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12.12.2014 Maximiliam Gaar, Hundebetreuer in Berlin

Ein Spendenratgeber für Hunde- und Katzenfreunde

Wie Sie schwarze Schafe unter Spendensammlern erkennen

Maximilian Gaar ist Hundebetreuer in Berlin. In den letzten Wochen vor der Weihnachtszeit hat er mit viel Engagement und Liebe zum Detail einen kostenlosen Spendenratgeber zum Thema "Hunde in Not" erstellt. Ziel der Broschüre ist es, eine umfassende Informationsquelle bereitzustellen und eine Anleitung zu geben für all diejenigen, die gerne einen Beitrag leisten möchten.

Viele Nothunde gibt es im Ausland, wie hier in Rumänien. (Foto: Carmen Sander, Tierschutzverein Helfe4Pfoten e.V., http://www.helfe4pfoten.de/)

Wie bin ich darauf gekommen, mir Gedanken zu diesem Thema zu machen? Ich habe auf der Suche nach einer geeigneten Spendenmöglichkeit das Internet durchforstet und eine Menge an Möglichkeiten gefunden, Geld für Hunde, Katzen oder andere Tiere in Not zu spenden. Ich möchte mit meiner Aktion einen kleinen Ratgeber herausgeben, der die unterschiedlichen Spendenmöglichkeiten einmal genauer unter die Lupe nimmt, und aufzählen, wie man sich durch den Dschungel der verschiedenen Möglichkeiten hangelt. Nicht jeder kennt sich gut mit den Spendenaktionen des Netzes aus, und nachdem ich in verschiedensten Foren auch widersprüchliche Informationen gefunden habe, was die Seriosität verschiedener Anbieter angeht, musste ich einfach etwas tun.

Die Spende an ein lokales Tierheim oder eine private Hilfsorganisation

Tierheime und andere private Organisationen brauchen immer Unterstützung. Bei der Versorgung der anvertrauten Tiere fallen Personal-, Tierarzt-, Futter- und Bewirtschaftungskosten an. Des Weiteren nehmen der Ausbau und die Instandhaltung der Tierheime immer wieder große Budgets in Anspruch, um den Tieren den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Bei vielen Tierheimen kann man sowohl online spenden als auch eine Spende persönlich überbringen. Auch Patenschaften für Tiere sowie Futter oder andere Sachspenden werden oft gerne genommen. Einer der positiven Aspekte einer lokalen Spende ist auch der direkte Kontakt mit dem Spendennehmer. Mit anderen Worten, ich weiß, wo mein Geld hingeht. Beim Tierheim Berlin beispielsweise prüft das Finanzamt für Körperschaften die Verwendung der anvertrauten Spendenmittel. Jede Spende ist darüber hinaus steuerlich absetzbar.

Eine wichtige Grundvorrausetzung, die allen Tierschutzorganisationen gemein sein sollte, ist die Mitgliedschaft in einer unabhängigen Prüfungskommission. Ein offizielles Spendensiegel der Bundesregierung gibt es nicht, wohl aber einige anerkannte nicht staatliche Institutionen:

  • Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI)
  • Die Initiative transparente Zivilgesellschaft
  • Der Deutsche Spendenrat

Eine Liste aller Tierheime in Deutschland findet man auf tierheimlinks.de. Dort werden alle Tierheime nach Postleitzahlen geordnet aufgelistet. Per praktischer Suchfunktion findet man so schnell das nächste Tierheim oder einen Tierschutzverein in der Nähe.

Wer gerne online an ein Tierheim spenden möchte, das nicht in seiner Nähe liegt oder das keine Möglichkeit der Onlinespende bietet, kann auf der Seite des "Deutschen Tierschutzbundes" spenden. An diesen Verband sind rund 500 Tierheime angeschlossen.

Spenden über das Internet generieren, ohne direkt Geld zu übermitteln

Das Internet macht es möglich. Mehrere Anbieter haben sich in den letzten Jahren einen Status Quo erarbeitet, der es ermöglicht Geld zu spenden - und das bei jedem Einkauf oder jeder Suchanfrage. Natürlich stecken dahinter leider wie so oft nicht immer ehrbare Absichten. Es gibt vielerlei Anbieter im Netz, bei denen nicht transparent genug aufgezeigt wird, wo die Spende hingeht und ob auch wirklich alles dort ankommt, wo es soll. Nachfolgend sind die Recherche-Ergebnisse aufgelistet und erklärt, die nach meinem Empfinden das Prädikat "vertrauenswürdig" erhalten, da sie transparent arbeiten und auch ein gewisses Standing in der Spendenwelt aufweisen können.

Spenden über Suchanfragen

Benefind.de

Benefind.de ist eine Suchmaschine, ähnlich Google, bedient sich allerdings der Suchmaschinentechnologie von Yahoo. Mit anderen Worten, es wird eine Suchanfrage über Yahoo realisiert und erscheint in der "Maske" von Benefind.de. Deshalb können auch über Suchanfragen Spenden generiert werden, da Werbeeinblendungen am rechten Rand erscheinen. Das erscheinen dieser Werbung generiert Umsätze, von denen werden laut Unternehmen mindestens 70 % an eine von Ihnen vorher festgelegte Organisation ausgezahlt. In Zahlen heißt das ca. pro zwei Suchanfragen ein Cent. Hört sich erst einmal nicht viel an, aber wenn man bedenkt, wie viele Anfragen man pro Tag so startet, kommt über die Monate einiges zusammen. Wer sich einen genauen Eindruck über die Vorgehensweise verschaffen möchte kann sich auf benefind.de informieren.

Spenden über eine Crowdbar

Boost-project.com und Gooding

Es gibt unterschiedliche Systeme, die eine derart technische Version benutzen. Dabei wird im ersten Schritt eine Erweiterung in den Browser integriert. Diese stellt automatisch fest, ob ein Partner des Projektes ausgewählt wurde. Beispielsweise Amazon, Zooplus, Fressnapf oder Otto. Bei den Online-Einkäufen in diesen Shops werden Provisionen generiert, die zu 90 % an die Organisationen Ihrer Wahl geht. Das Verfahren, das angewandt wird, nennt man Affiliate Marketing und ist gängige Praxis in der Online-Welt. Der einzige Unterschied ist, dass hier Spenden für Organisationen generiert werden.

Im Prinzip funktionieren die Shopeinkäufe genauso wie die Crowdbar, Letztere hat jedoch im Gegensatz dazu die Shops, Charity Aktionen und Vereine gelistet. Man kann also direkt über eine der beiden Seiten einen Verein oder Shop auswählen und beim Einkauf an den gewünschten Partner spenden.

Direktes Spenden an eine der zahlreichen Seiten im Internet

Es gibt sehr viele Seiten im Internet, die einen Spendenbutton besitzen und viele, sehr traurige Fotos haben. Herzzerreißende Geschichten sind meistens Bestandteil jeder dieser Seiten. Ich möchte natürlich nicht sagen, dass alle diese Seiten sogenannte Fakes sind. Aber es gibt eine hohe Dunkelziffer in diesem Bereich. Leider werden diese ernsten Themen immer wieder zum Anlass genommen, Ihnen das schwer verdiente Geld aus der Tasche zu ziehen. Und dort, wo das Geld am meisten gebraucht wird, kommt es oft gar nicht an, sondern verschwindet in der Anschaffung neuer Handys oder anderer Konsummittel. Deshalb gibt es einige Regeln, auf die man achten sollte.

Regelwerk zur Identifizierung einer vertrauenswürdigen Spendenseite

Der Klick in das Impressum einer Seite entlarvt die meisten Übeltäter von vornherein. Das Impressum eines eingetragenen Vereins enthält immer den vertretungsberechtigten Vorstand sowie das Registergericht und die Registernummer. Sollte das Impressum oder Teile davon auf einer Seite fehlen, so ist dies ein sicherer Indikator für eine unseriöse Seite. Sollte der Verein in einem anderem Land gemeldet sein, ist Vorsicht geboten. Gibt es nur eine Privatperson, die diese Seite betreiben sollte, muss man leider auch ein wenig auf der Hut sein.

Auch die Verweigerung einer Spendenquittung ist verdächtig. Warum ist ganz einfach: Sie lassen sich bequem als Vordruck im Internet herunterladen. Es macht also keine Arbeit eine solche auszufüllen und zumindest zu faxen oder per E-Mail zu senden. Über wen wird die Spende abgewickelt und auf welches Bankkonto soll die Spende gehen? Sind die Kontodaten nicht vertrauenswürdig, weil eine ominöse Money Exchange Bank angegeben wird, dann lieber die Finger davon lassen.

Eine letzte Vorsichtsmaßnahme ist es auch, sich einfach einmal telefonisch bei der Person zu melden, an die man spenden möchte. Ist keine Telefonnummer vorhanden, dann zeugt auch das von einer intransparenten Seite. Die meisten Seiten, die sich um die Belange von Tieren kümmern, haben eine vollständige Anschrift inkl. Telefonnummer nebst den richtigen Angaben im Impressum. Dann sollte einer Spende - zugunsten der Hunde - nichts mehr im Wege stehen...

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weitere Bilder:

Im Ausland haben es die Hunde oft besonders schwer. (Foto: Carmen Sander, Tierschutzverein Helfe4Pfoten e.V., http://www.helfe4pfoten.de/)
Nothunde in Rumänien. (Foto: Carmen Sander, Tierschutzverein Helfe4Pfoten e.V., http://www.helfe4pfoten.de/)
Hunde in Not, Rumänien. (Foto: Carmen Sander, Tierschutzverein Helfe4Pfoten e.V., http://www.helfe4pfoten.de/)
Oft fehlt es am Nötigsten für die Nothunde im Ausland. (Foto: Carmen Sander, Tierschutzverein Helfe4Pfoten e.V., http://www.helfe4pfoten.de/)
Hunden in deutschen Tierheimen geht es in der Regel besser. (Foto: Sandra Welsch, Tierheim Altenburg, http://www.tierheimaltenburg.de/)
Die Hunde haben in Deutschland meistens Einzelzwinger. (Foto: Sandra Welsch, Tierheim Altenburg, http://www.tierheimaltenburg.de/)
Nothunde in Deutschland. (Foto: Sandra Welsch, Tierheim Altenburg, http://www.tierheimaltenburg.de/)
Seit der Einführung der Listenhunde findet man viele solcher Hunde in den Tierheimen. (Foto: Sandra Welsch, Tierheim Altenburg, http://www.tierheimaltenburg.de/)