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22.11.2013 Dr. Daphne Kugler, Tierärztin

Katzen als Freigänger: Katzensteuer und Glöckchen für eine saubere und vogelsicherere Umgebung?

So mancher Vogelfreund fordert ein Katzenhalsband mit Glöckchen, um unsere Vögel zu schützen. So kann der Vogelschutz aber zur Todesfalle für die Katze werden. Außerdem wird eine Katzensteuer verlangt, um die Menge an Katzenkot in der Öffentlichkeit zu verringern. Warum weniger Katzenkot nicht nur ästhetische Vorteile hat und warum Katzen keine Halsbänder tragen sollten, erläutert Tierärztin Dr. Daphne Kugler in diesem Artikel.

So ist es richtig: Katzen sollten kein Halsband tragen, um Verletzungen vorzubeugen. (Foto: Dr. D. Kugler)

Laut Landesbund für Vogelschutz (LBV) werden jährlich durch Katzen rund 200 Millionen Singvögel gefangen. Ein Vogelschützer aus Neustadt an der Aisch (Bayern) hatte jetzt die Einführung einer Steuer- und Glockenpflicht für Katzen gefordert. Die Glockenpflicht sollte Vogelleben retten und die Katzensteuer die Menge an Katzenkot reduzieren. Der Landtag (Bayern) erklärte am Mittwoch die Petition des Mannes jedoch ohne lange Aussprache für abgehakt. Aber ein Glöckchen für Katzen zum Schutz der Vögel ist doch gar keine schlechte Idee, oder etwa nicht? Und weniger Katzenkot hätte doch nur ästhetische Vorteile, oder?

Halsband oder Brustgeschirr für Katzen

Allgemein sollten Katzen keine Halsbänder oder Brustgeschirre tragen. Durch Halsbänder (starres oder elastisches Schmuckhalsband, Flohhalsband) oder Brustgeschirre werden die Katzen großen Gefahren ausgesetzt. Während eine Katze ihr Revier durchkämmt, besteht ohne weiteres die Möglichkeit, dass das Tier an Ästen, am Zaun etc. hängenbleibt. Hierdurch kann es zu schweren Verletzungen oder auch zur Erdrosselung kommen. Auch durch das Putzen kann es passieren, dass die Pfote durch das Halsband oder Brustgeschirr schlüpft und sich das Tier schwere Verletzungen insbesondere im Bereich der Achsel zuzieht.

Halsband mit Glöckchen als Warnsignal

Neben der Tatsache, dass ein Halsband für Katzen allgemein gefährlich ist, wird immer wieder  die Katzenglocke als Warnsystem für Vögel genannt. Jedoch wird hierbei außer Acht gelassen, dass die Katze kein Verfolgungsjäger ist und daher ein Glöckchen keinen Sinn als Warnung für Vögel hat. Eine Katze lauert auf Ihre Beute und springt dann plötzlich hervor, um die Beute zu fassen.

Halsband zur Kennzeichnung und gegen Parasiten

Auch eine Kennzeichnung des Tieres mittels Halsband mit Adressanhänger sollte keine Anwendung finden. Eine Katze ist mithilfe eines Chips, der unter die Haut implantiert wird, gut gekennzeichnet. Mit einem Lesegerät kann die individuelle Nummer des Chips eingelesen und dadurch der Katzenhalter gefunden werden. Wichtig ist, dass Sie sich hierfür in ein Haustierregister mit Ihren gechipten Tieren wie zum Beispiel bei Tasso e.V. selber eintragen oder eintragen lassen. Gegen Flöhe und andere Parasiten gibt es andere Möglichkeiten als ein Halsband wie zum Beispiel Spot-on Präparate.

Katzenkot als Gefahr für den Menschen

Freilaufende Katzen setzen ihren Kot im Park oder an anderen öffentlichen Plätzen ab. Daher kam das Thema Katzensteuer auf den Tisch, welches vom Landtag jedoch auch abgehakt wurde. Natürlich kann man als Katzenbesitzer seinem Freigänger nicht den ganzen Tag hinterherlaufen und den Kot wegräumen, wie es beim Hund praktiziert wird. Aber man sollte seine Katzen regelmäßig auf Parasiten behandeln lassen, um u.a. eine Ansteckungsgefahr für den Menschen so gering wie möglich zu halten.

Auch für Menschen, die keine Katzen haben, gibt es einiges zu beachten. Wenn ich mit Schwangeren über das Thema Toxoplasmose (eine durch Parasiten in Katzenkot verursachte Infektionskrankheit) spreche, wissen viele, dass sie zu Hause aufpassen müssen. Aber dass der Sandkasten am öffentlichen Spielplatz oder der Garten eine Gefahrenquelle darstellt, ist den meisten nicht bewusst. Eine Gefahr für den Fötus besteht allerdings nur bei Frauen, die zum Zeitpunkt der Schwangerschaft keine Antikörper gegen Toxoplasmose haben.

Über die Autorin: Dr. Daphne Kugler hat an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München Tiermedizin studiert. Während des Studiums setzte sie ihren Schwerpunkt bereits auf die Verhaltenskunde und promovierte am Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung. Seit 2004 ist Frau Kugler approbierte Tierärztin und unterstützt mit ihrem Fachwissen Mensch und Tier.

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weitere Bilder:

Verirrte Katze: Ein implantierter Chip verrät, zu wem die Katze gehört. Ein Katzenhalsband mit Adresse ist somit nicht notwendig. (Foto: Dr. D. Kugler)
Katzen sollten unbedingt regelmäßig gegen Parasiten behandelt werden, damit sie diese nicht in der Öffentlichkeit verteilen. (Foto: Dr. D. Kugler)