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11.04.2016 Dr. phil. Sveta Belosch, Mobile Tierheilpraxis in Ludwigsburg

Ein Plädoyer für einen leidensfreien und schönen Lebensabend mit Hund und Katze

Warum chronischer Schmerz oder Organschwäche nicht immer gleich Euthanasie bedeuten muss

Ist die Euthanasie wirklich das letzte Wort für ältere Tiere mit chronischen und degenerativen Krankheiten? Was bietet uns das Reich der Natur, damit wir möglichst lange und unbeschwert mit unseren Lieblingen zusammen leben können? Über diese Fragen hat sich Tierheilpraktikerin Sveta Belosch Gedanken gemacht.

Der Ginkgo biloba ist einer der ältesten Bäume auf der Erde. Dank seiner Widerstandskraft hat er nicht nur seit über 260 Millionen Jahren überlebt und bleibt immer noch "jung". Als am Ende des Zweiten Weltkrieges die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, starben dort alle Pflanzen ab - außer der Ginkgo biloba. (Foto: Sveta Belosch)

Der Anstoß für meinen Beitrag zu diesem Thema war die Wut, die ich während meines Praktikums in einer Tierarztpraxis empfand: Es kamen öfter ältere oder alte Tiere ins Behandlungszimmer mit ihren traurigen Besitzern, die über die nachlassende Kondition, chronische Schmerzen oder eine Organschwäche ihrer Lieblinge klagten. Der behandelnde Tierarzt wusste oft nichts Besseres als diesen Menschen zum Einschläfern ihres Tieres zu raten. So erinnere ich mich an einen lieben Labradormischling im Alter von acht Jahren, der eine Arthrose der Hüftgelenke hatte und aufgrund der ihm verabreichten Schmerzmittel (wahrscheinlich der Nichtsteroidalen Antiphlogistika, NSAIDs) eine Gastritis mit häufigem Erbrechen entwickelte. Nun bekam er auch gegen diese Nebenwirkung ein Medikament, das keine Besserung zeigte. Der Arzt war am Ende seines Lateins und empfahl den Besitzern, bei einer Verschlimmerung der Schmerzen den Hund einzuschläfern, obwohl dessen Untersuchung gesunde innere Organe ergab. Alles in mir empörte sich gegen diesen Rat: Dem Hund fehlte doch nichts, außer seinen Schmerzen in den Hüftgelenken?! Ich konnte das nicht fassen, hielt mich aber an die getroffene Vereinbarung mit diesem Tierarzt und mischte mich nicht mit meinen Ratschlägen in seine Behandlung ein. Doch durch meinen Kopf gingen bei diesem wie bei einigen anderen ähnlichen Fällen ganze Therapiekonzepte, die weder viel Geld noch einen allzu großen Aufwand von den Tierbesitzern erfordert hätten.

Homöopathie statt Euthanasie

In diesem Fall hätte man dem Labradormischling in regelmäßigen Abständen Blutegel an die schmerzhaften Hüftgelenke setzen können; das Schmerzmittel und seine Nebenwirkungen hätten sich dann wahrscheinlich erübrigt. Die entzündungshemmenden, durchblutungsfördernden, entschlackenden und schmerzstillenden Wirkstoffe des Blutegel-Speichels entfalten ihre lokale wie systemische Wirkung besonders an Hunden. Eine Mischung aus Heilkräutern, vor allem aus Boswelia serrata, Harpagophythum und Salix vulgaris, hätte diese Therapie hervorragend ergänzt. Einige Vitalpilze mit schmerzstillendem Effekt, vor allem der dopaminähnlich funktionierende Reishi (Ganoderma lucidum) mit seiner ausgeprägten Wirkung auf die Schmerzrezeptoren des Zentralen Nervensystems hätten diesen Hund ebenfalls unterstützen können. Eine tiefer gehende Hilfe käme schließlich von einigen homöopathischen Mitteln, die - man könnte es meinen - von der Natur speziell für alte, erschöpfte und von einigen Pharmaka gestresste Tiere erschaffen sind, wie Causticum, Natrium muriaticum, Lycopodium, Conium maculatum, und - wenn sich noch geistige Schwäche hinzugesellt - Barium carbonicum, um hier nur eine Auswahl zu nennen, die mir durch den Kopf ging. Natürlich gehört ins Vorfeld einer solchen Behandlung eine ordentliche homöopathische Anamnese des Patienten, um diese Therapieideen aufeinander abzustimmen, die von einem Tierheilpraktiker oder naturheilkundlich arbeitenden Tierarzt vorgenommen werden muss.

Doch verdienen Kritik auch einige Tierbesitzer, die sich meiner Meinung nach allzu leichtfertig von ihrem Schützling trennen: Da erfahre ich plötzlich von einem Nachbarn, dessen zehn Jahre alte Katze ich schon lange nicht gesehen habe, dass sie nun eingeschläfert wurde, da "es leider keine Alternative gab und der Tierarzt nichts machen konnte". Beim näheren Befragen stellt sich heraus, dass die verschmuste Susi, die mich morgens oft begrüßte, an erworbener Linksherzinsuffizienz litt, in der letzten Zeit zu husten anfing und ... euthanasiert wurde. Mein Einwand, dass eine Linksherzinsuffizienz, an der besonders Hunde und Katzen leiden können, noch lange keinen Euthanasiegrund bedeutet, überzeugte den Besitzer nicht. Auch für die Susi hätten sich sowohl homöopathische Hilfe als auch passende Kräuter, Urtinkturen und Vitalpilze gefunden, die ihr vielleicht geholfen und ihr Leben verlängert hätten.

Mir fallen auch viele Fälle der "ausrangierten" Pferde ein, die nach ein paar Jahren ihrer Nutzung im Sport chronische Lahmheiten entwickeln, eine ganze Odyssee durch Tierkliniken und Tierarztpraxen hinter sich haben und oft geschlachtet werden müssen, weil man der Ansicht ist, dass sie nicht therapierbar und rehabilitierbar sind. (Dieses Los betrifft übrigens auch ältere Pferde. Das klassische, herzzereißende Beispiel des "Leinwandmessers", eines verbrauchten und vergessenen Pferdes aus der gleichnamigen Erzählung von Leo Tolstoi, liefert mit seinen Symptomen den perfekten Patienten für das homöopathische Mittel Causticum!) Manchen Tierbesitzern und Tierärzten fällt es in der Tat schwer zu glauben, dass ein paar Kügelchen aus Milchzucker, imprägniert mit solchen homöopathischen Mitteln wie Causticum, einigen Calciumsalzen oder Ruta graveolens in der Lage sind, selbst alte Exostosen und Arthrosen deformans mit katastrophalen Röntgenbefunden zum Besseren zu verändern. Wie vielen von solchen Pferden könnte man helfen!

Diagnose: Unheilbar krank. Oder doch nicht?

Wie schnell glauben viele Tierbesitzer nur der einen Seite - dem Verdikt eines Tierarztes, dass die eine oder andere Erkrankung als "nicht therapierbar" gelte. Wie eng ist ein solcher Horizont in Anbetracht der Tatsache, dass die Krankheit wie die Möglichkeit ihrer Heilung, zusammenhängend wie die Kehrseiten einer Medaille, wesentlich komplexer sind als der Tod! So liest man in der einschlägigen tiermedizinischen Literatur, dass z. B. die Leukose der Katze eine unheilbare Krankheit ist. Wenn man jedoch bedenkt, dass ihr Erreger, das Feline Leukämie-Virus, eine Spezies der Felinen Retroviren, im Gegensatz zu dem verwandten HIV-Virus von einem gesunden Immunsystem und einer intakten Lebenskraft aus dem Körper eliminiert werden kann, so kann man noch die Hoffnung schöpfen, dass die Diagnose "Feline Leukose" kein Todesurteil ist, wenn man die Abwehrkräfte und die Konstitution seiner Katze (auch im homöopathischen Sinne) stärkt.

Doch man darf nicht allein manchen Tierärzten die Schuld an den zu kurzen Leben unserer individuellen, unverwechselbaren und einmaligen Mitgeschöpfe geben. Auch viele Tierbesitzer, die leicht aufgeben und sich nicht mit zu viel Suche nach einer alternativen Behandlung und mit einer oft intensiveren Pflege ihrer Tiere belasten wollen, sind in der Verantwortung. Auch die Frage, wie weit kann ich meinem (alten) Tier helfen, damit es nicht leidet, wird manchmal viel zu selten gestellt. Ich kann die Tierbesitzer von aussichtslos krebskranken Tieren verstehen, diesen ihr schmerzvolles Los zu ersparen; ich fühle auch gut mit, wenn nach einem Autounfall die inneren Organe einer Katze zerstört sind, doch plädiere ich für eine genaue Überlegung der Frage, ob wir als Tierbesitzer mit der Hauptverantwortung für die uns anvertrauten Vierbeiner alles in unserer Macht Stehende getan haben.

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