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27.03.2017 Snautz.de

Wie entsteht der Welpenpreis?

Warum ein Welpe vom Züchter mehr kostet als andere

Rassehundwelpen haben ihren Preis. Aber wie kommen diese Preise zustande? Warum sind sie oft so unterschiedlich und warum kosten die Hunde vom Züchter mehr Geld als Hunde ohne Papiere? Und welche Kosten hat ein Züchter, bevor er den ersten Welpen verkauft? Wir sind diesen Fragen zum Welpenpreis einmal nachgegangen.

Die Wurmkur wie auf diesem Bild, die tägliche Kontrolle und die nötigen tierärztlichen Untersuchungen des Welpen sind wichtig und schlagen sich auf den Welpenpreis nieder. (Foto: Daniel Jung, Schäferhunde vom Altenburger Land)

Der Welpenpreis wird wie jeder andere Preis vom Markt bestimmt, dieser allein bestimmt in erster Linie, was ein Welpe oder Hund kostet. Begehrte und seltene Welpen haben einen höheren Preis. Kommt eine Hunderasse in Mode, dann werden Preise schnell höher. Paris Hilton hat es geschafft, durch ihren Handtaschenhund den Zwergpinscher zur Mode zu machen, die Schäferhunde hatten einen Aufwind bei "Kommissar Rex" und bei "Ein Schweinchen namens Babe" waren es die Border Collies. Die Preise für diese Rassen stiegen, die Hunde wurden gesucht und die Züchter hatten mehr Welpen. Preise für Rassehunde unterliegen nur der Nachfrage, aber ob begehrt oder nicht begehrt, muss der Züchter trotzdem seine eigenen Kosten decken. Diese sind vielfältig und einige dieser Kosten gehen dann später auch auf den Welpenkäufer über. Aber was muss ein Hundezüchter alles kalkulieren?

Die Zuchthündinnen

Der Züchter muss sich geeignete Zuchthündinnen suchen. Wenn er sich diese Hündin als Welpen zukauft, beginnt für den Züchter die Zeit des Wartens. Tierärztliche Untersuchungen sind nötig, Prüfungen müssen abgelegt werden und der Hund muss schlussendlich zuchttauglich geschrieben werden. Das bedeutet, dass Züchter teilweise eine Hündin aufziehen können, bei der im Alter von anderthalb Jahren ein körperliches Manko festgestellt wird. Dann hat er einen Hund mehr bei sich zu Hause, wenn er ihn nicht abgibt, und die ganze Zeit des Wartens beginnt von vorn. Sollte so ein Pech bei zwei Hunden hintereinander vorkommen, haben sich für den Züchter schon einige Kosten gehäuft, ohne dass er nun endlich einen neuen Zuchthund hat oder einen Welpen verkaufen konnte. Das tägliche Futter und die Tierarztkosten nicht zu vergessen.

Der Deckrüde

Das Gleiche gilt für den geeigneten Deckrüden. Hat der Züchter einen geeigneten Hausrüden, zieht ihn sich ab Welpenalter selbst groß, benötigt er für diesen Zeit und Geld. Kauft er sich einen ausgewachsenen Deckrüden dazu, der alle Prüfungen und Gesundheitsbescheinigungen hat, eventuell erfolgreich an Ausstellungen teilnahm, liegen die Kosten für diesen Hund schnell bei 5.000 € und wesentlich höher. Hat er keinen passenden Deckrüden zu Hause, muss er einen fremden Rüden zum Decken nehmen. Dieser wohnt nicht immer gleich in der Nähe, er muss oft weit fahren. Passt das Deckdatum nicht richtig und die Hündin ist noch nicht in der Standhitze, heißt es eine Unterkunft zur Übernachtung mieten. Will er noch einmal nachdecken, dann hat er den Weg noch einmal, wenn er nicht gleich in der Nähe des Deckrüden übernachtet. Und dann kommt zusätzlich natürlich eine Decktaxe hinzu. Die beginnt bei Zuchthunden mit rund 350 € und hat nach oben ebenfalls sehr viel Spielraum. Manchmal reservieren sich auch die Deckrüdenbesitzer einen Welpen aus diesem Wurf. Und dann muss das Decken natürlich geklappt haben. Manche Hündinnen lassen sich nicht decken, manche Hündinnen nehmen nicht auf bzw. werden nicht tragend. Dann kann der Züchter oft, je nach Vereinbarung, in der nächsten Läufigkeit noch einmal kostenlos zum Decken fahren, Benzin und Hotel bekommt er aber auch nicht zurück.

Die Zeit

Viele Züchter haben meistens mehrere Hunde. Das ist auch richtig so, dens sie verfolgen ein Zuchtziel. Man lässt eine Hündin zu und muss nun eigentlich die heranwachsenden Welpen beobachten. Ist die Nachzucht zirka ein Jahr alt und es werden keine keine körperlichen oder Wesensmängel festgestellt, könnte man diesen Wurf noch einmal wiederholen. Die Züchter arbeiten oft die ganze Woche, am Wochenende kommen die Welpenkäufer ihre Welpen ansehen. Das kostet den Züchter oft das ganze Wochenende.

Viele Welpenkäufer arbeiten am Samstag und können nur am Sonntag ihren zukünftign Welpen besuchen. Der Züchter muss immer Zeit haben, auch für unangemeldete Besucher, die gerade mal zufällig in der Gegend sind und nun mal schnell die Zuchthunde besuchen wollen. Telefonate mit Welpenkäufern rund um die Uhr, die Bitte nach Fotos und das zur Verfügungstehen nach dem Verkauf der Welpen sind normal. Dazu ist ein seriöser Züchter sicher bereit, aber auch das schlägt sich im Kaufpreis nieder. Züchten ist kein Hobby wie Motorradfahren. Als Züchter muss man sich jeden Tag um seine Hunde kümmern, Gassi gehen, Zwinger oder Wohnung säubern, füttern, trainieren und vieles mehr. Und besonders aufwendig ist die Welpenzeit. Welpen in der Prägungsphase beim Züchter müssen auch gut sozialisiert werden.

Jeder Hund sollte wenigstens anderthalb Stunden am Tag bewegt werden. Wenn man mehrere Hunde hat, muss man alle bewegen. Dies wiederum bedeutet, dass man mit allen Hunden gleichzeitig geht oder eben mehr Zeit braucht. Daher wird die Arbeitszeit gekürzt, damit man seine Zuchthunde ordentlich auslasten kann. Auch das schlägt sich auf den Welpenpreis nieder. Manche Züchter arbeiten nicht mehr und widmen sich ganz der Zucht. Oft wird diesen Züchtern nachgesagt, dass sie von ihren Hunden leben. Vielleicht züchten sie aber auch bloß professionell. Auch das macht sich in den Preisen für die Welpen bemerkbar. Mehrere Hunde zu haben ist nicht nur ein Zeit-, sondern auch ein Platzproblem.

Der Platz

Sollte man eine kleinere Rasse züchten, kann man diese vielleicht noch im Haus halten, sicher auch einige Hunde großer Rassen. Wer Hunde in der Wohnung hat, weiß, was das bedeutet. Tägliches Putzen der Wohnung, Gassigehen und Beschäftigen der Zuchthunde. Und wenn die Welpen dann da sind, benötigt man einen extra Welpenraum, wo die Mutterhündin sich in Ruhe um ihre Welpen kümmern kann.
Drei Wochen macht es die Mutterhündin recht gut alleine mit den Welpen, dann müssen die Menschen mit ran.

Bei größeren Rassen wird es schwerer. Dort benötigt man eine Zwingeranlage mit gesondertem beheizbarem Welpenzwinger und einen Auslauf. Da große Hunde viel Bewegung brauchen, muss auch viel trainiert werden. Dazu kann der Auslauf genutzt werden, der aber ausbruchsicher eingezäunt werden muss. Ebenfalls zum Platz zählen die Transportmittel. Ein passendes Auto muss her und notfalls ein Hundeanhänger. Das sind zum größten Teil einmalige Kosten, aber Hunde machen ab und zu auch einmal etwas kaputt. Dieses muss repariert oder neu angeschafft werden.

Sonstiges

Bei allen Hunden kommen noch die Kosten für den Tierarzt, das Futter, das Wasser und die Versicherungen dazu. Mitgliedsbeitrag im Verein sowie die Kosten für Prüfungen, Training und Ausstellungen; wobei auch hier wieder zusätzlich Benzin- und Unterkunftskosten anfallen.

Ein hochwertiges Futter sichert den Welpen einen guten Start ins Hundeleben. Doch auch das hat seinen Preis und schlägt sich auf die Welpenpreise nieder. Die Impfungen kosten Geld, das Ausstellen der Papiere kostet Geld, die Wurfabnahmen durch den Tierarzt kosten Geld und natürlich auch die Wurmkuren. Ein hochwertiges Futter benötigen auch die Zuchthündinnen. Hinzu kommen noch der Impfausweis, in der Regel der EU-Heimtierausweis und das Chippen der Welpen.

Für Winterwürfe benötigen die Züchter einen beheizten, winddichten Welpenraum, später vielleicht einen Zwinger mit Rotlichtlampe. Dabei entstehen Heizkosten bzw. Stromkosten. Sollte er für sein Frischfleisch eine Kühltruhe benötigen, hat der Züchter dafür weitere Kosten. Kocht er Futter für die Welpen, fallen auch hier Stromkosten an.

Die Werbung ist wichtig. Der Bau einer Website, das Werben im Internet, die Pflege seiner Inserate. All das kostet Zeit. Wenn er eine bessere Position im Internet für seine Anzeigen möchte, werden diese besonderen Positionen kostenpflichtig. Dabei erhält er mehr Welpenanfragen, kann sich gegebenenfalls die Welpenkäufer aussuchen. Die Werbung in den Zeitungen ist fast immer kostenpflichtig und nicht billig.

Rassehundwelpen ohne Papiere sind in der Regel billiger. Aber auch hier sind die gefragten Rassen teurer. Nur muss sich der Besitzer dieser Welpen nicht den ganzen kostenpflichtigen Kontrollen unterziehen, sondern man muss sich als Käufer seiner Welpen auf sein Wort verlassen. Oft sind diese Welpen auch nicht gechippt, den Elterntieren fehlen die notwendigen tierärztlichen Kontrollen auf eventuelle Erbkrankheiten.

Und natürlich möchte ein Züchter letzten Endes auch etwas Geld verdienen. Er investiert viel Zeit, Nerven, Schweiß, aber auch ganz viel Liebe in seine Schützlinge. Und gerade die viele Zeit möchte ein verantwortungsvoller Züchter auch bezahlt wissen durch seine Welpenverkäufe. Man sollte es ihm zugestehen, jeder möchte für seine Arbeit entlohnt werden, auch wenn sie im sehr viel Spaß macht.

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weitere Bilder:

Eine Mutterhündin wird in ihrer Welpenzeit stark belastet. Sie muss ausreichend und hochwertig qualitativ gefüttert werden. (Foto: Daniel Jung, Schäferhunde vom Altenburger Land)
Den Welpen muss ausreichend Spielzeug zur Verfügung stehen. Hier sind unter anderen Plastikflaschen mit kleinen Steinen gefüllt, die beim Spielen rasseln. Damit sollen die Welpen laute Geräusche kennenlernen, ohne zu erschrecken. (Foto: Daniel Jung, Schäferhunde vom Altenburger Land)
Für die Welpen muss ausreichend Platz zur Verfügung stehen. Ein angebauter Auslauf ist von Vorteil. (Foto: Daniel Jung, Schäferhunde vom Altenburger Land)
Hochwertiges, nahrhaftes und abwechslungsreiches Futter ist für die Welpen und deren Wachstum wichtig. Den kleinen Welpen muss breiig gefüttert werden, den größeren Welpen wird festere Nahrung angeboten. (Foto: Daniel Jung, Schäferhunde von Altenburger Land)