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14.03.2014 Manuela Schilling, Tibet-Terrier-Züchterin "vom Geilsdorfer Wasserschloß"

Der Tibet Terrier: Kleiner Schneelöwe vom Dach der Welt

Tibet Terrier sind wuschelige Wegbegleiter, die sich leicht an ihr Herrchen anpassen und mit ihrer Lebhaftigkeit und Gutmütigkeit jedes Herz erobern. Tibet-Terrier-Züchterin Manuela Schilling berichtet in diesem Artikel über ihr Leben mit den Tibis, gibt Einblicke in deren Wesen und erklärt, was es mit den "tibetischen 5 Minuten" auf sich hat.

Tibet Terrier Attila vom Geilsdorfer Wasserschloß und Cayra-Su von Tashi Lumpo. (Foto: M. Schilling)

Der Weg von Tibet nach Deutschland

Tibet Terrier gibt es Sagen nach schon seit dem 14. Jahrhundert. Damals wurden sie in den Klöstern der Mönche in Tibet aufgezogen und lebten in 4500 Meter Höhe. Die Mönche nannten sie "The little People".

Dass es den Tibet Terrier in Deutschland gibt, haben wir nur einer Frau zu verdanken: Dr. Agnes Greig. Sie war eine englische Ärztin, die in einem tibetischen Krankenhaus arbeitete. Tibet Terrier konnte man damals nicht kaufen. Sie wurden nur als Glücksbringer oder aus Dankbarkeit verschenkt. Auch Frau Dr. Agnes Greig wurden zwei dieser wunderschönen Exemplare der Rasse Tibet Terrier aus Dankbarkeit geschenkt. Sie nahm sie 1929 mit nach England und begann mit den beiden zu züchten. Damit legte sie den Grundstein  für die Tibet Terrier in Deutschland.

Der Tibet Terrier ist kein Terrier. Eigentlich müsste er Tibet Apso heißen. Als Frau Dr. Agnes Greig sie damals einführte, bekamen sie den Namen Tibet Terrier, da ihr Gesicht ähnlich dem eines Terriers ist.

Meine erste Begegnung mit einem Tibet Terrier

Meine erste Begegnung mit einem Tibet Terrier war 2005. Wir hatten damals einen Schäferhund, der leider über die Regenbogenbrücke gehen musste. Erst wollten wir keinen Hund mehr haben. Das konnten wir aber dann doch nicht. Im Tierheim begegnete ich meinem Wuschel. Von der Rasse Tibet Terrier hatte ich bis dahin nichts gehört. Es war Liebe auf den ersten Blick. Also holten wir Wuschel zu uns und machten uns erst einmal über die Rasse schlau. Die Liebe wurde immer größer und so hat es nicht lang gedauert und 2007 zog Sissy bei uns ein. Sie holten wir von einer Züchterin. Ich konnte nicht genug von diesen kleinen Persönlichkeiten bekommen. Also wurde ich Mitglied in einen Hundeverein, besuchte Seminare, Ausstellungen und begann meine eigene kleine Zucht unter den Namen "vom Geilsdorfer Wasserschloß" aufzubauen. Dann folgte eine zweijährige Ausbildung zum Zuchtwart und Formwertrichter. Mittlerweile habe ich 5 dieser wundervollen Hunde.

Das einzigartige Wesen der Tibet Terrier

Der Tibet Terrier verfügt über viele einnehmende Wesenszüge, er ist lebhaft, intelligent, gutmütig, wachsam und mutig. Fremden gegenüber ist er anfangs etwas zurückhaltend. Hat man aber erst einmal sein Herz erobert, besteht die Liebe ein ganzes Hundeleben lang. Seine große Stärke liegt in seiner Anpassungsfähigkeit. Ich sage immer, wenn das Herrchen sportlich und agil ist, ist es der Tibet Terrier auch. Man kann mit ihnen Agility oder Mantrailing machen. Auch gibt es Tibet Terrier, die erfolgreich als Therapiehund eingesetzt werden.  Ist man selber eher der Sofatyp, entwickelt sich der Tibet Terrier auch zum Sofatyp.

Wenn man sich überlegt, sich so einen Hund zuzulegen, sollte man auf so manches gefasst sein. Ein Tibet Terrier hat seinen eigenen Kopf, er braucht eine konsequente Erziehung. Wenn er den Sinn in einer Sache nicht sieht, wird er das Gewünschte nie machen. Auch nicht zu unterschätzen ist die doch eher aufwendige Fellpflege. Der Tibet Terrier ist ein Langhaarhund mit zweischichtigem Haarkleid, bestehend aus Unterwolle und dem langen Deckhaar. Viele scheren das Haar, weil sie mit der Fellpflege überfordert sind oder denken der Hund fühlt sich mit kurzem Haar wohler. Dadurch verliert er nicht nur an Charme, sondern man zerstört auch die Fellstruktur. Oft werde ich gefragt, ob der Hund überhaupt etwas sieht, da das Deckhaar auch über die Augen geht. Keine Sorge, sie sehen alles! Da der Tibet Terrier keinen Fellwechsel wie andere Rassen hat, ist er auch gut für Allergiker geeignet.

Wer einmal einen Tibi hat, will meistens keine andere Rasse mehr. Sie sind treue Wegbegleiter, die einen immer wieder aufheitern. Sie können lächeln und manchmal denkt man, dass sie einen Clown gefrühstückt haben. Typisch sind auch die legendären tibetischen 5 Minuten. Diese kommen täglich vor und man kann dabei nur zusehen und lächeln. In diesen 5 Minuten wird getobt oder wie ein Flummi gesprungen. Es macht einfach nur Spaß zuzusehen.

Zuchtgedanken

Da ich so verliebt in die Tibet Terrier bin und es sich noch um eine ursprüngliche und gesunde Rasse handelt, habe ich mich entschlossen, diese wundevollen Wesen zu züchten. Zum Glück sind es keine überzüchteten Modehunde. Meine Tibet-Terrier-Welpen werden bei mir im Wohnzimmer geboren und wachsen dort auch auf. Solange sie bei mir sind, schlafe ich direkt neben der Wurfkiste, sie haben 24 Stunden Betreuung. Sie werden mit allen Reizen des Alltags konfrontiert. Wenn sie alt genug sind, dürfen sie in den Garten. Die Nachbarskinder freuen sich dann auch und sind gern gesehene Gäste bei uns. Somit werden die Kleinen auch an Kinder gewöhnt und werden keine Angsthasen, die vor jedem Geräusch erschrecken. Oftmals fahre ich mit den Tibet-Terrier-Welpen einfach eine Runde mit dem Auto und ab der 6. Woche werden sie an die Leine gewöhnt. Bereits mit 14 Tagen werden sie das erste Mal mit einer Babybürste gekämmt. Gut sozialisiert werden sie so auf den Alltag des Lebens vorbereitet. Bei Welpeninteressenten bin ich sehr wählerisch und den neuen Besitzern stehe ich immer mit Rat und Tat zur Verfügung.

Meine Hunde sind vollwertige Familienmitglieder und so werden sie auch behandelt. Sie wollen auch am liebsten alle zusammen um den Menschen herum sein.

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weitere Bilder:

Tibet Terrier Attila vom Geilsdorfer Wasserschloß mit seiner Mutter Sissy vom Hause Schilling auf dem liebsten Beobachtungsposten. (Foto: M. Schilling)
Tibet Terrier Attila vom Geilsdorfer Wasserschloß mit seiner Tochter Cleopatra vom Geilsdorfer Wasserschloß. (Foto: M. Schilling)
Tibet Terrier Attila und Alfi vom Geilsdorfer Wasserschloß ca. 7 Wochen. (Foto: M. Schilling)
Tibet Terrier Cleopatra vom Geilsdorfer Wasserschloß im Schnee. (Foto: M. Schilling)
Blick in die Wurfkiste der kleinen Tibet Terrier mit Auslauf mitten im Wohnzimmer. (Foto: M. Schilling)
Blick in die Wurfkiste der 5 Tage alten Tibet Terrier. (Foto: M. Schilling)
Tibet Terrier Cleopatra vom Geilsdorfer Wasserschloß beim Kampf mit der gefährlichen Plüschschlange. (Foto: M. Schilling)
Tibet Terrier Attila vom Geilsdorfer Wasserschloß bei der Fellpflege. (Foto: M. Schilling)