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16.08.2012 Astrid Kurtz, Französische Bulldoggen "de-la-couronne"

Die französische Bulldogge

Sie gehört zu den beliebtesten Rassen der Welt, die französische Bulldogge. Liebevoll Bully von ihren Besitzern genannt, hat sie auch viele Liebhaber in Deutschland. Von der Rasse französische Bulldogge, deren gelegentlichen Schwierigkeiten bei der Geburt und Ihren Hunden erzählt uns hier Astrid Kurtz, Züchterin der Bullys "de-la-couronne".

Cheyenne ist eine Wasserratte. (Foto: A. Kurtz)

Ich war auf der Suche nach einem Hund, der sowohl für Familien als auch für ältere Menschen und Sportbegeisterte geeignet war. Er sollte nicht größer als 45 cm sein, so dass er auch ohne Probleme in der Wohnung gehalten werden könnte. Weitere Kriterien waren, dass man ihn überall mitnehmen kann, er in jedem Auto Platz findet und ein kurzhaariger Hund ist.

Bei einer Hundeausstellung in München entdeckte ich dann für mich die französische Bulldogge. Diese Rasse entsprach meinem Ideal-Hund und sollte meine große Liebe werden. Diese Hunderasse hatte alles, was ich mir vorgestellt hatte.

So zog dann endlich 2008 meine erste französische Bulldogge bei mir ein, Cheyenne, eine schöne ganz helle fawnfarbene Hündin mit schwarzer Maske. Sie hat ein super tolles Wesen, z. B. im Haus ist sie eine ganz ruhige Hündin. Draußen zeigt sie ihr Temperament, hat sie richtig Pfeffer im Hintern. Sie ist ein Traum von einem Bully. Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen ist u. a. das Schwimmen über den See. Dabei zeigt sie sehr viel Ausdauer und Ruhe. Sie hat sich bei uns zu einer Spitzen-Zuchthündin (sie ist schon Mama) und zu unserer Rudelführerin entwickelt.

Es war geplant, nach einem Jahr die zweite Hündin zu holen. Im Ganzen dauerte es aber nur drei Tage und Nummer zwei war bei uns eingezogen. Wir wollten unserer ersten Hündin etwas Gutes tun und einen Spielkameraden besorgen. Und natürlich auch wegen mir, ich hatte mich in die Rasse einfach verliebt.

Die zweite Bulldogge war unsere Dakota, eine Red-fawn-Hündin. Sie war unser Wachhund. Immer lag sie auf der Lauer, ob da nicht doch etwas zu melden war. Leider mussten wir sie im Alter von 20 Monaten einschläfern lassen, sie hatte mit 9 Monaten die ersten epileptischen Anfälle und es wurde immer schlimmer, trotz Medikamente. Wir haben sie dann schweren Herzens von ihrem Leid erlöst. Trotzdem, die Zeit mit den beiden Hunden war der Startschuss für meine Zucht.

Nun leben mittlerweile fünf Bullys im Hause. Davon sind drei aus meiner eigenen Nachzucht. Sie leben als Familiemitglied im Haus und dürfen sich frei bewegen. Die Welpenaufzucht erfolgt im Wohnzimmer, so nehmen sie gleich am Familienleben teil.

Wir sind beim D-Wurf und haben aus dem A-, B- und C-Wurf eine Hündin behalten. Unsere Abby, 2 Jahre, eine Reverse, ist schon in der Zucht und hat uns den D-Wurf geschenkt. Beyla, 17 Monate, Fawn-Mantelschecke, macht jetzt ihre Zuchttauglichkeitsprüfung, und unsere Cassandra, eine Red-Fawn, ist erst 8 Monate und hat noch etwas Zeit.

Unser Rüde Keoma, 22 Monate, ein sehr schöner Red-Fawn-Schecke ist unser eigener Deckrüde und der Papa von Beyla und Cassandra. Alle unsere Bullys leben im Haus, wo sie sich frei in jedem Zimmer bewegen können. Die Terrassentür ist bei schönem Wetter immer offen, so dass sie rein und raus gehen können, wie sie möchten. Gerne liegen sie auf der 45 m² großen Terrasse und sonnen sich. Ich lehne die Zwingerhaltung für Bullys ab. Die Französische-Bulldoge-Welpen werden im Wohnzimmer bei vollem Familienanschluss aufgezogen und dürfen mit vier Wochen auch raus auf die Terrasse und in den Garten. Sie lernen dann das ganze Rudel kennen und werden auch von diesem mit erzogen.

Wesen

Die französische Bulldogge möchte immer und überall dabei sein. Sie liebt Kinder über alles und macht jeden Blödsinn mit. Niemals würde eine französische Bulldogge nach jemandem schnappen, wenn sie z. B. an den Ohren gezogen oder unsanft angefasst wird. Sie ist, das bestätigen mir auch meine Welpenkäufer, ein richtiger Clown. Man kann ihr nie wirklich böse sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch Partner, die eigentlich keine Hunde wollen, sich vom Charme einer französische Bulldogge mitreißen lassen.

Trotz seines Sturkopfs ist der Bully sehr gelehrig, mit Konsequenz, Liebe, Geduld und Belohnungen macht er alles. Meistens fürs Futter, da er sehr verfressen ist. Er ist ein Kumpel, der Traurige aufheitert, in Gedanken Versunkene in die Gegenwart zurückholt und mit bequemen Menschen sehr viel Rücksicht übt. So wie Fr. Berta Burgkert sagt: ein Haushund par Excellence!!!

Geschichte

Es begann mit der Wirtschaftskrise im alten England, so um 1848 bis 1860. Aus diesem Grund mussten die Engländer in die Normandie von Belgien und Frankreich, um Arbeit zu bekommen. Sie wurden zum Grundstock einer Textilfabrikation. Da es in der neuen Heimat nur kleine Häuser oder Wohnungen gab, brauchte man einen kleinen Hund, der sich den Wohnverhältnissen anpasste. Im Auswanderungsgebiet Nottingham blühte Mitte des 19. Jahrhunderts die Zucht der kleinen Bulldoggen. Durch die Größe und die gute Anpassung konnte man die Bulldogge gut auf die Reise mitnehmen.

Um diese Zeit war noch in ganz England die Zucht der kleinen Bulldoggen verbreitet. Die ersten Hundeausstellungen in den 60er Jahren ergab, dass es mehr kleine Bulldoggen als große gab. Ihr Gewicht betrug meist unter 10 kg. Die Nachfrage nach den kleinen Bullys sank dann aber mit der Zeit. Die Züchter in Birmingham (James Hinks war einer der ersten) und London nutzten diese Gelegenheit und sendeten den Bully für einen guten Preis den Aussiedlern nach Frankreich, über die Normandie in die Großstädte, Paris und die vielen Vorstädte.

Der Bully ist der optimale Hund des kleinen Mannes. Er wurde viel mit den Hunden des Landes gepaart, da er als unerschrocken galt. Terrier-boule hieß dieser Mischling. Somit war der Startschuss für die französische Bulldogge gegeben.

Um das Jahr 1880 gründete sich ein Verein, Terrier-boule. Es waren überwiegend Lumpensammler, Metzger, Polizisten, Kaffeehausbesitzer, usw. Es waren so um die 47 Mitglieder. Sie liebten ihre Hunde und so begann es. 1888 wurde vom Club Amical eine eigene Satzung und ein Rassestandard aufgestellt.

Zuchtziel

Der Hund soll gleich hoch wie lang sein, ein Maximalgewicht der Rüden 15 kg, der Hündinnen 12,5 kg. Das Erscheinungsbild soll einem kleinen Herkules gleichen. Im Jahre 1896 hat man diesen Standard durch die unabdingbare Forderung der "Fledermausohren" als Rassemerkmal ergänzt. 1898 hat die französische Spitzenorganisation des Hundewesens "Société Canine" die Französische Bulldogge als neue Rasse anerkannt. Durch internationale Vereinbarungen wird der französische Standard weltweit anerkannt.

Merkmale

Es gibt zwei Typen von Bullys. Der eine ist der typische Ausstellungshund. Kurz, niedrig, sehr kompakt, großer Kopf und fast keine Nase. Ihnen genügt eine Runde um den Block und sie werden oft auch als Schoßhund bezeichnet. Der andere ist der Sportliche, wobei es diese Bezeichnung bei den Bullys eigentlich gar nicht gibt. Er ist etwas länger. Dieser Bully liebt Spaziergänge, Wasser; viele können auch Schwimmen und neben dem Fahrrad laufen. Sie haben etwas Nase und bekommen auch besser Luft. Eines haben beide aber gemeinsam, sie lieben es mit Frauchen und Herrchen auf der Couch zu liegen und fernzusehen. Auch dieses muss gesagt sein; ein Bully schnarcht und furzt, was auch manchmal dazu führt, dass die Zweibeiner fluchtartig den Raum verlassen, und er bettelt für sein Leben gern.

Erscheinungsbild

Ein Molosser im Kleinformat: Sehr kompakt, ausdrucksvoll, kurz und quadratisch, mit einem dem Körper entsprechend großen Kopf. Fledermausohren und schöne große dunkle Knopfaugen. Kurze Nase und Rute, kurzhaarig. Sehr muskulös und ein starker Knochenbau. Auf alle Fälle lebhaft und aufgeweckt. Neugierig, offen und ein freundliches Wesen. Jeder, der sich mit einer französischen Bulldogge beschäftigt, ist ihrem Charme unterlegen.

Farbenvielfalt

Es gibt sie in verschiedenen Farben, hier die geläufigsten: Fawn, -red-fawn - bis hin zum Milchkaffee, -dark-brindle, -light-brindle, auch Tiger genannt, -reverse, -umgedrehtes brindle, -schecken, -mantelschecken, -weiß, -creme, -braun, -blau, -sable und noch viele mehr.

Das Gangwerk sollte einen freien Bewegungsablauf haben. Das Gewicht sollte nicht unter 8 kg und nicht mehr als 14 kg betragen. Die Größe sollte in einem ausgegloichenen Verhältnis zum Gewicht stehen.

Fehler

Alle Abweichungen zu den Punkten gelten als Fehler. Chronisches Schnarchen, fehlender Lefzenschluss, depigmentierte Lefzen, helle Augen, Rute hoch getragen oder rutenlos, wamme, lose Ellenbogen (ED), kein rundes Laufen. Zu langes Haarkleid. Sichtbare Schneidezähne, verschiedene Augenfarben. Ohren nicht aufrecht getragen.

Krankheiten

Keilwirbel: Der Bully neigt dazu, da er sehr kurz ist und keine Rute hat, sind die Wirbel gestaucht. Ellbogendisplasie, auch ED genannt. Patella, auch PL genannt. Die Kniescheibe springt heraus. Augenkrankheiten. Manche haben auch HD. Bandscheibenerkrankungen, Fehlstellungen der Zähne kommen gelegentlich vor, Hautfaltendermatitis, Allergien und Hautkrankheiten. Als Französische-Bulldogge-Züchter versucht man natürlich zum Wohle der Rasse diese Krankheiten auszuschließen.

In eigener Sache

Es kostet sehr viel Zeit und Geld, bis ein Bully zur Zucht zugelassen wird. Dazu zählen auch zahlreiche Ausstellungen, die ganzen Untersuchungen, auf die jeder Welpenkäufer achten sollte, dienen dazu, diese wundervolle Rasse nicht krank zu züchten. Alle verantwortungsvollen Züchter möchten nur ein gemeinsames Ziel erreichen - einen gesunden Bully. Nicht jeder Hund, der so toll aussieht und einen guten Charakter hat, ist gesund und eignet sich zur Zucht.

Es steckt auch viel Arbeit in der Ahnenforschung, z. B. passt der Französische-Bulldogge-Deckrüde auch zu der Hündin? Oder sind sie verwandt? Welche gesundheitlichen oder optischen Merkmale vererben sie? Auch die Geburt ist nicht immer ohne Komplikationen. Es kommt oft zum Kaiserschnitt, weil der Welpe einen zu großen Kopf hat, zwei auf einmal raus wollen, einer quer liegt, Wehenschwäche usw. Da die französische Bulldogge eine kurze Schnauze hat, muss man oft bei der Abnablung und beim Öffnen der Fruchthülle mithelfen. Ich liebe diese Rasse und möchte sie trotz ihrer Schwierigkeiten bei der Geburt nicht mehr missen. Wie ein Sprichwort so schön lautet: Es bleibt nie bei einem Bully.

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weitere Bilder:

Dakota, unser Wachhund. (Foto: A. Kurtz)
Abby, unsere Nachzucht. (Foto: A. Kurtz)
B-Wurf mit 7 Wochen. (Foto: A. Kurtz)
Mama Cheyenne & Tochter Beyla. (Foto: A. Kurtz)
Eine stolze Bullyfamilie. (Foto: A. Kurtz)
Die Bullys der Familie. (Foto: A. Kurtz)
Deckrüde Keoma. (Foto: A. Kurtz)
Deckrüde Blackfoot. (Foto: A. Kurtz)