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22.02.2013 Anja Boecker, Hundeschule "Hundezentrum Bayerischer Wald"

Mantrailing - Nasenarbeit auf höchstem Niveau

Immer wieder fällt der Begriff "Mantrailing", wenn es um die Auslastung der Hunde geht. Mantrailing bedeutet die Suche mit Hilfe des Hundes nach einem bestimmten Menschen, also Nasenarbeit. Wie Mantrailing funktioniert und wie man es trainieren kann, erläutert uns Anja Boecker vom "Hundezentrum Bayerischer Wald".

Hund mit Geschirr und Schleppleine. (Foto: A. Boecker)

Die Bezeichnung Mantrailing kommt aus dem Englischen und setzt sich aus den Wortteilen Man = Mensch und Trailing = nachlaufen/verfolgen zusammen. Mantrailing ist eine anspruchsvolle Beschäftigung für die Hundenase. Jeder Hund, ob groß oder klein, findet in dieser Form der Nasenarbeit seine Bestätigung. Man kann „just for fun“ trailen und hier auch die ganze Familie mit einbeziehen oder aber professionell seinen Hund in der Rettungshundestaffel ausbilden lassen.

Was genau ist Mantrailing?

Man versteht darunter die Suche des Hundes nach einem ganz bestimmten Menschen. Hier spricht man von der Suche nach dem Individualgeruch. Jeder Mensch baut täglich Körperzellen millionenfach ab. Bei diesem Zersetzungsprozess, hauptsächlich durch Bakterien, werden Gase freigesetzt, die der Hund riechen kann. Der Individualgeruch ist mit einem Fingerabdruck zu vergleichen - also unverfälschbar! Ein gut trainierter Personenspürhund ist in der Lage den Geruch eines einzelnen Menschen unter tausend anderen herauszufiltern und diesen zu identifizieren. Das ist über bestimmte Entfernungen möglich. Selbst nach vielen Stunden oder Tagen sind Hunde in der Lage dieser Duftspur zu folgen. Der Hund kann im Wald, in Ortschaften, Großstädten oder Gebäuden eingesetzt werden, egal ob die zu suchende Person mit dem Fahrrad, zu Fuß oder zum Beispiel mit Pferd unterwegs war.

Der Geruchsartikel

Der Geruchsartikel spielt eine große Rolle. Durch ihn erhält der Hund alle Informationen, die er benötigt, um die vermisste Person zu finden. Dieser Gegenstand kann vom T-Shirt der vermissten Person bis hin zu einem Taschentuch oder Autoschlüssel alles sein. Wichtig ist nur, dass fremde Personen diesen Gegenstand nicht berühren, damit der Hund ganz klare Vorstellungen bekommt, wen er denn suchen soll. Meistens wird der Geruchsartikel in einer kleinen Plastiktüte dem Hund kurz vor dem Trail präsentiert oder während der Suche mitgeführt.

Was brauche ich zum Trailen?

Der Hund wird beim Trailen über ein Geschirr geführt. Auch läuft er nicht frei, sondern arbeitet an einer Schleppleine, die ca. 7-8 Meter lang ist. Das Geschirr sollte ein spezielles, nur für das Trailen benutze Arbeitsgeschirr sein. Der Hund bekommt kurz vor dem  Start das Geschirr an und nach Auffinden der vermissten Person wieder ausgezogen. Beim Trailen gelten andere Spielregeln, als in normalen Alltagssituationen. So verknüpft der Hund durch dieses Ritual „Arbeit Anfang“ und „Arbeit Ende“. Ähnlich wie auch der Mensch Berufsbekleidung trägt. Natürlich brauchen wir auch mehrere Personen, die sich als Opfer zur Verfügung stellen und jede Menge Leckerchen als Belohnung für das Finden.

Das Training

Für das erste Training eignen sich Orte ohne große Ablenkung. Hund und Opfer machen sich miteinander vertraut und schließlich versteckt sich, die zu suchende Person. Hier darf der Personenspürhund am Anfang noch zusehen, wohin das Opfer verschwindet. Der Duftartikel sollte für Anfängerhunde groß und gut sichtbar am Boden liegen. Ist das Opfer verschwunden, lässt der Hundeführer seinen Hund kurz den Geruchsartikel beschnüffeln und beide folgen dann gemeinsam der Duftspur. Findet der Hund das Opfer, wird er für seine Arbeit belohnt. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich von Training zu Training, bis schließlich der Hund blind aus dem Auto heraus sich seine Duftspur selber suchen muss.

Die Ausbildung des Hundes ist sehr umfangreich, da nicht immer nur in reizarmen Gebieten getrailt wird und der Hund mit einer Vielzahl von Situationen vertraut gemacht werden sollte. Auch die Anforderungen an den Menschen sind gegeben. Kenntnisse in Geruch und dessen Eigenschaften sowie wetterbedingte Witterungsverhältnisse sollten gegeben sein. Der Mensch muss lernen seinen Hund zu lesen und ihm schließlich auch zu vertrauen. Nur so wird das Mensch–Hund–Team auch zum Erfolg kommen.

Fazit

Mantrailing fördert die Beziehung zum Hund und stärkt die Bindung. Jagdlich motivierte Hunde finden hier ein Beschäftigungsfeld, aber natürlich können auch alle anderen Hunderassen fürs Trailen eingesetzt werden. Die Nase der Personenspürhunde ist wirklich einmalig. Diese Arbeit bietet Chancen den Hund in seiner Welt zu verstehen und ihn auch körperlich und geistig zu fördern.

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weitere Bilder:

Mantrailing-Training im Gelände. (Foto: A. Boecker)
Mantrailing-Training im Ort. (Foto: A. Boecker)
Zielperson gefunden, Bestätigung mittels Leckerlie. (Foto: A. Boecker)
Zielperson im Container gefunden, Bestätigung durch Leckerlie. (Foto: A. Boecker)
Jeder Hund ist für das Mantrailing geeignet. (Foto: A. Boecker)
Zielperson gefunden, Bestätigung durch Leckerlie. (Foto: A. Boecker)
Mantrailing in der Stadt. (Foto: A. Boecker)
Mantrailing in der Stadt, Zielperson gefunden. (Foto: A. Boecker)