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14.06.2013 Claudia Hußmann, Hundeschule "Schnettlersche Mühle"

Clickertraining für Hunde (Teil 2): Einsatzmöglichkeiten

Clickertraining im Alltag und als Helfer bei der Hundeerziehung

Im ersten Artikel über das Clickertraining berichtete uns Claudia Hußmann, Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin, was Clickertraining eigentlich ist und wie es, gezeigt am Beispiel Maulkorb anlegen, funktioniert. Im zweiten Teil geht es um die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Clickers.

Clickertraining: Pfötchen geben. (Foto: C. Hußmann)

Tatsächlich wird Clickertraining oft mit Tricktraining gleich gesetzt. Aber wie das Beispiel des Maulkorbtrainings bereits zeigt, stimmt das nicht. Oder man definiert einfach Sitz, Platz, Fuß und Komm als Trick und schon funktioniert es. Dem Hund ist es völlig egal, ob er Platz oder Männchen machen lernt. Der Unterschied zwischen Trick und “Gehorsamsübungen” ist nur in den Köpfen der Menschen. Und die verhalten sich anders, wenn es um “ernste” Übungen geht.
Mit anderen Worten: Man kann mit dem Clicker alles trainieren. Und ich behaupte sogar, man kann damit Dinge trainieren, die man auf andere Weise gar nicht oder nur sehr schwierig trainieren kann. Das liegt daran, dass der Hund merkt, dass er durch sein Verhalten seine Umwelt beeinflussen kann. Dadurch machen auch sogenannte sture Hunde sehr gerne mit. Außerdem fühlt sich der Mensch wohler, wenn er nicht in eine Situation gedrängt wird, sondern selbst entscheiden kann, wie weit er gehen möchte und wann er sich noch wohl fühlt. Vielleicht dauert die eine oder andere Übung vor allem bei Clickereinsteigern etwas länger, aber dafür geschieht das Training mit Spaß.

Der Clicker im Alltag

Egal, ob Übungen wie Sitz, Platz, Fuß oder Komm draußen oder solche wie “Geh in dein Körbchen” oder “Mach Sitz, wenn Besucher kommen” im Haus trainiert werden sollen, mit dem Clicker hat man einen freudig mitarbeitenden Hund.
Wichtig ist, dass die Menschen ihren Fokus verändern. Nicht mehr “Dies oder jenes soll mein Hund nicht tun!”, sondern “Mein Hund soll genau das tun!”.
Beispiel: Statt “Mein Hund soll nicht an Besuchern hochspringen!” überlegt man sich, was der Hund tun soll: “Wenn Besucher kommen, soll mein Hund sich zwei Meter von der Haustür entfernt hinsetzen und dort brav warten.”. Wenn man vor Augen hat, was der Hund TUN soll, kann man einen Trainingsplan erstellen und mit dem Hund trainieren.   

Der Clicker bei Problemen

Gerade bei Problemen mit dem Hund leistet der Clicker wertvolle Dienste. Das Maulkorb-Beispiel habe ich absichtlich gewählt. Für die meisten Menschen ist der Maulkorb negativ besetzt. Dabei kann er gute Dienste leisten und wenn mit einem Hund, wie im letzten Artikel beschrieben, das Maulkorbtraining durchgeführt wird, zieht er den Maulkorb gerne und freiwillig auf und führt ihn auch noch stolz spazieren. Es ist unbezahlbar, wenn ein Hund beim Tierarzt nicht noch zusätzlichen Stress bekommt, weil er vielleicht mal einen Maulkorb tragen muss. Das kann übrigens bei jedem Hund notwendig sein. Bei starken Schmerzen kann es passieren, dass auch der friedlichste Hund mal anfängt um sich zu beißen. Da ist jeder Stressfaktor weniger Gold wert.

Ängstliche Hunde haben die Chance, selbst zu entscheiden, wie viel sie sich zutrauen. Und werden dadurch immer sicherer. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Hund zwinge, zu einem Objekt zu gehen, vor dem er Angst hat oder ob ich ihn dafür belohne, wenn er sich traut, dort hinzuschauen, sich einen Schritt zu nähern und irgendwann bis an das Objekt heranzugehen.
Wenn jemand Angst vor etwas hat, z.B. vor Spinnen oder Schlangen, kann er das sicher gut nachempfinden. Gibt einem jemand 10 € für jeden Schritt, den man sich freiwillig nähert, ist das sicher angenehmer, als wenn einem die Tarantel einfach auf den Arm gesetzt wird.
Ich bekomme häufiger Tiere aus dem Tierschutz, die ängstlich und/oder aggressiv sind und überhaupt keine Chance auf Vermittlung haben. Als erstes lernen sie bei mir immer den Clicker kennen. So habe ich die beste Möglichkeit, mit diesen Hunden zu kommunizieren und die Tiere können immer selbst entscheiden, wie weit sie bei einem Training gehen können. Ich kann andererseits bei aggressiven Hunden jedes “bessere” Verhalten punktgenau belohnen.

Clickertraining nicht nur für Hunde

Ursprünglich wurde das Clickertraining eingesetzt um Delfine für eine Show zu trainieren. Diese Tiere kann man nicht mit Hilfsmitteln dazu zwingen, etwas zu tun. Weil das so gut klappte, setzte die Pionierin des Clickertrainings - Karen Pryor - diese Art des Trainings auch bei anderen Tieren ein.

Es dauerte zwar lang, bis wir auch in Europa und speziell in Deutschland mit dieser Form des Trainings angefangen haben, aber in den letzten Jahren hat man das Potential des Clickertrainings erkannt und es wird immer häufiger eingesetzt. Inzwischen werden damit Zootiere trainiert, die sich dadurch stressfrei Blut abnehmen oder eine Spritze geben lassen. Immer häufiger wird das Clickertraining auch bei Pferden, Katzen, Vögeln, Mäusen und anderen Haustieren eingesetzt.

Fazit

Clickertraining macht einfach nur Spaß - Mensch und Tier. Ich kann nur jedem empfehlen, es einmal zu probieren. Auch wenn es inzwischen viele gute Bücher darüber gibt, ist ein Kurs immer noch die beste Methode, diese Art des Trainings zu erlernen. Insbesondere, wenn man bisher anders gearbeitet hat, ist es von Vorteil, wenn man gerade am Anfang durch einen guten Clickertrainer unterstützt wird. Er hilft nicht nur bei Timingproblemen, sondern gibt auch noch viel Hintergrundwissen weiter.
Für mich ist Clickertraining inzwischen mehr als eine Trainingsmethode geworden – es ist inzwischen meine Lebenseinstellung!

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weitere Bilder:

Clickertraining: Gib fünf! (Foto: C. Hußmann)
Clickertraining ist auch mit einem Huhn möglich. (Foto: C. Hußmann)