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30.06.2016 Gerdi M. Büttner

Leseprobe: "Mein Name ist Huth, Robin Huth"

Gerdi M. Büttner ist Schriftstellerin. In diesem Buch erzählt sie über das Leben mit ihrer englischen Bulldogge Robin Huth. Da ihr aber auch das Schicksal anderer Hunde nahe geht, bringen sie die Bilder von gequälten, vernachlässigten und ausgesetzten Hunde immer öfter an die Grenzen ihrer Akzeptanz. Das brachte sie auf die Idee, 50 % des Reinerlöses von Robins Roman an Organisationen zu spenden. Die Spenden werden transparent auf der Homepage gemacht. Wir möchten euch das Buch gern mit einer Leseprope vorstellen. In diesem Kapitel geht es um die Giftköder.

Das Buch "Mein Name ist Huth, Robin Huth". Auf dem Foto ist die englische Bulldogge Robin zu sehen. (Foto: Gerdi M. Büttner)

Langsam und weitgehend unbemerkt hat sich der Alltag wieder in unserem Leben breitgemacht. Die Oma ist wieder nach Hause gefahren, Tanja und Charlotta, die jetzt nur noch Lotta heißt, kommen nun sehr gut allein zurecht. Die Kleine gedeiht prächtig und wird von Lara nicht aus den Augen gelassen. Meine Gefährtin ist ganz vernarrt in Lotta und hat kaum noch Zeit für mich. Da ist es nur gut, dass auch Felix und ich unseren Papa-Urlaub beendet haben und wieder gemeinsam zur Arbeit gehen.

Und sofort wartet ein neuer Fall auf uns, der die Gemüter unserer Kollegen schon mächtig in Wallung gebracht hat. Es geht um einen gemeinen Tierhasser, der in unserem schönen Städtchen Giftköder für Hunde auslegt. Es hat schon fünf Hunde getroffen, von denen nur zwei den Anschlag überlebt haben. Die Köder wurden in Grünanlagen ausgelegt, die oft von Spaziergängern mit ihren Hunden frequentiert werden. Auch das kleine Wäldchen, in dem Felix und ich öfter laufen, gehört dazu. Bei der Einsatzbesprechung geht es heute sehr ernst zu. Die Chefin persönlich spricht eindringlich zu uns. Vor sich auf dem Tisch hat sie komische Dinger liegen, die mir irgendwie bekannt vorkommen, es fällt mir aber nicht ein, was das sein könnte. Ihre nächsten Worte machen es jedoch schnell klar. "Ich bitte euch eindringlich, eure Hunde während des Einsatzes mit einem Maulkorb zu sichern.", erklärt sie und schaut von einem zum anderen. "Ich möchte keines der Tiere verlieren, nur weil jemand meint, sein Hund würde nichts fressen, was er auf dem Boden findet. Die Giftköder sind besonders schmackhaft verpackt, da kann der eine oder andere Hund vielleicht doch nicht widerstehen. Also kommt alle nach vorn und sucht einen Maulkorb aus, der eurem Hund passt und ihn nicht einengt. Ich habe besonders tragefreundliche Modelle bestellt, damit die Tiere möglichst viel Freiheit, aber auch Schutz haben." Ein Maulkorb? Ich soll einen Maulkorb tragen? Das kann doch nicht ernst gemeint sein. Wie sehe ich denn damit aus? Als wenn ich ein bissiger Kampfhund wäre. Mein Protest verhallt ungehört, ich muss mit Felix nach vorn gehen und bekomme einen Maulkorb verpasst. Während er mir das Ding überzustreifen versucht, will mich Felix mit tröstenden Worten beruhigen. Doch ich bin sauer und drücke meine Nase auf den Boden. "Das ist doch nicht um dich zu ärgern, Robin. Und ich weiß auch, dass du so einen Maulkorb eigentlich nicht brauchst. Trotzdem ist es nur zu deinem Besten, wenn du gar nicht erst in Versuchung gerätst, einen Giftköder zu fressen. Das Zeug ist so gefährlich, da würde es schon reichen, wenn du nur daran leckst. Aber wir wollen dich auf keinen Fall verlieren, Tanja, Lara und ich. Wer sollte denn Lotta beschützen, wenn es dich nicht mehr gäbe, hmmm?" Ja, wenn das so ist. Langsam hebe ich den Kopf ein Stück.

An meine Verantwortung meiner Familie gegenüber habe ich gar nicht gedacht. Die brauchen mich doch alle, besonders die kleine Lotta. Ich bin ihr vierbeiniger Bruder, ihr Beschützer. Also gut, Felix, du hast mich überzeugt. Aber dafür habe ich mir ein extragroßes Stück Fleischwurst verdient. Gleich nach Feierabend, und nicht vergessen! Heroisch hebe ich den Kopf ganz und lasse mir den Maulkorb überziehen. Ich seufze ein bisschen theatralisch, als Felix den Gurt in meinem Nacken einstellt. Probehalber schüttele ich den Kopf und reiße das Maul auf um zu testen, wie eng der Maulkorb sitzt. Naja, ist ja gar nicht so schlimm das Ding, merkt man fast nicht. Der Korb ist aus Draht und so weit, dass er weder mit der Nase noch mit dem Unterkiefer in Berührung kommt. Dort, wo er am Nasenrücken aufsitzt, ist er mit weichem Schaumstoff gepolstert. Was aber das Wichtigste ist, die Leckerchen, die Felix mir reicht, passen problemlos durch die Drahtstäbe.

Ich kaue sie schnell hinunter, in der Hoffnung auf mehr, aber leider ist schon wieder Schluss. Missmutig setze ich mich auf meinen Hintern und gucke in die Runde. Alle meine Kumpels sind ebenfalls mit Maulkörben ausgestattet. Die Anderen auch so zu sehen beruhigt mich, ich gehe zu ihnen hin und wir versichern uns gegenseitig, wie unnötig die Körbe auf unseren Nasen doch sind und wie ulkig jeder damit aussieht. Ein paar Minuten später beginnt unser Einsatz und wir traben gemeinsam mit unseren Menschen zum Bus, der uns zum Stadtpark bringt. Die Giftköder, die dort aufgetaucht sind, waren alle gut in den Büschen versteckt. Deshalb sollen wir Hunde jetzt alles absuchen und unsere Menschen darauf hinweisen. Die sind mit Plastikhandschuhen und Beuteln ausgestattet, um die gefundenen Köder einzusammeln. Wir bekommen Wege zugeteilt und laufen los. Um zu wissen, nach was wir suchen sollen, haben wir Hunde Proben der Giftköder hingehalten bekommen, natürlich nicht so nah, dass sie uns gefährlich werden könnten. Das Gift ist in Hackfleischbällchen versteckt, eine ziemlich sichere Methode, denn welcher normale Hund verschmäht schon Hackfleischbällchen. Auch wenn es die billigen vom Discounter sind, wie Felix mir erklärt. Gemächlich schlendert Felix den Weg entlang, während ich an der langen Leine an den Büschen entlanglaufe und sorgfältig schnüffele. Für diese Arbeit bin ich wie geschaffen, denn meine Nase schlägt sofort an, wenn auch nur der geringste Duft nach was Essbarem an sie dringt. Ich zeige Felix alles an, was ich finde. Auch den halben Keks, der einem Kind runtergefallen ist, oder die trockene Semmel, um die sich ein paar Tauben streiten. Er begutachtet alles, gibt mir ein Leckerchen als Belohnung und dann den Tauben ihr Frühstück zurück. Mir soll‘s Recht sein, er muss wissen, was er tut. Ich schnüffele weiter und finde schließlich tatsächlich Hackfleischbällchen.

Mir läuft das Wasser im Maul zusammen und bin in dem Moment froh, den Maulkorb zu tragen. Ich weiß nicht, ob sonst meine Selbstbeherrschung ausgereicht hätte, die leckeren Bällchen nicht sofort zu verschlucken. Aber so bleibt mir nichts anderes übrig, als mich hinzusetzen und zu bellen, so wie ich es gelernt habe. Felix lobt mich überschwänglich und belohnt mich mit gleich zwei Leckerlis. Dann klaubt er vorsichtig mit behandschuhten Fingern die Giftköder auf und steckt sie in ein Tütchen. Er schreibt etwas darauf und verstaut es im Beutel. Dann geht die Suche weiter. Am Ende unserer Tour haben wir jede Menge Giftköder gefunden, dreizehn sagt Felix, aber ich weiß nicht wirklich, wie viele das sind. Ist mir auch egal, ich habe meine Arbeit erledigt und damit vermutlich einigen harmlosen Hunden das Leben oder zumindest die Gesundheit gerettet. Auch meine Kumpels waren fündig geworden. Nachdem wir wieder im Büro angelangt sind, zählen unsere Menschen die gefundenen Giftköder und jemand sagt, es wären vierundfünfzig. Das klingt zumindest nach einer ganzen Menge und unsere Chefin und die zwei Männer von der Polizei bestätigen das. Morgen soll die Suche dann im Stadtwald weitergehen, erklären die Polizisten noch, bevor sie das Paket mit den Ködern mitnehmen. Sie sollen zur Untersuchung ins Polizeilabor gebracht werden. Nachdem sie gegangen sind, lobt unsere Chefin nochmals unseren Einsatz, besonders den von uns Hunden. Zur Belohnung spendiert sie uns eine große Schüssel voller Rinderhack. Unsere Menschen teilen es auf und servieren es uns in Näpfen. In jeden Napf kommt noch ein Eidotter, den die Hühner, die hier leben, uns gesponsert haben. Sagt wenigstens Felix und lacht dabei. Leider reicht mein Bulldoggen-Humor wieder mal nicht aus, den Witz zu verstehen. Ist mir auch nicht so wichtig, denn jetzt muss ich erst mal fressen.

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