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06.02.2015 Johanna Klickermann, Tierärztin

Lebererkrankungen beim Hund: Symptome, Therapie und gefährdete Rassen

Die Leber ist ein Organ, dessen Wichtigkeit für den Organismus des Hundes nicht zu unterschätzen ist. Sie ist an der Erfüllung vielfältiger Körperfunktionen und -prozesse beteiligt und hat einen großen Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel. Lesen Sie hier, welche grundsätzlichen Lebererkrankunden unterschieden werden, woran Sie diese erkennen und welche Hunderassen für eine Erkrankung der Leber besonders veranlagt sind.

Die Leber übernimmt eine wichtige Aufgabe im Stoffwechsel. Ist ihre Funktion beeinträchtigt, können schwerwiegende Folgen auftreten. Neben anderen Hunderassen ist der Dobermann besonders gefährdet für Lebererkrankungen. (Foto: Shutterstock © AnetaPics, Doberman dog)

Aufgaben der Leber

Der Leber kommen im Organismus und Stoffwechsel des Hundes wichtige Aufgaben zu. Sie wird für den Aufbau, die Umwandlung und Speicherung von Nährstoffen wie Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten benötigt. Zudem dient sie auch dem Abbau von Giftstoffen und Abfallprodukten, die im Stoffwechsel entstehen, und reguliert das Immunsystem und den Hormonhaushalt. Die Leber hat daher einen großen Einfluss auf wichtige Körperfunktionen, eine Erkrankung und Einschränkung ihrer Funktionalität wirkt sich auf den gesamten Organismus des Hundes negativ aus.

Formen und Ursachen von Lebererkrankungen

Die Ursachen von Lebererkrankungen können sehr vielseitig sein. Oftmals wird eine Erkrankung im Laufe der Zeit erworben und kann sowohl einen akuten als auch einen chronischen Verlauf nehmen. Grundsätzlich lässt sich der Ursprung von Lebererkrankungen in entzündliche und nicht-entzündliche Ursachen unterteilen. So kann die Leber durch Viren oder Bakterien, wie beispielsweise Leptospiren, geschädigt werden. Aber auch degenerative Erkrankungen wie eine Leberzirrhose, eine chronische Leberentzündung oder die Bildung eines Tumors können die Leber in ihrer Funktionalität einschränken. Darüber hinaus existieren angeborene Fehlfunktionen und Missbildungen der Leber. So kommt es beispielsweise vor, dass Hunde an einem Leber-Shunt leiden. Dabei wird das Blut nicht zur Leber geführt, sondern daran vorbeigeleitet, und so wird die Leber folglich nicht ausreichend von Giftstoffen befreit. Zudem kann auch eine längerfristige Behandlung mit bestimmten Medikamenten die Leber stark schädigen und ihre Stoffwechselleistung herabsetzen.

Symptome und Diagnostikmöglichkeiten von Lebererkrankungen

Ebenso wie die Ursachen sind auch die Symptome einer Lebererkrankung sehr vielseitig. Oftmals treten sie allerdings aufgrund der hohen Regenerationsfähigkeit der Leber erst in einem bereits fortgeschrittenen Erkrankungsstadium auf. Zudem sind die Symptome sehr unspezifisch, sodass auch andere Erkrankungen in Frage kommen. Erste Anzeichen einer Lebererkrankung können Appetitlosigkeit, Untergewicht und Abgeschlagenheit sein. Auch Erbrechen und Durchfall sowie ein übermäßiges Wasserlassen können auftreten. Bei einer schweren Leberinsuffizienz kann sich zudem Wasser im Bauchraum des Hundes ansammeln und auch eine Gelbfärbung der Schleimhäute sowie Muskelzuckungen und Krämpfe können beobachtet werden.

Um Lebererkrankungen zu diagnostizieren, kommen eine Reihe von Untersuchungen zum Einsatz. Bildgebende Verfahren, wie Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen, geben Aufschluss über das allgemeine Erscheinungsbild des Organs. So können die Größe und die Form der Leber sichtbar gemacht und beurteilt werden. In einigen Fällen wird eine histologische Untersuchung des Lebergewebes erforderlich. Dabei wird ein Stück Gewebe aus der Leber entfernt. Durch diese Biopsie lassen sich Rückschlüsse auf die Ursache der Leberveränderungen ziehen und die anschließende Therapie kann besser auf die Erkrankung angepasst werden. Zudem werden auch die Leberwerte mittels einer Blutuntersuchung erhoben. Dadurch können der Schweregrad der Erkrankung ermittelt und die Entwicklung der Werte kontrolliert werden.

Prädisposition und Risikofaktoren

Bei einigen Hunderassen konnte eine genetische Veranlagung insbesondere für chronische Leberentzündungen beobachtet werden. So neigen vor allem die Rassen Bedlington Terrier, West Highland White Terrier, Dobermann, Cocker Spaniel und Labrador Retriever eher zu dieser Erkrankung als Vertreter anderer Rassen. Oftmals hängt die Entzündung mit einer erhöhten Kupfereinlagerung in der Leber zusammen, da die Zellwände der Leber durch die gesteigerte Kupferkonzentration zunehmend geschädigt werden. Darüber hinaus tragen einige Hunderassen, wie der Irische Wolfshund oder der Cairn Terrier, die Veranlagung für einen Leber-Shunt in sich. Dabei wird das Blut aufgrund einer Missbildung der Blutgefäße in der Leber nicht ausreichend entgiftet.

Da eine Entzündung der Leber auch durch eine längerfristige oder überhöhte Medikamentengabe hervorgerufen werden kann, sollten Sie die vom Tierarzt festgelegte Behandlungsdauer und -dosis bei Ihrem Hund stets einhalten und im Zweifel Rücksprache mit dem Tierarzt halten.

Ernährungsrichtlinien bei Lebererkrankungen

Eine optimale und auf den individuellen Patienten und seine Erkrankung angepasste Ernährung beeinflusst den Therapieerfolg entscheidend und ist daher für die Behandlung unerlässlich. Deshalb sollten Sie ganz besonders auf eine unterstützende Ernährung achten, wenn Ihr Hund an einer Lebererkrankung leidet. Mit einer angepassten Ernährung bei Lebererkrankungen möchte man zuallererst den ohnehin schon eingeschränkten Leberstoffwechsel entlasten. Zum anderen soll die Regeneration der Leberzellen unterstützt werden und sie vor einer Schädigung durch Kupfer und freie Radikalen bewahren. Außerdem soll einem Körpermasseabbau entgegengewirkt werden. Der Stoffwechsel und die Verdauung sind bei Hunden mit Lebererkrankungen gestört, sie besitzen meist einen erhöhten Energiebedarf und magern bei einer unzureichenden Versorgung schnell ab. Ein großes Augenmerk der diätetischen Therapie wird bei Leberpatienten daher auf eine ausreichende Energiezufuhr gelegt. Unterernährung sollten Sie bei Ihrem Hund auf jeden Fall vermeiden, da sie zu einem gesteigerten Verlust von Muskelmasse und Körperfett führt und den Schweregrad der Erkrankung dadurch zusätzlich noch verstärkt.

Da insbesondere der Proteinstoffwechsel gestört ist, sollten Sie ein Futter mit einem reduzierten Proteingehalt verabreichen, das aber gleichzeitig hochwertige und leichtverdauliche Proteine liefert. Der erhöhte Energiebedarf sollte zudem durch eine ausreichende Versorgung mit Kohlenhydraten und Fetten gedeckt werden. Darüber hinaus wird die zusätzliche Zufuhr von Antioxidantien wie Vitamin C und E sowie Zink und Selen empfohlen, da leberkranke Hunde einer erhöhten Belastung mit freien Radikalen und oxidativem Stress ausgesetzt sind. Auch Silymarin, ein Wirkstoff der Mariendistel, kann dem Hund verabreicht werden, um die Leberzellen zu schützen. Eine Ergänzung des Futters mit löslichen und unlöslichen Faserstoffen wirkt sich ebenfalls positiv auf eine bestehende Lebererkrankung aus, da diese Giftstoffe im Darm binden und so die Leber entlasten. Hunde, die zu einer Speicherung von Kupfer in der Leber neigen oder bereits erhöhte Leberwerte aufweisen, sollten außerdem mit einem kupferarmen Futter ernährt werden.

Über die Autorin

Johanna Klickermann hat an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig studiert. Sie war nach dem Erlangen der Approbation im Jahre 2004 als Praxisvertretung und Assistentin im Kleintierbereich tätig. Seit Mai 2013 ist sie als Tierärztin bei dem Hundefutter-Hersteller futalis in Leipzig tätig. Hier ist Frau Klickermann fachliche Ansprechpartnerin für die Tierärzte im Bereich Vertrieb und ist unter anderem für die inhaltliche Erstellung von Informationsmaterialien verantwortlich. Darüber hinaus begleitet sie als Ernährungsexpertin öffentliche Veranstaltungen und Events.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

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