte aktivieren, den Notfallbetreuer zu geben, doch für all diejenigen, die diesen Luxus nicht haben, bietet die Hundebetreuung ein Sicherheitsnetz.

Mein Fazit als Hundehalterin

Die Möglichkeit, meine Labbi-Dame Sira von Anfang an in eine Hundebetreuung geben zu können, hat es mir als berufstätigem Single - und davon gibt es ja statistisch gesehen immer mehr - ermöglicht, dennoch einen Hund zu halten. Anfangs hatte ich befürchtet, dass sich meine Fellnase abgeschoben fühlen könnte. Ja, schlimmer noch, ich glaubte, sie wolle irgendwann wahrscheinlich gar nicht mehr mit mir nach Hause gehen, weil das Leben bei mir im Vergleich zur Partystimmung in der Hundebetreuung geradezu langweilig anmutet. Aber nein, so ist es nicht gekommen! Mein Hund genießt die Zeit in der Betreuungsgruppe, sie hat "Hundefreunde" gefunden und sicherlich viele Dinge gelernt, die ich ihr als Mensch gar nicht beibringen konnte. Dennoch freut sie sich alle vier Beine und die Rute ab, wenn ich sie zum Feierabend abhole. Dann lässt sie Hundekumpels Kumpels sein und schmeißt sich lieber mit mir zusammen auf die Couch, denn ihr Leben mit mir ist nicht langweilig, nur anders.

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