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20.02.2016 Cornelia Kuhn, Mobile Tierheilpraxis Kuhn

Schulmedizin und Naturheilkunde beim Tier

Schulmedizin und Tierheilkunde, oft stehen sie im Widerspruch. Dabei können sie gut zusammenarbeiten. Wo die Tierheilkunde die Gesundung des Tieres unterstützen kann und warum es sinnvoll ist, diese neben der Schulmedizin anzuwenden, erklärt uns Cornelia Kuhn, geprüfte Tierheilpraktikerin (VdT), in diesem Artikel.

Seelische Unterstützung beim Heilungsprozess. (Foto: © javier brosch/fotolia.com)

Ob Sie zum Tierarzt oder zum Tierheilpraktiker gehen, kommt ganz auf das jeweilige Problem an, das sich an Ihrem Tier zeigt. Hat sich das Tier etwas gebrochen, weil es einen Unfall hatte, ist es ein Notfall, weil es schon apathisch und/oder dehydriert ist. Dann geht man in jedem Fall zum Tierarzt. Ebenso ist der Tierarzt für diagnostische Zwecke meist die erste Wahl. Es gibt jedoch unzählige Möglichkeiten für einen Tierheilpraktiker, ein Tier naturheilkundlich zu behandeln und/oder die tierärztliche Therapie zu begleiten. Ein Tierheilpraktiker kann und wird sich viel mehr Zeit für Sie und Ihr Tier nehmen, was ein Tierarzt kaum leisten kann. Mobile Tierheilpraktiker können sich zudem im Zuhause des Tieres auch noch einmal einen ganz anderen Eindruck verschaffen und zu weiteren Erkenntnissen gelangen als der Tierarzt. Dieser hat das Tier auf seinem Behandlungstisch vor sich sitzen, in einem Zustand, in dem das Tier eher von Angst erfüllt ist, als stressfrei und entspannt zu sein. Der Einsatz von Antibiotika oder Kortison oder einer Vollnarkose durch den Tierarzt ist in manchen Fällen angezeigt. Die Naturheilkunde bietet jedoch noch so viel mehr Möglichkeiten, den tierischen Körper zu unterstützen und Heilung herbeizuführen. Nicht immer ist das zeitlich so schnell der Fall wie bei schulmedizinischen Präparaten. Doch wer sich schon bei sich selber entschlossen hat, sanfte Heilung vorzuziehen, ist auch gerne bereit, dem Körper mehr Zeit einzuräumen und der Problematik auf die Spur zu kommen. Denn Naturheilkunde gibt dem Körper die Zeit, die er zur Heilung benötigt, und das schließt eine Unterdrückung der Symptome aus.

"Austherapierte" Tiere

Manchmal gibt es für den Tierhalter die erschütternde Aussage, dass sein Tier "austherapiert" ist und der Tierarzt keine weiteren Maßnahmen mehr vornehmen kann. Dies ist ehrlicher, als den Halter hinzuhalten mit allen möglichen Therapieversuchen mit der eigentlichen Gewissheit, dass er mit Schulmedizin das Geschehen nicht mehr positiv beeinflussen kann. Mit dieser Ehrlichkeit weiß der Halter, dass er andere Wege beschreiten kann. Vorausgesetzt, dass er weiß, dass es noch andere Möglichkeiten gibt. In den Fällen von "tierärztlich austherapierten Tieren" ist für den Tierheilpraktiker oft noch lange nicht Schluss. Er wird offen mit dem Halter über Möglichkeiten des jeweiligen Falles sprechen und ihn aufklären, was als Unterstützung zur Verfügung steht. Dies kann bei einer Futterumstellung anfangen, geht über pflanzliche Unterstützung in Form von Kräutern, Tees oder Kapseln; sogenannte Phytotherapie. Eventuell ist die Begleitung mit Schüssler-Salzen angezeigt, wenn ein Ungleichgewicht an Mineralsalzen im Körper besteht. Je nach Krankheit kann auch eine Entgiftung des Tieres notwendig sein oder eine homöopathische Behandlung ist angezeigt. Dem Tierheilpraktiker stehen viele Naturheilmittel zur Verfügung; er wird nicht zu chemischen Mitteln greifen, die das Tier noch zusätzlich belasten können. Auch bei Tieren, die aus der tierärztlichen Behandlung als gesund entlassen wurden, jedoch für den Besitzer noch sichtlich krank erscheinen, kann der Tierheilpraktiker unterstützen und das Tier körperlich und auch seelisch aufbauen. Ebenso im Anschluss an unterschiedliche tierärztliche Therapien kann auch das genesende Tier noch umfangreich unterstützt werden. Speziell nach Operationen, bei denen entsprechende Narkosemittel den Tierkörper mitunter schwer belastet haben, kann naturheilkundlich eingegriffen werden. Der Tierheilpraktiker unterstützt ausleitende Organe gezielt, speziell wenn die Krankheit einen langen Zeitraum in Anspruch genommen hat oder das Tier bereits älter ist. In einigen Fällen nach einer Operation nimmt das Tier nicht genug hochwertige Nahrung auf oder hat noch mit Folgesymptomen zu kämpfen. Der Besitzer merkt, dass sein Liebling nicht in der gleichen Form wie vormals ist. Ein entsprechender Ablaufplan bis zur Genesung und Herstellung des gesunden Tieres ist für den Tierheilpraktiker gut möglich; mitunter durch eine längere Begleitung des Tierhalters und seinem Tier.

Operationsbegleitung - Impfungen - Klinikaufenthalte - Seelische Unterstützung

Die Vorbereitung auf eine anstehende Operation mit Narkosemittel oder eine Therapie mit chemischen Mitteln kann durch einen Tierheilpraktiker übernommen werden. Bei einer Nachversorgung von Operationen kann der Tierheilpraktiker auf homöopathische Mittel und/oder Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) zurückgreifen, die die Organe unterstützen und bei der Ausleitung von Giftstoffen große Dienste verrichten. Vor und nach Impfungen können verschiedene homöopathische Mittel bei der Reduzierung von nachfolgenden Problemen überaus nützlich sein. Die Nachsorge von Klinikaufenthalten, in denen das Tier länger vom Besitzer getrennt war, kann mit homöopathischen Mitteln oder auch Bachblüten zur Verarbeitung der Situation abgefangen werden; speziell, wenn hier ein Trauma oder ein Vertrauensverlust entstanden ist. Auch wenn dieses Geschehen nicht gewollt ist, passiert es leider oft, und der Besitzer des Tieres sollte keine Zeit verstreichen lassen, seinem Tier fachkompetente Hilfe zukommen zu lassen.

Sanfte Unterstützung der Organe

Bei Krankheiten mit chronischem Charakter kann ein Tierheilpraktiker gezielt auf verschiedenste Problematiken und Symptome eingehen. Anhand der verabreichten Mittel werden die entsprechenden Organe auf natürlichem Wege unterstützt. Selbst wenn das Tier zeitgleich schulmedizinische Mittel verabreicht bekommt, können hier z. B. die ausleitenden oder reinigenden Organe unterstützt werden. Sollten schon alle Organe belastet sein und die Ausleitung bereits sichtbar über die Haut stattfinden, muss hier unbedingt eine nachhaltige Hilfe über einen längeren Zeitraum erfolgen. Auch ein körperlicher Aufbau nach einer Behandlung durch den Tierarzt kann gut durch einen Tierheilpraktiker begleitet werden; auch wenn dies mehrere Monate in Anspruch nehmen kann, je nach Alter des Tieres. Er stellt in diesen Fällen einen guten Ansprechpartner dar, der sich auch in der gewohnten Umgebung des Tieres einen Eindruck verschafft und die Fortschritte gut beurteilen kann. Ebenso kann der Tierheilpraktiker eine zeitgleiche Begleitung zur tierärztlichen Behandlung darstellen, wenn der oder die Tierbesitzer vorausschauend sind und im Vorfeld seine Dienste in Anspruch nehmen. Eine Operation hat immer einen besseren Verlauf, wenn das Tier vorab mit allen wichtigen Stoffen (wie Vitaminen, Spurenelementen usw.) versorgt ist, alle ausleitenden Organe unterstützt werden und es auch eine seelische Unterstützung in Form von Bachblüten erhält. Denn hinterher die verlorene Kraft wiederzuholen, dauert in den meisten Fällen länger, als gleich vorgebeugt zu haben. Das Tier gleich nach der OP mit allem versorgt zu wissen, gibt auch dem Besitzer ein gewisses Vertrauen in die Natur und in die Heilkräfte des eigenen Tieres.

Natürliche und artgerechte Ernährung als Heilmittel

Gerne wird unterschätzt, dass Katzen reine Fleischfresser sind und Hunde auch einen sehr großen Anteil davon in ihrem Futter benötigen, um ihren Körper mit allem Lebenswichtigen versorgt zu wissen. Leider wird viel zu oft auf die Werbung vertraut, die dem Besitzer glauben machen will, dass das preiswerte Futter alles enthält, was sein Tier braucht. Wenn man eine Lupe zur Hand nimmt und das Kleingedruckte auf den Verpackungen nachliest, kann einem eigentlich schon ein Licht aufgehen. Immer mehr Menschen denken darüber nach und informieren sich über die Inhaltsstoffe des Tierfutters. Es wird umgedacht - und das sollte man auch, denn die Gesundheit des eigenen Tieres hat lebensverlängernde Auswirkungen. Eine natürliche und artgerechte Fütterung trägt sehr viel zur Gesunderhaltung bei und hilft nach Krankheit wieder auf die Beinchen. Artgerecht Fütterung ist sogar im Gesetz verankert und ein Zoobesuch bei den Raubtieren und den Wölfen zur Fütterungszeit dürfte doch eigentlich aussagekräftig genug sein. Hier würde kein Zoodirektor seinen Tieren Dosenfutter vorsetzen, weil es so schön einfach ist.

Zum Glück gibt es mittlerweile einige Firmen, die umgedacht haben und hochwertiges Dosenfutter herstellen - hier kann sich jeder Tierbesitzer genauer bei einem Tierheilpraktiker informieren, welches Futter für das eigene Tier angezeigt ist. Mittlerweile gibt es schon einige hochwertige Futterdosen auf dem Markt (neben der Frischfleischfütterung) und dies ist die beste Grundlage einer guten Gesundheit. Hochwertiges Futter kann natürlich auch nicht zum Schleuderpreis angeboten werden. Mit gesunder Ernährung erspart man sich aber das ein oder andere Mal den Tierarzt!

Allergien und Futterunverträglichkeiten

Wie bei uns Menschen kommt es auch bei Hund und Katze vermehrt zu Futterunverträglichkeiten und Allergien. Falsche Fütterung, genetisch verändertes Getreide, schädliche Zusätze im Futter oder Leckerlie können hier neben einigen anderen Faktoren mit beteiligt sein. Ein Tierheilpraktiker kann hier Wege aufzeigen - die sicherlich für jeden etwas unterschiedlich ausfallen werden - um Allergien auf die Schliche zu kommen, diese auszuheilen und zu einer artgerechten Fütterung zu verhelfen. Nicht jeder muss zwingend zu einer Rohfleischfütterung finden; auch hochwertige Dosenfutter mit abgestimmten Zusätzen können hilfreich sein. Die Ergründung des Problems kann manchmal etwas länger dauern; eine Symptomunterdrückung steht für den Tierheilpraktiker jedoch auch hier nicht an.

Wiederkehrende Erkrankungen

Immer wieder gibt es für den Tierarzt unerklärliche Ursachen und anscheinend grundloses Wiederkehren von Erkrankungen. Meist wird eine Symptombehandlung ergriffen, weil der Besitzer dieses Problem auch schnellstmöglich loswerden will. Das ist nachvollziehbar, jedoch nicht immer sinnvoll. Auch hier hat der Naturheilkundler einiges zu bieten, um das Geschehen zu ergründen, die gegebene Situation zu verändern, zu verbessern und gar auszuheilen. Dies alles sind viele gute Gründe, sich einem Tierheilpraktiker anzuvertrauen und die Naturheilkunde für das eigene Tier zu nutzen, auch neben der Behandlung beim Tierarzt: zur Prophylaxe, also Vorsorge, zur Gesunderhaltung, zur körperlichen Unterstützung und manchmal auch für die seelische Unterstützung. Und auch für Ihr gutes Gefühl, alles für Ihren Liebling getan zu haben, was möglich ist.

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Kontrolle nach der Narkose. (Foto: © Gajus/fotolia.com)
Zahnkontrolle gehört zur Prophylaxe. (Foto: © goodluz/fotolia.com)