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06.12.2013 Johanna Klickermann, Tierärztin

Welpenfutter: Warum Welpen eine besondere Ernährung brauchen

Die richtige Ernährung eines Welpen ist keine leichte Aufgabe. Die Zusammensetzung des Welpenfutters sollte regelmäßig angepasst werden, um Über- oder Unterversorgungen zu vermeiden. Worauf man bei der Zusammenstellung achten sollte und welche Folgen eine falsche Ernährung haben kann, erklärt Tierärztin Johanna Klickermann in unserem neuen Artikel.

Welpen stellen besondere Ansprüche an ihr Futter. Wachstumsstörungen entstehen häufig durch zu energiereiches oder mineralstoffarmes Welpenfutter. (Foto: shutterstock@Tony Campbell)

Welpen und Junghunde haben besondere Anforderungen an ihre Ernährung. Fütterungsfehler können in diesem Lebensstadium gravierende Folgen wie Knochenfehlstellungen und Knorpelschäden nach sich ziehen, die den Hund lebenslang begleiten.

Welche Rolle spielt die Energiezufuhr im Welpenalter?

Für eine gesunde Entwicklung des Skeletts, der Organe und der Muskeln ist eine adäquate Wachstumsgeschwindigkeit entscheidend. Am häufigsten lässt sich das übereilte Wachstum auf eine fehlerhafte Ernährung mit energiereichem Futter zurückführen. Hierfür sind hauptsächlich allgemeine Dosierungsangaben auf der Verpackung und Welpenfutter, das nicht auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmt ist, verantwortlich.

Durch eine fütterungsbedingt erhöhte Energiezufuhr nimmt der Hund schneller an Gewicht zu als sich das Skelett ausbilden kann. Das Skelett kann das überproportional schwere Körpergewicht nicht ausreichend unterstützen. Dies führt zur Überlastung der Knochen. Ein zu schnelles Wachstum kann dauerhafte Probleme wie Gliedmaßenfehlstellungen oder Knorpelschäden verursachen. Auch bei einer Fehlernährung im Bereich der Mineralstoffe, die eine Störung des Knochenstoffwechsels zur Folge hat, können Erkrankungen des Bewegungsapparates auftreten. Genetisch bedingte Erkrankungen, wie z. B. die Ellenbogen- oder Hüftgelenkdysplasie können durch eine falsche Ernährung im Welpenalter begünstigt werden.

Für die Gewichtskontrolle ist die Verwendung sogenannter Wachstumskurven zu empfehlen. Mit diesen bei Tierärzten (und online auf futalis.de) erhältlichen Entwicklungskurven kann das Gewicht genauestens erfasst und nachverfolgt werden. Auf diese Weise lässt sich ein vorschnelles Wachstum frühzeitig erkennen und vermeiden.

Welchen Einfluss hat das Protein?

Während der Wachstumsphase sollten Hundehalter auf eine angemessene Nährstoffzufuhr achten, um Über- oder Unterversorgungen zu vermeiden. Da sich der Nährstoffbedarf bei Welpen und Junghunden beinahe täglich ändert, ist eine bedarfsangepasste Menge an Energie und Protein sowie eine adäquate Ration an Mineralstoffen und Vitaminen für eine gesunde Welpenernährung wichtig. Weil gerade am Anfang ein intensives Wachstum zu verzeichnen ist, sollte ein Protein zu Energie Verhältnis von mind. 15 g vRp (verdauliches Rohprotein) je MJ ME (Megajoule metabolisierbare Energie) vorliegen. Dieses Verhältnis kann im Entwicklungsstadium schrittweise auf 12 g und bei adulten Hunden später auf 10 g gesenkt werden.

Das optimale Verhältnis von Kalzium und Phosphor im Welpenfutter

Die Mineralstoffe Kalzium und Phosphor spielen eine bedeutende Rolle in der Wachstumsphase. Als Bestandteile der Knochen sind beide Elemente an der Mineralisierung der Knochen und Entwicklung des Skeletts beteiligt. Gerade in der Wachstumsphase ist das richtige Verhältnis der beiden Komponenten entscheidend (ideales Ca/P Verhältnis 1,2:1 bis 1,5:1). Zudem ist eine bedarfsgerechte Versorgung mit Kalzium und Phosphor für eine gesunde und natürliche Entwicklung wichtig. Bei selbst zubereiteten Rationen kommt es häufig zu Fütterungsfehlern. Zum einen treten nicht selten Unterversorgungen bei ausbleibenden Mineralstoff-Ergänzungen auf. Zum anderen kommen häufig Überversorgungen vor, wenn etwa Hunde zu ihrer ausgewogenen Ration zusätzliche Eierschalen-Gaben oder Mineralstoffpulver bekommen. Hundehalter sollten daher stets den genauen Mineralstoffbedarf kennen und diesen bei der Welpenfutter-Auswahl beziehungsweise bei der Welpenfutter-Zusammensetzung berücksichtigen. Auch andere Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine müssen in bedarfsgerechter und stetig angepasster Menge gefüttert werden.

Fazit: Welpenfutter kontinuierlich anpassen

Bereits im Welpenalter wird der Grundstein für ein gesundes Hundeleben gelegt. Fütterungsfehler können gesundheitliche Folgen haben und schwerwiegende Erkrankungen in den späteren Lebensjahren verursachen. Der Nährstoffbedarf eines Welpen verändert sich während der Wachstumsphasen in Abhängigkeit von verschiedenen ernährungsrelevanten Faktoren wie zum Beispiel Rasse, Gewicht oder Alter. Deshalb sollten die unterschiedlichen Ansprüche im Wachstum bei der Welpenfutter-Zusammensetzung berücksichtigt und in regelmäßigen Abständen abgestimmt werden.

Über die Autorin: Johanna Klickermann arbeitet als Tierärztin bei futalis in Leipzig. Sie war mehrere Jahre in verschiedenen Kleintierpraxen tätig und widmet sich nun als fachliche Ansprechpartnerin der Betreuung und Beratung von Tierärzten im Bereich Vertrieb. Darüber hinaus begleitet Frau Klickermann als Ernährungsexpertin öffentliche Veranstaltungen und ist für die Erstellung fachspezifischer Texte und Beiträge für unterschiedliche Medien verantwortlich.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

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Wachstumskurve für einen 4-Monate alten Deutschen Schäferhund. Die abgebildeten Wachstumskurven geben in Abhängigkeit des Endgewichtes die optimale Gewichtsentwicklung des Welpen wieder. Ein schnelleres Wachstum ist als kritisch anzusehen. (Foto: futalis)