gelesen: 42.075 mal
16.03.2009 Sabine Stremlau, Rhodesian-Ridgeback-Zwinger "Yashangaa"

Rhodesian Ridgeback – Der Hund mit dem Tropfen Löwenblut

Der Rhodesian Ridgeback ist ein imposanter Hund. Und er hat mit Löwen gekämpft, so erzählt der Volksmund. Dass dies so nicht ganz richtig ist, welche Besonderheiten und Eigenschaften diese Rasse noch hat und welche Hunde sie selbst besitzt, berichtet Sabine Stremlau, Rhodesian-Ridgeback-Züchterin mit der Zucht "Yashangaa" und Rhodesian-Ridgeback-Buchautorin.

Rhodesian Ridgeback-Welpen mit 7 Wochen

Schon von Kindesbeinen an begleiteten mich Tiere, doch vor allem liebte ich Hunde. Wie bei so vielem, durfte ich als Kind keinen Hund haben. So führte ich die Nachbarshunde aus und fieberte Jahr um Jahr bis die Zeit käme, mir meinen Herzenswunsch von einem eigenen Hund zu erfüllen. Es dauerte Jahre, doch mein Ziel verlor ich nie aus den Augen. Als es dann endlich so weit war, ging ein Traum in Erfüllung.

Die Rhodesian-Ridgeback-Dame Bashira Bazako Moravia zog bei mir ein. Die Rasse Rhodesian Ridgeback hatte ich vor über 20 Jahren kennen- und liebengelernt. Und für mich stand fest, wenn ein Hund, dann nur diese Rasse. Und was ich dann schnell feststellte: Rhodesian Ridgebacks machen "süchtig". Ein Ridgeback ist schön, aber zwei sind noch schöner, sagte ich mir.

Die nun logische Konsequenz war, meinen Traum weiterzuführen und hobbymäßig im VDH zu züchten. Um das zu erreichen, trat ich der Deutschen Züchtergemeinschaft Rhodesian Ridgeback e.V. (DZRR e.V.) bei. Mein Kennel wurde unter dem Namen "Yashangaa" ("über etwas staunen") im VDH/FCI eingetragen. Über meine Erfahrungen mit den Tieren und meiner Zucht habe ich auch ein Buch unter dem Titel "CariBani, Erfahrungen einer Hobbyzüchterin" geschrieben.

Geschichte des Rhodesian Ridgebacks

Südafrikanische Großwildjäger nahmen die Rasse mit ins "Löwenland" Rhodesian (heute Simbabwe). Trotz des Namens "Löwenhund" und vieler Legenden wurde der Rhodesian Ridgeback nie gegen Löwen eingesetzt, sondern nur als echter Laufhund, der Großwild aufspürte, verbellte und so lange in Schach hielt bis die Jäger kamen. Dank seiner Größe, Kraft und der Eigenschaft, eigene Entscheidungen zu treffen, konnte der Rhodesian Ridgeback sich gegen die Angriffe des Löwen verteidigen.

Die Urahnen des Rhodesian Ridgebacks sind sehr alt. Erzählungen zufolge gab es bereits im alten Ägypten Hunde mit einem "Rückenkamm". Im 15. Jahrhundert wurden Hunde in Afrika entdeckt, die einen Ridge hatten. Man nannte sie "Khoi-Khoi"-Hunde, benannt nach den Ureinwohnern, die sich selber so bezeichneten. Diese Hunde waren ca. 40-50 cm hoch und wurden wegen ihres Mutes bei der Raubtierjagd und als furchtlose Wächter von Vieh geschätzt.

Der so genannte Khoi-Khoi-Hund wurde mit aus Europa mitgebrachten Hunden gekreuzt. Es entstand der so genannte "südafrikanische" Hund "Weißer Siedler". Der Ridge wird meist dominant vererbt, sodass auch diese gekreuzten Hunde einen Ridge hatten und auch an Größe zunahmen.

1879 brachte der Missionar Charles Helm zwei dieser Hunde mit nach Rhodesian, das heutige Simbabwe. Vor allem ist auch ein Name mit dem Rhodesian Ridgeback untrennbar verbunden. Der Großwildjäger Cornelius van Rooyen wurde auf die Hunde mit dem Rückenkamm aufmerksam und stellte fest, dass sie sich hervorragend für die Großwildjagd eigneten. Durch gezielte Kreuzungen trug er sehr zum Aussehen des heutigen Rhodesian Ridgebacks bei. Es wird überliefert, dass Doggen, Bloodhounds, Pointer und Retriever zum Erscheinungsbild beisteuerten, erwiesen ist das jedoch nicht.

1922 wurde der Standard des Rhodesian Ridgeback (Grundlage war der Standard des Dalmatiners) bei der KUSA (Kennel Union von Südafrika) eingereicht und 1926 anerkannt.

Es gibt nichts Schöneres für mich und lässt mein Herz aufgehen, die Welpen mit auf die Welt zu bringen, mit viel Liebe, Zeit und Engagement aufzuziehen, zu prägen und bei der Abgabe in die glücklichen Gesichter der neuen "Hundeeltern" zu blicken. Als Züchterin obliegt mir eine große Verantwortung gegenüber der Rasse Rhodesian Ridgeback und des Erscheinungsbildes in der Öffentlichkeit, denn der Rhodesian Ridgeback stand eine Zeitlang auf der Kampfhundliste (Bayern). Und dort gehört er sicherlich nicht hin.

Mir persönlich ist es sehr wichtig, gesunde, typvolle, funktionale und charakterlich einwandfreie Hunde zu züchten. Mir ist es nicht wichtig, nur "schöne" Rhodesian Ridgebacks und Ausstellungshunde zu züchten. Was nutzt mir der schönste Hund (egal welcher Rasse), wenn dieser charakterlich nicht einwandfrei ist und auffällig wird? Danach such ich auch den zukünftigen Vater meiner Welpen aus. Denn er soll genau wie Bashira wesensfest, sozialverträglich, freundlich und charakterfest sein.

Ich gebe mir die größte Mühe, die zukünftigen Welpenbesitzer nach bestem Wissen und Gewissen auszusuchen. Ich wünsche mir von ganzem Herzen für meine Babys die besten Hundeeltern, bei denen Sie ihr Leben lang bleiben. Egal ob Familien-, Ausstellungs- oder Zuchthund. Es ist für mich sehr wichtig, Aufklärungsarbeit zum Wohle der Rasse zu leisten. Von mir erfährt jeder alle Vor- aber auch Nachteile des Rhodesian Ridgebacks. Es hilft niemandem, alles nur im rosaroten Licht zu schildern.

Die Vorteile sind sicherlich sein Erscheinungsbild, seine Intelligenz, seine Sensibilität und, vor allem wenn er als Welpe optimal geprägt wurde, seine "Furchtlosigkeit" gegenüber allem Neuen. Sensibilität bedeutet nicht Angst- oder Empfindlichkeit. Der Rhodesian Ridgeback hat ein extremes Wahrnehmungsvermögen und einen sechsten Sinn für Gefahren. Doch gegenüber Fremden ist der Rhodesian Ridgeback zurückhaltend aber ohne Scheu oder Aggressivität. Der Ridgeback wird auch Löwenhund genannt, da er zur Löwenjagd gezüchtet wurde. Doch niemals hat er mit Löwen gekämpft. Er musste eigene Entscheidungen treffen, wie er dem Löwen ausweicht, um nicht selber Opfer des Löwen zu werden. Diese eigenen Entscheidungen zu treffen, steckt bis heute in dieser Rasse. Und das soll und muss man als zukünftiger Besitzer wissen und respektieren.

Meine Hunde führen jedes Kommando aus, "diskutieren" aber auch gerne mal mit mir über Sinn und Unsinn des Befehles. Man kann von einem Rhodesian Ridgeback keinen "Kadavergehorsam" erwarten. In der Erziehung für den Welpen bedeutet das, viel Liebe und vor allem Konsequenz. Dann kann man mit seinem Rhodesian Ridgeback sehr gut in der Unterordnung arbeiten. Härte verträgt er überhaupt nicht, dann verweigert er sich recht schnell.

Als Jagdhundrasse wird der Hund auch oft von Jägern ausgebildet und geführt und eignet sich sehr gut zur Nachsuche. Als Laufhundrasse benötigt der Ridgeback viel Auslauf (natürlich noch nicht der Welpe oder Junghund!). Doch genauso wichtig ist die Kopfarbeit für den Hund. Sonst wird ihm schnell langweilig und dann sucht sich der Ridgeback eigene Beschäftigungen oder "Abenteuer". Das heißt, er geht dann auch mal eigene Wege und davon hält ihn auch ein Zaun, der nicht mindestens 1,60 m hoch ist, nicht ab.

Immer wieder werde ich gefragt, ob der Rhodesian Ridgeback kinderlieb sei. Dazu muss ich sagen, dass kein Hund kinderlieb geboren wird. Welpen sehen Kinder ebenfalls als Welpen und genau wie bei den Geschwistern wird eine Toleranzgrenze "ausgetestet". Bei sehr guter Prägung des Welpen durch Umgang mit Kindern und der Einsicht- und Umsicht der Eltern steht einer ausgezeichneten Kind-Hund-Beziehung nichts im Wege. Und ganz wichtig! Lassen Sie ihre Kinder und einen Hund nie alleine. Ein Hund ist kein Spielzeug! Der zukünftige Rhodesian-Ridgeback-Besitzer hat das Recht, all dies zu erfahren, damit ein jeder weiß, worauf er sich einlässt. Konrad Lorenz (Verhaltensforscher) sagte einmal sinngemäß "Ich brauche einen Hund, der keiner 'Mode' unterworfen ist, sondern ein lebendiges Tier, ein natürliches Geschöpf mit unverdorbener Seele."

Mir liegt viel daran, genau das mit meiner Hobbyzucht zu erreichen, damit sich auch jeder in Zukunft an wundervollen Hunden der Rasse Rhodesian Ridgeback erfreut.

Rassestandard des Rhodesian Ridgebacks

FCI – Standard: 146
Laufhundgruppe 6
Ursprungsland: Südafrika
Entstehungszeit: 19. Jh.
Einstige Verwendung: Jagdhund
Heutige Verwendung: Jagd-, Begleit- und Familienhund
Lebenserwartung: ca. 12 Jahre
Synonym: Afrikanischer Löwenhund

Haar: Das Haar ist kurz und dicht, glatt und glänzend, weder wollig noch seidig.

Farbe: Hell-weizenfarben bis dunkel-weizenfarben. Kopf, Rumpf, Läufe und Rute müssen die gleiche Farbe haben.

Kopf und Schädel: Der Kopf ist ziemlich breit, der Schädel ist flach und zwischen den Ohren verhältnismäßig breit. Der Stop ist nicht zu stark betont. Der fang ist lang, hoch und kräftig. Der Nasenspiegel ist schwarz oder braun (so genannte "Livernose"). Die Lefzen sind trocken und schließen gut ab.

Augen: Die Augen sind mäßig weit auseinander stehend, rund, glänzend und von lebhaftem und intelligentem Ausdruck. Die Farbe harmonisiert mit der Fellfarbe.

Ohren: Die Ohren sind ziemlich hoch angesetzt und mittelgroß. Sie sind recht breit am Ansatz, werden zum Ende hin schmaler und sind leicht abgerundet. Sie liegen am Kopf an.

Vorderläufe: Die Schultern sind schräg gestellt, trocken und muskulös. Die Läufe sind gerade, kräftig und starkknochig. Der Ellbogen ist gut am Körper anliegend.

Hinterläufe: Die Muskeln sind klar erkennbar und gut geformt. Die Kniegelenke sind gut gewinkelt, die Sprunggelenke sind tiefliegend.

Pfoten: Die Pfoten sind kompakt mit gut gewölbten Zehen. Sie sind widerstandsfähig und elastisch. Es gibt Haare in den Zehenzwischenräumen und zwischen den Ballen. Der Ballen ist rund.

Brust: Die Brust ist nicht zu breit, schön tief und weit. Die Rippen sind mäßig gebogen, nie rund oder tonnenförmig.

Rücken:
Der Rücken ist kräftig. Die Lendengegend ist muskulös und leicht gewölbt.

Ridge:
Der Ridge beginnt unmittelbar hinter der Schulter, beginnend mit der so genannten Box, die zwei symmetrisch angelegte Kronen (Wirbel oder auch Crowns genannt)haben muss, und reicht bis zu den Hüftknochen. Der Ridge soll gegenüber dem Rückenfell klar abgegrenzt sein.

Rute:
An der Wurzel ist die Rute dick, zur Spitze hin verjüngt sie sich. Die Rute ist weder zu hoch noch zu tief angesetzt und ist leicht nach oben gebogen, doch sie wird nie aufgerollt.

Meine Bashira bekam 2005 ihren ersten Wurf, den sie instinktsicher und mit viel Liebe und Hingabe aufzog. Aus diesem Rhodesian-Ridgeback-Wurf behielt ich Yashangaa Abeni Pink Lady, die sich prächtig entwickelte. Bashira bekam am 02.12.2008 ihren dritten und letzten Wurf mit 13 Welpen. Eine Sensation für mich. Das fanden wohl auch die Presse und das Fernsehen. Die Bildzeitung und die Westfalen-Post berichteten über uns und auch der WDR war mit der Kamera dabei. Bashira tritt nun in der wohlverdienten Ruhestand und Abeni wird die Tradition fortsetzen.

Der Rhodesian Ridgeback ist ein mutiger und sensibler Hund, was ich bei meinen immer wieder feststelle. Der Ridgeback ist spätreif und erst im Alter von zwei bis drei Jahren körperlich und seelisch erwachsen. Dem muss der neue Besitzer Rechnung tragen und darf den kleinen Ridgeback keinesfalls überfordern. Auch die Fütterung des kleinen Ridgebacks ist extrem wichtig. Er sollte nicht überfüttert werden und zu schnell wachsen. Das kann sich negativ auf den Körperbau, Gelenke, Kochen, Knorpel und Sehnen in der Wachstumsphase auswirken. Daher bevorzuge ich ein Welpenfutter, das nicht mehr als 28% Rohprotein beinhaltet. Gerne berate ich auch dahingehend jeden, der Informationen haben möchte. Das alles gebe ich natürlich auch meinen Welpenkäufern mit auf den Weg.

Uns allen wünsche ich viele glückliche Jahre mit unseren Rhodesian Ridgebacks!

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

Snautz.de sucht Hunde- und Katzenfans, die uns z.B. eine bestimmte Rasse, Gesundheitsthemen oder anderes Wissenswertes über die Vierbeiner in einem Artikel näher bringen möchten. Teilen Sie uns Ihre Artikelidee einfach per Mail an magazin@snautz.de mit...

Links zum Artikel:

weitere Bilder:

Rhodesian Ridgeback-Hündin Bashira
Welpen im Alter von 4 Wochen mit Mutter
Welpen im Alter von 6 Wochen
Rhodesian Ridgeback-Welpen mit 7 Tagen