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08.03.2013 Jeanette Frank, Hundeschule "Dog for Fun Training"

Agility - für alle, die es rasant mögen!

Agility erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Jeanette Frank, die zahlreiche Erfolge bei Agility-Wettkämpfen vorweisen kann, gewährt uns Einblicke in diese Hundesportart. Seit 2010 betreibt sie die Hundeschule “Dog for Fun Training”, in der Agility-Kurse und -Seminare zunehmend gefragter sind.

Bacardi beim Slalom. (Foto: J. Frank)

Seit 15 Jahren fasziniert mich nun schon diese spritzige und spannende Sportart. Keine Hundesportart ist abwechslungsreicher und verursacht mehr Nervenkitzel als Agility. Auf die Ausbildung verschiedener Rassen in small, medium und large und erfolgreiche Vorstellung auf Agility-Turnieren auch auf hohem nationalen und internationalen Niveau kann ich seither zurückblicken. Unter anderem habe ich mit meiner Papillon-Hündin „Bacardi“ den Agility-Welt-Cup 2010 gewonnen.

Was ist Agility?

Das Wort Agility kommt aus dem Englischen und bedeutet Wendigkeit. 1978 wurde Agility erstmals auf der internationalen Hundeausstellung “Crafts” in England als Pausenfüller vorgeführt. Schnell erlangte es große Beliebtheit und schwappte auch nach Deutschland hinüber. Heute gibt es Hunderte von offenen Turnieren, die in den verschiedenen Hundevereinen in ganz Deutschland jedes Wochenende angeboten werden. Und die Nachfrage steigt weiter.

Ein Agility-Parcours besteht aus 15-22 Geräten, die in der richtigen Reihenfolge auf Zeit absolviert werden müssen. Der Hund muss dabei vollständig auf die körpersprachlichen und verbalen Äußerungen reagieren und darf nicht berührt werden. Um einen optimalen Lauf zu erzielen, braucht es ein ausgeglichenes und harmonisches Team. Agility fördert die Bindung zum Hund und sorgt für Beschäftigung. Man unterscheidet zwischen einem A-Lauf oder Prüfungslauf und einem Jumping, der in jedem Wettkampf angeboten wird. Beim A-Lauf befinden sich die sogenannten Kontaktzonengeräte (A-Wand, Wippe und Steg) im Parcours. Beim Jumping fehlen diese, was die Laufgeschwindigkeit nochmals erhöht. Dabei laufen die Hunde Geschwindigkeiten von 4-6 m/s im Parcours. Zeit zum Nachdenken bleibt dabei nicht. Auf jedem Turnier steht ein neuer unbekannter Parcours. Um sich die Reihenfolge des Parcours merken zu können, hat man vorab 5-10 Minuten Zeit eine sogenannte Parcoursbegehung ohne Hund durchzuführen. Diese ist von besonderer Wichtigkeit, denn man hat ja nur einen Versuch und es geht rasant schnell.

Welcher Hund ist geeignet?

Letztendlich ist beinahe jeder Hund dazu geeignet, Agility zu erlernen, sofern er keine gesundheitlichen Probleme hat. Beim Agility in Deutschland gibt es drei Größenklassen: Small (Widerristhöhe bis 34,99 cm), Medium (35-42,99 cm) und Large (ab 43 cm). Sehr kleine Zwerghunde werden es sicher schwerer haben im Parcours, da die Sprunghöhe bis zu 35 cm betragen kann. Ebenso sollte man es sich gut überlegen mit sehr großen und schweren Rassen den Sport zu betreiben, da Agility eine nicht zu unterschätzende Gelenkbelastung mitbringt und der Tunnel z.B. nur einen Durchmesser von 60 cm aufweist. Aber natürlich kann man mit jedem Hund ein wenig Agility zur Beschäftigung betreiben, sozusagen „Dog for Fun“, muss aber nicht einen Wettkampf anstreben.

Die einzelnen Elemente

Im Agility-Parcours begegnen uns folgende Hindernisse:

  • Sprünge, angepasst an die Größe small, medium und large.
  • Der Reifen, der korrekt in der Mitte durchsprungen werden muss.
  • Der Weitsprung mit einer Gesamtlänge von 40 cm (small) – 150 cm (large).
  • Tunnel in der Länge 3-6 m, welche der Hund durchlaufen soll.
  • Eine Besonderheit: Der Sacktunnel, fester Eingang und ein ca. 3 m langer Stoffsack am Schluss.
  • Das komplexeste Hindernis: Der Slalom, 8-12 Stangen im Abstand von 60 cm, den der Hund im Zick-Zack absolvieren soll.
  • Die wichtigen und trainingsintensiven Kontaktzonengeräte: Steg, Wippe und A-Wand.

Das Training

Ein paar Anfänger-Tipps

Beim Agility führt man den Hund sowohl rechts als auch links und das kann man auch schon mit einem Junghund ohne Geräte trainieren. Man nehme ein Leckerli mal in die linke, mal in die rechte Hand. Wenn der Hund dem ausgestreckten Arm unterhalb des Leckerlis folgt, belohnen sie ihn.

Das „Außen“: Es wird einem immer wieder im Parcours begegnen, dass der Hund einen Sprung nicht in Laufrichtung nehmen muss, sondern „von hinten“. Das kann man wiederum sehr schön mit dem heranwachsenden Junghund an Pylonen (Kegeln) oder Bäumen üben. Leckerli in die Hand und den Hund herum führen. Umläuft er das Hindernis, sofort belohnen! Auch hier an ein beidhändiges Training denken.

Der sichere Start: Im Parcours ist es wichtig, dass der Hund nicht vorzeitig startet, sondern geduldig wartet, bis sich der Hundeführer richtig positioniert hat. Ein sicheres „Bleib“ kann somit schon im Junghundealter vor einer Hürde geübt werden, indem ich den Hund nicht abrufe, sondern wieder zu ihm zurückkehre und ihn dann für das ruhige Warten mit einem Leckerli belohne oder mit ihm spiele.

Die Kontaktzonen: Der Steg, die Wippe und die A-Wand besitzen im letzten Teil eine farbig markierte Zone, die der Hund mit mindestens einer Pfote berührt haben muss. Besser ist es jedoch anzustreben, dass der Hund komplett hinunterläuft und am Ende des Gerätes mit den Vorderfüßen im Gras zum Stehen kommt. Diese sogenannte Two-on-Two-off-Position kann ebenfalls mit dem Junghund geübt werden. Man stelle den Hund auf das Ende der Zone und lässt ihn mit Hilfe eines Leckerlis in der Hand die letzten 1-2 Schritte in die korrekte Position laufen, um ihn dort zu bestätigen.

Und so geht es weiter

Ist der Hund ca. ein Jahr alt, kann man so langsam das Springen üben. Würde man mit dem wachsenden Hund schon intensiv arbeiten, würde dies durch eine Überbelastung gesundheitliche Probleme erzeugen. Daher lassen wir die Stangen im ersten Lebensjahr auf dem Boden liegen. Führtechnik kann der Hund dann trotzdem schon lernen. Der Slalom stellt beim Training eine besondere Herausforderung dar und ist häufig reine Fleißarbeit. Verschiedene Methoden stehen hier zur Ausbildung zur Verfügung: freies Formen, Gassen- oder V-Slalom, die 2x2-Methode und viele weitere. Welche die richtige Methode für Sie und Ihren Hund ist, wird Ihr Trainer mit Ihnen entscheiden. Die Kontaktzonen stellen ebenfalls für viele Hunde eine Herausforderung dar. Ein schlampiger Aufbau im Training oder die Aufregung und Inkonsequenz des Hundeführers im Wettkampf kostet vielen den einen oder anderen Fehler im Turnier.

Das erste Turnier

Nach harter, aber freudiger Arbeit kommt er dann: der Tag des ersten Turniers. Bevor wir aber zum ersten Mal starten dürfen, muss der Hund die Begleithundeprüfung bestanden haben. Diese darf er ab einem Alter von 15 Monaten absolvieren. Der erste Aglity-Start ist ab 18 Monaten möglich. Es wird in verschiedenen Schwierigkeitskategorien gestartet. Ein Anfänger wird in der A1 beginnen und muss sich durch einen dreimaligen fehlerfreien, platzierten Lauf für die jeweils höhere Klasse qualifizieren. Die höchste Klasse mit den schwierigsten Parcours ist die A3.
Einen Fehler wird der Richter anzeigen, wenn eine Stange herunterfällt, eine Kontaktzone übersprungen wird oder im Slalom „Häkelfehler“ gemacht werden. Läuft ein Hund an einem zu absolvierenden Gerät vorbei, kassiert er eine Verweigerung. Die Disqualifikation ereilt jedes Team, welches ein Gerät von der falschen Seite oder in der falschen Reihenfolge nimmt. Agility-Turniere sind immer voller Spannung und Team-Geist. Schnell entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Startern.

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weitere Bilder:

Bambi beim Slalom. (Foto: J. Frank)
Bacardi über die Hürde. (Foto: J. Frank)
Bambi über die Hürde. (Foto: J. Frank)
Die Autorin mit ihren drei Hunden. (Foto: J. Frank)
Bacardi beim Sprung über die Mauer. (Foto: J. Frank)
Bacardi beim Sprung durch den Reifen. (Foto: J. Frank)