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31.05.2013 Claudia Hußmann, Hundeschule "Schnettlersche Mühle"

Clickertraining für Hunde (Teil 1): Clickern für Anfänger

Was ist Clickertraining, wie funktioniert es und wie fange ich damit an?

Inzwischen gibt es kaum einen Hundebesitzer, der nicht zumindest schon mal etwas von Clickertraining gehört hat. Oft wird es auch mit Tricktraining gleichgesetzt. Das gesamte Potential des Clickertrainings erschließt sich erst nach einiger Zeit. Im folgenden Artikel gibt Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin Claudia Hußmann einen Überblick darüber, was Clickertraining ist und zeigt anhand eines Beispiels, wie es funktioniert.

Verschiedene Clicker. (Foto: C. Hußmann)

Was ist Clickertraining überhaupt?

Beim Clickertraining teilt man dem Hund mittels eines sogenannten Markersignals mit, dass er etwas richtig gemacht und sich eine Belohnung verdient hat. Dazu wird meist ein sogenannter Clicker genutzt. Das ist so eine Art Knackfrosch, wie wir ihn aus Kindertagen kennen. Dabei erzeugt ein Metallplättchen durch Drücken ein sehr markantes Geräusch. Inzwischen gibt es Clicker in allen möglichen Variationen. Man kann alternativ auch ein anderes Geräusch oder ein Wort verwenden. Dieses sollte dann aber auch die speziellen Eigenschaften eines Clickers besitzen:

  • Das Geräusch/Wort kommt sonst nicht im Alltag vor
  • Das Geräusch/Wort klingt immer gleich
  • Das Geräusch/Wort ist kurz und prägnant
  • Das Geräusch/Wort bedeutet IMMER, dass es eine Belohnung gibt

Genau aus diesem Grund ist das Wort “fein” nicht sehr gut geeignet. Denn das Wort “Nein” hört sich sehr ähnlich an, hat aber meist eine völlig andere Bedeutung und wenn man mal erkältet ist, hört sich das “fein” wieder ganz anders an. Außerdem sagt man es häufig schnell mal dahin ohne eine Belohnung folgen zu lassen.
Wer also statt des Clickers ein Wort oder Geräusch verwenden möchte, nimmt am besten so etwas wie “topp”, “yes”, “click” oder “clack” oder einen Zungenschnalzer. Egal, wofür man sich entscheidet, es sollte sehr kurz und knapp ausgesprochen werden, um den richtigen Zeitpunkt zu “markieren”, d.h. zu kennzeichnen, genau jetzt hat der Hund das richtige Verhalten gezeigt.

Konditionierung: Der Hund lernt die Bedeutung des Clickers

Um den Clicker beim Training einsetzen zu können, kann man ihn zunächst konditionieren. Ich schreibe bewusst kann, es funktioniert auch, wenn man einfach beim Training damit anfängt. Im Tierheim geht das oft gar nicht anders.
Die Konditionierung erfolgt, indem man den Click mehrmals in zeitlich kurzer Abfolge mit einem Leckerli paart. Also zuerst Click und sofort danach ein gutes Leckerli. Diesen Ablauf wiederholt man, bis man merkt, dass der Hund beim Click schon auf das Leckerli wartet. Bei manchen Hunden ist das bereits nach 5 Clicks der Fall, andere Hunde brauchen 50 Clicks. Bei Welpen geht es meist sehr schnell.
Wenn der Clicker konditioniert ist, kann man ihn beim Training einsetzen. Eine praktische Möglichkeit erkläre ich jetzt.

Ein Beispiel aus der Praxis: Maulkorbtraining

Ziel ist, dass der Hund seine Schnauze freiwillig in den Maulkorb steckt, man den Maulkorb schließen kann, der Hund sich mit dem Maulkorb bewegt und nicht versucht, ihn abzustreifen.
Zunächst überlegt man sich die Trainingsschritte bis zum Ziel. Das könnte in diesem Fall so aussehen:

  1. Maulkorb hinhalten, der Hund schaut ihn an.
  2. Maulkorb hinhalten, der Hund tippt mit der Nase dran, egal wo.
  3. Maulkorb hinhalten, der Hund tippt mit der Nase an die Öffnung.
  4. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase ein kleines Stückchen rein.
  5. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase tiefer rein.
  6. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase immer weiter rein bis er sie ganz hineinsteckt.
  7. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase rein und lässt sie für eine Sekunde dort.
  8. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase rein und lässt sie nach und nach immer länger dort.
  9. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase rein, lässt sie dort und der Riemen wird kurz über den Kopf gelegt.
  10. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase rein, lässt sie dort und der Riemen wird kurz zugemacht und wieder geöffnet.
  11. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase rein, lässt sie dort und der Riemen wird für einige Sekunden zugemacht und wieder geöffnet.
  12. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase rein, lässt sie dort, der Riemen wird zugemacht und der Hund läuft einen Schritt mit Maulkorb.
  13. Maulkorb hinhalten, der Hund steckt die Nase rein, lässt sie dort, der Riemen wird zugemacht und der Hund läuft nach und nach mehr Schritte.

Wenn der Trainingsplan steht, bewaffnet man sich mit Hund, Maulkorb, Clicker und kleinen weichen Leckerli, die der Hund gerne mag. Es ist von Vorteil, wenn der Hund nicht gerade gefressen hat und satt ist.
Am besten hält man den Maulkorb hinter den Rücken, holt ihn hervor und zeigt ihn dem Hund. Die meisten Hunde sind dann neugierig und schauen hin oder tippen sogar schon mit der Nase dran. In genau dem Moment, wo die Nase Richtung Maulkorb oder sogar dran geht, kommt der Click und im Anschluss das Leckerli.
Um möglichst schnell zum Ziel zu kommen, hat es sich als günstig erwiesen, wenn man immer so lang bei einem Trainingsschritt bleibt, bis der Hund 5 gute Versuche hatte, dann wird die Schwierigkeit erhöht, d.h. man geht zum nächsten Trainingsschritt. Überspringt der Hund einen Schritt, ist das nicht weiter tragisch. Dann geht das Training eben etwas schneller als geplant. Als Trainer sollte man darauf vorbereitet sein.
Bleibt man bei einem Schritt stecken und kommt nicht weiter, muss man den Schritt nochmals zerlegen. Wenn der Hund beim obigen Beispiel Panik bekommt, wenn man den Maulkorb schließt, kann man zwischen dem 9. und 10. Schritt noch einen Zwischenschritt einbauen, bei dem man einfach den Riemen ein bisschen länger festhält, aber noch nicht zumacht.
Es kann also passieren, dass du mehrere Schritte in einer Trainingseinheit abarbeitest. Es sollte nicht passieren, dass du gar nicht vorwärts kommst. In dem Fall solltest du deine Schritte zerlegen. Das Ziel ist, dass der Hund so wenig Fehler wie möglich macht.

Warum wird dem Hund der Maulkorb nicht einfach angezogen?

Genau hier liegt der Unterschied zwischen herkömmlichem Training und Clickertraining. Natürlich funktioniert es auch, wenn man dem Hund einen Maulkorb aufsetzt. Spätestens, wenn er drauf ist, kann der Hund sich ja nicht mehr wehren.
Aber wie fühlt sich der Hund dabei und wie verhält er sich mit dem Maulkorb auf der Nase? Manche Hunde „frieren ein“, d.h. sie bewegen sich gar nicht mehr. Aber meist sind die Hundehalter die ganze Zeit damit beschäftigt, den Hund vom Versuch abzuhalten, sich den Maulkorb wieder abzustreifen. Die Rute geht in der Regel nach unten, wenn nicht sogar zwischen die Beine. Von Wohlfühlen kann keine Rede sein!
Wenn ich meinen Hunden einen Maulkorb hinhalte, versuchen drei Hunde ihre Nasen freiwillig hinein zu bekommen und haben überhaupt keinen Stress.
Für mich ist das ein gewaltiger Unterschied.

Das war Teil 1 des Artikels über das Clickertraining. Im zweiten Teil verrät Claudia Hußmann, wie der Clicker im Alltag und bei Problemen helfen kann.

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weitere Bilder:

Hund kommt freudig zum Maulkorb. (Foto: C. Hußmann)
Hund lässt sich gern den Maulkorb anlegen. (Foto: C. Hußmann)
Die Übung mit dem Maulkorb wird wiederholt. (Foto: C. Hußmann)
Auch hier ein freudiges Arbeiten durch den Clicker. (Foto: C. Hußmann)