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30.01.2013 Diana Schmahl, Freie Rettungshundestaffel Ostwürttemberg e.V./Ulm

Ehrenamtlich mit Rettungshunden im Einsatz

Nachwuchs und Trainingsgelände für freie Rettungshundestaffel gesucht

Spielende Kinder, die nicht mehr nach Hause kommen, Jogger, die verletzt im Wald liegen, Pilzsucher, Jäger oder demenzkranke Menschen sowie Personen mit suizidaler Absicht sind der Hauptschwerpunkt der Arbeit jeder Rettungshundestaffel. Jedes Jahr werden in Deutschland rund 100.000 Menschen als vermisst gemeldet. Rettungshunde sind bei solchen Fällen ein unschlagbares Einsatzmittel, das bisher durch keine Technik ersetzt werden konnte.

Das Logo der Rettungshundestaffel Ostwürttemberg e.V. (Bild: D. Schmahl)

Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln und Menschen zur Suche von Vermissten führt nicht immer zum Erfolg. Ein Test in der Schweiz ergab, dass sofern es im Gelände still ist und die vergrabenen “Testpersonen” akustische Zeichen (Klopfen) geben, diese bei bedeutend längeren Suchzeiten von Menschen nur in 30% der Fälle geortet werden. Rettungshunde können dagegen ihre Nase überall und zu jeder Zeit einsetzen. Vor allem der Faktor Zeit kann gerade in den Wintermonaten oder auch bei Personen, die dringend Medikamente benötigen, eine übergeordnete Rolle spielen.

Mantrailer (Personenspürhunde) sind die einzige Chance festzustellen, in welche Richtung sich der Geruch der fehlenden Person verbreitet. Bei der Personenspürsuche fungiert der Hund wie ein Übersetzer. Er macht Geruch für den Menschen sichtbar. Ein unschätzbarer Vorteil für alle Einsatzkräfte, wenn bekannt ist, wo genau sie suchen sollen. Doch wer Mantrailing als puren Spaß für den Hund betrachtet, bei dem sich praktischer Weise auch noch ein paar Vermisste suchen lassen, ist auf dem Holzweg. Personenspürsuche auf Einsatzniveau ist die Königsdisziplin des Rettungshundewesens und fordert von Hund und Hundeführer alles an Können und Engagement ab. Unsere speziell ausgebildeten Familienhunde für die Flächensuche sind in der Lage, einen Hektar binnen 3 bis 12 Minuten nach menschlicher Witterung abzusuchen. Sie durchstreifen freilaufend systematisch das Gelände. Gekennzeichnet mit ihrer Kenndecke, Glocken und Licht sind sie gut als Rettungshund zu erkennen, und auch zu hören.

Wir, die Mitglieder der Rettungshundestaffel Ostwürttemberg e.V. (mit Sitz in Ulm), sind berufstätige Menschen mit ihren Hunden, die sich in ihrer Freizeit zum Rettungshundeführer ausbilden lassen. Unser Ziel ist es, hervorragend ausgebildete Rettungshundeteams in den Einsatz nach vermissten Menschen zu schicken. Deshalb haben wir uns im Oktober 2012 mit der am 01. März 1996 gegründeten Rettungshundestaffel Ostwürttemberg e.V. mit Sitz in Aalen zusammengeschlossen und bilden die Freie Rettungshundestaffel Ostwürttemberg e.V. mit Sitz in Ulm. Pro Jahr bewältigt die Staffel aus Ulm und Aalen ca. 25 bis 40 Einsätze. Schon 1999 wurden zwei Teams zu den schweren Erdbeben nach Taiwan und zweimal in die Türkei geflogen. Von dieser Erfahrung profitieren wir als sehr junge Staffel und können in Ulm bereits kurz nach der Gründung ein geprüftes und einsatzerfahrenes Rettungshundeteam für die Flächensuche vorweisen. Bereits zwei Funde sind uns gelungen.

Ebenfalls haben wir ein Personenspürteam, sogenannte Mantrailer, das die Sichtungsprüfung für Mantrailer bestanden hat. Egal, ob die Gordon Setter Hündin als Geruchstoff einen gekauten Kaugummi erhält oder lediglich den Autositz zur Verfügung hat, um den Individualgeruch aufzunehmen, es ist immer wieder faszinierend zu sehen wie die Hundenase arbeitet. Die Hündin zeigt uns sicher wo die Person, die wir suchen, entlang gegangen ist oder dass die Spur endet, weil die Person in einen Bus, ein Auto oder einen Zug gestiegen ist.

Insgesamt haben wir derzeit 15 Rettungshundeteams in Ausbildung, wovon sich einige bereits auf dem Weg zur Hauptprüfung befinden. Die ehrenamtlichen Rettungshundeteams müssen durch permanentes Training ständig einsatzbereit gehalten werden, um im Notfall jederzeit gezielt Hilfe leisten zu können. Die Teams müssen in Erster Hilfe für Mensch und Hund sowie in Karte/Kompass, Suchtaktik für Trümmer, Funk und Fläche immer geschult werden und besuchen Lehrgänge. Unser Einsatzgebiet reicht vom Alb-Donau-Kreis bis nach Aalen. Bei Nachforderungen in die angrenzenden Bundesländer rücken wir ebenfalls zur Vermisstensuche aus.

Freiwillig und unentgeltlich stellen unsere Hundeführer und Helfer ihre Freizeit zur Verfügung. Alle ehrenamtlichen Hundeführer und Helfer dieser Staffel sind bereit, ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre Hunde und ihr Können 365 Tage im Jahr einzusetzen, um Menschen in Not zu helfen. Wir stellen keinerlei Rechnungen für unsere Einsätze und tragen die Kosten der Trainings sowie Einsätze selbst. Wir erhalten keine Unterstützung durch Stadt, Land, übergeordnete Verbände oder von einer Hilfsorganisation, da wir eine freie ehrenamtliche Staffel sind. So können wir flexibler helfen, da wir auch privat alarmiert werden können. Das bedeutet Fahrzeuge, Funkgeräte und Uniformen müssen von uns selbst beschafft werden, die Lehrgänge werden von jedem Hundeführer selbst gezahlt. Ebenfalls werden ständig Gelände gesucht, auf denen wir kostenfrei trainieren dürfen und unsere Hunde damit auch immer wieder geistig auslasten können.

Wer Menschen in Not Halt geben will, muss wissen, was zu tun ist. Dazu brauchen wir gut ausgebildete Fachleute und Hunde. Über Nachwuchs oder Helfer ohne Hund freuen wir uns sehr. Keine andere Arbeit führt Mensch und Hund so eng zusammen. Denn nur wer seinen Hund lesen kann und ihm die Möglichkeit gibt seinen Zweibeiner zu lesen, kann ein zuverlässiges und sicheres Team werden.

Wir möchten uns vorab ganz herzlich bei Ihnen bedanken, auch im Namen der Menschen, die wir suchen, denn durch Ihre Unterstützung wird es uns möglich sein, unser sehr hohes Niveau zu halten und zu verbessern, um genau da Leben zu retten, wo andere die Hoffnung schon fast verloren haben.

Rettungshundearbeit ist ein zeitintensives Hobby und man stellt sich und seinen Vierbeiner in den Dienst von Menschen in Not. Wir erhalten keine Pokale für unsere Arbeit und betreiben auch keinen Rettungshunde-Sport. Die Ausbildung der Hunde erfolgt nur über positive Verstärkung und über Motivation.

Für den Hund ist die Suche immer ein Spaß. Wir machen uns seine genetische Veranlagung zu nutze, um Menschenleben zu retten. Rettungshundearbeit bedeutet, dass der Hund Teampartner und Kamerad ist, der auch in der Lage sein muss, Probleme in großer Entfernung alleine zu lösen, gemäß des Kommandos "Such und Hilf"!

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weitere Bilder:

Rettungshund Bailey bei der Waldarbeit. (Foto: D. Schmahl)
Rettungshund Roxy bei der Waldarbeit. (Foto: D. Schmahl)
Annie, ein Rettungshund der Rettungshundestaffel. (Foto: D. Schmahl)
Titus, ein Hund der Rettungshundestaffel. (Foto: D. Schmahl)