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28.02.2017 Snautz.de

Welpensozialisierung: Welpen richtig sozialisieren

Oder: Was Hündchen nicht lernt, lernt Hund nimmermehr

Welpensozialisierung bedeutet für einen Welpen zu lernen, sich in unsere menschliche Gesellschaft einzuordnen. Der Welpe ist beim Züchter ausgezogen und hat die erste Sozialisierungsphase dort hinter sich. Nun ist er bei seinem neuen Besitzer und egal, was er in seiner ersten Heimat gelernt hat, nun ist der neue Besitzer für die Sozialisierung verantwortlich. Hier geben wir Ihnen einige Tipps.

Junghunde werden langsam und ruhig an die anderen Haustiere gewöhnt. Hier ist eine Katze das Objekt der Neugierde. (Foto: Annett Schwerdtfeger)

Die Welpensozialisation beginnt sobald der Welpe bei seinem neuen Hundebesitzer einzieht. Und sie beginnt mit Ruhe, denn Sie möchten einen ruhigen Hund. Charakter und Vererbung der Wesensmerkmale seiner Eltern, sein angeborenes Temperament und weitere verschiedene rassespezifische Merkmale spielen eine Rolle für die Sozialisierung des Welpen. Lassen Sie den Welpen in dieser ersten Zeit erst einmal bei sich ankommen. Lassen Sie ihm Zeit und Ruhe. Er ist von seinem ersten "Rudel" entfernt worden, ist in der neuen Heimat und muss sich neu einordnen. Spaziergänge, Besuche von Verwandten, andere Hunde, wenn sie nicht zur neuen Familie gehören - lassen Sie dies alles nicht zu. Die ersten Tage mit dem Welpen gehören nur Ihnen, Ihrer Familie und dem neuen Familienmitglied. Viele neue Hundebesitzer machen in dieser Sozialisierungsphase den Fehler, dass sie den kleinen Hund bzw. Welpen überlasten. Der Welpe ist eigentlich noch ein Baby, alles für ihn ist neu und es macht wenig Sinn, ihn in den ersten Tagen mit zu vielen Informationen zuzuschütten.

Es ist die Zeit der Einbindung für den Welpen, die Zeit, um die Zuneigung und die Zugehörigkeit an seine neue Familie kennenzulernen. Jeder Welpe benötigt dafür eine andere Zeit. Nicht die Bewegung ist für den Welpen in diesen ersten Tagen ein Problem, sondern zu viele Informationen. Die Welpensozialisierung bedeutet, dass er mit anderen Menschen und Artgenossen gut umgehen kann, stress- und angstfrei sein neues Leben erlernt. Er muss die neue Umgebung kennenlernen, Signale von seinem neuen Menschen verstehen. Die Anpassung und das Lesen der Signale von anderen Hunden ist teilweise angeboren oder von der Mutterhündin erlernt. Nun muss er die Signale der Menschen erlernen, um unbeschadet durch seine ersten Lebensmonate zu kommen. Daher ist in dieser ersten Zeit eine gute vertrauensvolle Bindung an seine neuen Lebensgefährten immens wichtig.

Nun muss man sich überlegen, was der neue Gefährte alles so kennenlernen muss, was für ihn in der nächsten Zeit wichtig ist. Wohnt er in der Stadt oder wohnt er auf dem Land? Muss er mit der Straßenbahn oder gar mit dem Zug fahren oder sind eher Schafe, Hühner und viele Rehe und Hasen sein Alltag? Egal, was auf ihn zukommt, mit der Eingliederung in sein neues Leben kommt viel auf ihn zu. Nämlich unsere Welt.

Kommandos bei der Welpensozialisierung

Wenn der kleine Welpe bei seinem Züchter ausgezogen ist, kommt er in die neue Familie. Kommandos muss er nun lernen, Regeln werden aufgestellt, ein besonders Verhalten ist erwünscht. Souverän und immer mit Ruhe führen Sie nun den Welpen durch den Alltag. Kommandos ergeben sich von allein, eine Schonzeit gibt es für den kleinen Neuankömmling aber nicht. Unbewusst setzt man oft den Welpen die ersten Tage auf einen Thron, schüttet ihn mit Liebe, Streicheleinheiten und Lob zu und wundert sich dann, wenn er diesen Thron nicht mehr verlassen möchte. Warum sollte er auch, es sitzt sich doch sehr schön da oben. Und was ist ein Lob noch wert, später in seiner Ausbildung, wenn er jede Minute ein Lob bekommt.

Soll der Welpe zum Beispiel nicht am Stromkabel knabbern, ertönt Ihr "Nein". Auch wenn der Welpe klein ist, muss er lernen, dass dieses "Nein" mit dem Einhalten seiner Tätigkeit einhergeht. Wenn Sie dort an dieser reizarmen Stelle Ihr "Nein" nicht erklären, können Sie es zwar fünf mal wiederholen, Sie brauchen sich aber später nicht zu wundern, dass er bei einem gesichteten Reh auf Ihr "Nein" nicht reagiert. Sollten Sie bereits schon einmal einen Welpen groß gezogen und sich damit das Wissen einer guten Sozialisierung angeeignet haben, ist es leichter. Ansonsten, Augen auf bei der Sozialisierung des Welpen. Schauen Sie Hundebesitzern, bei denen der Hund sehr gut sozialisiert wirkt, über die Schulter und holen sich Rat. Sie haben Verwandte, Freunde, Nachbarn oder treffen jemanden beim Spazierengehen, dessen Hund sehr gut sozialisiert ist, dann lassen Sie sich helfen. Alle Hundebesitzer lieben ihre Hunde und "Wissende" geben ihr Wissen gern weiter. Vielleicht wird ja eine Gassigemeinschaft daraus. Sollte dieses alles nicht der Fall sein, finden Sie bestimmt eine gute Hundeschule in der Nähe. Diese hilft Ihnen bei der Sozialisierung des Welpen.

Welpensozialisierung bei Hundeschule, Hundetrainer und in Welpenspielgruppen

Eine Hundeschule oder ein Hundetrainer hilft gerne weiter. Hundeschulen gibt es viele mit mehr oder weniger Erfahrung oder Qualität. Aber wie findet man eine wirklich gute Hundeschule? Über Mundpropaganda zum Beispiel. Wenn Sie genügend Hundebesitzer kennen und alle reden lobend von einer bestimmten Hundeschule, dann sind Sie meistens schon auf dem richtigen Weg. Ansonsten, weiter Augen auf und auf das Bauchgefühl verlassen. Beginnen Sie mit einen Schnuppertag. Jede gute Welpenschule wird Ihnen erlauben, an einem Tag kostenlos zuzusehen. Gute Hundeschulen überlassen die Welpen in der Sozialisierung nicht sich selbst. Sie sind dabei, loben die Welpen oder unterbrechen unangebrachtes Verhalten oder eine gefährliche Situation und lassen die Welpen niemals unbeobachtet. Und niemals ertönt der Satz "Das klären die selber."

Wichtig ist auch die Anzahl der teilnehmenden Hunde. Die Welpengruppen sollten nicht zu groß sein, damit man die Hunde jederzeit im Blick hat und lenken kann. Ebenfalls ist die Kommunikation zwischen Hundetrainer und dem Hundebesitzer wichtig. Der Hundebesitzer sollte jederzeit wissen, warum ein Trainer nun etwas macht und es sollte im schlüssig erklärt werden können. Schließlich soll nicht nur eine Welpensozialisation statt finden, sondern auch der Welpenbesitzer soll für sein Leben mit dem neuen Familienmitglied gerüstet werden und in seine Rolle als Hundeführer hinein wachsen. Hundetrainer, die nur Fachchinesisch sprechen, zeigen zwar viel Fremdwortkenntnis, sind aber noch lange keine guten Trainer. Eine gute Hundeschule kostet Geld, aber jeder Euro ist dort gut angelegt. Beim Erlernen der Kommandos während der Welpensozialisierung passiert fast alles über Spiel und Freude, der Welpe und der Mensch sollten sich wohlfühlen. Jede Übung wird vorher besprochen und der Sinn der Übung wird Ihnen erklärt.

Die Hunde sollten nach Größe, Alter und Temperament zusammenpassen. Ein zwölf Wochen alter Rottweiler kann einen zwölf Wochen alten Chihuahua ohne Weiteres überrennen und körperlich schädigen. Schnell wird er dann als der Böse abgestempelt, aber er hat nichts falsch gemacht. Hier hat der Trainer vielleicht nur die Größe und das Temperament der teilnehmenden Hunde nicht beachtet. Einen ängstlichen Hund zwischen zwei Rabauken zu stecken wird in der Regel nicht dazu führen, dass sich der ängstliche Hund vielleicht irgendwann einmal wehrt, sondern wird ihn nur noch ängstlicher und zum Angstbeißer machen. Und seinem Herrchen wird der Hund auch nie wieder trauen, denn dieser bringt ihn ja in diese völlig unangenehme und für den Welpen Panik auslösende Situation. Daher ist eine gute Hundeschule wichtig für die spätere Beziehung zu anderen Hunden.

Welpensozialisierung mit anderen Hunden

Der Züchter in der Welpenprägung und die Hundeschule haben sich Mühe gegeben und in der Hundeschule klappt es prima. Nun muss es nur noch zu Hause klappen, auf dem Spaziergang zum Beispiel. Bitten Sie daher ihren Hundetrainer, an einem Spaziergang mit Ihrem Hund teilzunehmen. Er wird Ihnen Tipps geben. Aber bei aller Sozialisierung Ihres Welpen auf andere Hunde sollte man die Gefahr durch andere Hunde nicht vergessen. Nicht jeder andere Hund ist freundlich und nicht jeder andere Hund mag Welpen. Daher schützen Sie zuerst immer Ihren eigenen Welpen. Bitten Sie Besitzer anderer Hunde, den eigenen Hund anzuleinen. Schicken Sie fremde Hunde, die Ihren Hund bedrängen, weg. Schlechte Erfahrungen, die der Welpe in der Zeit der Sozialisierung mit anderen Hunden macht, können Sie fast nie korrigieren. Ein Welpe, der schmerzhaft gebissen wird, speichert die Gefahr durch andere Hunde in seinen Erfahrungen ab und wird sich diesen nicht mehr, wie bisher, unvoreingenommen nähern. Entweder reagiert er ängstlich und will fortlaufen oder er pöbelt. Wenn er älter wird, geht er sofort in den Selbsterhaltungsmodus über und pöbelt oder greift an. Welpen, die stark verletzt werden, können sogar traumatisiert sein. Ein gutes Vertrauensverhältnis und die Sicherheit in den Kommandos lässt den Welpen immer zu Ihnen kommen, sollte die Situation auf ihn gefährlich wirken, oder Sie können ihn zurückrufen.

Bei Spaziergängen mit anderen Hunden ist es am besten, erst einmal ein wenig nebeneinander herzulaufen. Hunde nehmen bei diesem Wandern schon Kontakt miteinander auf. Am besten ist es, wenn man bei diesem Nebeneinanderhergehen die Harmonie zwischen den beiden Hunden spürt. Benimmt der fremde Hund sich friedlich und rücksichtsvoll, steht einem gemeinsamen Spiel fast nichts im Wege. Beachten Sie auch hier die Größenunterschiede. Ein ausgewachsener Hund kann den Welpen im Spiel auch unabsichtlich verletzen.

Kinder und Erwachsene

Ein Kind ist nicht dazu geeignet, den Welpen zu erziehen oder Regeln aufzustellen. Und es ist auch nicht in der Lage, einen Welpen, der richtig spielen und fetzen will, zu unterbrechen und in geordnete Bahnen zu lenken. Das machen die Eltern und auch nur sie sind dafür verantwortlich. Stellen Sie als Eltern klare Regeln auf, für das Kind und den Hund. Was darf man und was darf man nicht? Diese Regeln können in jedem Haushalt anders sein, sie sollten aber die Grundlagen von Respekt und rücksichtsvollem Umgang zwischen Hund bzw. Welpen und Kind und umgekehrt beinhalten. Es wird nicht zu derb gespielt, wäre eine Grundlage für beide. Es wird keiner geärgert, wäre eine andere. Wir nehmen uns gegenseitig nichts weg, wäre noch eine, besonders wenn es um Essen und Futter oder Spielzeug geht. Und jeder gibt mal Ruhe, wäre auch zu beachten. Zum Beispiel wäre es hilfreich, wenn Sie Ihrem Kind, aber auch dem Besuch erklären, dass der Welpe keinen anspringt. Noch ist er klein und alle finden das Anspringen lustig, ein Zustand, der sich bei großen Hunderassen schnell ändert. Aber der Welpe hat das Anspringen frühzeitig gelernt, er wurde dafür sogar noch belobigt durch freundliche Worte und Streicheln. Sie können von Ihrem Besuch und den Kindern nicht verlangen, dass diese das unterbinden. Das ist eine Aufgabe für Sie, notfalls ziehen Sie den Hundetrainer hinzu. Hunde und Kinder haben mit Ihrer Hilfe den respektvollen Umgang mit dem anderen Individuum zu erlernen. Sollte in der Welpenprägungsphase beim Züchter schon am Umgang zwischen Kind und Hund gearbeitet worden sein, kommt Ihnen das nun zugute. Fragen Sie ihn danach, woran er gearbeitet hat, um den Welpen zu sozialisieren und bauen Sie darauf auf. Eventuell hat er Tipps für die ersten Tage des Welpen bei Ihnen zu Hause.

Autos, Stadt, Umfeld

Es kommt so viel auf den Welpen zu in den ersten Monaten, dass man es gar nicht alles benennen kann. Machen Sie sich daher eventuell eine Prioritätenliste, was er als erstes kennenlernenmuss. Leben Sie z. B. in einer Gegend, wo viele Menschen spazierengehen, dann beginnen Sie damit. Jogger, Menschengruppen, lärmende Kinder werden Ihren Weg kreuzen. Die Prägung auf sein Umfeld ist bei der Welpensozialisierung sehr wichtig. Welpen stehen Neuem sehr aufgeschlossen gegenüber, sie sind wissbegierig und verlieren ihre Angst schnell. Autos muss der Welpe kennenlernen, vorbeifahrende Züge und viele andere Geräusche. Dabei soll er nicht schreckhaft sein, daher setzen Sie Ihren Welpen all diesen Alltagssituationen aus, damit er lernen und das Erlernte abspeichern kann. Geduld, Ruhe und Verständnis sind dabei wichtig. Und ein Welpe, der gelernt hat, Ihnen zu vertrauen und dass er bei Ihnen sicher ist, wird alles schneller und leichter erlernen. Versuchen Sie bei der Gewöhnung an den Alltag Stress zu vermeiden. Beginnen Sie langsam und machen Sie Pausen, sodass der Welpe das Erlernte positiv verarbeiten kann und nicht von Außenreizen überflutet wird. Er muss nicht alles an einem Tag kennenlernen, sondern positiv Stück für Stück. Jede Übung, jedes zusammen gemeisterte Abenteuer schweißt Sie und den Welpen fester zusammen.

Es ist alles nicht so schwer wie es klingt bei der Welpensozialisierung. Aber es ist manchmal mühsam und Geduld ist gefragt. Eine Geduld, die sich auszahlt, denn mit einem gut sozialisierten Hund steht Ihnen die Welt offen. Begrenzen Sie nicht Ihre und die Lebensqualität des Hundes, Sie haben ihn eine lange Zeit.

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Mit dem Hund gemeinsam etwas unternehmen und erfolgreich meistern sorgt für eine gute Bindung zwischen Herrchen und Hund. Diese Übungen lassen sich gut in einer Hundeschule, aber auch auf einem Hundeplatz trainieren. (Foto: Petra Schreyer)
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles, was ein Hund später in seinem sozialen Umfeld kennen muss, kann ihm als Welpe mit Geduld beigebracht werden. Das Fahren in einem Hundeanhänger für Transporte durch die Stadt kann dazu gehören. Hier kann man den Hund als Welpen gut anlernen, da er als Junghund auf längeren Touren noch nicht mithalten kann. (Foto: Judith Tahn)