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21.02.2014 Karin Stegemann, Weißer-Schäferhund-Züchterin

Der Weiße Schäferhund: Ein Hund mit Suchtpotenzial

Die weiße Fellfarbe bei Hunden war schon in der Antike eine bevorzugte Farbe. Aber auch in späteren Zeiten war sie sehr beliebt. Schäfer berichten, dass man weiße Hunde, auch weiße Schäferhunde, früher gern an den Schafherden hatte. Man konnte sie im Dunkeln gut vom angreifenden Wolf unterscheiden. Schäferlatein?

Weiße Schäferhunde Biene (7 Monate) und Branco. (Foto: K. Stegemann)

Ursprung des Weißen Schäferhundes

Kein Schäferlatein ist, dass ein Teil der Vorfahren des heutigen Deutschen Schäferhundes ein Weißer Schäferhund war. In der Ahnentafel des Begründers der Zucht für Deutsche Schäferhunde, Rittmeister Max von Stephanitz, wird als erster Zuchthund "Hektor Linksrhein", oder auch "Horand von Grafrath", genannt. Dessen Vater Greif war eindeutig ein Weißer Schäferhund. Dieser Hund damals war etwas schmaler und sportlicher als die Weißen Schäferhunde heute, aber eindeutig von weißer Farbe. Da damals die Farbe Weiß für alle Erbkrankheiten verantwortlich gemacht wurde, schloss man 1933 den Weißen Schäferhund von der Zucht aus.

Aber natürlich gab es ihn noch. In Deutschland stationierten kanadischen und amerikanischen Soldaten gefiel dieser Hund sehr und so nahmen sie ihn nach Kriegsende mit in ihre Heimat. Dort wurde der Weiße Deutsche Schäferhund dann als Canadisch Weißer Schäferhund weiter gezüchtet. Im gleichen Zeitraum verschwand der Weiße Schäferhund in Deutschland. Später, in den frühen siebziger Jahren kehrte der Weiße Schäferhund wieder nach Europa zurück. Besonders die Schweizer widmeten sich seiner Zucht und die Rasse Berger Blanc Suisse bzw. Weißer Schweizer Schäferhund entstand. Ab 1982 wurde dann auch wieder in Deutschland in eigenständigen Vereinen mit der Zucht begonnen. Lange Zeit waren die Weißen Schäferhunde nicht von der FCI anerkannt. Erst im Jahr 2011 erfolgte eine Anerkennung dieser Rasse durch die FCI.

Die Magie des Weißen Schäferhundes

Wer einmal einen Weißen Schäferhund hatte, weiß, dass man süchtig danach werden kann. Doch was macht den Weißen aus? Der Weiße Schäferhund will immer und überall dabei sein. Er hat ein ausgeglichenes Wesen, aber auch Temperament. Andere tierische Mitbewohner sind für ihn kein Problem. Der Blick aus seinen dunkelbraunen Augen kann Steine erweichen. Es sollte jedoch nie vergessen werden, dass er ein Arbeitshund ist und wie jeder andere Hund auch eine Aufgabe braucht, um sein ausgeglichenes Wesen zu behalten. Die Erziehung sollte konsequent, aber niemals hart oder lautstark sein. Der Weiße Schäferhund ist ein Familienhund für Leute, die bei jedem Wetter gern draußen sind und ihm auch eine Beschäftigung bieten: z.B. Rettungshundearbeit, Tunierhundesport, VPG oder auch Reitbegleithund.

Wie ich zum Weißen Schäferhund kam

Ende der achtziger Jahre habe ich meinen ersten Weißen Schäferhund gesehen. Zu der Zeit hatte ich bereits seit einigen Jahren einen Deutschen Schäferhund. Seitdem dachte ich: Mein nächster Schäferhund wird ein Weißer. Anfang der neunziger Jahre war es dann soweit: Der erste Weiße Schäferhund zog bei uns ein. Nun habe ich nicht mehr nur Hundesport betrieben, sondern jetzt kamen auch Ausstellungen dazu. Ich hatte weiterhin sehr guten Kontakt mit dem Züchter unseres Rüden und wurde auch Mitglied im Rassehundezuchtverein für, damals, Amerikanisch-Kanadische Weiße Schäferhunde.

Mitte der Neunziger war ich dann erstmals bei der Geburt von Weißer-Schäferhund-Welpen dabei. Der Vater war unser Rüde und aus diesem Wurf haben wir einen Rüden behalten. Später kam dann auch noch eine Hündin dazu. In dieser Zeit bin ich auch zur Rettungshundearbeit gekommen. Ich habe etwas gesucht, bei dem Hund und Hundeführer ein Team bilden. Agility machte mir keinen Spaß und VPG war für mich nicht mehr das Richtige.

In all den Jahren bin ich immer in einem Rassehundeverein gewesen, habe viele Ausstellungen besucht und die Rüden standen auch als Deckrüden zur Verfügung. Kim, die die Basis für unsere Zucht gelegt hat, habe ich dann 2009 von einer jungen Familie übernommen, die mit ihr überfordert war. Eigentlich sollte sie nur die Lücke füllen, die ihre Vorgängerin hinterlassen hatte. Aber aufgrund ihres tollen Wesens und Aussehens, habe ich mich dann entschlossen, zu züchten.

Der Tag mit Weißen Schäferhunden - es wird nie langweilig

Sobald sie merken, dass man wach ist, beginnt der großer Überfall mit Abschlecken, Spielzeug ranschleppen und was man noch so alles für Ideen hat, denn man hat den Zweibeiner ja solange nicht gesehen. Für einen Spaziergang sind die Weißen Schäferhunde zu jeder Tages- oder auch Nachtzeit zu haben. Das Wetter spielt keine Rolle, schließlich hat ein Weißer Schäferhund ein wetterfestes Fell. Bei Regen ist er anschließend braun, zumindest unterm Bauch. Auch egal: abrubbeln, trocknen lassen und den Rest rauskämmen - fertig. Notfalls auch mal nur mit Wasser Bauch und Beine abspülen. Der Weiße Schäferhund liebt es, bei der Gartenarbeit zu helfen. Er steht aber auch gerne im Weg, da er alles wissen möchte.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem wunderbaren Leben mit einem Weißen Schäferhund.

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Weiße Schäferhunde Branco (links) und Kevin (Vater von Biene). (Foto: K. Stegemann)
Weiße Schäferhunde Kevin (links hinten), Kim (Mitte) und Branco. (Foto: K. Stegemann)
Unsere Weißen Schäferhunde von links nach rechts: Branco, Biene (8 Monate) sowie Kim und Kevin, die Eltern von Biene. (Foto: K. Stegemann)
Weißer Schäferhund German Dream´s Enya, Rufname Kim. (Foto: K. Stegemann)
Biene vom Schloss Haigerloch (10 Monate) aus unserer eigenen Weißer-Schäferhund-Zucht. Sie ist bei uns geblieben. (Foto: K. Stegemann)
Weißer Schäferhund Branco vom Weichenwang. (Foto: K. Stegemann)
Weißer Schäferhund Baskim Vegas vom Weissen Wächter, Rufname Kevin. (Foto: K. Stegemann)
Weißer Schäferhund Kevin. (Foto: K. Stegemann)