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04.12.2017 Sonja Bauer, Training & Coaching für Mensch und Hund

Kommunikation Mensch und Hund

Gerade in unserer schnelllebigen, technischen Zeit braucht der Mensch den Hund. Hunde haben heutzutage in der Regel keine Jobs mehr, sie leben als Sozialpartner in der Familie. Diese Form der Hundehaltung stellt an uns neue Herausforderungen in Bezug auf das Mensch-Hund-System. Sonja Bauer betreibt eine mobile ganzheitliche Hundeschule, ist zertifizierte Erziehungs- und Verhaltensberaterin für Menschen mit Hund sowie systemischer Coach und Persönlichkeitstrainerin. Sie erläutert uns dieses Thema.

Die Sprache zwischen Hund und Mensch ist erlernbar. Sie dient einer vertrauten Basis im Miteinander. (Foto: Sonja Bauer)

Für eine gute Beziehung ist das Einanderverstehen eine Voraussetzung. Für gegenseitiges Verstehen müssen wir kommunizieren. Verständigung und Kommunikation sind wesentliche Bestandteile des Lebens. Alle Lebewesen nehmen ständig Informationen auf und verarbeiten diese, um sich an ständig wechselnde Umweltbedingungen anzupassen zu können. Paul Watzlawick sagte: "Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren."

Was genau ist denn Kommunikation?

Der Begriff "Kommunikation" stammt aus dem Lateinischen "communicare" und bedeutet soviel wie "teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, gemeinsam machen". Er beschreibt eine Sozialhandlung, in die mindestens zwei Lebewesen einbezogen sind. Kommunikation ist ein Austausch von Informationen. Durch die soziale Handlung "Kommunikation" werden gemeinsam Hindernisse überwunden und Probleme gelöst. Der Sender beeinflusst das Verhalten eines Empfängers durch Signale. Signale können optischer, akustischer oder chemischer Natur sein. Optische Signale sind hauptsächlich Bewegungen, aber auch Formen und Farben. Zu den akustischen Signalen zählen Sprache und Lautäußerungen. Unter chemischen Signalen versteht man schwerpunktmäßig Duftstoffe und Pheromone.

Digitale und analoge Kommunikation

Die Bezeichnungen digital und analog stammen ursprünglich aus der mathematischen Physik und bezeichnen unterschiedliche Arten der Informationsverarbeitung.Bei der digitalen Kommunikation sind die Informationen in bestimmten Zeichen verschlüsselt, deren Bedeutung eindeutig ist, wie z.B. Zahlen, Buchstaben oder Worte. Die Wortsprache des Menschen entspricht der verbalen Kommunikation.Bei der analogen Kommunikation sind die Informationen in ungefähren, indirekten Zeichen verschlüsselt, die nur in einer Ähnlichkeitsbeziehung zum Informationsobjekt stehen, wie z.B. Körperhaltung, Mimik, Blick, Gestik und Tonfall. Der analogen Informationsübermittlung entspricht die nonverbale Kommuni­kation. Von allen Lebewesen auf der Erde benutzt einzig der Mensch beide Kommunikationsformen parallel.

Auf dem Gebiet der Beziehung benutzen wir weiterhin überwiegend die analoge Kommunikationsform in der gleichen Art, wie die Tiere ausschließlich kommunizieren. Die Definition von Beziehung der Individuen zueinander durch analoge Signale. Das emotionale Erleben kann mit Worten oftmals nicht ausgedrückt werden, wenn Menschen sich etwas über ihre Beziehung mitteilen, aber es kann durch Augenkontakt, Tonfall oder eine Geste vermittelt werden.

Kommunikation der Hunde

Wölfe und Hunde sind gesellig, sie sind sozusagen "obligat sozial". Der Schwerpunkt für die Kommunikation für den Hund liegt darin, das soziale Miteinander so zu regeln, dass er keinen Schaden nimmt und seinen eigenen Zustand optimiert. Ob der Kommunikationspartner /Sozialpartner ein Mensch oder anderer Hund ist, ist für den Hund erstmal nicht relevant. Für Hundebesitzer ist es daher wichtig, zu lernen und lesen zu können, wie Hunde miteinander "sprechen" um dieses Wissen in der Kommunikation mit dem Hund nutzen zu können. Ein Hund verfügt über ein sehr feines Kommunikationssystem, mit anderen Hunden kommuniziert er hauptsächlich über Körpersprache und verhältnismäßig wenig über Lautsprache. So verhält er sich auch erstmal im Umgang mit dem Menschen. Es gibt die Hypothese, dass Hunde das Bellen nur für den Menschen entwickelt haben. Wölfe bellen so gut wie nie.

Hunde kommunizieren im Nahbereich überwiegend über optische und taktile (Berührungs-) Signale. Akustische Signale (z.B. Bellen, Knurren) werden ergänzend eingesetzt, wenn eine bestimmte "Aussagen" verdeutlicht werden soll. Unter "Ausdrucksverhalten" versteht man die Kommunikation über optische Signale und im erweiterten Sinn auch über Geräusche.Hunde nutzen Ihren ganzen Körper um sich auszudrücken. Die Mimik wird durch Augen, Ohren, Stirn, Maulspalte und Nasenrücken bestimmt. Die Gestik besteht aus Körperhaltung, Körperbewegung sowie Kopfhaltung und Rutenstellung.

Hunde sind hochsozial mit einem riesigen Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten. Sie interessieren sich dafür, wie wir denken und sie sind in der Lage, das herauszufinden, indem sie unsere subtilen Kommunikations- und Verhaltensmuster lesen. Die Herausforderung für uns Mensch besteht nicht nur in der Deutung der vielfältigen Signale unseres Hundes, sondern auch in der Versuchung die Signale menschlich zu interpretieren und damit die Hunde zu vermenschlichen. Wie gut Hunde mit Menschen kommunizieren können, hängt von der Evolution und Domestikation, sowie auch von der Lebenserfahrung und des Trainings ab. Manche Hunde können bestimmte Formen der Kommunikation schneller lernen als Andere, weil sie mehr Interesse am Menschen zeigen – was eine evolutionär gesehen durchaus sinnvolle Strategie ist.

Fallstricke in der Kommunikation von Mensch zu Hund

Durch unsere oft unbewusste Körpersprache vermitteln wir unserem Hund sehr viel. Hunde können unsere Stimmung an unserer Körperhaltung ablesen, an der Intensität unserer Bewegungen und an dem Grad unserer Anspannung. Es kann für Sie eine Hilfe sein, wenn Sie sich in die Perspektive Ihres Hundes versetzen. Stellen Sie sich vor, wie Sie auf Ihren Hund wirken. Achten Sie dabei auf Ihre Körperhaltung, Bewegungen, Stimmlage und -Lautstärke, Körperspannung und Ihre Mimik. Oftmals lassen sich so schon Missverständnisse in der Kommunikation aufklären. Uns Menschen ist die Wirkung unserer Körpersprache oft nicht bewusst, aber das kann trainiert und reflektiert werden.Auch andersherum gibt es natürlich Missverständnisse. Menschen interpretieren gerne mal ein Verhalten aus "Menschensicht", der Hund meint in seiner "Hundesprache" aber etwas ganz anderes.

Zwei typische Situationen, die prädestiniert für Missverständnisse sind: Hat ein Mensch Angst vor einem Hund, bleibt er oft stehen und starrt den Vierbeiner an, anstatt zur Seite zu schauen und ihn zu ignorieren. Der Hund fasst das Fixieren und Stehenbleiben als Herausforderung auf, so wie es unter Hunden üblich ist. Mögen Menschen einen Hund, beugen sie sich häufig von oben über ihn und tätscheln seinen Kopf. Der Hund fühlt sich dadurch bedrängt und schnappt eventuell um wieder eine Distanzvergrößerung herzustellen.

Hunde im tiergestützten Coaching

Hunde haben eine große Anpassungsfähigkeit an neue Situationen, sind extrem lernbereit und teamfähig. Durch diese Eigenschaften sind sie eine große Hilfe bei der Darstellung der Eigenwirkung auf andere z.B. im tiergestützten Coaching-Prozess.

  • Kommunizieren Sie klar und verständlich?
  • Besteht eine Deckungsgleichheit zwischen Eigen -und Fremdwahrnehmung?
  • Sind sie authentisch?
  • Wie wirken Sie?

Die Hunde spiegeln 1:1 das Verhalten der Menschen – unverschnörkelt und wertfrei persönliche Eigenschaften wie soziale Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein, Intuition, Teamgeist, Durchsetzungsvermögen, Empathie, Sensitivität, Konzentration, Genauigkeit, Lösungsfindungsverhalten, Stresstoleranz, Begeisterungsfähigkeit etc. werden sichtbar gemacht. Kommunikation ist immer auch ein Ausdruck von Persönlichkeit. Das Wichtigste in einer Hund-Mensch-Beziehung ist eine stabile Basis, die auf Vertrauen und Respekt aufgebaut sein sollte. Der Weg dorthin führt über Konsequenz, Klarheit und Fairness in der Kommunikation, gefestigte Strukturen die Sicherheit geben und ein spannendes abwechslungsreiches Training, das Mensch und Hund gleichermaßen Spaß macht.

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weitere Bilder:

Sonja mit ihren drei Hunden. Der der schwarze Rüde rechts ist ein Dalmatiner/Gordon-Setter-Mix, heißt Casimir und ist fünf Jahre alt. Die beigefarbene Hündin ist ein rumänischer Straßenhund, Mia und sieben Jahre alt. Und die kleine rote Hündin links ist ein Chihuahua aus Ungarn, die Lotte. Sie ist ebenfalls fünf Jahre alt. (Foto: Sonja Bauer)
Sonja im Spiel mit Dalmatiner/Gorden-Setter-Mix Casimir. (Foto: Sonja Bauer)