gelesen: 3.404 mal
16.08.2013 Sandra Hofmeister, Inh. "Die Zamperlschule"

Welpenspielstunde - ja oder nein?!

Worauf Sie bei der Wahl der Welpengruppe achten sollten

Erfahrungen, die Hundewelpen in den ersten Monaten ihres noch jungen Lebens machen, prägen sie nachhaltig. Sowohl gute als auch schlechte Erlebnisse formen den Hund zu dem, was er später wird. Viele Hundebesitzer überlegen deshalb, ihren Welpen in die Welpenspielstunde zu bringen. Diese hat jedoch nicht immer positive Auswirkungen auf den Welpen. Welche Gefahren lauern und worauf Sie bei der Auswahl der Welpengruppe achten sollten, verrät Ihnen Hundetrainerin Sandra Hofmeister in diesem Artikel.

Ein aufmerksamer Hundewelpe in der Welpenspielstunde. (Foto: S. Hofmeister)

Nun ist das neue Familienmitglied da und man möchte ihm den bestmöglichen Start in sein zukünftiges Leben bieten. Man hat sich zuvor eingehend informiert, was ein Welpe alles während der Sozialisierungsphase kennen lernen sollte, ist hochmotiviert alles richtig zu machen und würde gern eine Welpengruppe besuchen.

Beim Thema Welpenspielstunde scheiden sich die Geister. Für einige ein unentbehrlicher Bestandteil der Welpenentwicklung, anderen eher ein Dorn im Auge. Fakt ist: eine schlecht geführte Welpengruppe kann mehr Schaden anrichten, als ganz auf den Besuch derselben zu verzichten.

Das ganze Leben ist ein Spiel?

Liegt das Hauptaugenmerk der Welpenspielstunde tatsächlich nur darin, die Hundekinder 60 Minuten ohne Pause nahezu unkontrolliert miteinander spielen zu lassen, wird es schwierig. Die jungen Hunde sollten immer wieder die Gelegenheit haben, "herunterzufahren". Das Spiel mit den Gleichaltrigen wird oft grob, wenn der Zeitpunkt verpasst wird, an dem die Hunde eigentlich schon müde sind und man sie immer weiter spielen lässt. Wird dann auch noch hündisches Verhalten fehlinterpretiert und Mobbing-Situationen, in denen sich der Welpe in der "Opferrolle" schon sichtlich nicht mehr wohl fühlt, als Spiel deklariert oder Thesen aufgestellt wie "Das regeln die alles unter sich" oder "Da muss er jetzt durch", lernen die Welpen, dass Ihre Menschen nicht vertrauenswürdig sind und von ihnen keine Unterstützung zu erwarten ist, wenn sie bedrängt werden und es ihnen einfach zuviel wird. Als Resultat hiervon wird der Welpe auch im Alltag in einer Gefahrensituation eher nicht Schutz bei seinem Besitzer suchen, denn auf diesen ist ja kein Verlass, wie er erfahren musste, sondern sich selbst helfen. Häufig entsteht daraus dann eine Angst-Aggression, ganz im Sinne "Angriff ist die beste Verteidigung".

Die Mischung in der Welpenspielstunde macht’s

Bei der Wahl der richtigen Welpengruppe sollte darauf geachtet werden, dass sich Spiel- und Ruhe- bzw. Übungsphasen abwechseln.

Das Welpenspiel ist wichtig, damit die Hundekinder ein angemessenes Verhalten ihren Artgenossen gegenüber erlernen. Für den Besitzer ist es unerlässlich, Körpersprache und Kommunikation unter Hunden einschätzen zu können. Daher sollte während der Spielphasen in der Welpenspielstunde dahingehend eine Schulung von Seiten des kompetenten Trainers erfolgen. Wann wird es meinem Hund zuviel? Wann muss ich ihn beschützen und vor allem wie? Die Klärung dieser und weiterer Fragen ist wichtig, damit der Hundehalter im Alltag nicht überfordert ist, sondern weiß, was zu tun ist. Kann sich der kleine Welpe auf seinen Menschen verlassen, bietet er ihm Schutz und lässt ihn auch mal "Hund" sein, sind das die besten Vorraussetzungen für ein harmonisches Mensch-Hund-Team.

Länger als 10-15 Minuten sollte eine Spielphase nicht dauern, damit sich die Gemüter nicht zu sehr erhitzen. Im Wechsel mit Konzentration- und Ruheübungen wird die Welpenspielstunde optimal genutzt. Das spielerische Erlernen erster Kommandos, wie z.B. Abruf, "Sitz", lockere Leine gehen, sollte in kurzen Einheiten von wenigen Minuten geübt werden, denn lange kann sich der Welpe noch nicht konzentrieren. Auch sinnvolle Beschäftigungen sollten auf dem Programm in der Welpenspielstunde stehen. Erste kleine Such- und Apportierspiele machen auch schon den kleinsten Spaß.

Frischgebackene Hundebesitzer haben viele Fragen zu Themen wie Stubenreinheit, Alleine bleiben uvm. Auch hierfür sollte in der Welpenspielstunde etwas Zeit eingeplant sein, während die Hundekinder eine kleine Auszeit bekommen und somit gleich die Erfahrung machen, dass auch in der Gruppe nicht immer Action angesagt ist.

Die Qual der Welpenspielstunden-Wahl

Fazit: Lassen Sie sich nicht verunsichern! Wenn Sie drei Hundetrainer fragen, bekommen Sie fünf Meinungen. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und wählen Sie die Welpengruppe sorgsam nach oben genannten Kriterien aus. Sie sollten sich dort gut aufgehoben fühlen. Neben den fachkompetenten Anleitung und Erklärungen darf natürlich der Spaß auch nicht zu kurz kommen! Ein Kasernenhofton wäre hier völlig Fehl am Platz. In freundlicher und entspannter Atmosphäre lernt es sich leichter – sowohl für den Hund, als auch für den Halter!

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

Snautz.de sucht Hunde- und Katzenfans, die uns z.B. eine bestimmte Rasse, Gesundheitsthemen oder anderes Wissenswertes über die Vierbeiner in einem Artikel näher bringen möchten. Teilen Sie uns Ihre Artikelidee einfach per Mail an magazin@snautz.de mit...

Links zum Artikel:

weitere Bilder:

Müde von der Welpenspielstunde: Ausreichend Schlaf ist besonders wichtig, damit neu Gelerntes verarbeitet werden kann. (Foto: S. Hofmeister)
Zwei Hundewelpen beim Spielen in der Welpenspielstunde. (Foto: S. Hofmeister)
Sinnvolle Beschäftigung in der Welpenspielstunde: Apportieren macht Spaß! (Foto: S. Hofmeister)