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01.07.2014 Johanna Klickermann, Tierärztin

Krampfanfall beim Hund: Welche Rolle spielt die Ernährung?

Krampfanfälle sind bei Hunden keine Seltenheit. Epilepsie kann eine Ursache dafür sein. Aber auch andere Erkrankungen können bei Hunden Krämpfe auslösen. Tierärztin Johanna Klickermann informiert über die möglichen Ursachen eines Krampfanfalls beim Hund und zeigt, wie die Ernährung bestimmte Arten von Krampfanfällen beeinflussen kann.

Die Ursachen für Krampfanfälle sind vielfältig. Nicht immer werden Krämpfe durch die Epilepsie ausgelöst. (Foto: futalis)

Definition von Krampfanfällen

Die Symptome eines Krampfanfalls sind unterschiedlich: Diese äußern sich primär durch ein unkontrolliertes Muskelzucken und -zittern am ganzen Körper. Dabei können die Muskeln vollständig versteifen oder rhythmische Zuckungen auftreten. Auch Mischformen sind möglich. Außerdem können Krampfanfälle zu gestörtem Bewusstsein bis hin zur Bewusstlosigkeit führen. Das Absetzen von Kot und Urin während des Anfalls ist bei betroffenen Hunden ebenfalls zu beobachten.

Ursachen für einen Krampfanfall

Viele Hundehalter führen einen Krampfanfall auf Epilepsie zurück. Epilepsie ist allerdings nur eine der möglichen Ursachen für Krampfanfälle. Von einer Epilepsie ist die Rede, wenn keine natürliche Ursache für die Zuckungen ausfindig gemacht werden konnte. Diese Art des epileptischen Anfalls wird auch als "primäre" Epilepsie bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine angeborene Erkrankung, die bei bestimmten Rassen wie dem Weimaraner oder Collie oftmals vorkommt.

Ein plötzlicher Zusammenbruch kann auf viele andere Faktoren zurückgeführt werden. Dazu gehören Herzerkrankungen, ein Hirninfarkt oder eine Unterzuckerung. Krampfartige Anfälle können auch durch eine Unterversorgung mit Kalzium oder Vitamin B1 entstehen. Ein Vitamin-B1-Mangel resultiert zum Beispiel durch die Fütterung von Fisch in rohem Zustand. Auch Umweltgifte können Anfälle auslösen. Die in den Pflanzenschutzmitteln oder im Schneckenkorn enthaltenen Gifte sind ein Beispiel dafür. Darüber hinaus kann eine fehlerhafte Anwendung von Arzneimitteln zu einer Vergiftung führen und einen Krampfanfall verursachen. Auch körpereigene Gifte, die im Stoffwechsel produziert werden, kommen als Ursache in Frage. Diese entstehen beispielsweise bei Leber- oder Nierenerkrankungen, wenn die Funktion der Organe beeinträchtigt ist. In solchen Fällen werden Giftstoffe wie Ammoniak nicht vollständig abgebaut beziehungsweise ausgeschieden. Auch eine Leberstoffwechselstörung kann Krampfanfälle nach sich ziehen, wenn der Gallenfarbstoff ins Blut gelangt und durch die gestörte Entgiftung unzureichend abgebaut wird.

Untersuchungen bei Krampfanfällen

Bei der Vielzahl an möglichen Ursachen von Krampfanfällen ist es wichtig, den genauen Grund herauszufinden, da bei jeder Erkrankung eine andere Therapie angewendet werden muss. Es sollte eine Untersuchung aller Nervenfunktionen (neurologische Untersuchung) und eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Wenn die Diagnose keine aussagekräftigen Ergebnisse liefert oder der Hund trotz Behandlung weiterhin an Krampfanfällen leidet, müssen weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden, um die Ursache zu identifizieren (z.B. Röntgen-, Ultraschall-, CT- oder MRT-Untersuchungen, Rückenmarkspunktionen, EEG-Untersuchungen, Leberfunktionstests, Harnuntersuchungen). Eine primäre Epilepsie ist nur dann sicher diagnostiziert, wenn alle anderen in Frage kommenden Gründe ausgeschlossen wurden.

Wie verhalte ich mich bei einem Krampfanfall meines Hundes?

Sollte es zu einem Krampfanfall in den eigenen vier Wänden kommen, ist es wichtig, ruhig zu bleiben. Alle Gegenstände, die eine Verletzungsgefahr für den Hund darstellen, sollten beiseite geräumt werden. Geräusche und direkter Lichteinfall sind zu vermeiden. In der Regel ist der Krampfanfall nach wenigen Minuten wieder vorbei. Spezielle Medikamente (Antikonvulsiva) können helfen, ein akutes Krampfen zu unterbrechen. Danach sollte sich der Hund mehrere Stunden in einem abgedunkelten und ruhigen Raum erholen, um wieder zu Kräften zu kommen. Anschließend ist eine Untersuchung beim Tierarzt zu empfehlen.

Bei einem länger andauernden Krampfanfall kann eine akute Vergiftung durch Umwelteinflüsse nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere dann, wenn weitere Anzeichen wie Fieber, Blutungen oder Lähmungen auftreten, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.

Ernährungsumstellung: Kann ich Krampfanfälle verhindern?

Eine primäre Epilepsie kann nur mit antiepileptischen Medikamenten behandelt werden. Die Fütterung spielt bei der Therapie kaum eine Rolle. Ist eine Leber- oder Nierenerkrankung für den Krampfanfall verantwortlich, so kann eine bedarfsdeckende Ernährung positive Ergebnisse bei der Genesung erzielen.

Krampfanfälle, die durch die Ernährung hervorgerufen werden, können durch eine abgestimmte Futterzusammensetzung, die genau auf den Bedarf des Hundes angepasst ist, umgangen werden. Die Vermeidung eines Kalzium-Mangels ist dadurch möglich. Hundehalter sollten zudem darauf achten, dass kein roher Fisch verfüttert wird, damit das Vitamin B1 seine Wirkung entfalten kann.

Der Kontakt mit Umweltschadstoffen ist unbedingt zu vermeiden. Darüber hinaus sollte bei anfälligen Hunden auf eine konservierungsstofffreie Futterzusammensetzung geachtet werden, weil bestimme künstliche Zusatzstoffe im Verdacht stehen, epileptische Anfälle auszulösen. Sowohl genetisch bedingte (z.B. portosystemische Shunt) als auch erworbene Lebererkrankungen wie die Leberfibrose lösen häufig bei Hunden Krampfanfälle aus. In solchen Fällen sollte eine Ernährungsumstellung auf ein proteinreduziertes Futter erfolgen, das den Stoffwechsel der Leber entlastet. Zudem sollten die Proteine qualitativ hochwertig sein und einen hohen Anteil an essenziellen Aminosäuren beinhalten. Zu den hochverdaulichen Proteinquellen zählen insbesondere Fleisch und Milchprodukte wie Quark und Sojaeiweiß. Auch die Zufuhr von speziellen Faserstoffen wie Zellulose kann die Verdauung anregen und die Entgiftung von Stoffwechselprodukten positiv beeinflussen.

Bestimmte Spurenelemente und Vitamine wie Zink und Vitamin E sollten in erhöhten Mengen zugeführt werden. Beide Nährstoffe sind für ihre antioxidative Wirkung bekannt und leisten einen großen Beitrag zum Schutz der Leberzellen. Die Zufuhr von Kupfer, das sich bei einer gestörten Leberfunktion in der Leber übermäßig anlagert, muss hingegen reduziert werden. Der Gehalt an Vitamin A sollte in der Ration nur in bedarfsdeckender Menge enthalten sein. Denn eine erhöhte Zufuhr von Kupfer und Vitamin A führt zu einer fortschreitenden Schädigung des Lebergewebes.

Liegt eine Herzerkrankung vor, ist es ratsam, neben einer medikamentösen Therapie auch die Ernährung anzupassen. Die Zufuhr von Natrium sollte reduziert werden, um den hohen Blutdruck zu senken und Herz- sowie Blutkreislaufproblemen vorzubeugen. Je nach Ernährungszustand muss die Energiedichte im Futter erhöht werden, um einer Abmagerung entgegenzuwirken. Bei adipösen Hunden hingegen sollte eine Reduktionsdiät erfolgen und die Energiedichte im Futter gesenkt werden, um das Normalgewicht zu erreichen.

Bei einer richtig gestellten Diagnose und einer entsprechenden Therapie von Krampfanfällen ist eine Abschwächung bzw. die Vermeidung der Anfälle möglich. Eine bedarfsangepasste Ernährung kann bei organischen Ursachen therapiebegleitend eingesetzt werden.

Über die Autorin: Johanna Klickermann hat an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig studiert. Sie war nach dem Erlangen der Approbation im Jahre 2004 als Praxisvertretung und Assistentin im Kleintierbereich tätig. Seit Mai 2013 ist sie als Tierärztin bei dem Hundefutter-Hersteller futalis tätig. Hier ist Frau Klickermann fachliche Ansprechpartnerin für die Tierärzte im Bereich Vertrieb und ist unter anderem für die inhaltliche Erstellung von Informationsmaterialien verantwortlich. Darüber hinaus begleitet sie als Ernährungsexpertin öffentliche Veranstaltungen und Events.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

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