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28.04.2011 Bärbl Runggaldier, Treibballtrainerin

Treibball - Bälle statt Schafe?

Auf der Suche nach einer artgerechten und ausfüllenden Beschäftigung für ihre Hunde hat sich Bärbl Runggaldier in zahlreichen Seminaren und Fortbildungsmaßnahmen weitergebildet und ist schließlich zum Treibball gelangt. Seitdem ist sie bestrebt, als geprüfte Treibballtrainerin Anfängern und Fortgeschrittenen diese Beschäftigung in ihrer Treibballschule zu vermitteln.

Richtungsänderung des Balles. (Foto: B. Runggaldier)

Treibball: Was steckt dahinter?

Bei Treibball geht es darum, mehrere Bälle (Schafe) unter Anweisung des Hundeführers (Schäfers) in ein oder mehrere Tore (Gatter) zu treiben. Aber was steckt dahinter?

Das Treiben orientiert sich an verschiedenen Elementen aus der Hütearbeit. Das Ziel oder Aufgabe des Mensch-Hund-Teams ist es nun, durch zielgerechtes Treiben alle Bälle ins Tor zu bringen, wobei hier der Hund nicht selbststimulierend arbeitet, sondern durch die neben dem Tor stehende Bezugsperson mit Stimme und Handgesten dirigiert wird. Treibball ist aber viel mehr als nur Ball rollen. Die Bereiche Beschäftigung, Kommunikation, Erziehung aber auch Spaß werden dadurch angesprochen.

Der Fantasie sind bei Treibball keine Grenzen gesetzt, zum Beispiel kann man mit mehreren Toren oder Hindernissen arbeiten. Allerdings ist, wie bei jeder neuen Arbeit, darauf zu achten, dass man Treibball nur unter fachgerechter Anleitung beginnt.

Der Hund hat neue Aufgaben

Gerade Hüte- und Treibhunde haben in der letzten Zeit immer mehr an Popularität gewonnen und werden als Familienhund und Freizeitpartner immer beliebter. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass diese Rassen für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet wurden, z. B. zum Hüten von Schafen oder Treiben der Rinder. Da in unserer heutigen Gesellschaft kaum jemand die Möglichkeit hat, Schafe zu halten oder mit seinem Vierbeiner zu hüten, gibt es jetzt eine Ersatzbeschäftigung, die von beiden Seiten eine gute Zusammenarbeit fordert, Spaß macht und noch dazu - ohne die Anschaffung einer Herde von Tieren – durchgeführt werden kann.

Zum Schluss kann es für den Hund im Freien das Futter aus einem Futterbeutel geben, was am Ende der Arbeit sinnvoll und für den Hund, als Jäger, nachvollziehbar ist.

Hunde suchen genau wie wir Menschen in allem was sie tun einen Sinn. Wenn Sie mit Ihrem Hund Aktivitäten entwickeln, bei denen seine natürliche Veranlagung angesprochen wird, ist Ihr Hund gut zu motivieren. Darüber hinaus wir der Hund der Kommunikation mit uns einen höheren Stellenwert beimessen, wenn wir Menschen ihm Entwicklungsmöglichkeiten bezüglich seines angeborenen Verhaltens bieten.

Die Hund-Mensch-Beziehung

Das gemeinsame Tun führt zu einem Miteinander. Gemeinsame Ziele führen zu einer motivierten Zusammenarbeit, das kann jeder Mensch nachvollziehen. Der Wunsch einander zu verstehen, ist dabei sehr groß. "Kooperieren" hat einen direkten Bezug zum "Zusammenleben".

Die Anzahl "arbeitsloser" Hunde in unserer Gesellschaft ist größer als die der Hunde mit einer sinnvollen Aufgabe. Der Hund ist heute ein Luxusprodukt geworden. Treibball bringt viele Vorteile mit sich. Die Kommunikation zwischen Mensch und Hund wird dahingehend gefördert, dass durch wenige Signale effektiv zusammengearbeitet wird. Durch das Dirigieren mit Stimme und Handgesten wird die Aufmerksamkeit und Konzentration gegenseitig gefördert. Es ist Aufgabe des Menschen, ohne Schimpfen und Schreien zum Ziel zu kommen, auf das Individuum Hund zu achten und mit Ruhe zu arbeiten.

Durch das gemeinsame Arbeiten beim Treiben werden die "Führungsqualitäten" des Hundehalters verbessert. Viele Elemente aus der Erziehungsarbeit können spielerisch mit eingebaut werden und müssen nicht stur und langweilig dressiert werden.

Das Treiben gibt auch unsicheren und ängstlichen Menschen die Möglichkeit, sich durch den Umgang mit dem Hund "sicherer" zu fühlen. Treibball baut Vertrauen zwischen Mensch und Hund auf. Bei der gemeinsamen Arbeit ist Spaß das oberste Gebot. Es geht in erster Linie um eine optimale, beziehungsorientierte Zusammenarbeit. Das Treiben macht richtig viel Freude, wenn man das stärkere Bindungsverhältnis zwischen Mensch und Hund, die gemeinsame Freude an der Arbeit an der frischen Luft sowie die natürliche Auslastung des Hundes betrachtet. Der gewonnene Erfolg macht aus Einzelgängern (Spaziergängern) ein Team, das nach getaner Arbeit zufrieden ist. All das sind positive Seiten beim Treiben. Treibball ist zielorientiert.

Der Hund wird durch die gemeinsame Arbeit für den Menschen zum besseren "Partner" und umgekehrt. Treibball wird so nicht nur zu Beziehungstherapie für Mensch und Hund, sondern auch zur Gemeinsamkeit.

Die Begriffe beim Treibball

So versteht man unter:

  • "lift" die Bälle in Bewegung setzen,
  • "driving" bedeutet zielgerechtes Treiben,
  • "outrun" einen Bogen um die Bälle herum laufen,
  • "left" und "right" in die bestimmte Richtung schicken,
  • "gathering" ist das Sammeln der Bälle,
  • "penning" die Bälle in ein Gatter oder Tor treiben.

Für welche Hunde ist Treibball geeignet?

Treibball beschränkt sich nicht auf Hütehunde. Kaum eine Hunderasse findet keine Freude am Treibball oder ist sogar dafür ungeeignet. Wichtig sind nur der Spaß an der gemeinsamen Arbeit, der Drang nach abwechslungsreichen, artgerechten Aktivitäten sowie natürlich eine gewisse Geduld seitens des Hundebesitzers.

Was benötigt man für Treibball?

Für den Anfang einen Ferkelball, ein oder später mehrere Tore, etwa so groß wie ein Handballtor. Es reicht aber auch ein Stoff, der an Stangen befestigt ist. Beim Erfinden eines Tores können Sie Ihrem Einfallsreichtum freien Lauf lassen. Sie brauchen weiterhin Gymnastikbälle, 5 Meter Leine, eine Luftpumpe, Geduld und jede Menge gute Laune. Der Spaß kommt von selbst...

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weitere Bilder:

Treibball im Tor. (Foto: B. Runggaldier)
Treibball gerade voran treiben. (Foto: B. Runggaldier)
Hund und Treibball. (Foto: B. Runggaldier)
Vollster Einsatz des Hundes beim Treibball. (Foto: B. Runggaldier)
Andere Form des Treibballes. (Foto: B. Runggaldier)
Hund mit mehreren Bällen. (Foto: B. Runggaldier)