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15.07.2008 Michael Minzlaff, Tosa-Inu-Zwinger "Globetrotters"

Tosa Inu, der sanfte Riese aus Japan

Hunde aus Japan - die Molosserrasse Tosa Inu ist in Deutschland noch recht selten anzutreffen. "Auch in Europa gibt es nur wenige dieser Hunde und so auch wenige Züchter. Diese Hunde werden aber als Familienhund, als Wachhund und einfach als Begleithund immer beliebter", sagt die Züchter-Familie Minzlaff und berichtet über die Zucht und Geschichte der Hunde. Als gutmutige und sanfte Riesen haben solche Hunde dort ihren Platz gefunden.

Tosa Inus der Familie Minzlaff. (Foto: M. Minzlaff)

Der Beginn unserer Tosa-Inu-Zucht und erste Ausstellungserfolge

Wir können uns diese sanften Riesen nicht mehr wegdenken. Vor über zehn Jahren sind wir recht schnell die Besitzer zweier Tosa Inus geworden. Ein Züchter wollte damals seine Tosa-Inu-Zucht verkleinern und bot uns einen 18 Monate alten Rüden und eine fünf Jahre alte Hündin an. Wir waren schon immer recht fasziniert von diesen Riesen und konnten es kaum erwarten, so etwas seltenes und schönes zu Hause haben. Der Platz war da, die Erfahrung auch und der Wille erst recht. Wir möchten Tosa Inus haben und züchten.

Endlich kamen diese Riesen bei uns an. Sofort konnten wir feststellen, was für eine Anmut und Ruhe sie ausstrahlen. Der Tosa Inu ist von Natur aus ein recht ruhiges Tier, das nur bellt oder Laut von sich gibt, wenn wirklich etwas ist. Da unser Entschluss feststand, dass wir züchten möchten, begannen wir Ausstellungen zu besuchen. So fuhren wir mit unserem Jungrüden Ippon quer durchs Land, sogar bis nach Holland.

Immer hatte Ippon unter den Tosa Inus Erfolg und holte viele Preise. Er war im Laufe der Jahre Jugend-Champion, nationaler sowie internationaler Champion geworden und holte mehrmals den Titel Best of Show, Bester Tosa Inu und Rassebester! Wir waren mächtig stolz auf unseren Dicken, den wir manchmal liebevoll Fettbacke nannten.

Leider war dies nur mit ihm möglich, unsere Hündin lief an der Leine schlecht und wollte sich nicht richtig auf Ausstellungen präsentieren. Und dann klappte es leider mit der Zucht nicht. Die Hündin, wurde immer älter und ließ sich nicht decken. Egal was wir machten und versuchten, es wollte nicht klappen. So vergingen die Jahre ohne Tosa-Inu-Babys und wir waren recht traurig, wollten wir doch von ganzem Herzen mal Welpen aufziehen. Im Alter von neun Jahren wurde die Hündin krank und wir mussten sie von ihrem Leiden erlösen.

Geschichte des Tosa Inus

Die Heimat des Tosa Inus ist Shikoku - die kleinste der vier japanischen Hauptinseln. Mitte des 17. Jahrhunderts war der Hundekampf auch in Japan eine große Leidenschaft. Mit dem Ende der Meji-Epoche endete auch die Isolationspolitik der Japaner. Die hatte zur Folge, dass immer mehr Ausländer und mit ihnen ihre großrahmigen Hunde ins Land kamen. Die Japaner waren von dessen Größe, Kraft und Ausdauer begeistert. Also begann man die eigenen Hunde vom Typ des Akita und Shikoku-Ken mit den ausländischen Hunden zu kreuzen. Wesentlich zum Einsatz kamen dabei 1872 der Bulldog, 1874 der Mastiff, 1876 der Pointer, 1924 die Deutsche Dogge, Bullterrier und Bernhardiner sowie 1954 die Bordeaux-Dogge. So entstand die uns heute bekannte Rasse, welche den Namen der Region erhielt, in der sie erschaffen wurde - Tosa.

Der zweite Weltkrieg war auch für den Tosa beinahe der Niedergang. Es blieben nach dessen Beendigung nur noch eine Handvoll Hunde übrig. Da es in dieser schweren Zeit als unpatriotisch galt, solch große Hunde zu halten - immerhin hungerte die Bevölkerung - brachte man die restlichen Hunde in den besser versorgten Norden. Hier ging man daran, den Tosa neu zu erschaffen. Im Vordergrund der japanischen Zucht stehen Hunde, welche funktional, gesund und ausdauernd sind. Es wurde niemals auf Aussehen gezüchtet. Auch heute noch betreiben die Japaner wenig Linienzucht, sondern bevorzugen die Kreuzzucht, welche eine größere Genstruktur bedingt. Daher erklärt sich auch sein immer noch sehr unterschiedliches Aussehen in Bezug auf Größe, Gewicht, Farbe und Typ.

Der Tosa Inu ist wahrscheinlich der einzige Hund auf der Welt, welcher immer noch zu offiziellen Hundekämpfen herangezogen wird. Allerdings entwickelten die Japaner - gemäß ihrer Mentalität - eine Art des Kampfes, welche in keiner Weise mit dem bekannten Pitbullkämpfen vergleichbar ist. Der Kampf ist von heiligen Ritualen und Prozessionen geprägt. Ähnlich wie beim Sumoringen versuchen sich die Hunde umzuwerfen und auf dem Boden festzuhalten. Geringste Anzeichen von Ängstlichkeit oder Aggressivität oder ein Beißen des anderen Hundes führen zum sofortigen Abbruch des Kampfes. Gekämpft wird ausschließlich zwischen Rüden in zwei Gewichtsklassen.

Trotz dieser Rituale und der Unblutigkeit dieser Kämpfe ist und bleibt der Hunde­kampf eine Perversion, welche von uns abgelehnt wird. Die Züchter achten bei ihren Verpaarungen darauf, ausschließlich Hunde zu verpaaren, welche in keiner Weise aggressiv sind. Die Zahl der aktiven Kämpfer ist so auch in Japan rückläufig.

Heute findet der Tosa seinen Platz weitestgehend als treuer Kamerad der Familie sowie als verlässlicher Wachhund. Zur Zeit gibt es weltweit ca. 3.000 Tosas, wobei der größte Anteil in Japan gehalten wird. In Deutschland gibt es ca. 30 Vertreter dieser Rasse.

Weitere Tosa-Inu-Damen vergrößern unser Rudel

Wir kontaktierten also noch mal den Züchter, wo wir damals unsere ersten beiden herbekommen hatten. Er bot uns kurz darauf wieder eine Hündin an, noch recht jung, top gesund, geeignet für Zucht und Ausstellung. Nach einer Besichtigung beim Züchter holten wir diese schöne und noch recht junge Hündin zu uns. Ippon, unser Tosa-Inu-Rüde, schloss sie einfach sehr schnell in sein Herz, von da an waren diese beiden unzertrennlich. Die Hündin hörte auf den Namen Lulu und bald hatten wir unseren ersten Wurf Tosa-Inus.

Aus diesem Wurf von drei Welpen behielten wir eine Hündin mit dem Namen Animee für uns. Tosa Inus zu züchten ist eine Herausforderung, weil die Welpen eine gute Sozialisierung brauchen. Das heißt, man sollte viel Zeit und Geduld bei der Aufzucht dieser Rasse haben. So können die Welpen bei fremden Menschen recht zurückhaltend, sehr vorsichtig und misstrauisch reagieren. Eine gute Prägung ist von ganz großer Wichtigkeit!

Rasseportrait des Tosa Inus

Der Tosa Inu, oft auch japanischer Mastiff genannt, ist eine der seltensten Hunderassen der Welt. Er findet bei uns seinen Platz als ruhiger und angenehmer Haus- und Wachhund. Der Tosa Inu ist bekannt für seine Geduld, Gelassenheit, Unerschrockenheit und seinen Mut, welche die Grundlagen für sein beschützendes Wesen bilden. Sein Wesen spiegelt viele Attribute der japanischen Mentalität in faszinierender Weise wider. Auf der einen Seite wirkt er sehr zurückhaltend, andererseits aber trägt er seinen Stolz offen zur Schau und wirkt manchmal fast schon arrogant.

Eine gewisse Dickköpfigkeit und großes Selbstbewusstsein sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass er die Mitglieder seiner Familie liebt. Seine Liebe zu Kindern ist schon fast sprichwörtlich. Der Tosa Inu ist ebenso ein Hund für die - ausreichend große - Wohnung, wie für Haus und Garten. Ein Hund für die ausschließliche Zwingerhaltung ist der Tosa allerdings nicht. Nur im Zwinger gehalten, würde seine sensible Psyche schwere Schäden nehmen. Der Tosa Inu gehört in eine Familie. Ob diese nun aus zwei oder mehreren Personen besteht, der Tosa Inu macht alles mit und kann auch überall mit hingenommen werden. Er wird es Ihnen ein Hundeleben lang durch Liebe, Treue und bedingungslose Anhänglichkeit danken.

So aufgeschlossen und lieb der Tosa auf Familienmitglieder wie auf gute Bekannte reagiert, so reserviert - aber niemals aggressiv - verhält er sich in der Regel gegenüber Fremden. Natürlich lässt er sich streicheln, aber Freundschaften werden nicht geschlossen. Der Tosa zeigt seine Zuneigung, indem er selbst ankommt und seine Streicheleinheiten abfordert. Wenn dieses geschieht, wird er sich danach immer an die auserkorene Person erinnern. Gehorchen aber wird er nur seinem Frauchen und/oder Herrchen. Mit anderen Tieren in der Familie gibt es in der Regel keine Probleme. Der Tosabei der Hündin akzeptiert alles, was zu seinem Rudel gehört. Allerdings ist der Tosa leichter als Einzeltier zu halten. Eine Ausnahme bildet hier das Verhältnis Rüde zu Hündin.

Um irgendwelche Machoallüren gegenüber anderen Hunden von vornherein zu unterbinden, ist eine intensive Sozialisation äußerst wichtig. In der Erziehung des Tosas sind die leisen Töne angebracht. Diese allerdings müssen absolut konsequent und autoritär sein. Den Tosa anzuschreien oder gar zu schlagen nützt gar nichts. Solche Fehler verzeiht er nur schwer und straft Sie dafür mit Ignoranz und Verachtung. Aufgrund seiner Sensibilität spürt er sehr schnell, wann Sie missgestimmt sind, oder wann er einen Fehler gemacht hat.

Getreu dem japanischen Sprichwort "die Stillsten sind die Tapfersten" ist der Tosa ein angenehmer ruhiger Hund, welcher sich sehr unauffällig benimmt. Er bellt kaum, ist aber trotzdem ein verlässlicher Beschützer. Er lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen und liebt seinen geregelten Tagesablauf.

Trotz seiner Selbständigkeit ist der Tosa für einen Molosser sehr gelehrig und führig, was aber nicht mit der Führigkeit eines Schäferhundes verwechselt werden darf. Eine Ausbildung zum verkehrssicheren Begleithund, die wir sehr empfehlen, wird der Tosa mühelos absolvieren. Von einer Schutzhundeausbildung raten wir jedoch dringend ab.

Sollten Sie zu den sportlichen Typen gehören, und gern Fahrrad fahren oder joggen, ist der Tosa begeistert dabei (aber bitte nicht vor dem 15. Lebensmonat). Wenn es dann aber mal nur die kleine Runde wird, ist er auch nicht gleich bei der Hündin unausgelastet und unzufrieden.

Der Tosa Inu hat häufig große Würfe mit acht oder mehr Welpen. Die Lebenserwartung liegt bei zehn Jahren. Haltung und Zucht des Tosas sind im Augenblick noch echte Pionierarbeit, da es in Europa nur sehr wenige Hunde gibt. Aber jeder, der den Tosa mit seiner Zurückhaltung, Disziplin aber auch Kraft und Stärke erlebt hat, wird bestätigen, dass er es wirklich wert ist, erhalten zu werden.

Auf der Suche nach Ippons Nachfolger

Mit den Jahren hatten wir immer mal wieder Welpen, mal mit Animee, mal mit Lulu. Wir behielten aber auch immer wieder mal eine vielversprechende Hündin aus eigener Zucht. Der Tosa-Rüde Ippon wurde immer älter und noch ruhiger als sonst, er war nun ein alter, lieber Papa geworden. So mussten wir jederzeit damit rechnen das Ippon vielleicht mal nicht mehr da ist. In Holland haben wir dann nach langem Hin und Her einen guten Züchter gefunden, dessen Tosa Inus gut zu unseren passen würden und so bestellten wir einen Rüden aus seiner Zucht. Drei lange Jahre mussten wir dann warten auf diesen Rüden.

Aus unserer Nachzucht hatten wir die Hündin Every behalten, Vater war der Ippon und Mutter die Lulu. Every ist eine nicht so große Hündin, aber dafür recht schwer. Leider konnten dann nicht weiter zu züchten, den Ippon ist ja der Vater. So suchten wir einen fremden Deckrüden und in Polen wurden wir fündig. Ein Prachtkerl von einem Tosa Inu, sehr groß und recht schwer, mehrfacher FCI-Champion und top-gesund. Und was vor allem für die Weiterzucht sehr wichtig war, er war zu 100 Prozent fremd!

So kam es, dass wir im Januar 2006 nach Polen, Oberschlesien, fuhren und ließen die Every eindecken, alles klappte super. Der Rüde Hakim deckte das erste Mal und machte seine Sache prima. Doch leider hatten wir uns zu früh gefreut, die Hündin nahm nicht auf und blieb leer. Der Deckakt war nicht verloren gewesen, so konnten wir sechs Monate später im Juli 2006 noch einmal decken fahren. Und im September 2006 kamen sieben gesunde rote Tosa-Inu-Babys auf die Welt.

Every war eine sehr gute fürsorgliche Mutter und zog ohne Komplikationen die Welpen auf. Aus diesem Wurf von Every und Hakim haben wir uns die Keiko behalten, eigentlich war sie damals die kleinste von den Welpen, ist aber heute eine recht kräftige große Hündin geworden.

Leider konnten wir bis heute von unserer anderen Hündin Nami noch keine Welpen großziehen, auch hier haben wir das Problem, die Hündin lässt sich nicht decken. Aber wir geben die Hoffnung bei dieser schönen Hündin nicht auf, vielleicht kommt ja mal bei ihr der Wille und es wird auch dann klappen.

Rassestandard des Tosa Inus

Pfoten: Zehen eng aneinander liegend, Ballen dick und elastisch, Krallen hart und vorzugsweise von dunkler Farbe

Gangwerk: kraftvoll und ausgreifend, den Eindruck von Temperament und Stärke vermittelnd

Haarkleid: Beschaffenheit des Haares: kurz, hart und dicht, Farbe des Haares: die idealen Farben sind einfarbig rot oder falbfarben, aber diskrete rote oder weiße Abzeichen sind auch zulässig.

Größe: Hündinnen: Widerristhöhe im Minimum 56 cm,Rüden: Widerristhöhe im Minimum 60 cm

Gewicht: Hündinnen 30 kg, Rüden 37,5 kg (mehr ist besser)

Fehler: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler betrachtet werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte. Beispiele: spitzer Fang, leichter Vor- oder Rückbiss, dünne Knochen

Ausschließende Fehler: Scheuheit, sehr stark ausgesprochener Vor- oder Rückbiss

Zu beachten: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, welche sich vollständig im Hodensack befinden.

Abschied und Neuanfang

Im Jahre 2006 mussten wir auch Abschied nehmen von unserem Ippon, er schlief ganz in Ruhe und ohne Schmerzen ein. Kurz darauf bekamen wir auch die erfreuliche Nachricht aus Holland, wir könnten einen Rüden besichtigen. Drei Jahre hatten wir gewartet. Als die Welpen in Holland vier Wochen alt waren, konnten wir uns einen schönen dunklen Rüden auswählen und holten ihn später zu uns. Dieser Rüde heißt hier bei uns Inuyasha, was so viel bedeutet wie Hundedämon, aber Inuyasha ist alles andere als ein Dämon, sondern ein recht bewegungsfreudiger Kasper. Die Zeit vergeht und Inuyasha ist gewachsen und schon mit einem Jahr war er recht groß und schwer und jetzt mit 18 Monaten ist er größer und schwerer als seine Eltern geworden.

Er ist 85 cm groß und hat ein Gewicht von über 80 kg. Er ist ein gut erzogener Geselle, der es nicht wagen würde, die Rangordnung auf den Kopf zu stellen und wie alle Tosas ist er recht ruhig, sehr verspielt und sehr verschmußt. Doch wen er nicht leiden kann, den kann er wirklich nicht leiden und zeigt es hier auch deutlich.

Er ist auch wie sein Vorgänger schon viel ausgestellt worden und holten auch hier viele Titel wie Jugendchampion und Best of Show! Natürlich ist auch Inuyasha schon Vater geworden, so auch in einer Verpaarung mit unserer Every, wo gleich drei Tosa-Rüden schwarz mit loh kamen, was recht selten ist, da es ja immer rote oder sandfarbene Tosas gibt. Nach langem Hin- und Hertelefonieren sagte uns der Züchter aus Holland von Inuyasha, dass der Großvater ein schwarz/loh-farbener Tosa Inu ist und in Frankreich steht.

Inuyasha wird auch in Zukunft noch viele Kinder haben und sich viele Titel auf Ausstellungen holen. Und wir werden natürlich weiterhin unsere Fettbacken züchten. Auf Ausstellungen gehen und die Rasse Tosa Inu bekannt machen.

Denn einmal Tosa, immer Tosa!

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