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11.10.2013 Johanna Klickermann, Tierärztin

Gefährliche Leckerlis: Diese Lebensmittel sind Gift für Ihren Hund

Es gibt Hundehalter, die wollen ihrem Vierbeiner etwas Gutes tun, indem sie ihm (unwissentlich) Leckerlis geben, die für Hunde gar nicht geeignet sind. Hier mal ein bisschen Schokolade, dort etwas Milch. Welche Lebensmittel bei Hunden schlimme Vergiftungen hervorrufen können erläutert Tierärztin Johanna Klickermann in diesem Artikel.

Viele Lebensmittel werden von Hunden nicht vertragen und können in höherer Dosis sogar giftig sein. (Foto: futalis)

Viele unserer alltäglichen Nahrungsmittel sind für Hunde giftig. Deshalb sollten Hundehalter beim Verfüttern von Lebensmitteln stets im Auge behalten, dass sich für Menschen harmlose Speisen auf den Hundeorganismus durchaus lebensbedrohlich auswirken können. Häufig ist es gar nicht so leicht, zwischen geeigneter und ungeeigneter Hundenahrung zu unterscheiden. Was ist für Hunde giftig, beziehungsweise welche Lebensmittel dürfen Hunde nicht fressen? Mit der Vorstellung der folgenden, für Hunde gefährlichen Lebensmittel möchte ich Ihnen eine kleine Hilfe geben.

Obst, Gemüse und Nüsse

Fressen Hunde Weintrauben, kann es zu Vergiftungserscheinungen wie Magenkrämpfen, Erbrechen und Durchfall kommen. Der Verzehr von Trauben kann innerhalb eines Tages zu Nierenversagen bis hin zum Tod führen. Da Rosinen den dafür verantwortlichen Giftstoff in konzentrierter Form enthalten, gelten sie für Hunde als noch gefährlicher. Eine Dosis von 11,6 g Weintrauben pro kg Körpergewicht kann bei Hunden schwere Vergiftungen hervorrufen.

Ebenfalls verzichten sollten Hundehalter auf das Füttern von Avocados. Kern, Haut und Fruchtfleisch der Avocado enthalten das für Hunde hochgiftige Persin. Dieses kann bei Hunden unter anderem Atemnot, Husten, Verdauungsstörungen und tödliche Herzmuskelschäden verursachen. Zudem hat die Avocado einen sehr hohen Fettgehalt, der häufig Durchfall oder Erbrechen hervorruft.

Auch andere Gemüsesorten dürfen Hunde nicht fressen. In Zwiebeln, Knoblauch und Bärlauch kommen Schwefelverbindungen vor, die die roten Blutkörperchen bei Hunden schwächen und zerstören. Eine mögliche Folge ist eine lebensbedrohliche Blutarmut.

Allein wegen ihres hohen Phosphorgehaltes sollten Nüsse gemieden werden. Doch auch andere Eigenschaften sprechen gegen die Nuss als Nahrungsmittel für Hunde. So schädigt beispielsweise die Macadamia-Nuss Magen und Darm des Hundes und verursacht Muskel- und Nervenprobleme. Auch besonders frische Walnüsse sind gefährlich, weil sie von einem Schimmelpilz befallen sein könnten, der für Hunde tödliche Toxine enthält.

Süßigkeiten

Der in Süßigkeiten enthaltene Zucker ist auch für unsere Hunde ungesund, doch vergleichsweise harmlos zu dem in Schokolade vorkommenden Giftstoff Theobromin. Besonders hoch ist der Theobromingehalt in Zartbitter- und Blockschokolade, da diese sehr viel Kakao enthalten. Doch auch in weißer Schokolade lassen sich Spuren des Giftstoffs finden. Bei Hunden wird Theobromin nur sehr langsam abgebaut und kann Vergiftungserscheinungen auslösen, die schlimmstenfalls zum Tod führen. Durch Schokolade vergiftete Hunde zeigen Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Erhöhung der Herzfrequenz, starkes Zittern und sogar Atemstillstand.

Rohes Schweinefleisch

Fleisch liefert Hunden lebenswichtige Proteine. Ob im Nassfutter, Trockenfutter oder Rohfleisch verabreicht – mit jeder Fütterungsart ist eine gesunde, bedarfsangepasste Fütterung möglich, die den Hund mit der richtigen Menge an Eiweiß versorgt. Hundehalter, die die Rohfleischfütterung bevorzugen, sollten allerdings Abstand von rohem Schweinefleisch nehmen, da es gefährlich für Hunde sein kann. Bei der Fütterung von rohem Schweinefleisch besteht die Gefahr der Übertragung des sogenannten Aujeszky-Virus. Dieser Virus kann bei Hunden Pseudowut – auch Juckpest, Tollkrätze oder Aujeszky-Krankheit genannt – auslösen. Die Symptome äußern sich etwa zwei bis neun Tage nach der Virusaufnahme. Bei erkrankten Hunden sind Appetitlosigkeit, Mattigkeit, verstärkte Speichelproduktion, Erbrechen und ein intensiver Juckreiz zu beobachten. Im späteren Krankheitsverlauf zeigen sich Krämpfe, Lähmungen und Bewusstseinsverlust. Bereits ein bis zwei Tage nach Auftreten der ersten Symptome kann der Tod eintreten.

Verträgt Ihr Hund kein Rind oder Geflügel, müssen Sie trotzdem nicht auf die Fütterung von Schweinefleisch verzichten. Bei Erhitzen auf über 60°C wird der gefährliche Virus abgetötet. Hundenahrung mit verarbeitetem Schweinefleisch ist daher völlig unbedenklich.

Rohe Hühnereier

In Hühnereiern sind wichtige Nährstoffe enthalten. Einen großen Anteil machen Protein und Fett aus. Beachtlich ist insbesondere der hohe Gehaltswert an essentiellen Aminosäuren, die eine positive Wirkung auf die Stoffwechselprozesse haben und für glänzende Haut sorgen. Hühnereier können jedoch nur im gekochten Zustand von Hunden gut verdaut werden. Rohe Eier hingegen sind aus folgenden Gründen ein Tabu im Hundenapf: Im Eiklar ist zum einen Trypsin enthalten, das die Eiweißverdauung hemmt und folglich Verdauungsprobleme hervorruft. Zum anderen kommt im Eiklar der Bestandteil Avidin vor, der für die Biotin-Bindung verantwortlich ist und infolgedessen Mangelerscheinungen auslöst. Ein weiteres Risiko bei der Verfütterung von rohen Eiern ist die Ansteckungsgefahr mit Salmonellen. Aus diesem Grund sollten Tierhalter stets darauf achten, dass Sie nur hartgekochte Eier füttern.

Milch

Wie bei vielen Menschen kommt auch bei Hunden häufig eine Laktoseintoleranz vor. Der hohe Zuckergehalt (circa 5 g pro 100 ml) kann von vielen adulten Hunden im Dünndarm nicht aufgespalten werden. Das verursacht Fehlgärungen im Dickdarm, begleitet vom weichen Stuhlgang. Hierfür ist das Enzym Laktase verantwortlich, das im Dünndarm für die Zerlegung des in Milch vorkommenden Kohlenhydrats Laktose notwendig ist. Bei ausgewachsenen Hunden liegt eine eingeschränkte Aktivität des Enzyms vor. Obwohl einige Hunde eine hohe Akzeptanz aufweisen, sollte die Tagesmenge an Milch nicht 20 ml pro kg Körpergewicht überschreiten. Bei Kondensmilch liegt die verträgliche Tagesmenge aufgrund des hohen Laktosegehaltes bei maximal 10 ml pro kg Körpergewicht. Milchprodukte wie Hüttenkäse, Joghurt oder Quark hingegen werden von Hunden wegen des geringen Laktosewertes (circa 4 g pro 100 g) besser vertragen und können in geringen Dosen eine positive Wirkung auf die Verdauung haben.

Die Dosis macht das Gift

Die aufgezählten Lebensmittel können für Hunde giftig sein. Ausschlaggebend für eine Vergiftung ist die Dosis an unverträglichen Bestandteilen. Wird die Ernährung des Hundes auf seinen Nährstoffbedarf abgestimmt, sind zusätzliche Gaben von extra Lebensmitteln jedoch nicht erforderlich. Das Risiko einer Vergiftung bleibt Ihrem Hund dadurch erspart.

Ich empfehle Hundehaltern, die in diesem Artikel beleuchteten Lebensmittel für Hunde unzugänglich aufzubewahren. Auch wenn Sie sehr vorsichtig bei der Auswahl der Hundenahrung sein sollten, können Sie Ihrem Hund dennoch ab und zu etwas Abwechslung auf dem Speiseplan gönnen. Idealerweise informieren Sie sich vorher bei Ihrem Tierarzt, ob das jeweilige Nahrungsmittel für Ihren Hund unbedenklich ist.

Über die Autorin: Johanna Klickermann hat an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig studiert. Sie war nach dem Erlangen der Approbation im Jahre 2004 als Praxisvertretung und Assistentin im Kleintierbereich tätig. Seit Mai 2013 ist sie als Tierärztin bei futalis tätig. Hier ist Frau Klickermann fachliche Ansprechpartnerin für die Tierärzte im Bereich Vertrieb und ist unter anderem für die inhaltliche Erstellung von Informationsmaterialien verantwortlich. Darüber hinaus begleitet sie als Ernährungsexpertin öffentliche Veranstaltungen und Events.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

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