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06.02.2017 Petra Beekmann, Tiertherapeutin

Leishmaniose beim Hund

Canine Leishmaniose, die Mittelmeerkrankheit der Hunde

Was ist Leishmaniose beim Hund und wo kommt sie vor? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wie erfolgt die Übertragung? Können nur Hunde aus den südlichen Ländern canine Leishmaniose bekommen und wie stecken sich andere Hunde an? Der Hund der Autorin hatte Leishmaniose. Ihre Erfahrungen trägt sie hier zusammen.

Stechmücken sind hauptverantwortlich für die Übertragung von Leishmaniose beim Hund. (Foto: Dr. Torsten Naucke)

Die meisten Geschichten von Auslandshunden beginnen danach mit dem Satz: "Kein Problem. Sie brauchen dem Hund nur täglich seine Tablette geben und das war es dann." Leider sieht es in Wirklichkeit etwas anders aus. Leishmaniose beim Hund erfordert eine gezielte Behandlung und die Lebenserwartung der Hunde ist nicht immer sehr hoch. Ich möchte Ihnen hierzu ein paar wichtige Informationen geben, damit Sie Ihrem neuen Begleiter an Ihrer Seite ein bestmögliches Leben geben können.

Die Übertragung der Krankheit

Leishmania infantum wird durch die Sandmücke übertragen. Der Hund wird hauptsächlich in den Dämmerungszeiten gestochen. Die Sandmücke fliegt auf den Rücken des Hundes und krabbelt dann auf den Nasenrücken um zuzustechen. Hunde aus den Endemiegebieten werden meistens nach jedem achten Stich infiziert, unsere Hunde, die dort den Urlaub mit uns verbringen, meistens schon nach dem ersten oder zweiten Stich. Da die Stiche sehr schmerzhaft sind, erfolgen diese nur, wenn der Hund schläft. Einen 80 bis 90 %igen Schutz, während der Mückensaison kann man durch das Scalibor-Halsband oder ein Spot-On-Präparat erreichen, das den Wirkstoff Permethrin oder Imidacloprid/Permethrin beinhaltet. Um den Hund auch optimal in Haus oder Wohnmobil zu schützen, sollten Sie ein Mückenschutznetz mit einer Größe der Maschen kleiner als einen Milimeter anbringen oder am besten im zweiten Stock wohnen, da die Sandmücken nicht so hoch fliegen können.

Vor einigen Jahren wurde in einigen Ländern eine Impfung zugelassen, die aber noch nicht überzeugend belegt worden ist. Des Weiteren reagieren einige Hunderassen sehr empfindsam auf die Impfung. Auch hier beträgt der Impfschutz nur zirka 80 %. Die Impfung macht übrigens nur Sinn, wenn der Hund vorher Leishmaniose negativ ist, was man durch einen Bluttest erst einmal testen lassen muss. War der Hund bereits vor der Impfung in einem Endemiegebiet, ist der Bluttest ebenfalls sinnlos, da die Leishmaniose beim Hund eine Inkubationszeit von bis zu sieben Jahren haben kann. Dies kann dann zu einem falschen negativen Testergebnis führen, obwohl der Hund bereits infiziert wurde.

Das Vorkommen der Leishmaniose erstreckt sich im mediterranen Endemiegebiet an der nordafrikanischen Küste und in Europa in einer breiten Zone von der iberischen Halbinsel über Südfrankreich, Italien, die küstennahen Balkangebiete bis in die Türkei und Zypern. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, reicht das Endemiegebiet nicht über den 46. Breitengrad hinaus. In Italien hat es sich nach Norden bis an den Alpenraum verschoben. In den Küstenregionen des Mittelmeeres liegt die Anzahl der positiv getesteten serologischen Parameter zwischen einem Prozent bis zu 50 %, wobei ein erheblicher Teil davon nicht auffällig erkrankt ist. In Südfrankreich liegt die Quote bei mehr als 75 %. Hunde, die mit in diese Gebiete genommen werden, sind einem Infektionsrisiko von 1:430 ausgesetzt.

Die Übertragung der Leishmaniose auf die Sandmücke erfolgt so: Die Sandmückenweibchen nehmen beim Blutsaugen an einem infizierten Wirt Leishmanien auf, die sich dann in der Sandmücke durch Zweiteilungen stark vermehren. Ein Teil heftet sich an den Teil der Darmwand an, der andere Teil bleibt frei beweglich und siedelt sich im vorderen Verdauungstrakt an. Dadurch kann bei einem weiteren Saugakt einer infizierten Mücke ein neuer Wirt infiziert werden. Diese Entwicklung dauert fünf bis acht Tage. Da infizierte Sandmücken mehrmals hintereinander in die Haut eines Wirtes stechen, erhöhen sich somit die Risiken einer Krankheitsübertragung. In einigen Fällen sind Kontaktinfektionen zwischen Hunden (durch Bisswunden) beschrieben, aber nicht überzeugend dokumentiert worden. Belegt sind die hervorgerufene Infektion von Hunden mit Leishmanien durch Bluttransfusion, Erregerübertragung beim Deckakt und innerhalb der Gebärmutter auf die Welpen.

Symptome der Leishmaniose

Oft zeigt die Leishmaniose Symptome wie die folgenden:

  1. 90 % der Fälle sind Hautveränderungen (ohne Juckreiz) an Ohren, um die Augen (sogenannte Brillenbildung), am Nasenspiegel, später an Rücken, Beinen und Schwanz, zu Beginn Haarverlust, kleieartige Schuppung, danach Geschwürbildung, Knötchen, Pusteln.
  2. Weitere Symptome der Leishmaniose sind übermäßiges Krallenwachstum sowie Krallenbettentzündungen.
  3. Gewichtsverlust, Muskelschwund, entzündliche Muskelerkrankung
  4. Apathie, fehlender Hunger
  5. Anämie, leicht bis mittelgradig, Eisenmangelanämie
  6. Hypergammaglobulinämie und Hypalbuminämie (wird in der Eiweiß-Elektro-Phoresen-Kurve EEP dargestellt)
  7. Fieber, Leber-/Milzvergrößerung
  8. Niereninsuffizienz
  9. Durchfall, auch unregelmäßig
  10. Lahmheiten, unvollständige Lähmung der Beine
  11. übermäßiges Ausscheiden von Proteinen
  12. Störung des Kohlehydratwechsels
  13. infektiöse, d. h. ansteckende Binde- und Hornhautentzündung
  14. Regenbogenhautentzündung (mittlere Augenhaut)
  15. Augenvereiterung (gefährlichste Erkrankung des Auges)
  16. Ausdünnung der Knochenstruktur

Behandlung und Therapie der Leishmaniose beim Hund

Dies bedeutet für den Tierhalter Blutbildkontrollen aller drei bis sechs Monate und eine spezielle Fütterung unter Medikamentation, keine Impfungen mehr lebenslang (da ein chronisch kranker Hund nicht mehr geimpft werden darf) und wenig Stress (wobei das bei jedem Hund anders aussieht). Des Weiteren führt Cortison zu einem Ausbruch der Krankheit und öffnen den Leishmanien Tor und Tür. Dies erschwert die Behandlung, wenn der Hund Hautprobleme aufzeigt!

Dabei sollte der Tierarzt mit der richtigen Medikamentation helfen. Die zurzeit führenden Medikamente sind hierbei als First Drug Allopurinol und ggfs. ein- bis zweimal in einem Hundeleben als Joker Milteforan (wird einmal täglich oral mit einer kleinen Menge Futter vor der Hauptmahlzeit verabreicht) oder Glucantime (muss zweimal täglich über 40 bis 50 Tage gespritzt werden). Näheres dazu sollte Ihnen Ihr Tierarzt erklären können. Für medizinisch Interessierte kann man dies alles nachlesen im "Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin", Auflage Nov. 2012 von Deplazes/Eckert/Samson-Himmelstjerna und Zahner .

Hier noch einmal alles zusammengefasst, was Sie beachten sollten, wenn Sie einen Hund aus dem Ausland übernommen haben:

  • Erst nach acht bis zehn Wochen zum Mittelmeer-Check (z. B. für Spanien, Griechenland, Rumänien etc.), dann hat der Hund sich schon etwas eingelebt und der Test wird aussagekräftiger. Unbedingt nüchtern zur Blutabnahme gehen, damit das große Blutbild nicht verfälscht wird. Dazu gehört auch noch eine Eiweißphoresenkurve (EEP), da diese Aufschluss gibt, ob die Leishmaniose beim Hund bereits aktiv ist.
  • Die Ernährung ist ein sehr wichtiger Baustein, um besser mit der Krankheit Leishmaniose zu Recht zu kommen. Purinarme Ernährung ist das A und O.
  • Es gibt viele Meinungen darüber, ob Frischfleisch (BARF), Dosenfutter oder Trockenfutter genommen werden soll. Viele schwören auf BARF, aber auch mit der Futtermittelindustrie hat man verschiedene Möglichkeiten, auf eine purinarme und auch sinnvolle Ernährung aufzubauen.
  • Es ist so wie mit unserer eigenen Ernährung. Die Qualität der Ware muss ein jeder für sich hinterfragen und auch entscheiden, von welchem Hersteller und welche Art der Ernährung es sein soll. Wichtig bei jedem ist, Qualität und kein Schnickschnack von irgendwelchen komischen Nebenprodukten im Futter und so wenig wie möglich an synthetischen Zusätzen.
  • Ein geregelter Tagesablauf hilft Stress so gering wie möglich zu halten, da hier an Leishmaniose erkrankte Hunde besonders gefährdet sind.
  • Mückenabwehr regelmäßig anwenden (zirka März bis November), damit die Sandmücken, die es auch bereits in einigen Regionen hier in Deutschland gibt, keine Chancen haben sich zu vermehren.
  • Regelmäßige Blutbilder zur Nachkontrolle.
  • Gezielte Entwurmung durch Untersuchung von regelmäßigen Kotproben. Unnötige Chemieeinsätze belasten nur zusätzlich den Organismus.
  • Impfungen soll man nicht mehr durchführen, da nur gesunde Tiere gimpft werden dürfen, und Leishmaniose beim Hund ist nicht gesund, sondern chronisch krank.
  • Die Hunde erst gar nicht mit in den Urlaub ins Ausland nehmen, sondern lieber gut betreut in Deutschland lassen.

Fazit aller Dinge

Vorher unbedingt über die Krankheit schlau machen und ganz realistisch sein Budget und seine Zeit überdenken. Blutbilder im drei- bis sechsmonatigen Abstand sind nicht billig, die Kotuntersuchungen kosten ebenfalls Geld. Sollten Medikamente nötig sein, dann kommen zwischen 20 € und 500 € im Monat mal ganz schnell zusammen. Tipps zur Leismaniose-Therapie finden Sie beim Tierarzt und im Internet. Leider klären die meisten Tierschutzorganisationen darüber nicht ehrlich auf. Aber ein jeder sollte sich immer selbst ein Bild von allem machen, bevor er aktiv wird. Leider hilft es auch nicht, kranke Hunde wahllos zu adoptieren und bei den Vorsorgeuntersuchungen, wie oben beschrieben, in Stress oder Hilflosigkeit zu geraten. Kein Hundebesitzer darf auch hinterher nicht klagen: "Das habe ich alles nicht gewusst." Es gibt mittlerweile einige gute Informationsseiten, die weiterhelfen. Hierzu gehören unter anderem, Parasitus Ex.e. V. und die Vereinigung von Veterinärparasitologen.

Nur aus Mitleid einen kranken Hund aus dem Ausland zu übernehmen, ist falsch verstandene Tierliebe! Ganz ehrlich muss man sich fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, einen an Leishmaniose erkrankten Hund direkt aus dem Herkunftsland zu adoptieren. Warum kann man nicht auf die Vielzahl von Hunden zurückgreifen, die bereits in Deutschland auf Pflegestellen oder in Tierheimen sitzen? Muss man wirklich das Wagnis einer sehr schwer zu kalkulierenden Krankheit, deren Werte man nur über eine Organisation kennt, eingehen? Dazu müssen Sie selber in sich gehen, das kann Ihnen kein anderer beantworten.

Ich persönlich habe meinen Spike damals genau so adoptiert, wie man es nicht machen sollte. Und wir haben leider nur eine sehr kurze Zeit miteinander gehabt. Alle Höhen und Tiefen der Geschichte meines Hundes Spike und der Krankheit Leishmaniose können Sie nachlesen. Ich habe mich trotzdem wieder für einen Auslandshund entschieden. Mein Herz hängt einfach an den Auslandshunden, besonders die ganz ängstlichen, jagdorientierten Hunde haben es mir angetan. Mein neuer Hund, die Ayla, kommt ursprünglich aus Rumänien und wurde vom Hamburger Tierschutzverein nach Deutschland geholt, mit Blutergebnissen und einer perfekten Aufklärung. Auch von ihr gibt es eine eigene Ayla Internet-Seite.

Bei Verdacht auf oder bei Fragen zur Leishmaniose suchen Sie bitte Ihren Tierarzt auf. Ich wünsche Ihnen und Ihren Vierbeinern alles Gute für den weiteren Lebensweg.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

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weitere Bilder:

Haarverlust und Schuppung sind Symptome der Leishmaniose. (Foto: Petra Beekmann)
Ein Krankheitsbild der Leishmaniose ist übermäßiges Krallenwachstum. Auch eine Krallenbettentzündung kann ein Anzeichen sein. (Foto: Petra Beekmann)
Diagnose Leishmaniose: Schlechte EEP ( Eiweißphorensenkurve) vor Milteforaneinsatz von Spike 2013. (Foto: Petra Beekmann)
Dioagnose Leishmaniose: Gute EEP ( Eiweißphorensenkurve) nach Milteforaneinsatz von Spike 2013. (Foto: Petra Beekmann)
Gewichtsverlust und Muskelschwund sind Anzeichen der Leishmaniose beim Hund. (Foto: Petra Beekmann)
Diagnose Leishmaniose: Auch hier Haarverlust und Schuppung als Symptome der Leishmaniose. (Foto: Petra Beekmann)