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30.06.2012 Mario Jessat, Snautz.de

Hunde im Sommer

Bleibt der Hund im Auto, kann das den Hitzetod bedeuten

Mittlerweile sollte es jeder wissen, aber unglaublicherweise kommt es immer wieder vor, dass Hunde im Sommer im Auto zurückgelassen werden. Die Polizei muss Scheiben einschlagen, um den Hund zu retten oder der Hund stirbt gar. Daher möchte auch Snautz.de jetzt bei diesen Temperaturen noch einmal darauf hinweisen: Lassen Sie Ihren Hund nicht im Auto! Und das auch nicht "mal kurz"...

Leicht hechelnder Hund im Sommer, es besteht keine Gefahr. (Foto: M. Jessat)

Es passiert wie folgt: Das Auto wird schön im Schatten abgestellt, kühl hat es der Hund. Und dann ab zum Einkaufen oder zum Friseur oder eben mal was schnell erledigen. Unsere Umfrage hat ergeben, dass kaum einer weiß, wie schnell die Sonne wandert und wie lange der Schatten unter einem dünneren Baum ausreicht. Leider wandert die Sonne schnell und aus dem schattigen Plätzchen wird eine tödliche Falle für die Tiere. Ein Schattenplatz unter einem kleineren Baum kann schon nach einer Stunde in der Sonne sein.

Bei unserem Versuch bei nur 21 Grad Celcius Außentemperatur stieg die Temperatur im Auto auf 50 Grad. Schon diese Temperatur kann ein Tier nicht lange überleben. Bei höheren Temperaturen steigt die Hitze auf über 60 Grad. Keine Chance für den vierbeinigen Freund. Eine Stunde reicht für den Kreislaufzusammenbruch, zwei Stunden für den Tod.

Der Hund kann nicht oder nur ganz wenig schwitzen. Er hechelt, um seine Körpertemperatur nach unten zu bekommen. Die Zunge hängt dem Hund dabei tief aus dem Maul, er atmet sicht- und hörbar schneller. Beim diesem Hecheln zieht er viel und möglichst kühlere Luft über die Zunge, welche mit Speichel befeuchtet ist. Der Speichel verdunstet und kühlt so die Oberflächen. Ähnliches passiert auch beim Ein- und Ausatmen über die Schleimhäute in Mund und Nase.

Niedrigere Temperaturen können die Hunde über Haut und Pfoten regeln. Die Pfoten geben nur geringfügig Schweiß ab, sie tragen fast nicht nennenswert zur Temperaturregelung bei. Die Haut gibt bei Hitze Wärme ab, oft liegt aber ein Fell darüber, dass auch diese Kühlmethode wenig hilft. So gibt der Hund die meiste Temperatur über die Haut des Bauchbereiches und in den Achseln ab. Daher steht der Hund anfangs, wenn es im zu warm ist und hechelt im Stehen. Nur wenn der Untergrund kalt ist, legt er sich hin um die Kühle des Bodens zur Temperaturregelung zu nutzen.

Im Auto hat der Hund keine Chance. Sein Hecheln nützt ihm nichts, schnell ist sein Wasser verbraucht, er kann über die Zunge nicht mehr kühlen. Über die Haut geht es auch nicht, da die Außentemperaturen zu hoch sind. Er stirbt qualvoll. Und auch heruntergelassene Scheiben und Wasser im Auto bringen da wirklich nicht viel. Einige Minuten vielleicht. Dann kommt es beim Hund zum Kreislaufversagen oder Hitzschlag.

Starkes Hecheln, panikartiger Blick, Benommenheit, Hinlegen und Hecheln, blasse Leftzen und Zahnfleisch, Taumeln, Schaum vorm Mund, Schockzustand und Ohnmacht sind Zeichen von Hitzschlag und Überhitzung. Sollten Sie einen Hund im Sommer im Auto sehen, rufen sie sofort die Polizei. Diese ist berechtigt, die Scheibe einzuschlagen. Und mittlerweile wird der Hundebesitzer wegen Tierquälerei mit ordentlichen Geldstrafen bedacht.

Und nun? Der Hund ist draußen, raus aus dem Auto. Kühlen, kühlen, kühlen. Halten Sie sich nicht allzulange mit dem Befeuchten von Maul und Zunge auf. Das ist
zwar richtig, dauert aber im Notfall zu lange. Den Hund sofort in den Schatten. Am besten den ganzen Hund befeuchten, mit Wasser aus dem Eimer und Wasserschlauch langsam den Hund einweichen. Sehr oft wird behauptet, den Hund vorsichtig befeuchten. Das ist nicht richtig. Ein Hund, der kurz vorm Hitzschlag steht, muss schnellstmöglich mit der Temperatur herunter. Er hat nämlich ein weiteres Problem durch die Hitze und den damit verbundenen Temperaturanstieg: Er hat ungewöhnlich Stress. Dieses schadet im zusätzlich. Und lassen sie ihn trinken, auch wenn er sich übergibt. Das kalte Wasser kühlt seinen Körper von innen.

Einmal legte ich einen fast schon dehydrierten Hund in einen Bach. Innerhalb einer Minute hatte das Tier sich sichtbar erholt, es nahm die Außenwelt wieder wahr. Fünfzehn Minuten brauchte der Hund, bis er wieder versuchte aufzustehen.

Der Hund liebt im Sommer kühle schattige Plätze zum Herumliegen. Sehr heiße Tage sind auch zum aktiven Sporttreiben ungeeignet für ihren Hund. Er will es auch gar nicht. Und ans Fahrrad gehört er bei hohen Temperaturen auch nicht. Unsere Hunde in Rudelhaltung spielen am liebsten in den kühlen Morgen- und Abendstunden, in der Mittagszeit verziehen sie sich in den Schatten.

Frisches kühles Wasser sollte Ihrem Hund immer zur Verfügung stehen. Und natürlich kann er auch, wenn er will, baden gehen. Auch das kühlt den Hund im Sommer prima. Und halten Sie bitte die Augen auf und zeigen Zivilcourage, damit kein Tier mehr in den überhitzten Autos leiden muss.

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weitere Bilder:

Die Lieblingsbeschäftigung dieses Rudels: Baden Im Sommer. (Foto: M. Jessat)
Zum Tagesbeginn trainierte Schlittenhunde, hier sieht man schön die herausgestreckten Zungen, um die Körpertemperatur nach unten zu regulieren. (Foto: M. Jessat)
Hunde und Kinder im Sommer beim Wasserspiel. (Foto: M. Jessat)
Hund im Sommer beim Baden. (Foto: M. Jessat)