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15.11.2016 Snautz.de

Die Hundegeburt: Ein neues Hundeleben beginnt

Die Zeit der Trächtigkeit ist vorbei und die Welpengeburt steht vor der Tür. Eine natürliche Sache und die meisten Hunde machen instinktiv alles richtig. Nun beginnt für den Züchter eine wichtige und aufregende Zeit, er hofft auf einen normalen Geburtsverlauf. Damit alles klappt, haben wir hier einige Tipps aus der Praxis für die Geburt bei Hunden.

Welpen kurz nach der Geburt. Die Mutterhündin ist erschöpft und möchte schlafen. (Foto: Robert Schollmeyer)

Der Geburtstermin

Ganz genau lässt sich bei Hunden der Geburtstermin nicht feststellen. Nach dem Eindecken erwartet eine Hündin circa vom 58. bis 70. Tag ihre Welpen. Als Hilfsformel: Der erste bis dritte Decktag plus 58 bis 65 Tage gilt als optimale Terminvorgabe. Wenn die Deckzeit also über drei Tage stattfand, lässt sich der Geburtstermin schwer berechnen. Daher muss man beim Hund gut auf die Anzeichen einer Geburt achten. Der optimalste Termin liegt zwischen dem 60. und 65. Tag. Nach diesem Zeitraum ist es wichtig, den Tierarzt, der über die bevorstehende Geburt vorab informiert werden sollte, hinzuzuholen. Der Tierarzt sollte Ihnen auch Desinfektionsmittel für Ihre Hände geben, wenn Sie bei der Hundegeburt dabei sind. Er kann per Hand abtasten oder per Ultraschall oder Röntgen feststellen, ob mit den Welpen alles in Ordnung ist.

Anzeichen der Welpengeburt

Der Leibesumfang der Hündin ist beträchtlich gewachsen und der Bauch der Hündin senkt sich nun nach unten. In dieser Zeit sieht sie nicht mehr so rund aus und wirkt an der Taille etwas schlanker. Je mehr Welpen in ihrem Bauch warten, desto schlanker wirkt sie und der Bauch wirkt nach unten größer. Zwei bis drei Tage vor der Geburt beginnt die Milch in das Gesäuge der Hündin einzuschießen. Man kann die Milch der Hündin durch vorsichtiges Anmelken feststellen.

Vor der Geburt der Welpen wird die Hündin unruhiger. Ein Hin-und Herlaufen sowie häufiges Hecheln sind Zeichen für die beginnende Geburt. Manchmal werden die Hündinnen in der Zeit der Trächtigkeit ihren Besitzern gegenüber kuscheliger. Oft beginnt die Hündin vor der Geburt, ihren Welpen ein "Nest" zu bauen. Dies äußert sich durch Scharren in der Wurfhütte oder Wurfbox. Die Decken werden dabei zerknüllt, das Stroh zur Seite geschoben. Leider suchen sich die tragenden Hündinnen oft eine eigene Stelle hinter der Hütte oder ein Versteck im Garten. Daher müssen Sie die Hündin vorab an die Wurfbox gewöhnen. Wenn sie sich tagsüber freiwillig in ihre Wurfbox begibt, haben Sie einen guten Platz ausgewählt.

Kurz vor der Welpengeburt bekommt die Hündin Durchfall. Der Durchfall ist ein sicheres Indiz dafür, dass die Geburt bald beginnt. Daher sollte man in der letzten Zeit der Trächtigkeit auch das Futter nicht umstellen. Futterwechsel sorgt für Stress bei der Hündin und kann Durchfall verursachen. Hunde fressen vor der Geburt weniger. Somit kann es kurz vor dem Geburtstermin passieren, dass die Hündin auch besondere Leckerli verschmäht. Dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die Welpen warten. Ist die Hündin dann in ihrer Hütte, bekommt sie Senkwehen. Diese können öfter vorkommen und sind bei jeder Hündin unterschiedlich. Jedoch sind dies noch nicht die richtigen Wehen.

Die Hündin sondert Schleim ab, was jedoch schlecht zu sehen ist, da sie sich permanent putzt und säubert. Dieses Putzen regt den Geburtsakt vor der Hundegeburt an. Ein besseres Indiz für die einsetzende Geburt ist das Fiebermessen. Erfahrene Züchter sehen sehr gut, ob die Geburt der Welpen bevorsteht. Für unerfahrene Züchter ist es ein sicheres Indiz, wenn die Temperatur der Mutterhündin auf ca. 37 Grad fällt. Die Fiebertemperatur sinkt nur kurz ab, weshalb täglich im Drei-Stunden-Takt gemessen werden sollte. Wenn Sie mehrere Anzeichen feststellen können, wird die Geburt in Kürze beginnen.

Sollten Sie dabei sein?

Ruhe bitte. Wir bekommen Welpen! Sorgen Sie unbedingt für ein ruhiges Umfeld. Unruhe kann die Geburt verschieben.

Bei der Hundegeburt verhält sich jede Hündin unterschiedlich. Manche Hündinnen möchten ihren geliebten Menschen dabei haben, manche macht es eher unruhig und unsicher. Während des Wartens auf die einsetzende Geburt schlafen die Züchter oft wenig. Hier hilft eine Kamera oder ein Babyfon, so dass man den eventuellen Geburtsbeginn nicht verpasst. Es kann passieren, dass eine Hündin beispielsweise versucht, ihre Welpen vor ihren geliebten Menschen zu verstecken, wenn diese bei der Geburt anwesend sind. Dann trägt sie ihre Welpen meist hin und her oder nimmt die kleinen Hunde in die Schnauze. Teilweise legt sie sich auch vor oder über ihre Welpen. So eine Hündin lässt man während der Geburt lieber allein und schaut aller 20 Minuten nach, ob bei der Geburt der Welpen alles in Ordnung ist. Die Hündin könnte ansonsten ihre Welpen vor lauter Aufregung verletzen.

Eine bei der Geburt ruhige Hündin beeindruckt der Besuch durch ihren Besitzers an der Wurfstätte nicht. Sie duldet den Besitzer oder Züchter neben sich. Sie wirft ohne Probleme ihre Welpen und der menschliche Begleiter darf zusehen. Dies hat wenig mit der Bindung zum Hund zu tun oder mit dem Wesen der Hündin. Die Geburt ist ein sehr urtümlicher Akt, er verändert alles. Auch ist das Dulden der Besitzer und die Ruhe der Hündin nicht von ihrer Erfahrung abhängig. Eine Hündin kann ihren Besitzer während ihres ersten Wurfes dulden, jedoch beim dritten Wurf wieder unruhig sein.

Die Welpenkiste sollte so gebaut sein, dass man die Geburt jederzeit verfolgen kann. Einer unruhigen oder erschöpften Hündin kann es passieren, dass sie sich auf einen ihrer Welpen legt. In diesem Moment ist schnelles Handeln erforderlich: Sie müssen den Welpen gut und zügig erreichen können, um ein Ersticken oder Erdrücken zu verhindern.

Die Dauer der Hundegeburt

Die Hundegeburt ist es je nach Rasse, Größe und Anzahl der Welpen unterschiedlich. Am günstigsten ist es, wenn die Welpen aller 30 bis 60 Minuten auf die Welt kommen. Es gibt aber auch Hündinnen, die Pausen machen. Diese nehmen sich auch mal eine Auszeit von ein bis drei Stunden. Hilfreich ist es, wenn man die Hündinnen, die eine längere Pause nehmen, einmal in den Garten lässt. Das Bewegen regt die Geburt an. Zudem nutzen die Hündinnen diese kleine Bewegungspause oft, um sich zu lösen. Sollte die Hündin nach zwei Stunden noch keinen neuen Welpen haben, kann der Tierarzt mit einen Medikament die nächste Wehe einleiten. Zwei Stunden Pause sind keine Gefahr: Es kann eben einfach nur eine Pause sein. Gefährlich wird es, wenn die Hündin Wehen bekommt und kein Welpe in Sicht ist. In dieser Situation sollte sofort der Tierarzt kontaktiert werden. Eine Hundegeburt kann bei einem großen Wurf bis zu 24 Stunden dauern.

Die Welpen kommen

Oft ist bei Beginn der Wehen nur ein Teil des Welpen zu sehen und mit einer kräftigen Wehe schiebt die Mutterhündin dann den restlichen Welpen heraus. Dies kann im Liegen und seltener auch im Stehen passieren. Der Welpe ist in der Fruchtblase eingepackt. Diese reißt bzw. öffnet sich bei der Geburt. Die Mutter beleckt den Welpen und rollt ihn dabei hin und her. Das stimuliert den kleinen Hund und fordert ihn auf, seinen Start ins selbstständige Leben zu beginnen. Mit dem Durchtrennen der Nabelschnur ist er nun ein neues, eigenständiges Hundemitglied in unserem Leben. Sollte bei der Welpengeburt die Fruchtblase geschlossen bleiben, kümmert sich die Mutterhündin anschließend darum, dass diese schnell entfernt wird. Sie öffnet sie mit den Zähnen und beleckt den Welpen. Auch hier erfolgt die Stimulation der Hundewelpen durch Belecken. Sollten zwei Welpen schnell hintereinander kommen, kann es sein, dass die Mutter sich noch um den ersten kümmert und der zweite Welpe zwischen ihren Beinen liegt. Dort wäre die geschlossene Mutterblase für den Welpen tödlich. Sie müssen helfen.

Die Nachgeburt

Kurz nachdem der letzte Welpe den Mutterleib verlassen hat, stößt die Mutterhündin die Nachgeburt ab. Dies dauert in der Regel fünf bis 15 Minuten. Die Mutterhündin frisst die Nachgeburt. Dadurch ist sie oft schon satt und lehnt angebotene Leckerli ab.

Es kann sein, dass man gerade nicht dabei ist, wenn die Nachgeburt kommt. Trotzdem sollte man gut aufpassen. Eine verhaltene Nachgeburt kann zum Tod der Hündin führen. Sie führt zur Gebärmutterinfektion. Die Hündin blutet nach der Geburt. Hat der Ausfluss eine rote, schwarze oder braune Farbe, ist das ein gutes Zeichen. Ist der Ausfluss zwei bis drei Tage nach der Hundegeburt gelb bis grünlich, ist dies ein schlechtes Zeichen: Eine Nachgeburt kann noch in der Hündin sein oder ein Welpe ist nicht gekommen. Sollte sich die Hündin lethargisch zeigen und keinen Hunger haben, dann suchen Sie umgehend einen Tierarzt auf.

Wenn die Welpen da sind

Ein gesunder Welpe ist mobil. Er versucht, durch Kriechen zu den Zitzen der Mutter zu gelangen. Es ist wichtig, dass er schnell gut saugt. In der ersten Milch der Mutter bis wenige Tage nach der Geburt sind Antikörper enthalten. Man nennt diese Mich auch Kolostralmilch. Durch diese Kolostralmilch werden die Abwehrkräfte des Welpen gestärkt, sein Immunsystem entwickelt sich. Außerdem schützt sie vor Infektionen.

Weiterhin ist ein warmes Nest nötig. Ein kalter Wurfplatz gefällt zwar der Hündin, ist aber ungünstig, denn die Welpen benötigen Wärme. Ihr Körper ist noch nicht in der Lage, ausreichend Wärme zu erzeugen. Sind es viele Welpen, kann man, um der Mutterhündin zu helfen, diese während der Geburt etwas abseits von ihr platzieren. Das hilft der Hündin, damit sie sich bei der Geburt des nächsten Welpen nicht aus Versehen auf einen ihrer kleinen Hunde legt oder darauf tritt. Eine warme Decke und Wärme lassen die Neugeborenen neben der Mama auf diesem Platz etwas ruhiger warten. Der angebotene Platz sollte neben der Hündin und für diese gut erreichbar sein.

Es kann bei der Geburt einige Probleme geben:

Wenn der Geburtstermin überschritten ist

Ist der letzte Decktag um 68 Tage überschritten und kein Geburtsverhalten setzt ein, sollten Sie den Tierarzt hinzuziehen oder zu diesem fahren. Der Tierarzt kann durch Ertasten feststellen, ob sich der Geburtskanal schon geöffnet hat und ob der Welpe in einer günstigen Position für die bevorstehende Geburt liegt. Ein Ultraschall ist aber immer von Vorteil. Eventuell kann der Arzt auch röntgen, um die genaue und richtige Lage der Welpen feststellen zu können. Sollte alles in Ordnung sein, heißt es eben noch ein wenig warten.

Wenn kein Welpe nicht kommt

Sollten die Wehen aber schon bei Ihnen zu Hause eingesetzt haben und kein Welpe kommt, wird es akut. Die Welpen können in Steißlage liegen oder zu groß für den Geburtskanal sein. Dann muss der Tierarzt einen Kaiserschnitt vornehmen. Beim Kaiserschnitt müssen Sie nicht zusehen. Aber es ist von Vorteil, wenn Sie im Nebenraum warten. Die Hündin wird beim Kaiserschnitt betäubt, die Welpen schlafen daher auch fest. Bei einem großen Wurf reicht oft das Personal der Praxis nicht aus, denn die schlafenden Welpen müssen unter Anleitung des Tierarztes ins Leben geholt werden. Dabei werden sie auch gleich trocken gerieben.

Es kann in seltenen Fällen möglich sein, dass der Welpe es von allein nicht ganz aus der Scheide schafft. Er steckt dann noch fest. Sollte kein Tierarzt in der Nähe sein, müssen Sie helfen. Warten Sie eine Wehe ab und ziehen Sie den Welpen sanft in Beinrichtung der Mutterhündin. Dies kommt oft bei Steißlage der Welpen vor. Informieren Sie danach sofort den Tierarzt.

Ein toter Welpe

Es kann vorkommen, dass eine Hündin einen toten Welpen zur Welt bringt. Sie wird sich anfangs um diesen Welpen so kümmern, als sei er am Leben. Nehmen Sie ihn nicht vor den Augen der Mutter weg, sondern lenken Sie diese ab, bevor Sie den Welpen entfernen. Bemerkt die Mutter die Wegnahme, kann sie das Vertrauen zu Ihnen verlieren. Aber das Entfernen des toten Welpen ist wichtig: Es gibt Muttertiere, die ihre toten Welpen nach der Hundegeburt fressen. Das ist natürlich und nicht falsch. Aber auch andere Welpen werden dabei von der Mutter angebissen oder angefressen.

Ein Welpe fehlt

Gerade waren es noch sieben. Nun sind es nur noch sechs. Die Hündin ist von der Geburt oft sehr geschwächt und schläft irgendwann einmal ein. Dabei kann es passieren, dass sie sich auf einen Welpen rollt. Dieser hat dann nicht viel Zeit. Wenn ein Welpe fehlt, sehen Sie zuerst zwischen die Vorderläufe und Hinterbeine der Mutterhündin. Dort schlafen die neugeborenen Welpen manchmal. Wenn Sie die Welpen dort nicht entdecken, rollen Sie die Hündin sofort zur Seite oder fordern Sie die Hündin auf, aufzustehen. Wenn die Hündin viele Welpen hat, können Sie ihr helfen, indem Sie den Welpen neben der Hündin einen warmen Platz anbieten, z. B. eine Decke mit einer Rotlichtlampe darüber. Dort schlummern die kleinen Hunde gern, während die Hündin in Ruhe den nächsten Welpen bekommen oder sich selber einmal erholen kann.

Nach zwei bis drei Tagen ist die Hündin mit ihren Welpen in Sicherheit. Sie hat sich erholt, frisst mehr als früher und braucht viel Wasser. Sie können nun dem Heranwachsen der Welpen zusehen. Eine schöne Zeit beginnt.

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weitere Bilder:

Die Welpen liegen etwas abseits von der Mutter unter dem Rotlicht. Die Mutter kann sich dadurch erholen. (Foto: Robert Schollmeyer)
Die Welpen vier Tage nach der Geburt. Nun haben sie es fast geschafft. Am Rand der Wurfkiste sieht man ein Brett. Manche Welpen geraten in den Rücken der Mutter. Durch das Brett kann sie bei einer einsetzenden Wehe die Welpen am Kistenrand nicht zerdrücken. Sie drückt sie statt gegen die Wand unter das Brett. (Foto: Robert Schollmeyer)