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08.06.2015 Maike Kannapin, Tierheilpraktikerin

Hüftgelenksdysplasie (HD) bei Hunden: Symptome, Diagnose & Therapie

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine häufige Erkrankung, besonders auch bei großen Hunden. Tierheilpraktikerin Maike Kannapin stellt in diesem Artikel die notwendige Diagnostik dar, gibt einen Einblick in mögliche schulmedizinische und naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten und liefert Informationen zu Ernährung und Haltung.

Hüftgelenksdysplasie (HD) beim Hund. (Foto: Kalumet, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, GFDL)

Bei der Hüftgelenksdysplasie (HD) handelt es sich um eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks, bei der die Hüftgelenkspfanne und der Oberschenkelkopf in ihrer Form nicht zueinander passen. Die Hüftgelenksdysplasie entsteht aufgrund folgender Ursachen:

  1. Die Hüftpfanne ist zu groß oder auch zu flach ausgebildet oder
  2. der Femurkopf hat eine veränderte Form.

Beide Fälle führen dazu, dass das Gelenk zu locker sitzt und nicht genau ineinander greifen kann. Weiterhin kann es sein, dass Kopf und Pfanne zwar zueinander passen, aber der Gelenkspalt, der zwischen beiden liegt, zu weit ist. Als Gründe können eine lose Gelenkskapsel, eine schwache Muskelspannung oder ein lockeres Band infrage kommen. Dieses kann zu sekundären Folgeerkrankungen führen, bei denen es zu starken Schmerzen aufgrund von Knorpelschäden und Knochenzubildungen kommt, die wiederum Entzündungen im Gelenk zur Folge haben können.

Entstehung der Hüftgelenksdysplasie

Von der Hüftgelenksdysplasie sind eher große Hunderassen betroffen, aber auch mittelgroße und kleine Rassen können erkranken. Eine besondere Anfälligkeit für die Hüftgelenksdysplasie zeigt sich bei folgenden Rassen: Deutscher Schäferhund, Golden Retriever, Labrador, Neufundländer und Setter.

Alle Ursachen, die zu einer Hüftgelenksdysplasie führen, sind noch nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass es eine genetische Veranlagung für die Erkrankung gibt und sie somit vererbbar ist. Dieses heißt aber nicht zwangsläufig, dass alle Nachkommen betroffener Eltern eine Hüftgelenksdysplasie entwickeln werden. Allerdings tragen auch gesunde Welpen erkrankter Eltern die Veranlagung in sich und können dann wieder von Hüftgelenksdysplasie betroffene Nachkommen hervorbringen. Da es auf die Kombination der Gene ankommt, besteht sowohl die Möglichkeit, dass zwei gesunde Eltern kranke Welpen erzeugen, als auch, dass kranke Eltern einen völlig gesunden Wurf haben. Da sich die Hüftgelenksdysplasie polygen vererbt, d. h. ihre Merkmale werden nicht durch ein einzelnes Gen, sondern durch eine Vielzahl von Genen weitergegeben, stellt es für die Züchter ein großes Problem dar, diese Erkrankung aus der Zucht zu eliminieren.

Die Symptome der Hüftgelenksdysplasie sind allerdings nicht bereits bei der Geburt ausgeprägt, sondern es müssen bestimmte Umweltbedingungen bzw. Aufzuchtfaktoren hinzukommen, damit sich die Erkrankung während des Wachstums entwickeln kann, d. h. ein Welpe, der mit dieser Veranlagung geboren wird, kann völlig gesund erscheinen und keinerlei Symptome zeigen, wird aber aufgrund einer schlechten Aufzucht im Laufe des Wachstums die Krankheit entwickeln. Ein gesunder Welpe ohne ererbte Veranlagung für die Hüftgelenksdysplasie, wird aufgrund einer Aufzucht unter ungünstigen Bedingungen keine Hüftgelenksdysplasie entwickeln.

Der Entstehung der Hüftgelenksdysplasie liegt folgender Prozess zugrunde: Im Welpenskelett gibt es noch zahlreiche Bereiche aus Knorpel, die sich erst entwickeln müssen. Bei diesem Vorgang kann es natürlich auch zu Fehlentwicklungen kommen. Da Hüftgelenkspfanne und Oberschenkelkopf bei der Geburt noch nicht vollständig ausgebildet sind, kommt es während des Wachstums zu einer wechselseitigen Beeinflussung. Der Oberschenkelkopf wächst auf die Hüftgelenkspfanne zu und übt einen Reiz auf die Pfanne aus. So entwickelt sich ein passendes Gelenk. Bei einem locker und wenig stabil angelegten Gelenk kann während des Wachstums eine ungleichmäßige Belastung der Gelenkpfanne entstehen, wodurch die Verknöcherung ungünstig beeinflusst wird. Daraus folgt, dass zu starker Druck an bestimmten Stellen die Pfanne abflachen lässt. Der von diesem Vorgang meist betroffene Bereich sind die Ränder der Gelenkpfanne. Hier wird das Wachstum gehemmt und der richtige Schluss der Pfanne um den Oberschenkelkopf kann nicht entstehen. Der Druck verstärkt sich weiter und dadurch lockert sich der Oberschenkelkopf immer mehr. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Pfanne immer flacher wird und der Kopf immer mehr aus dem Gelenk herauswandert (Subluxation). Eine weitere Variante für eine Fehlentwicklung besteht in einem zu kleinen Gelenkkopf oder in einer falschen Winkelung. Auch hierdurch werden Reize an Stellen ausgeübt, die für eine normale Gelenkentwicklung nicht förderlich sind.

Bei älteren Tieren entstehen dann zusätzlich noch Verschleißerscheinungen aufgrund der Fehlbelastungen. Es kommt zur Abnutzung des betroffenen Gelenkknorpels durch den dauerhaften Druck und eine Entzündung der Gelenkkapsel kann folgen. Der Körper versucht durch Verknöcherung der betroffenen Bereiche diesem Prozess entgegen zu wirken. Auf diese Art und Weise beginnt eine ständig fortschreitende degenerative Erkrankung, die Arthrose.

Aufzuchtbedingungen

Zwei Faktoren beeinflussen hier in wesentlichem Maße, ob die angeborene Veranlagung zum Tragen kommt und infolgedessen Symptome beim Hund auftreten:

Ernährung

Ein zu schnelles Wachstum muss auf jeden Fall verhindert werden, d. h. es darf kein Futter mit hohem Anteil an Eiweiß und Kalzium gefüttert werden. Das Futter sollte nicht 24 Stunden zur Verfügung stehen. Das ist auch wichtig für eine vernünftige Gewichtsentwicklung, da ein zu hohes Gewicht Knochen und Gelenke in besonderem Maße belastet. Im Hinblick darauf, dass aufgrund ihres schnell wachsenden Skeletts häufiger große Hunde von der Hüftgelenksdysplasie betroffen sind muss das Verhältnis zwischen Kalzium und Phosphor besonders beachtet werden. Natürlich sollte auch bei kleinen Hunden auf eine vernünftige Ernährung geachtet werden, weil auch sie u. U. an einer HD erkranken können. In diesem Zusammenhang möchte ich auf das BARFEN (Biologisch Artgerechte Rohfleischernährung) als Ernährungsform hinweisen, weil sich herausgestellt hat, dass gebarfte Hunde insgesamt harmonischer und langsamer wachsen. Sollte man sich dazu entschließen, ist es aber besonders wichtig, einen geschulten Ernährungsberater hinzuziehen, um gerade in der Aufzuchtsphase keine Fehler in der Rationsgestaltung zu machen, was zu schwerwiegenden Erkrankungen führen könnte.

Bewegung

Für die Entwicklung gesunder Gelenke ist eine gut ausgebildete Muskulatur unbedingt notwendig, weil nur sie für notwendige Wachstumsreize sorgt. Natürlich darf der Welpe auf keinen Fall überanstrengt werden, sondern benötigt regelmäßig angepasste Bewegung. Es dürfen keine stundenlangen Spaziergänge gemacht werden, sondern mehrmals am Tag sollten kürzere Strecken gelaufen werden. Der Untergrund für die Bewegung spielt auch eine große Rolle. Die Tiere sollten sich nicht so viel auf hartem Untergrund bewegen besonders nicht in hohen Gangarten auf ungeeigneten Böden. Tabu sind während der Wachstumsphase Hundesport, neben dem Fahrrad herlaufen und Treppensteigen. Das Spielen sollte möglichst mit gleichgroßen und gleichgewichtigen Hunden erfolgen.

Symptome

Die Ausprägung der Fehlentwicklung, die auf dem Röntgenbild festgestellt wird, sagt noch nichts über das Ausmaß der dann auftretenden Symptome aus: Es ist möglich, dass ein Hund mit einer schwerwiegenden Fehlbildung nur geringe Symptome zeigt und ein Hund mit einer mäßigen Fehlbildung kann wesentlich stärkere Symptome entwickeln. Viele Hunde haben eine Veränderung des Hüftgelenks und zeigen gar keine Symptome.

Die akute Phase der Erkrankung zeigt sich in etwa im Alter zwischen fünf und acht Monaten. Bei den Tieren kann es zu einer sogenannten Nachhandschwäche kommen, d. h. die Hintergliedmaßen wirken schwächer als die Vorhand. Auffällig sein kann eine stärkere Spreizung der Zehen an den Vorderpfoten, die Hunde sind dort durchtrittiger (plattfüßig). Besonders große Rassen zeigen jetzt schon Schwierigkeiten beim Aufstehen. Möglicherweise werden Sprünge und Treppenlaufen verweigert. Die Tiere wirken nicht mehr so fit wie früher, sondern schwächer und ruhiger. Unter Umständen kann eine Verkürzung der Schrittlänge beobachtet werden.

Normalerweise tritt der Hund mit seinen Hinterpfoten in die Abdrücke seiner Vorderpfoten, nun befinden sich die Abdrücke der Hinterpfoten deutlich hinter denen der Vorderpfoten. Im Galopp verändert sich das Gangbild ebenfalls: Beide Hinterbeine werden zeitgleich aufgesetzt und wieder abgestoßen, dieses wird als sogenanntes "Kaninchenhoppeln" bezeichnet. Zusätzlich kann es zu einem schwankenden Gang kommen, d. h. der Hintern wackelt stark nach rechts und links. Lahmheiten können natürlich auch auftreten. Der Hund zeigt eventuell Schmerzen bei Berührungen, z. B. wenn er im Bereich des Rückens und der Hüfte angefasst wird. Es können sich Auffälligkeiten in der Muskulatur zeigen, d. h. einzelne Muskelgruppen können unterentwickelt sein, andere vielleicht verspannt oder verhärtet sowie verkürzt. In schweren Fällen kann es passieren, dass der Hund jede Bewegung vermeiden möchte. Auch Verhaltensänderungen, wie z. B. Aggressivität dem Menschen gegenüber, Autoaggression und Wetterfühligkeit, die sich nicht erklären lassen, können möglicherweise im Rahmen der Erkrankung auftreten.

In manchen Fällen kann es mit circa einem Jahr zu einer vorübergehenden Besserung der Symptome kommen, auch die Schmerzen verschwinden dann vorerst. Allerdings beginnt jetzt der schleichende Übergang in die chronische Phase. Es muss aber nicht zwangsläufig eine akute Phase vorhanden sein, möglich ist auch, dass sich die Symptome der Erkrankung beim erwachsenen Hund mit der chronischen Phase erstmalig zeigen. Hier zeigt sich als erstes Symptom oft eine Lahmheit, verursacht durch den entzündlichen Prozess im Gelenk. Da die jetzt auftretenden Erscheinungen auch auf andere Erkrankungen hinweisen können, ist hier eine gute Differentialdiagnostik durch den Tierarzt wichtig.

Diagnose

Die Diagnose wird mithilfe von Röntgenbildern gestellt. Besonders wichtig ist hier der Zeitpunkt des Röntgens. Natürlich sollte das Tier bei auftretenden Symptomen untersucht werden, aber eine endgültige Diagnose kann erst bei einem fertig ausgebildeten Skelett erfolgen, also in der Regel frühestens mit einem Jahr. Bei sehr großen Hunderassen sollte erst mit 1,5 Jahren geröntgt werden.

Die Lage des Hundes beim Röntgen ist wichtig, da die Hüftgelenke auf dem Röntgenbild symmetrisch dargestellt werden müssen. Der betroffene Hund wird hierfür nur in Rückenlage mit nach hinten ausgestreckten Beinen und nach innen gedrehten Oberschenkeln in der sogenannten Froschstellung geröntgt. Dieses ist für den Hund sehr unangenehm und erfolgt daher in Narkose. Ein weiterer Vorteil der Narkose ist die Erschlaffung der Muskulatur, dadurch kann die Stabilität der Hüftgelenke besser beurteilt werden. Die Narkose ist auch notwendig, um eine ruhige Lage des Hundes zu gewährleisten.

Mithilfe des sogenannten Norberg-Winkels wird der Schweregrad der HD eingeschätzt. Das ist der Winkel, der zwischen dem Zentrum des Oberschenkelkopfes und dem vorderen Pfannenrand liegt. Bei einem HD-freien Hund sollte er mindestens 105° oder mehr betragen.

Der Befund jedes Gelenks wird beurteilt, der dann schlechtere Befund führt zum Gesamtergebnis. Es gibt fünf Schweregrade der HD:

  1. Kein Hinweis auf Hüftgelenksdysplasie
  2. Relativ normale Hüftgelenke
  3. Leichte Hüftgelenksdysplasie
  4. Mittlere Hüftgelenksdysplasie
  5. Schwere Hüftgelenksdysplasie

Behandlungsmöglichkeiten der Schulmedizin

Da die Hüftgelenksdysplasie eine häufige Erkrankung, besonders auch bei großen Hunden, darstellt, möchte ich in meinem Artikel für umfangreiche Informationen hierüber sorgen. Im Folgenden wird die notwendige Diagnostik dargestellt sowie ein Einblick in mögliche schulmedizinische und naturheilkundliche Maßnahmen geschaffen. Informationen zu Ernährung und Haltung werden ebenfalls aufgeführt.

Es wird zwischen konservativer, medikamentöser und operativer Behandlung unterschieden:

Konservative Behandlung

Bei leichten Symptomen können hier gute Erfolge erzielt werden. Auf jeden Fall muss darauf geachtet werden, dass der Hund kein Übergewicht hat, weil dieses zu einer starken Belastung der Hüftgelenke führen würde. Empfohlen wird regelmäßige, häufige und gleichmäßige und nicht zu lange Bewegung auf nicht zu hartem Boden. Eine Überanstrengung des Hundes muss hierbei unbedingt vermieden werden. Darüber hinaus werden Physiotherapie mit Massagen und Wärmebehandlung verordnet. Um die Muskulatur gut zu entwickeln, ist auch das Schwimmen sehr gut geeignet. Hierbei muss der Hund sein Gewicht nicht selber tragen und die Gelenke werden somit entlastet. Wichtig ist aber darauf zu achten, dass die Wassertemperatur nicht zu kalt ist. Die Liegeplätze des Hundes sollten warm, weich und körperunterstützend gestaltet werden.

Medikamentöse Behandlung

Zur Schmerzbekämpfung werden meist nicht-steriodale Antiphlogistika (NSAIDs) eingesetzt. Diese Medikamente bekämpfen Schmerzen und Entzündungen. Die Entzündung wird durch die Blockierung der Prostaglandine bekämpft. Bei längerfristigem Einsatz kann es hier zu Nebenwirkungen im Magen-Darmtrakt kommen. Bei stärkeren Schmerzen werden auch Kortikosteroide eingesetzt. Weiterhin gibt es sogenannte Chondroprotektiva, die eine Schutzwirkung auf den Gelenkknorpel ausüben, allerdings ist die Wirkung noch nicht erwiesen, aber Nebenwirkungen sind hier nicht zu erwarten. Manchmal werden auch Anabolika eingesetzt, die den Muskelaufbau fördern sollen.

Operationen

Resektion des Femurkopfes

Bei dieser Operation werden Oberschenkelkopf und -hals vom Knochen getrennt und entfernt. Der Effekt ist, dass sich ein Pseudogelenk (Pseudoarthrose) ausbildet. Das führt dazu, dass das Pseudogelenk zusammen mit der umgebenden Muskulatur die Funktion des alten Gelenks übernimmt. Diese Operation wird eher bei kleinen bis mittelgroßen Hunden durchgeführt.

Verlängerung des Femurhalses

Bei normal ausgebildeter Gelenkpfanne besteht die Möglichkeit den Femurhals zu verlängern, um einen tieferen Sitz des Kopfes in der Pfanne zu erzielen. Diese Methode ist für junge Hunde geeignet. Sie müssen nach der OP circa sechs Wochen Ruhe halten.

Denervation der Hüftgelenkkapsel

Bei dieser Operation werden die Nerven durchtrennt, die die Schmerzempfindung vom Hüftgelenk zum Gehirn weiterleiten. Das Gelenk wird dadurch nicht verändert und die Entwicklung einer Arthrose kann auch nicht unterbunden werden.

Plastik des Hüftgelenksfannendaches

Im Alter zwischen sechs Monaten undfünf Jahren kann eine Plastik an der Hüftgelenkspfanne eingesetzt werden. Dieses empfiehlt sich, wenn der Oberschenkelkopf zu einem großen Anteil herausgesprungen ist. Hierdurch soll das Knochenwachstum in die richtige Richtung gelenkt werden und sich die Pfanne besser um den Oberschenkelkopf schließen. Auch hier darf noch keine oder nur eine leichte Arthrose bestehen.

Durchtrennung des Kammmuskels

Das Hinterbein wird von diesem Muskel nach innen bewegt. Er verläuft an der Schenkelinnenseite, ausgehend vom Schambein bis zum unteren Drittel des Oberschenkelknochens. Dadurch, dass durch diesen Muskel der Oberschenkel nach oben gezogen wird, erhöht sich der Druck auf den Pfannenrand und die Gelenkkapsel. Aufgrund dessen entsteht Schmerz. Die Durchtrennung des Muskels führt dazu, dass eine vorhandene Lahmheit gebessert wird. Der Entstehung von Arthrosen kann durch diesen Eingriff eventuell begegnet werden.

Dreifache Beckenosteotomie

Bei der dreifachen Beckenosteotomie handelt es sich um einen schwierigen Eingriff. Die Hüftgelenkspfanne wird nach außen rotiert, nachdem sie aus ihrer Verbindung herausgelöst wurde, und im Anschluss fixiert. Die Druckbelastung soll auf diese Art und Weise auf eine größere Fläche verteilt und eine bessere Einfassung des Oberschenkelkopfes gewährleistet werden. Um diese Operation ausführen zu können, sollte die Pfanne groß genug sein und auch der Oberschenkelkopf muss gewisse Voraussetzungen erfüllen. Eine Arthrose sollte möglichst noch nicht vorhanden sein. Der Eingriff muss schon im Alter von fünf bis zwölf Monaten ausgeführt werden und die Tiere müssen danach für circa acht Wochen sehr stark in ihrer Bewegung begrenzt werden. Allerdings ist die Aussicht auf Erfolg bei diesem Eingriff relativ groß.

Künstliches Hüftgelenk

Bereits in den 50er Jahren entstand die Möglichkeit des vollständigen Ersatzes von Hüftgelenkskopf und Hüftgelenkspfanne. In dieser Operation werden der Kopf und der Hals des Oberschenkels entfernt und durch eine Prothese ersetzt. Es ist auch möglich, die Pfanne zu entfernen, und im Anschluss wird hierfür eine Prothese eingesetzt. Bereits entstandene Arthrosen werden entfernt. Diese Operation kann erst durchgeführt werden, wenn das Wachstum abgeschlossen ist und sich die Wachstumsfugen geschlossen haben. Die größte Gefahr dieses Eingriffs stellt die mögliche Entzündung des Knochens dar. Das hätte unter Umständen zur Folge, dass die Prothese wieder entfernt werden muss.

Da es in der Medizin durch umfangreiche Forschung zu ständiger Weiterentwicklung kommt und es sich bei der Hüftgelenksdysplasie um eine nicht selten auftretende Erkrankung handelt, gibt es sicherlich jetzt und in der Zukunft noch andere als die aufgeführten Verfahren für die Diagnose und Behandlung der Hüftgelenksdysplasie.

Behandlungsmöglichkeiten der Naturheilkunde

Akupunktur

Durch das Nadeln bestimmter Akupunkturpunkte werden Reize gesetzt. Dieses kann zu einer Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers führen und somit zu einer deutlichen Schmerzreduzierung. Die Akupunktur stellt eine gute Alternative zu Schmerzmedikamenten dar, wenn sie von einem erfahrenen Therapeuten durchgeführt wird, da sie dann nur geringe oder auch keine Nebenwirkungen zeigt. In schweren Fällen ist sie eine gute Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung und kann eventuell dabei helfen, die Menge der Medikamente zu reduzieren. Für die Schmerzreduzierung müssen regelmäßige Behandlungsintervalle eingehalten werden.

Goldakupunktur

An klassischen Akupunkturpunkten werden mit der Hohlnadel Goldimplantate eingesetzt. Hierzu ist eine Röntgenkontrolle notwendig. Da die Implantate einen ständigen Reiz ausüben, erfolgt dieser Eingriff nur einmalig. Dieses Verfahren kann zu einer deutlichen Reduzierung der Schmerzen führen. Allerdings können nur die Schmerzen reduziert werden, die Veränderungen in den Gelenken bleiben aber bestehen. Da der Hund sich aufgrund der nicht mehr vorhandenen Schmerzen wieder besser bewegen kann, ist es möglich, dass sich die Muskulatur wieder vernünftig entwickelt und das Gelenk besser gestützt wird. Man geht davon aus, dass durch die Goldakupunktur die Endorphinproduktion angeregt wird und es so zu einer deutlichen Verringerung der Schmerzsymptomatik kommt. Die Weiterleitung der Schmerzempfindung über die Nerven an das Gehirn wird unterbunden und zusätzlich wird die Durchblutung angeregt. Diese Therapie sollte nur von spezialisierten Tierärzten durchgeführt werden.

Homöopathie

Eine Vielzahl homöopathischer Mittel kann nach einer Erstanamnese zum verwendet werden, z. B. Arnica, Apis, Harpagophytum, Ruta, Rhus Toxicodendron, Symphytum, Calcium carbonicum, Belladonna, Lycopodium. Das Mittel wird in Abhängigkeit der Gesamtheit der Symptome und Gemütserscheinungen des betroffenen Tieres gewählt und es ist daher anzuraten, einen erfahrenen homöopathischen Therapeuten hinzuziehen, um das Konstitutionsmittel herauszufinden. Degenerative Veränderungen im Bewegungsapparat können durch ein homöopathisches Mittel aber nicht verändert werden.

Bachblüten

Bachblüten können unterstützend gegeben werden, z. B. Rock Water und Willow für die Beweglichkeit der Gelenke oder Hornbeam und Oak für die Stabilisierung des Stützapparates. Sie stellen aber besonders eine Unterstützung der Behandlung im seelischen Bereich dar, da chronische Erkrankungen, besonders auch verbunden mit Schmerzen, oft zu einer Veränderung der Gemütsverfassung führen und eine Stabilisierung der Psyche auch eine bessere Heilungstendenz des Körpers zur Folge hat.

Magnetfeldtherapie

Durch die Magnetfeldtherapie kann eine bessere Beweglichkeit des Gelenkes erzielt werden. Sie fördert die Durchblutung und damit den Abtransport von schädlichen Stoffen im Gelenk.

Phytotherapie

Viele Pflanzen können einen großen Beitrag zur Entzündungsbekämpfung und Schmerzkontrolle leisten. Besonders gut eignen sich hierfür Ingwer und Teufelskralle. Weitere gelenkwirksame Stoffe sind Weihrauch und Schwefel. Auch die Grünlippmuschel möchte ich hier noch erwähnen. Nicht alle diese Substanzen entstammen der Phytotherapie, sollen hier aber genannt werden, da sie oft in Kombination verabreicht werden. Auch hier sollte nur ein erfahrener Therapeut einen Therapieplan erstellen, da beim Einsatz der Mittel auf die gegenseitigen Wechselwirkungen geachtet werden muss.

Neuraltherapie

Mithilfe der Neuraltherapie kann eine Schmerzreduzierung ebenfalls erreicht werden. Hierfür werden an den Schmerzpunkten die Lokalanästhethika Lidocain und Procain intrakutan injiziert.

Bewegungstherapie

Durch passive Bewegung, d. h. durch vorsichtiges Beugen und Strecken betroffener Körperteile wird wieder mehr Beweglichkeit der Gelenke erzeugt. Hierbei muss aber auf geringste Anzeichen von Schmerz oder Unbehagen geachtet werden, damit es nicht zu einer Verschlechterung der Erkrankung kommt und sollte daher nur von einem erfahrenen Physiotherapeuten durchgeführt werden. Nach Anleitung durch den Therapeuten kann man dann auch vorsichtig zu Hause mit passiver Bewegung seinem Hund helfen.

Da es sich bei der Hüftgelenksdysplasie um eine chronische Erkrankung handelt, ist eine lebenslange Therapie notwendig. Man sollte die Therapien in Abhängigkeit der Symptome auswählen und ein Leben lang auf vernünftige Ernährung und Bewegung achten. Oft führt auch eine Kombination verschiedener Therapien zum Erfolg. Damit ist es durchaus oft möglich, den Hund weitestgehend symptomfrei zu halten und ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Es besteht aber die Notwendigkeit, sich umfangreich über mögliche Therapien zu informieren und erfahrene Therapeuten auszuwählen, um seinem Hund ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

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