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09.08.2013 Beate-Bettina Schuchardt, Tierheilpraktikerin

Euthanasie bei Tieren: Einschläfern von Hund, Katze und Co.

Irgendwann kommt der unausweichliche Moment, an dem wir unser geliebtes Haustier gehen lassen müssen. Die einen gehen von allein, den anderen muss auf dem Weg zur Erlösung geholfen werden. Welche Möglichkeiten der Einschläferung es gibt und warum Sie vorher unbedingt ausführlich mit Ihrem Tierarzt darüber sprechen sollten, erklärt Tierheilpraktikerin Beate-Bettina Schuchardt in diesem Artikel.

Irgenwann muss jedes Tier über die Regenbogenbrücke gehen. (Foto: Maris stella, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Wortherkunft

Der Begriff Euthanasie setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort "eu" welches gleichbedeutend ist mit - gut, richtig, leicht, schön- und dem ebenfalls griechischen Wort "thanatos", welches für (der) Tod steht.

Gerne wird für diesen Vorgang des Tötens auch das Wort "Einschläferung" benutzt. Bei dem Begriff Einschläferung bzw. Einschläfern handelt es sich um einen sogenannten "Euphemismus" (Beschönigung), da es sich nicht um eine Narkose, ein Einschläfern im Sinn von Schlafen und auch nicht um einen "schönen Tod", sondern um eine Tötung handelt.

Möglichkeiten der Tötung

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten der Tötung (ausgenommen davon sind u.a. Fische, bei denen gibt es andere Möglichkeiten), die im Übrigen nur durch einen Tierarzt durchgeführt werden dürfen. Auf das Töten von den sogenannten Nutztieren gehe ich in diesem Zusammenhang nicht ein und beschränke mich auf unsere Haustiere.

Bei der einen erfolgt in der Regel eine einmalige Injektion einer tödlichen Überdosis eines Narkotikums (z.B. bekannt unter dem Namen Release, früher Eutha 77) direkt in die Vene. Ebenso möglich sind neben einer intravenösen Gabe -pulmonale (in die Lunge), -kardiale (in das Herz), -thorakale (in den Brustkorb) und -abdominale (in den Bauchraum) Injektionen, die ebenfalls zugelassen sind. Der Tod erfolgt durch eine durch die Überdosierung herbeigeführte Lähmung von lebenswichtigen Zentren im Gehirn, die die Atmung steuern. Es kommt zum Herz- und Atemstillstand. Das bedeutet konkret, dass innerhalb von Sekunden nach einer z.B. intravenösen Injektion Bewusstlosigkeit eintritt, die zu einer tiefen Anästhesie (Empfindungslosigkeit oder Gefühlstaubheit) führt. Durch die Lähmung des Atmungszentrums kommt es wie gesagt zur Apnoe, auf die schnell der Herzstillstand folgt. Diese Form der Euthanasie soll für das Tier mit minimalem Unbehagen verbunden sein.

Achtung: Bei nervösen Tieren ist die intravenöse Methode nicht angebracht. Wenn die Vene nicht exakt getroffen wird, verursacht das Mittel starkes Brennen. Dieses Gefühl dürfte dem einen oder anderen von Ihnen vielleicht auch bekannt sein.

Nebenbei bemerkt, darf das Mittel nicht bei Tieren eingesetzt werden, die zur Gewinnung von Lebensmitteln dienen.

Bei der anderen Variante werden zwei Injektionen gesetzt. Erst wird z.B. die Katze durch eine orale (durch den Mund), intramuskuläre (in den Muskel) oder intravenöse (in die Vene) Injektion eines Barbiturats (Beruhigungs-/Betäubungsmittel) in Narkose gelegt und anschließend wird dann die Tötungsspritze (bekannt unter dem Handelsnamen T61) gesetzt. T61 ist ein Kombinationspräparat, das sich aus mehreren Bestandteilen (Muskelerschlaffung, Schmerzmittel und Narkotikum) in toxischer Menge zusammensetzt, welches normalerweise bei korrekter und verantwortungsbewusster Anwendungsweise und Dosierung zum sofortigen Tod führen soll.

Durch das Zusammenwirken aller drei Komponenten wirkt es somit sehr stark dämpfend auf das Atemzentrum im Hirnstamm, was einen sofortigen Bewusstseinsverlust, eine irreversible Lähmung der Skelettmuskulatur, einen sofortigen Zusammenbruch von Kreislauf- und Nervensystem, sowie Atem- und Herzstillstand zur Folge hat.

Bei der Tötung mit T61 wird das Mittel üblicherweise auch intravenös (in die Vene) bzw. direkt intrakardial (ins Herz), intrapulmonal (in die Lunge) oder intraperitoneal (in die Bauchhöhle) gegeben, wo es sekundenschnell wirkt.

Auch dieses Mittel darf nicht bei Tieren eingesetzt werden, die zur Gewinnung von Lebensmitteln dienen.

Vormedikation

Zur Vormedikation eignen sich sowohl gering dosierte Narkotika als auch
Sedativa (Beruhigung des zentralen Nervensystems) und Neuroleptika (zur Dämpfung der Nerventätigkeit), eventuell in Verbindung mit Analgetika (Schmerzmittel). Aber Achtung, bei der Verwendung von Sedativa (Beruhigung des zentralen Nervensystems) ist zu beachten, dass die blutdrucksenkende Wirkung das Auffinden einer Vene zur Injektion des Tötungsmittels sehr erschwert.

Es gibt ferner die Möglichkeit bereits zu Hause seinem Tier ein Mittel (z. B.
Vetranquil, Mittel zur Beruhigung und Dämpfung des Nervensystems und der Nerventätigkeit) oral zu verabreichen.

Die sogenannten Muskelrelaxantien (Muskelerschlaffer) sollten allerdings keinesfalls als alleinige Vormedikationen benutzt werden, da sie das Tier lediglich unbeweglich machen, aber weder sein Bewusstsein ausschalten noch sein Schmerzempfinden vermindern.

Damit beim Tier, bevor es zur Bewusstlosigkeit kommt, keine Schmerzen und Abwehrreaktionen auftreten ist zu beachten, dass zwei Drittel der Dosis langsam und das letzte Drittel mit einmaligem schnellen Druck zu injizieren ist.

Die Stadien des Tötungsvorganges

Das Tier durchläuft im ganzen Tötungsvorgang dadurch folgende Stadien:

1. Analgesiestadium

Der Schmerz ist aufgehoben, das Bewusstsein aber noch erhalten. Die Katze wird ruhiger und müde.

2. Exzitationstadium

Die Exzitation (Übererregung), die sich durch Abwehrbewegungen und/oder Erbrechen äußert, sollte im Interesse des Tieres schnellstmöglich durchlaufen werden. In dieser Phase ist neben dem Schmerzempfinden auch das Bewusstsein aufgehoben, die Katze kann aber noch auf äußere Reize reagieren.

3. Toleranzstadium

Hier sind die gewünschten Kriterien einer Narkose, die Analgesie (Schmerzunempfindlichkeit), Hypnose (Bewusstlosigkeit) und Muskelrelaxation (Muskelerschlaffung), erreicht.

4. Asphyxiestadium

Die Atmung wird unterbrochen (Atemlähmung) und das Herz hört auf zu schlagen.

Achtung:
Sofern die Applikation nicht korrekt intravasal (Verabreichung in ein Blutgefäß) erfolgt, muss mit massiven Lautäußerungen gerechnet werden. Ebenso kann es bei intrapulmonaler (in die Lunge) Injektion zu Schmerzäußerungen und zu finaler Schnappatmung kommen, was auf die beteiligten Familienmitglieder sehr beängstigend und bedrückend wirkt. Deshalb wird nochmals aus vorgenannten Gründen unbedingt zu einer Vorbehandlung des Tieres geraten.

Im Übrigen unterliegt T61 im Gegensatz zu Barbituraten keiner Nachweispflicht.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Injektionsorte

Bei der Entscheidung an welcher Stelle die Injektion erfolgt sollte außerdem folgendes über die verschiedenen Injektionsorte bekannt sein:

Intravenöse (in die Vene) Injektionen sollten relativ schmerzlos und bei einem routinierten Tierarzt schnell zu setzen sein. Leider wird dies in der Regel jedoch Zwangsmaßnahmen wie Abbinden der Vene, Rasieren des Fells, Festhalten des Pfötchens etc. nach sich ziehen.

Intrakardiale (in das Herz) und intrapulmonale (in die Lunge) Injektionen sollten ebenfalls einfach und schnell zu setzen sein, erzeugen aber offenkundig mehr Schmerz und Gegenwehr. Es kann durchaus zu massiven Lautäußerungen und Abwehrreaktionen des Tieres kommen, weshalb diese Art laut Tierarzt nur bei sehr geschwächten, anästhesierten oder komatösen Tieren zur Anwendung kommt.

Bei intraperitonealen (in die Bauchhöhle) Injektionen verhält es sich wie oben beschrieben (intrakardiale Injektion, in das Herz), allerdings dauert es hierbei rund fünf Minuten bis das Tier bewusstlos ist. Während dieser Zeit bekommt das Tier alles genau mit, z.B. wenn es im Käfig herumwandert, schläfrig wird und sich deshalb unter Umständen am Käfiggitter stößt und sich dabei sogar noch verletzen könnte.

Absolut abzuraten ist von einer intrathekalen (Raum unterhalb der harten Hirnhaut, Liquorraum) Injektion bei unbetäubten Tieren, da eine dortige Punktion nicht ohne Schmerzverursachung und dadurch bedingte Abwehrreaktionen möglich ist.

Dementsprechend wird von der überwiegenden Zahl der Tierärzte eine generelle Verwendung einer medikamentösen Vorbehandlung vor dem Verabreichen des eigentlichen Tötungsmittels empfohlen. Sie soll gewährleisten, dass das zu euthanasierende Tier ruhig und schmerzunempfindlich ist und somit finale Abwehrreaktionen (das Tier wehrt sich u. U. gegen die Tötung) und Lautäußerungen verhindert werden.

Insbesondere soll diese Vorgehensweise dazu dienen allen Beteiligten und natürlich besonders dem Tierbesitzer, die Anwesenheit bei der Tötung zu erleichtern.

ACHTUNG:Die falsche Anwendung von T61 kann einen qualvollen Tod bedeuten, der sich über Stunden hinziehen kann. Die Anwendung von T61 als alleiniges Mittel zur Euthanasie ist daher sehr bedenklich und umstritten. Aus diesem Grund sollte ein umsichtiger Tierarzt vor der Anwendung von T61 IMMER ein Narkosemittel in starker Dosierung verabreichen. Weitere Informationen dazu finden Sie beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

T61 besitzt teilweise einen sehr schlechten Ruf, da das Mittel nur zu einem einzigen Zweck hergestellt wird, zum Töten von Tieren. Des Weiteren führt es bei falscher Anwendung zu erheblichen Leiden und Todeskämpfen der Patienten. Für den Tierarzt ist es nicht möglich, die physiologische Reaktion eines Tieres auf dieses Mittel vorherzusehen, da T61 ein Anästhetikum (Narkosemittel) ist und jedes Anästhetikum eine paradoxe (verkehrte) Reaktion auch bei richtiger Dosierung hervorrufen kann. Auswirkungen einer paradoxen Reaktion bei Tieren können unter anderem sein, dass die Tiere beginnen heftig zu krampfen und mit dem Tod kämpfen. Auch bei richtiger Anwendung kann es durchaus dazu kommen, dessen sollte man sich bewusst sein. Zu solchen Vorfällen kann es allerdings auch bei jedem anderen Euthanasiemittel kommen. Zusätzlich ist zu erwähnen, dass Katzen häufig bei der Euthanasie mit T61 erbrechen, weil einige Bestandteile von T61 als zentrales Brechreizmittel wirken.

Also lassen Sie sich bitte im Interesse Ihrer Tiere ausführlich und genau beraten und informieren Sie sich ggf. bei mehreren Tierärzten Ihres Vertrauens. Lassen Sie sich nicht mit oberflächlichen Informationen abspeisen. Lieber "einmal zuviel" gefragt, als "einmal zu wenig". Einem Tierarzt, der sich weigert Sie umfassend zu informieren und Ihnen all Ihre Fragen nicht hinreichend beantwortet, sollten Sie niemals Ihre Tiere anvertrauen.

Es ist ein Weg ohne Rückkehr und nur wer informiert ist, ist auch angstfrei und kann mit gutem Gewissen und freiem Kopf entscheiden.

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