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29.08.2014 Cornelia Kuhn, Mobile Tierheilpraxis Kuhn

Artgerechte Ernährung für Katzen: Trockenfutter oder Nassfutter?

Viele Katzenbesitzer stellen sich die Frage, welches Futter wohl am besten für die Vierbeiner ist. Sowohl Trocken- als auch Nassfutter haben Vor- und Nachteile. Tierheilpraktikerin Cornelia Kuhn nimmt das Trockenfutter besonders kritisch unter die Lupe und das Ergebnis fällt eindeutig aus. Außerdem gibt Sie Tipps, wie die Futterumstellung einfach gelingt.

Hätten Katzen eine Wahl, würden sie am liebsten jeden Tag Mäuse fressen. (Foto: ©iStockphoto.com/AndreyStratilatov (#1440835 "Cat and mouse"))

"Katzen würden Mäuse kaufen" - das ist der Titel eines Buches aus dem HEYNE-Verlag, der eindrucksvoll schildert, was im heutigen Katzenfutter enthalten ist. Der Autor Hans-Ulrich Grimm enthüllt die Wahrheit bei der Futterproduktion der vielmals als gesund beworbenen und bekannten Futtermittel. Spätestens nach Beendigung der letzten Seiten wird einem als Verbraucher einiges klar.

Katzen würden in der Tat nur Mäuse kaufen – und genau darüber sollten wir uns im Klaren sein. Die Werbung will uns jedoch überzeugen, dass in allen Dosenfuttern wertvolles Futter steckt und auch, dass eine Katze Trockenfutter benötigt. Auch wenn viele Katzen Trockenfutter anscheinend "lieben", ist es nicht artgerecht und vor allem nicht gesund, wenn es als Hauptfutter dient. Manche Katzen würden sich auch ausschließlich von ungesunden Leckereien ernähren, das würden Menschenkinder aber auch. Deshalb ist Aufklärung und Verständnis des Tierhalters wichtig.

Trockenfutter entzieht dem Körper zu viel Wasser

Die Vorfahren unserer Haus- und Hof-Katzen sind Wüstentiere, die über die fleischige Ernährung ihren Flüssigkeitsbedarf decken konnten. Bei artgerechter Ernährung würde unsere Katze also kaum den Wassernapf aufsuchen, was dann auch kein Problem darstellt. Trockenfutter enthält unter 10 % Wasser und entzieht dem Katzenorganismus mehr Wasser, als die Katze in der Regel wieder zu sich nimmt, bzw. nehmen kann. Denn um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken, müsste die Katze die 3fache Menge an aufgenommenem Trockenfutter an Wasser trinken.

Trockenfutter saugt im Magen der Katze die Feuchtigkeit aus der Magensäure auf und macht die Magensäure dadurch wesentlich konzentrierter. Der hohe ph-Wert der Magensäure führt zu einem hohen ph-Wert im Speichel und dies ist ein ganz wesentlicher Faktor für die Entstehung von Zahnstein (und der Autoimmunerkrankung Forl). Somit ist Trockenfutter für angeblich gesunde Zähne ein leicht zu erkennender Fehler.

Mein anschaulicher Tipp: Nehmen Sie einen kleinen Trockenfutter-Brocken, legen ihn in Wasser und sehen sich an, wie er nach einiger Zeit aufquillt und wie groß dieser Brocken wird. Auch im Magen zieht er sich dann die benötigte Flüssigkeit aus dem Körper. Ganz schlecht auch bei nierenkranken Tieren.

Getreide ist nicht gut für Katzen

Zusätzlich besteht das meiste Trockenfutter aus bis zu 80% Getreide (Mais, Weizen, Soja, Reis etc.), was von Katzen nicht aufspalten und verdaut werden kann, weil sie als Fleischfresser nur eine kurze Darmpassage besitzen. Beim Menschen fängt die Verdauung bereits im Mund an. Hund und Katze kauen jedoch nicht, sondern schlingen ihr Futter meist gleich herunter: dort beginnt die Verdauung. Katzen fressen in der Natur kein Getreide, nur wir bzw. das industriell gefertigte Futter überlistet sie dazu. Getreide enthält Stärke, was auch wieder ungünstig für ihre Zähne ist.

Dieser Rohstoff ist jedoch preiswerter als Fleisch und ein billiger Kalorienlieferant, der den Platz von tierischem Eiweiß einnimmt. Leider schafft Getreide zusätzlich noch ein parasitenfreundliches Milieu. Die im Magen der Maus enthaltenen winzigen Mengen an Getreide sind bereits vorverdaut und manche Katzen lassen den Mageninhalt des Beutetieres sogar unberührt liegen. Dies hält einer Begründung als Getreidefresser nicht stand. Zum Getreidefressen benötigt man Mahlzähne, die unsere Katze nachweislich nicht besitzt.

Die Fütterung von Getreide führt nachweislich zu einer Dauerbelastung der Nieren und der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und begünstigt

  • Verdauungsbeschwerden
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Diabetes
  • Blasensteine
  • Krebs
  • Allergien
  • Haut- und Fellprobleme
  • Tumorwachstum

Der dramatische Anstieg von Allergien kann auch auf die Zufügung von Konservierungsstoffen, Antioxidationsmitteln und suchterzeugenden Lockstoffen in vielen Dosenfuttern hergeführt werden. Einige Antioxidationsmittel stehen mehr als im Verdacht, krebserregend zu sein. Ihre Verwendung ist in Kindernahrung bereits aus gutem Grund untersagt worden.

Zucker im Katzenfutter ist schädlich

Zuckersüß sind Katzen selber. Allerdings besitzen Katzen keine Geschmacksrezeptoren auf der Zunge, die sie Zucker bzw. süß schmecken lassen. Industriezucker ist ein gesundheitsbelastender Zusatz, der das Futter ausschließlich für den Menschen besser aussehen lässt. Deshalb sollte Zucker im Katzenfutter nicht enthalten sein. Zucker wird auch gerne in Form von Rübenschnitzel beigefügt oder als Karamell bezeichnet. Dies dient der "geruchlichen" Akzeptanz des unnatürlichen Futters. Für das Tier hat dieser Zusatz negative Auswirkungen, wie Übergewicht und Diabetes.

Weiterführendes Probleme bei Übergewicht können sein:

  • Gelenkprobleme
  • Belastung des Herz-Kreislauf-Systems
  • verringerte Immunabwehr
  • erhöhtes Narkoserisiko und längere OP-Zeiten
  • erhöhte Tumorneigung
  • Hauterkrankungen
  • und am Ende eine verkürzte Lebensdauer

Mangelernährung vermeiden

Katzen sollten auch nicht mit Hundefutter ernährt werden, denn sie haben einen hohen Bedarf an Taurin, welcher nur gut durch Fleisch gedeckt werden kann und im Hundefutter nicht in der Höhe vorhanden ist. Wir würden - wie bei schlechtem Futter auch - auf eine Mangelerscheinung hinsteuern bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen an Herz, Augen oder Nerven. Da Taurin nicht hitzebeständig ist, ist es ratsam dies zusätzlich zuzuführen. Mein Tipp hierfür ist die Zufütterung von Grünlippmuschelpulver. Fragen Sie zur Dosierung einen Tierheilpraktiker Ihres Vertrauens.

Ebenso schließt sich eine vegetarische oder vegane Ernährung, aus Gründen der Mangelernährung, für Katzen aus. Jeder aufgeschlossene Bürger kann im Tierschutzgesetz § 2, Abs. 1 nachlesen, dass jedes Haustier artgerecht zu ernähren ist. Deshalb muss man bei artgerechter Ernährung für einen Fleischfresser auch Fleisch und kein Getreide füttern.

Wenn wir in den Zoo gehen, sehen wir ganz deutlich, dass man sich hier ans Gesetzt halten muss. Die Fleischfresser bekommen rohes und frisches Fleisch vorgesetzt; mitunter werden Futtertiere sogar im Zoo gehalten bzw. gezüchtet. Das ist artgerecht und gesunderhaltend.

Auf Fleischanteil in Nassfutter achten

Wenn wir an eine artgerechte Fütterung unserer Lieblinge denken, sollte also Nassfutter an erster Stelle deklariert sein. Kein berufstätiger oder vielbeschäftigter Katzenbesitzer muss unbedingt Rohfleischfütterung (B.A.R.F.) praktizieren. Es ist eine Variante der guten Fütterung. Man muss sich dafür aber auch interessieren und damit entsprechend auseinandersetzen. Dies kommt der Maus jedoch am nächsten.

Es gibt mittlerweile mehrere Futtermittelhersteller, die sich der gesunden Katzennahrung verschrieben haben und auch zu empfehlen sind. Hier steht ganz vorne der Fleischanteil und die entsprechende Höhe.

Mein Tipp: Achten Sie beim Lesen von Testergebnissen über Tierfutter genau auf die Details. Wurde hier wirklich der höchste Fleischanteil ermittelt auf den es ankommt oder nur die Art der Deklaration und die "nachgewiesenen Fleischarten" als Inhaltsstoffe. Je nach Test-Schwerpunkten können die Ergebnisse ganz unterschiedlich ausfallen und nicht unbedingt zum Vorteil unserer Tiere sein. Was glauben Sie ist wohl ist enthalten in einem 100-g-Schälchen für 35 Cent?

Deutlich wird das Problem der nicht artgerechten Fütterung z.B. bei

  • älteren Tieren, die übergewichtig sind
  • jungen, unter Beanspruchung stehenden Deckkatern
  • säugenden Katzen.

Da Fertigfutter zwar den Kalorienbedarf deckt, aber nicht den Bedarf an hochwertigen tierischen Anteilen, Enzymen und natürlichen Vitaminen, entsteht ein Mangel, den die Katze mit einer gesteigerten Futteraufnahme auszugleichen versucht. Diese erhöhte Aufnahme von "leeren" Kalorien hat jedoch zur Folge, dass diese im Körper in Fett umgewandelt und gespeichert werden. Mit hochwertigem Futter oder gar Rohfutter ernährte Katzen werden auch im Alter selten fett. Unter Beanspruchung wie Trächtigkeit oder Laktation zeigt sich, dass minderwertiges Fertigfutter nicht im Stande ist, genug essentielle Nährstoffe bereit zu stellen, da säugende Katzen nicht in der Lage sind, soviel Futter aufzunehmen und zu verarbeiten.

Auch Trockenfutter wurde in der Hauptsache für den Menschen konzipiert. Man wollte ein Futter, was ohne zu riechen dauerhaft hingestellt werden konnte, das menschliche Gewissen erleichtert, wenn die Katze lange alleine gelassen wird und einfach in der Handhabung ist. Hier hat sich die Industrie auf die menschlichen Bedürfnisse von berufstätigen Katzenhaltern eingestellt, was ein extrem gutes Geschäft darstellt. Leider stellt dies keine artgerechte Ernährung mehr für Katzen dar.

Wir müssen uns informieren, was auf den Futtermitteln geschrieben steht. Meist benötigen wir hierzu sogar eine Lupe, weil der Aufdruck selbst zu klein für gute Augen ist. Aber es lohnt sich zu sehen, ob als erster Futterstoff Fleisch enthalten ist - mit der Angabe von mindestens 65 % Fleisch- oder Fischanteil. Lassen Sie unbedingt die Finger von Futtermitteln mit nur 4 % Fleisch und tierischen Nebenprodukten und einem in der Folge zu hohen Getreideanteil.

Viele Stubentiger mögen diese kleinen Futterbrocken und wir müssen auch nicht komplett darauf verzichten, wenn wir auf Hersteller zurückgreifen, die hochwertiges Protein, also Fleisch als Hauptanteil verwenden und Getreide weglassen, dann können wir es z.B. als Belohnung, zum Clickern oder zum Spielen verwenden (z.B. im Fummelbrett/Geduldsspiel).

So stellen Sie das Futter Ihrer Katze um

Jetzt wo Sie das Rüstzeug und das Verständnis für eine gute Katzenernährung erworben haben, nehmen Sie eine Futterumstellung nur nach und nach vor. Der Katzendarm muss sich langsam daran gewöhnen und es ist auch typisch Katze, mit Gewohnheiten nur langsam zu brechen.

  1. Beginnen Sie z.B. damit, das noch vorhandene Futter mit Rinder- oder Putenhack aufzubessern. Roh oder kurz in Wasser gekocht – probieren Sie beides aus. Geben Sie nach und nach mehr davon zum üblichen Futter.
  2. Nehmen Sie dann gutes Nassfutter mit dazu, auch nach und nach mehr.
  3. Nach einigen Wochen können kleine Stückchen Hühnerherzen dazu gegeben werden und dann auch größere Rindergulaschstücken.
  4. Dann sollte Ihr "altes" Futter aufgebraucht sein und ab jetzt im Verkaufsregal stehen gelassen werden.

Sie sind jetzt ein informierter Katzenhalter und füttern hochwertiges Fleischfutter. Sie werden auch feststellen, dass die Katze davon insgesamt weniger benötigt und das rechnet sich dann wieder für Sie. Lassen Sie auch die teuren Getreide-Leckerlies weg und geben Sie stattdessen getrocknetes Fleisch ohne Zusätze.

Lassen Sie sich nicht einreden, dass es gefährlich ist Frischfleisch zu füttern. Gefährlich ist es eher eine Katze nur mit 4 % Fleisch und Getreide zu ernähren. Bei guter Ernährung sparen Sie sich dann die teure Behandlung beim Tierarzt, wenn vielleicht eine Allergie oder Futtermittelunverträglichkeit aufgetreten ist oder jährlich eine Zahnsanierung ansteht. Also rechnet es sich erneut – für SIE und Ihren Liebling.

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