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18.06.2015 Mario Jessat, Snautz.de

Hundehaltung: Sollte ich mir einen Hund anschaffen?

Was man vor der Anschaffung eines Hundes alles beachten sollte

Bei der Anschaffung eines Hundes sind viele Faktoren zu beachten. Die vorhandene Nachbarschaft, ein vorhandener Zweithund. Einen Hund kaufen bedeutet auch zusätzliche Kosten. Und natürlich müssen Ausbildung und Auslastung vor dem Hundekauf berücksichtigt werden. Dies ist der erste von mehreren Artikeln mit Tipps zum Thema Hundekauf.

Die Auslastung des Hundes ist wichtig, dafür benötigt man aber reichlich Zeit. (Foto: Mario Jessat/Snautz.de)

Gute Nachbarschaft trotz Haltung von Hunden

Es ist wichtig, erst einmal die Nachbarschaft zu überdenken. Es gibt große und kleine Hunde. An beiden kann sich die Nachbarschaft stören, denn das Empfinden der Göße ist von Mensch zu Mensch verschieden. Da wird ein mittelgroßer Hund von manchen Nachbarn schnell als sehr groß bis riesig empfunden. Nicht vergessen sollte man außerdem, dass ein Hund im Grundstück auch bellt. Das gefällt nicht allen. Außerdem haben einfach einige Menschen Angst vor Hunden.

Die kleinen Hunde wohnen meistens im Haus. Beim eigenen Heim kein Problem. Im Mehrfamilienhaus eventuell schon. Auf einmal hat der Nachbar eine Tierhaarallergie, ganz besonders die Hundehaarallergie. Und kläffen tut der kleine Hund auch noch, vor allen Dingen, wenn er mal alleine ist. Der Nachbar kann bei Ihnen klopfen und klingeln, es wird keiner öffnen und der Hund bellt noch mehr. Und abends spielt er mit dem Ball. Der Bewohner eine Etage tiefer wird sich freuen. Also, auch hier gilt: Am besten vor dem Hunde kaufen mit der Nachbarschaft sprechen.

Optimale Unterbringung bei der Hundehaltung

Erst einmal, fällen Sie die Entscheidung in der eventuell vorhandenen Familie gemeinsam. Ein Hund macht Arbeit und Schmutz. Sätze wie "Du wolltest ja den Hund unbedingt" sind mir in meiner Hundeschule sehr bekannt. Der Hund wird sich vielleicht an einem Familienmitglied mehr orientieren. Warum auch immer. Aber damit muss man leben. Nicht alle verstehen das und es kommt zum Streit. Und passt das neue Zuhause zu dem neuen Mitbewohner?

Der Hund kann in einer Wohnung ebenso unglücklich sein wie in einem Zwinger samt Garten, nämlich dann, wenn Sie nach dem Kaufen merken, dass Sie keine Zeit für das Tier haben. Eine Wohnung und sein Liegeplatz reichen eventuell völlig aus, nur ausgelastet muss er sein und nicht dauernd allein. Er braucht Gesellschaft, das ist bei der Hundehaltung unbedingt zu beachten. Und vielleicht sind Sie Eltern von Kleinkindern. Ich finde es schön, wenn die Hunde mit Kindern und umgedreht aufwachsen können. Bekommen Sie es gehändelt, dass beide respektvoll miteinander umgehen? Hunde sind kein Spielzeug und manche Hunde sind einfach zu derb zu Kindern. Eine schwierige Aufgabe. Und eventuell wohnt auch eine Katze bei Ihnen. Kommen Hund und Katze miteinander klar? Meistens ja, aber das muss beobachtet werden. Bedenken Sie das vor dem Kaufen, nicht dass Hund oder Katze ausziehen müssen.

Proplematisch nach dem Kauf des Welpen kann es auch werden, wenn schon andere Hunde bei Ihnen wohnen. Wird der "Kleine" gut aufgenommen von dem "Alten"? Schließlich ist es sein Revier. Und eifersüchtig könnte er auch werden. Meistens, wenn die Hunde sozial sind, bekommt der kleine Welpe keine Probleme. Aber er wird auch älter. Sie müssen in der Lage sein, eventuelles Dominanzgerangel zu händeln. Und wenn der ältere Mitbewohner wirklich schon sehr alt ist? Sie müssen auch den Jungspund einbremsen, dass er den "Alten" nicht zu Tode nervt. Und sollten es gar Rüde und Hündin sein, dann steht auch mal schnell Nachwuchs ins Haus. Auch das ist vor dem Kaufen zu überlegen.

Und dann der Zaun. Hoch genug und dicht sollte er schon sein. Unangenehm, wenn der kleine Welpe die Straße lang flaniert. Oder der erwachsene Hund den ängstlichen Nachbarn samt seiner Katze besucht. Vielleicht deckt er auch mal Nachbars Lieblingshündin oder Ihre Hündin besucht den Rüden. Oder alles umgekehrt. Daher ist eine sichere Verwahrung sinnvoll. Und noch eins ist wichtig: Fragen Sie immer Ihren Vermieter, ob Hundehaltung in der Wohnung erlaubt ist. Ein Zusatz im Mietvertrag hilft da. Wer schreibt, der bleibt.

Auslastung und Ausbildung

Der Welpe kommt ins Haus. Toll, nur stubenrein sind Welpen beim Kauf sicher nicht. Nachts aufstehen, runter gehen mit dem Hund, die Jahreszeit ist egal. Schnee und Regen, Eis und Frost. Früh morgens aus dem kuschligen Bett und los mit dem Hund, Bei manchen auch noch vor der Arbeit. Und abends spät möchte der Hund auch noch raus. Haben Sie die Nerven, kommen Sie mit weniger Schlaf aus? Und dann ist er endlich stubenrein, dann müssen Sie ihn auslasten. Training, Hundeschule oder Hundeplatz, spazieren gehen, spielen usw. Alles kostet Zeit. Man will ja mit dem Hund seine Freizeit verbringen, aber so viel? Planen Sie am Tag drei Stunden zusätzliche Zeit für Ihren Hund.

Angenagte Möbel, kaputte Kleidungsstücke, kläffen, den Schwanz jagen, jaulen und bellen. Dann kann es sein, dass es Ihrem Hund langweilig ist. Und manche Hunde sind Gebrauchshunde. Ein Gebrauchshund möchte ausgelastet werden. Bedenken Sie das vor dem Kauf. Ihr Garten wird es Ihnen danken, sollte der Hund in der Wohnung sein, sicher auch Ihr Inventar. Reine Zwingerhaltung ist dann oft das Ende für den Hund. Da kann er nämlich keinen Schaden machen. An solchen Tieren zieht das Leben vorbei, es ist Tierquälerei. Sicher kann der Hund natürlich im Zwinger verwahrt werden. Aber nur vorübergehend. Der Hund braucht Gesellschaft und Auslastung. Viele Hunde sind als Familienhund geeignet. Auslasten müssen Sie ihn trotzdem. Es gibt ganz viele Möglichkeiten. Denken Sie vor dem Kauf darüber nach. Übrigens, auch Ausbildung ist für den Hund Auslastung.

Wenn Sie schon einen Hund bzw. mehrere Hunde hatten und es mit dem Gehorsam und dem Drumherum funktioniert hat, dann wissen Sie ja Bescheid. Wenn nein, dann brauchen Sie sicher nach dem Kaufen etwas Hilfe bei der Ausbildung oder Erziehung des neuen Hundes. Jeder Hund benötigt Konsequenz und sollte dringend gut erzogen werden. Der Züchter kann sich ganz viel Mühe geben, versuchen, dem kleinen Hund viel mit auf den Weg in seine neue Heimat zu geben. Aber nach dem Kaufen sind Sie gefordert. Ein erwachsener Hund steht nicht immer nur aus Zeitmangel, Tierhaarallergie und Krankheiten der Vorbesitzer zum Verkauf. Oft sind diese auch mit dem Tier überfordert. Der Hund hat also schon Verhaltensmängel. Bekommen Sie diese abgestellt? Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Tierschutz hat auch eine Vorgeschichte. Schön, wenn ihm geholfen wird. Haben Sie die Kraft, die Nerven und die Zeit, mit ihm richtig zu arbeiten? Es ist schwer, den richtigen Trainer für den Hund zu finden. Hundeplatz oder Hundeschule? Können diese wirklich helfen? Sehen Sie sich die Hundeschule bzw. den Hundeplatz vorher an. Fragen Sie andere Hundehalter. Und sollten diese einen wirklich gut erzogenen Hund haben, dann fragen Sie diese um Hilfe. Vielleicht wird ja eine Spaziergeh-Gemeinschaft daraus.

Ein Hund kostet Geld

Ein Hund wird zwischen zehn und 15 Jahre alt. Das sollte man auch schon beim Welpenkauf beachten. So lange haben Sie nun Ihren neuen vierbeinigen Freund um sich. Das ist eine lange Zeit. Kann man für sich, die Familie und seinen Hund so lange vorm Kaufen vorausplanen? Sicher nicht bzw. nur in den seltensten Fällen. Sie sollten keinen Hund kaufen, wenn gerade Ihre Arbeitsstelle akut gefährdet ist. Vielleicht müssen Sie umziehen. Oder Sie wollen sich und Ihre Wohngegend ändern. Dann planen Sie für den Hund mit, er ist lange bei Ihnen. In den Hunde-Kleinanzeigen liest man dann oft: "wegen Umzug/Arbeitsplatzwechsel/Zeitmangel/persönlicher Gründe" uvm. abzugeben. Sicher werden Sie den Hund vermitteln können. Ein anderer wird ihn kaufen. Aber es ist oft traurig für alle. Und oft sind die Besitzer nur einfach überfordert.

Und natürlich sind die Kosten zu bedenken. Futter kaufen, Leinen, Halsbänder, Spielzeug. Zu kaufen sind Geschirr oder Box für das Auto, wenn nicht gleich ein neues Auto gebraucht wird. Und natürlich kann der Hund auch krank werden. Tierärzte sind nicht unbedingt billig. Das sollte überlegt sein. Wenn Sie finanziell immer am Limit sind, dann lassen Sie den Hund weg. Die erste Krankheit wird zum Fiasko. Und wenn er irgendwo Schaden anrichtet, muss auch das bezahlt werden. Denken sie daher über die richtige Hundeversicherung bzw. Op-Versicherung für den Hund nach.

Was sagen die anderen zu Ihrem Hund?

Alles ist schön. Der Hund macht Spaß, ist in der Familie angekommen, wird von allen geliebt. Von allen? Was ist mit der Verwandschaft und Freunden? Wundern Sie sich nicht, wenn Sie weniger eingeladen werden, weil Sie ja einen Hund haben. Nicht alle haben Verständnis, dass Ihre Familie nun um ein Mitglied reicher ist, das auch noch Haare auf dem Perserteppich hinterlässt oder beim Essen dabei sein möchte. Vielleicht noch das gute Sofa besucht. Und die entspannten Spaziergänge in der Natur. Fremde Hunde, die raufen wollen. Da können Sie den Hund gut erzogen haben, andere haben es nicht und kein Verständnis, warum Sie Ihren Kleinen nicht beißen lassen wollen. Eventuell gibt es im Wald auch ein paar nette Sätze vom Jäger, so dass Sie ab sofort Ihren Hund nicht mehr von der Leine lassen wollen. Und Spaziergänger und Radfahrer, denen Sie mit Ihrem Hund aber auch immer im Wege sind und die mit netten Worten nicht sparen. Und unbedingt die unterschiedlichen Gesetze der einzelnen Bundesländer über Leinenzwang und Gefahrenverordnung im Kopf haben, die Hundemarke nicht vergessen. Sonst wird es wieder teuer...

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Eine Katze ist im Haus. Die beiden müssen aneinander gewöhnt werden. (Foto: Mario Jessat/Snautz.de)
Eine Hundeschule ist für das Training und die artspezifische Bindung oft sinnvoll. (Foto: Mario Jessat/Snautz.de)
Das friedliche Zusammenleben zwischen Kind und Hund ist wichtig. Dieses sollte vor dem Hunde-Kauf überlegt sein. (Foto: Mario Jessat/Snautz.de)
Ein Hund in der Wohnung kann Schaden verursachen. (Foto: Mario Jessat/Snautz.de)
Der Zaun zum Nachbarn und der Straße hat die richtige Höhe. Auch das sollte gut überlegt sein. (Foto: Mario Jessat/Snautz.de)
Ein Zweithund im Haus muss sich mit dem neuen Mitbewohner verstehen. (Foto: Mario Jessat/Snautz.de)