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18.11.2005 Swantje Winkes, Hundeschule Familienhund-Akademie

Hunde unterm Weihnachtsbaum

Auf der Suche nach einer ausgefallenen und besonderen Weihnachtsüberraschung, welche man sich selbst oder den Liebsten zum Fest schenken will, kann man sehr schnell "auf den Hund kommen". Damit die Überraschung aber nicht zu deftig wird, hat sich Frau Swantje Winkes einige Gedanken zum Thema Weihnachtshund gemacht.

Endlich ist es soweit: Ein junger Hund soll das Leben bereichern. Gerade zu Weihnachten kommt immer wieder dieser Wunsch hoch. Gerade jetzt ist es ja schwer, den Kindern oder dem Partner so einen Herzenswunsch abzuschlagen. Ein Blick in den Hundefinder oder den Anzeigenteil der Zeitung und schon hat man jede Menge Angebote und vereinbart telefonisch viele Termine. Allerdings wird man schon beim ersten Besuch völlig schwach, wenn einen die knuffigen Knopfäuglein so treu anschauen. Schnell entschlossen nimmt man den kleinen Kerl mit, der gleich auf einen zutapste: "Schau, er hat uns doch ausgesucht". Allerdings sind es noch zwei Tage bis Weihnachten, da der Hund aber als DIE Weihnachtsüberraschung geplant ist, kommt er erst einmal in die Garage, da stört er nicht und wird auch noch gar nicht gesehen. Schnell etwas Hundefutter bei der Tankstelle gekauft. Fertig. Weihnachten kann kommen.

Heiligabend kommt, die Familie auch, im ganzen Haus herrscht geschäftiger Trubel. Pünktlich zur Bescherung wird der Welpe, hübsch in Geschenkpapier verpackt, unter den Tannenbaum gelegt. Alle sind hingerissen, nur der Welpe weiß die wunderbare Stimmung nicht zu würdigen: Vor lauter Aufregung macht er Pipi auf die kostbare Weihnachtsdecke und fängt dann an, die Hände der Umstehenden mit seinen Welpenzähnchen zu zwicken. Die anderen Geschenke lenken aber sehr gut ab von diesem undankbaren Wicht.

Weiter geht es mit dem ganz normalen Weihnachtsstress: Die Geschirrspülmaschine muss eingeräumt werden, Oma Else will zur Kirche, die Betten für andere Gäste müssen gemacht werden, usw. An den Feiertagen zeigt man stolz den neuen Welpen überall herum und wundert sich, dass der Kleine selbst an solchen Feiertagen bei Matschwetter raus muss. Bis Neujahr hat man sich ja extra Urlaub genommen, dann geht es ja zum Glück wieder in die Arbeit und man hat wenigstens von 9 bis 17 Uhr seine Ruhe. Bis dahin haben die Kinder ja auch gelernt, welche Verantwortung so ein Hund bedeutet und gehen dann hoffentlich freiwillig auch im Regen mit dem Kleinen raus.

Sie denken jetzt vielleicht "Ja, wer macht denn so einen Unfug?" In mehr Haushalten als Sie glauben passiert genau so ein Szenario. Die Tierheime können ein Lied davon singen, wie viele etwa halb- bis dreivierteljährige Hunde zu den Osterferien ausgesetzt werden. Rechnen Sie einmal nach...

Tatsächlich wundert mich das ganz und gar nicht. Der unüberlegt gekaufte Hund kam von der Mutterliebe direkt alleine in eine kalte Garage (Leider ist das gerade zu Weihnachten oft bittere Realität), dann in das Chaos pur, wo er allen nur vor den Füßen herumläuft. Keiner hat sich vorher mit den Bedürfnissen und Ansprüchen eines Hundes auseinandergesetzt. Der Alltag ist wichtiger als die Entwicklung des jungen Hundes und so kommt es fast selbstverständlich zu Verhaltensauffälligkeiten und Störungen. Na und dann "nervt" dieses Weihnachtsgeschenk so richtig.

Zusätzliches Geld für professionelle Hilfe will man dann aber auch nicht ausgeben, da kommt dann ganz schnell eine "Allergie" oder ein "böser Vermieter" wie angeflogen und man muss sich dann "leider" von dem Hund trennen. Man ist sich sicher: "Nie wieder kommt ein Hund ins Haus." Wir werden sehen, Weihnachten kommt bestimmt mal wieder.

So sollte man nicht auf den Hund kommen. Besser ist es, wenn man sich vorher umfangreich informiert. Ganz wichtige Fragen sind dabei: Passt so ein Hund in mein Leben? Kann ich einem Hund das bieten was er braucht, um sich gesund und artgerecht entwickeln zu können? Wie viel Zeit braucht denn so ein kleiner Hund tatsächlich? Was für ein Hund würde denn zu mir passen? Auch über Geld sollten Sie vorher einmal nachdenken. Nicht nur die Anschaffung des Hundes spielt eine Rolle, sondern es entstehen Folgekosten: Tierarzt, Versicherung, Steuer, Ausbildung. Sind Sie bereit dafür?

Unterhalten Sie sich, bevor Sie einen Hund adoptieren, mit anderen Hundehaltern, Tierärzten und Hundeschulen. Gerne wird man Ihnen Erfahrungswerte erzählen. Das kann sehr hilfreich sein. Nehmen Sie sich genug Zeit, um "Ihren" Hund zu finden. Schauen Sie sich die Züchter an (auch bei Mischlingen), lernen Sie in Ruhe die Mutter und vielleicht auch den Vater kennen. Ein guter Züchter wird Sie auch beraten können, welcher der kleinen Racker am besten zu Ihnen passt. Er kennt seine Kleinen. Bestimmt gibt er Ihnen auch Zeit, sich zuhause in aller Ruhe auf Ihr neues Familienmitglied einzustimmen. Sie werden die nächsten 15 Jahre mit Ihrem vierbeinigen Familienmitglied verbringen können, da darf man ganz bestimmt ein paar Nächte drüber schlafen, um die richtige Entscheidung treffen zu können.

Bevor ein Hund gibt, nimmt er sehr viel. Sehr viel Zeit, Nerven, Pantoffeln und auch Geld. Geben Sie Ihrem Hund das, was ein junges Lebewesen braucht: Geduld, Liebe, Wärme, Halt, Grenzen und die Möglichkeit, sich artgerecht zu entfalten. Dann werden die nächsten Jahre eine wundervolle Zeit mit Ihrem Hund werden.

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