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25.03.2008 Marina Rethwisch, Parson-Russell-Terrier-Zwinger vom Eiser

Der Parson Russell Terrier

Vor Jahren, wir hatten zu dieser Zeit einen Dackel, fiel uns dieser kleine, bunte Hund auf, der Parson Russell Terrier. Die Fröhlichkeit und Lebhaftigkeit des Parson Russell Terrier faszinierten uns sofort. Als unser Hund dann in den Hundehimmel kam, war für uns klar, jetzt kommt ein Parson Russell Terrier ins Haus. So begann unsere Zucht.

Ice Age im Alter von neun Wochen. (Foto: M. Rethwisch)

Wir brauchten gar nicht lange suchen und fanden im Hamburger Abendblatt die Anzeige: "Parson-Russell-Terrier-Welpen zur Abgabe bereit". Unser Traumhund Insa zog bei uns ein.

Die Geschichte des Parson Russell Terriers

Die Wurzeln dieses vielseitigen Terriers liegen im England des 19. Jahrhunderts. Der 1795 in Darthmouth geborene Pfarrer (Parson heißt auf Englisch "Pfarrer") John Russell - sein Spitzname war Jack, er war der Begründer dieser Rasse. Von einem Milchmann kaufte er 1819 seinen ersten Hund Namens Trump, diesen Namen kennt heute jeder Parson-Russell-Terrier-Fan. Diese Hündin entsprach schon damals in wesentlichen Punkten dem heute geltenden Standard und wird heute als Stammmutter der Parson-Zucht bezeichnet.

Ab 1930 waren diese Vierbeiner als Jack Russell bekannt. Ab 1970 wurde diese Rasse auch in Deutschland bei den Jägern beliebt. Denn diese Vierbeiner eignen sich für die Arbeit unter der Erde, in der Meute und als Einzelgänger, bei der Suche nach verletztem Wild, bei der Wasserarbeit, als Rettungshund und als Familienhund. Ein Parson oder Jack Russell ist immer mit ganzem Herzen dabei. Diese beiden Namen sorgen häufig für Irritationen.

Der Unterschied zum Jack Russell Terrier

Häufig wird bei mir angerufen und nach dem Jack Russell gefragt. Wenn ich dann die Anrufer aufkläre, sind die Leute sehr erstaunt. Der Britische Kennel Club und die FCI erkannte 1990 den hochläufigen Parson Jack Russell Terrier als eigenständige Rasse an. 2001 wurde in Australien ein Standard für den niederläufigen Jack Russell Terrier erstellt. Um Verwechslungen zu vermeiden wurde dem Parson Jack Russell das Jack genommen. In Wesen und Haltung sind beide Terrierrassen gleich, Unterschiede gibt es nur im Körperbau.

Der Jack Russell ist länger als hoch, er liegt zwischen 25 und 30 cm im Stockmaß, der Parson sollte am Widerrist gemessen zwischen 31 bis 38 cm sein. Es gibt diese Rasse in drei Haarkleidern, glatt, rauh oder broken, das Haar sollte immer harsch mit anliegendem Deckhaar und dichter Unterwolle sein, die ihn vor jeder Witterung schützt. Seine Farbe sollte ganz weiß oder überwiegend weiß mit braunen oder schwarzen Abzeichen oder eben tricolor vorwiegend im Gesicht oder am Rutenansatz sein.

Die Eigenschaften dieser Hundrasse sind: äußerst lebhaft, sehr intelligent, eigenwillig, selbständig und meist mit ausgeprägtem Jagdtrieb. Jeder möchte einen intelligenten Hund haben, aber nicht jeder weiß, dass das Zusammenleben mit einem weniger intelligenten sowie selbständigen Hund einfacher ist. Der Russell-Terrier hat eine ausgesprochen gute Nase, deshalb ist er auch der ideale Jagdbegleiter. Alle diese Eigenschaften kann er an der Haustür ablegen, um dann im Haus ein angenehmer, verspielter Familienhund zu sein. Durch Werbung und Filmindustrie ist diese Rasse sehr bekannt geworden. Sie sind auch durch ihre Fröhlichkeit sehr werbewirksam, deshalb war zeitweise eine große Nachfrage nach Welpen. Nun mussten wir Züchter aber auch feststellen , dass nicht jeder potenzielle Käufer auch der richtige Halter für diesen Arbeitshund ist.

Unsere Zucht

Mit Insa fing dann unsere Lust auf die Hundzucht an. Wir sind anerkannte VDH-Züchter und züchten im KfT (Klub für Terrier). Aus dem ersten Wurf behielten wir "Tante Amely". Die wollte aber von Zucht und Rüden gar nichts wissen. Wir fuhren durch ganz Deutschland, zu den schönsten Hunden, Amely lehnte alle ab. Nun was soll's, sie ist halt Tante Amely. Wir haben vier Hündinnen, die sich bestens vertragen und ein tolles Rudel bilden. Einmal im Jahr haben wir einen Wurf, den wir mit viel Liebe und Zeit auf das Hundeleben vorbereiten. Mein Mann ist seit Jahren Hundeausbilder und so starten wir jeden Sonntag mit unseren Hunden auf den Hundeplatz. Hier wird ihnen alles an Erziehung beigebracht und sie lernen soziales Verhalten. Viel Zeit zum Rennen, Spielen und Toben bleibt auch für die Hunde.

Das Wesen des Parson Russell Terriers

Ein Parson wird eine Erziehung langweilig und sinnlos finden, wenn er nicht motiviert und belohnt wird. Es gibt für ihn viel lustigere Dinge auf der Welt als zu gehorchen. Auch ist er ein Allesfresser, wir haben schon die tollsten Sachen erlebt, z.B. Dieselöl, eine Mutter vom Drehstuhl, Kaktus usw. Es ist noch eine recht gesunde Hunderasse, alle Züchter sind daher aufgefordert, dieses auch so zu erhalten.

Es sind nur wenige rassespezifische vererbbare Krankheiten bei diesen Tieren bekannt. Kranke Hunde sind als Arbeitsterrier nicht geeignet. So entstand schon früh in England eine Auslese auf gesunde Hunde. Wir Züchter haben nun die Pflicht, auch nur mit ganz gesunden Tieren zu züchten. Die Zuchtordnung schreibt uns ja auch vor, die Untersuchungen auf potenzielle Erbkrankheiten durchzuführen. Wir müssen das Gehöhr, die Augen und eine Patellauntersuchung zur Zuchtzulassung vorweisen.

Er braucht eine feste Ansage, Dominanz, Konsequenz, viel Bewegung und noch mehr Zuwendung. Er ist einer der außergewöhnlichsten, lebhaftesten und fröhlichsten Vertreter der Terrierrassen. Er ist im Umgang mit Menschen sehr freundlich und liebt Kinder, kann aber in einer Rauferei mit anderen Hunden sehr aggressiv werden. Deshalb empfehlen wir auch allen Käufern mit dieser Hunderasse, eine Hundeschule zu besuchen und eine Ausbildung zu machen. Hier wird dem Halter der Umgang mit seinem Vierbeiner vermittelt und das Tier wird durch andere Hunde sozialisiert. Dennoch kenne ich keinen Parson, der nicht schon in eine Beißerei verwickelt war. Seine Erziehung ist nicht immer einfach. Diese Rasse wurde vor mehr als 200 Jahren für die Arbeit zur Jagt im Bau gezüchtet und ist dementsprechend unabhängig. Diese Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Hundes, sein Mut und seine unbekümmerte Fröhlichkeit sind es aber, die diese Rasse auch so beliebt machen...

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weitere Bilder:

Welpen 2006: Harry Potter, Hillary, Hatty u. Honey im Alter von 9 Wochen. (Foto: M. Rethwisch)
Die Parsons an der Ostsee am Strand. (Foto: M. Rethwisch)
Welpe im Juni 2006, 4 Monate alt. (Foto: M. Rethwisch)
Honey mit 4 Wochen. (Foto: M. Rethwisch)