gelesen: 8.642 mal
26.10.2008 Mario Jessat, Snautz.de

Hunde im Kino - wie man es als Hund zum Filmstar schafft

Immer wieder liest man Anzeigen von Casting-Agenturen, welche Hunde fotografieren möchten, um diese zu listen. Später soll der Hund dann eventuell ein Filmstar werden. Wie dies ein Hund schafft ohne sich auf die Hundecouch zu begeben, berichtet uns im Gespräch Tina Urban, deren Labrador-Retriever im Film "Unterdogs" mitspielten.

Fernsehstar Jessy, Hauptrolle im Film "Unterdogs" (Foto: T. Urban)

Hallo Frau Urban. Ihr schon etwas älterer Nachwuchs hat im Film Unterdogs mitgespielt. Wie wurden Ihre Hunde nun für den Film ausgewählt?

Ich hatte einen Anruf von Tiertrainer Marco Heyse erhalten. So wie ich es damals verstand, werden er und sein Team für Produktionen (Filme, Serien, Werbung usw.) gebucht. Er suchte Hunde im richtigen Alter und fragte mich, ob ich nicht meine Welpenfamilien fragen könne. Das Thema war: Filmtierschule sucht Retriever für TV- und Kinoproduktion! Erst einmal skeptisch - solch einen Anruf bekommt man ja nicht so oft - habe ich mich etwas bedeckt gehalten. Ich schrieb eine Mail an alle Welpenfamilien und berichtete von dem Telefonat. Sie sollten sich bei Interesse und zur Information über den Ablauf beim Trainer melden. So wurden vier Welpen ausgesucht.

Hat er Ihnen gleich vom Film erzählt und vom Inhalt?

Ja, er hat mir alles genau beschrieben und mir das Vorhaben auch schriftlich zugesandt. Dort wurde alles über den Verlauf, Inhalt und die Anforderungen an die Hunde festgehalten sowie die Zusicherung, dass die Hunde bei der Produktion keinen Schaden nehmen werden, viele positive Erfahrungen für ihr weiteres Leben sammeln, am Drehort ständig vom Trainer beaufsichtigt und betreut werden. Sie würden in keine fremden Hände gegeben und es würden von ihnen keine Leistungen abverlangt werden, die ihrem Verhalten und ihrem Alter nicht entsprechen.

Wie viele Hunde haben Sie denn und züchten Sie schon länger?

Ich habe drei Hündinnen und züchte aber noch nicht so lange. Am 20.03.2006 wurde unser A-Wurf geboren. Wobei derzeit nur Ember zuchttauglich ist. Luna ist kastriert und Jette noch zu jung für die Zucht.

Die Hunde waren also schon abgegeben und bei ihren neuen Besitzern. Wurden da besondere Anforderungen verlangt an Intelligenz und Gesundheit der Hunde?

Ja der Trainer hat einige Hunde "getestet" und unsere "Welpen" wurden ausgewählt. Die Junghunde sollten kontaktfreudig, verspielt, selbstbewusst sein und ein gewisses Maß an Grundgehorsam mitbringen.

Waren diese Hunde schon gut ausgebildet oder gab es noch viel Arbeit?

Alle Hunde hatten trotz ihres noch jungen Alters eine gute Grundausbildung. Das war auch wichtig, da hatte der Trainer nur noch die speziellen Sachen für die Produktion zu trainieren. Leinenführigkeit, Sitz, Platz und teilweise kleine Kunststücke haben sie von ihren Familien schon beigebracht bekommen.

Wie lange wurde gedreht?

Circa zwei Monate wurde mit den Hunden gedreht, in Hamburg und Bützow. Die Drehabreiten waren zwar täglich, aber nicht immer mit allen Hunden. So konnten sie auch zwischen den Drehtagen ausreichend entspannen. Nur Jessys Terminplan war etwas voller, da sie mehr Szenen hatte.

Was wurde wo gedreht?

Die Außendreharbeiten wurden in und um Hamburg sowie die Innenaufnahmen in der JVA Bützow gedreht.

Ist man bei der Ausbildung dabei oder macht das der Trainer allein?

Die Ausbildung war fast immer ohne die Besitzer, aber die Hunde freuten sich schon so sehr, wenn das Auto des Trainers vorfuhr um sie abzuholen. Natürlich hat Marco Heyse alle Familien persönlich besucht, um sich gegenseitig zu beschnuppern. Ich denke, ohne ein gutes Gefühl auf Seiten der Hundebesitzer, mit irgendeinem Zweifel an der Professionalität, hätten sie ihren Hund nie in die Hände von Marco gegeben.

Fiel das Lernen den Hunden schwer?

Der Trainer rief mich einige Male an und berichtete über die Fähigkeiten "meiner" Welpen. Er war mehr als begeistert und schwärmte richtig. Aber er hatte auch ein großes Problem, nämlich das Bellen. Nicht die Welpen meiner Ember, die bellen nicht. Da sind sie wie die Mama. Wie bringt man einem Hund das Bellen auf Kommando bei, wenn er nie gebellt hat? Der Trainer hat es nach langer Zeit dann doch hinbekommen.

Ihre "Jessy" hatte die Hauptrolle. War das schon als Welpe abzusehen, dass sie mal was besonderes wird?

Alle Welpen von Ember sind einzigartig. Ein völlig ausgeglichener Wurf, wo nie ein Welpe "meckerte". Ich weiß nicht nach welchen Kriterien der Trainer und Regisseur Jessy aussuchte, vielleicht weil sie die einzige hell-gelbe war? Oder es lag an ihrer ruhigen Art. Es spielten ja Jessy, Sam, Jule und Ruby mit.

Sind diese Hunde alle aus einem Wurf und wie sind ihre richtigen Zuchtnamen?

Ja, die vier waren aus unserem A-Wurf und heißen Amber Island's Amazing Ember (Jessy), Amber Island's A Piece of Paul (Sam), Amber Island's A Dream named Jule (Jule) und Amber Island's Adorable Aliyah (Ruby).

Sind sie sich sehr ähnlich oder wurden diese ausgesucht, weil sie sich untereinander kennen? Oder mehr wegen des Wesens der "Amber Islands"?

Ich denke es war alles, das Aussehen, das Alter, die Lernbereitschaft, die Nähe zum Dreh, aber vorallem das Wesen.

Wie kamen denn die Hunde am Set zurecht?

Wie ein Labrador eben. Sie sind sehr anpassungsfähig und schnell glücklich zu machen. In einem Wort: SUPER!

In unserem Gewinnspiel zum Film hatten wir ja nach der Rasse der Hunde im Film gefragt und viele Tierfreunde wussten, dass es sich um den Labrador Retriever handelt. Warum züchten Sie gerade diese Rasse?

Nachdem der erste Labrador bei uns einzog, war klar, diese Rasse ist für uns wie geschaffen. Sie sind so vielfältig. Unsere Luna ist ein "Arbeitshund" und für ein klasse Dummytrainig würde sie alles machen, Ember ist eine Schmuse, die nichts nicht soviel von Dummys wissen möchte und lieber auf der Couch zum Kraulen liegt. Ja und Jette, die ist ganz anders, sie ist ein Clown, mit angenehmem Arbeitswillen und viel Flausen im Kopf. Ihre Familienbezogenheit, Intelligenz und ihre Art sich zu freuen sind nur wenige Charaktereigenschaften, die einen Labrador ausmachen. Von ihrer Gestalt sind sie sehr "pflegeleicht" und von angenehmer Größe. Daher unser Motto: "Was ist schöner als ein Labbi? - Zwei Labbies!"

Frau Urban, vielen Dank für das nette Gespräch.

Snautz.de sucht Hunde- und Katzenfans, die uns z.B. eine bestimmte Rasse, Gesundheitsthemen oder anderes Wissenswertes über die Vierbeiner in einem Artikel näher bringen möchten. Teilen Sie uns Ihre Artikelidee einfach per Mail an magazin@snautz.de mit...

Links zum Artikel:

weitere Bilder:

zukünftige Filmstars beim Spielen (Foto: T. Urban)
Zukünftige Fernsehstars bei Schlafen (Foto: T. Urban)
Jule spielte auch im Film (Foto: T. Urban)
Ruby war auch dabei (Foto: T. Urban)