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21.06.2013 Andrea Schrag, 1. Vorsitzende TSFV A.S.P.A. friends e.V.

Tierschutz-Hunde aus Spanien

Worauf man bei der Tiervermittlung achten sollte

Wer sich für den Tierschutz interessiert und vielleicht auch einem Tierschutzhund ein Zuhause schenken möchte, sollte sich in jedem Fall auch über den Verein informieren. Dieser trägt neben dem Besitzer die lebenslange Verantwortung für den Schützling. Neben vielen seriös arbeitenden Vereinen und Organisationen gibt es auch im Auslandstierschutz schwarze Schafe. Andrea Schrag vom Tierschutzverein A.S.P.A. friends e.V. erklärt uns, auf was man bei der Tiervermittlung achten sollte und beleuchtet das Thema “Hunde aus dem Ausland” näher.

Schwierige Tiervermittlung: Schwarze Hunde gehören in Spanien sowie in anderen Ländern oftmals zu den Langzeitinsassen. (Foto: A. Schrag)

Gegründet im August 2005 blicken wir nun auf 8 Jahre erfolgreiche Tierschutzarbeit zurück.
Unsere Hilfe konzentrierten wir von Anfang an auf die kleinen spanischen Tierheime in der Provinz, die von engagierten, privaten, spanischen Tierschützern geführt werden. Unser Anliegen ist in erster Linie, die Verbesserung der Situation vor Ort. Rückblickend auf unsere bisher geleistete Hilfe, können wir mit Stolz sagen, dass es vielen Hunden in den von uns unterstützten Tierheimen nun besser geht. Sei es durch Kleinigkeiten wie warme Mäntel und Decken, über Futter und medizinische Versorgung, bis hin zum Bau neuer Zwingeranlagen, Quarantäneräume und Schutzhütten.

Wie erkennt man eine unseriöse Tiervermittlung?

Tierschutzvereine wie wir sind gesetzlich verpflichtet, eine Erlaubnis nach §11 TSchG zum “Handel mit Hunden” vorzuweisen und Importe von Hunden und Katzen müssen beim zuständigen Veterinäramt angemeldet werden, sodass stets eine Kontrolle der eingeführten Tiere durchgeführt werden kann. Welpen unter 15 Wochen dürfen grundsätzlich nicht eingeführt werden, da diese noch nicht über eine wirksame Tollwutschutzimpfung verfügen können. Wird Ihnen ein solcher Welpe angeboten, so ist dieser illegal eingeführt worden!

Fallen Sie nicht auf Fotos mit traurig blickenden Hundeaugen rein oder gar über Anzeigen von Tiervermittlungen mit Tötungsankündigungen, sollte der Hund nicht sofort eine Familie finden. Seriöse Vereine arbeiten nicht mit der Mitleidsmasche und mit schrecklichen Bildern, sondern helfen immer auch vor Ort und unterstützen die Tierheime und Tierschützer im Ausland mit finanziellen Mitteln, Sachspenden und tatkräftiger Hilfe.

Oberste Priorität wird auch weiterhin die Kastration der Tierheiminsassen haben, hierfür sind wir stets bereit, finanzielle Hilfe zu leisten. Und natürlich unterstützen wir jede Form der Öffentlichkeitsarbeit unserer spanischen Partner mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Tiervermittlung. Wir versuchen, für die Hunde in den Tierheimen neue Familien zu finden. Sei es in Spanien oder auch hier in Deutschland, denn wir kennen alle den Ausspruch: “Das kommt mir spanisch vor”. Wie aber in Spanien mit Hunden umgegangen wird, das kommt vielen von uns nicht nur “spanisch” vor, sondern grausam und unmenschlich. So finden nicht nur Abgabehunde, sondern auch viele Hunde aus den örtlichen Tötungsstationen eine vorübergehende Bleibe in der Sicherheit der Albergues und Refugios unserer spanischen Tierschützer. Unsere Partner kümmern sich um diese armen Tiere und versuchen ihnen ein Leben zu ermöglichen, wie es jeder Hund verdient hat – ohne Angst, ohne Schmerzen, ohne vom Tod bedroht zu sein, mit einer Familie, die ihnen Liebe und ein warmes Zuhause gibt.

Hunden helfen, wo auch immer

Unsere Tierschutzarbeit ist nicht abhängig von Ländergrenzen. Tierschutz beginnt vor der eigenen Haustür, darum ist uns jedes Tier das unsere Hilfe und unseren Schutz braucht wichtig, ob hier in Deutschland oder anderswo auf dieser Welt. Um aber gezielt durch Projekte und langzeitliche Aufklärung etwas zu bewirken, haben wir uns auf einen Punkt im europäischen Ausland konzentriert: Spanien.

Löst der Import von Auslandshunden das Problem in den den jeweiligen Ländern?

Nein, natürlich löst die Ausfuhr und Tiervermittlung von Hunden nach Deutschland die Probleme der Hunde in Süd- und Osteuropa nicht.
Wichtig und effektiv ist es, den Tieren im Ausland eine Lobby/eine Stimme zu geben, vor Ort etwas zu verändern und nur solche Hunde nach Deutschland zu holen, die:

  • auf der Straße wenig oder keine Überlebenschance hätten,
  • ausgesetzte Hunde, die das Zusammenleben mit dem Menschen gewohnt sind,
  • Abgabehunde, die nicht mehr in ihrer Familie bleiben konnten,
  • Welpen, die ohne Mutterhündin gefunden wurden oder
  • in den Tötungsstationen auf ihr Ende warten, durch ihr Aussehen und ihre Sozialverträglichkeit familiengeeignet sind.

Viele der Hunde aus Spanien werden von privaten Tierschützern aus völlig überfüllten Tötungsstationen geholt, um sie vor einem grausamen Ende zu bewahren. Diese Menschen, die aus verschiedenen Ländern kommen, sammeln misshandelte Tiere aus Müllcontainern und Straßengräben auf und schenken ihnen mit ganzer Kraft ein neues Leben. Einige errichten kleine Tierheime, um dieses Tierelend mit den einfachsten Mitteln zu bekämpfen und die Tiere, die sehr oft in einem erbärmlichen Zustand sind, werden aufgepäppelt, ärztlich versorgt und aufs liebevollste betreut. Oft genug erfahren sie dort zum ersten Mal, wie es ist, bedingungslos geliebt zu werden.

Was wäre, wenn es keine Hundeimporte aus dem Ausland mehr gäbe?

Laut Medienberichten werden jährlich einige Tausend Hunde aus dem Ausland nach Deutschland importiert. Diese Hunde gehen meist ohne den Umweg “deutsches Tierheim” direkt in Pflegefamilien oder in ihr Endzuhause. Was wäre, wenn es diese Hunde nicht mehr gäbe? Das können wir natürlich nur mutmaßen, fragen uns aber:

  • Ob die Tierheime in Deutschland dann wirklich leerer wären mit all den Staffs, Pits, und anderen Problemhunden?
  • Ob der deutsche “Markt” die bestehende Nachfrage an Hunden befriedigen könnte oder ob es dann wieder mehr Vermehrer und Hinterhofzüchter gäbe?
  • Ob deutsche Rassezuchthunde noch mehr Würfe produzieren müssten?
  • Ob die Preise für deutsche Hunde wegen der großen Nachfrage ins unermessliche steigen und Hunde unbezahlbar werden?

Menschen mit Migrationshintergrund finden immer mehr Akzeptanz in unserem Land, warum nicht auch Tiere? In unserem Land besteht Fachkräftemangel, den wir nun auch mit politischem Engagemant aus dem Ausland zu decken versuchen. Gäbe es Hundeimporte aus dem Ausland nicht, so bestände hier “Hundemangel”.

Tiere aus dem Ausland schleppen Krankheiten ein

Ein oft genutztes Argument der Auslandstierschutzgegner. Wir fragen an dieser Stelle:

  • Wer ist verantwortlich für die Vogelgrippe?
  • Wer sorgt für die Verbreitung der Schweinepest?
  • Wie verbreitete sich BSE?
  • Wohin führt die EHEC Epedemie zurück?
  • Können wir Deutschland weiterhin EBOLA-frei halten?
  • Woher kommen Multiresistente Klinikkeime?

Können in Zeiten der offenen Grenzen, des weltweiten Reiseverkehrs, der massenhaften Importe von Lebensmitteln und Schlachtvieh die Kritiker des Auslandstierschutzes das gern genutzte Panik-Argument “Hunde schleppen Krankheiten ein” wirklich noch aufrecht erhalten?

Seriös und verantwortungsvoll arbeitende Tierschutzorganisationen tun alles dafür, Infektionsrisiken auszuschließen und nur Tiere zu importieren, die kein Infektionsrisiko für andere darstellen und frei von Parasiten sind.
Darum kann Auslandstierschutz ein Gewinn sein:

  • Für den Hund, der aus einem Tierheim oder einer Auffangstation in eine fürsorgliche Familie kommt.
  • Für eine Familie, die einen freundlichen und verträglichen Vierbeiner sucht.
  • Für die Akzeptanz und das Verständnis für seriöse Tierschutzarbeit, die nicht an Ländergrenzen endet.

Auch wenn es in Spanien und anderen Ländern mittlerweile Gesetze gibt, die das Quälen und Töten von Tieren verbieten, so ist deren Durchsetzung, gerade in den Provinzen, kaum möglich und es bleibt weiterhin “normal” ein ungewolltes Tier wie Müll zu entsorgen.

A.S.P.A. friends e.V. tut alles dafür, dass Auslandstierschutz zu einer von allen Seiten akzeptierte Selbstverständlichkeit wird.

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weitere Bilder:

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Ständig finden auch Welpen eine Zuflucht im spanischen Tierheim. Oft wurden sie einfach vor dem Tor in einem Karton ausgesetzt. (Foto: A. Schrag)
Mehrfach im Jahr ist unser deutsches Team in Spanien vor Ort. (Foto: A. Schrag)
Von uns mitgebrachte Zaunelemente werden umgehend montiert, um die Welpen und Junghunde sicher unterzubringen. (Foto: A. Schrag)
Galgo español - spanische Windhunde. Entgegen der landläufigen Meinung sind sie nicht nur Jagdhunde, sondern auch ideale Familienhunde. (Foto: A. Schrag)
Die meiste Zeit müssen die Hunde in Gruppen in ihren Zwingern verbringen. Sobald sich ein Mensch nähert, buhlen sie um Aufmerksamkeit und Zuwendung. (Foto: A. Schrag)
Bau von Wetterschutzhütten für die Hunde im Tierheim "La Esperanza" in Villarrobledo, Spanien. (Foto: A. Schrag)
Erfolgreiche Tiervermittlung: Diese zwei Junghunde aus Spanien haben bereits ein Zuhause in Deutschland gefunden. (Foto: A. Schrag)
Oft begleitet eine ganze "Hundetraube" die Helfer im Tierheim auf Schritt und Tritt. (Foto: A. Schrag)
Baumpflanzaktion "Schatten für die Hunde" im Auslauf des Tierheims in Socuellamos, Spanien. (Foto: A. Schrag)