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19.09.2014 Johanna Klickermann, Tierärztin

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse: Pankreatitis und Pankreasinsuffizienz beim Hund

Sowohl Pankreatitis als auch Pankreasinsuffizienz sind für die betroffenen Hunde sehr unangenehm. Jedoch sind die beiden Erkrankungsformen der Bauchspeicheldrüse heilbar und mit der richtigen Diät kann den Patienten Linderung verschafft werden. Worum es sich bei diesen Erkrankungen genau handelt, welche Symptome die betroffenen Hunde zeigen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, erklärt Tierärztin Johanna Klickermann im folgenden Artikel.

Das Pankreas ist ein wichtiges Organ für die Nährstoffverdauung. Eine Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse zieht Magen-Darm-Probleme nach sich. (Foto: shutterstock © Mr. SUTTIPON YAKHAM)

Definition und Funktion des Pankreas

Das Pankreas bzw. die Bauchspeicheldrüse ist ein kleines Drüsenorgan, das sich im vorderen Bauchraum des Hundes befindet. Es produziert den Pankreassaft. Dieser enthält wichtige Verdauungsenzyme, die die aufgenommenen Nahrungsbestandteile spalten und somit für eine optimale Absorption und Verwertung der Nährstoffe vorbereiten. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Enzymen Amylase, Lipase, Chymotrypsin und Trypsin zu, die für die Aufspaltung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen zuständig sind. Ist die Produktion und Freigabe des Verdauungssekrets gestört, hat dies schwere Folgen für die gesamten Magen-Darm-Prozesse.

Vorrangig ältere Hunde erkranken an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Darüber hinaus konnten auch Rassedispositionen beobachtet werden. So sind insbesondere Zwergschnauzer, Yorkshire Terrier, Australian Silky Terrier und Zwergpudel besonders anfällig für eine Erkrankung des Pankreas.

Formen und Erscheinungsbild der Erkrankung

Es können zwei Erkrankungsformen der Bauchspeicheldrüse unterschieden werden: Die Pankreatitis und die Pankreasinsuffizienz.

Pankreatitis

Die Pankreatitis ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Es können zum einen akute Pankreatitis-Schübe auftreten. Die Erkrankung kann aber auch als chronische Form auftreten. Die Ursache für eine Schädigung der Bauchspeicheldrüse ist die vorzeitige Aktivierung der Verdauungsenzyme noch im Pankreas selbst, die normalerweise erst im Darm stattfindet. Als Folge wird das Gewebe stark geschädigt (Pankreasnekrose) und es treten spontane starke Entzündungsschübe der Bauchspeicheldrüse auf. Diese Erkrankung nimmt meist einen schweren Verlauf und tritt bei Hunden relativ häufig auf. Das Wohlbefinden des Tieres ist dabei deutlich reduziert. Es wirkt teilnahmslos, nimmt eine gekrümmte Körperhaltung aufgrund starker Schmerzen ein, der Bauchraum ist vergrößert und die Atmung beschleunigt. Zudem treten häufig Erbrechen und Durchfall auf, wodurch die Hunde in kurzer Zeit stark abmagern können. Darüber hinaus konnten ebenso ein gesteigerter Durst und damit verbunden eine vermehrte Harnausscheidung beobachtet werden. Eine akute Pankreatitis kann unter einer geeigneten diätischen Therapie wieder vollständig abheilen. Dennoch sind auch wiederkehrende und chronische Entzündungen möglich. Die Funktionsweise der Bauchspeicheldrüse, also die Produktion von Verdauungsenzymen, ist bei Vorliegen einer Pankreatitis häufig nicht beeinträchtigt.

Pankreasinsuffizienz

Die Pankreasinsuffizienz geht im Gegensatz zur Pankreatitis nur mit einer leichten Entzündung einher und ist durch eine Beeinträchtigung der Verdauungsfunktion gekennzeichnet. Bei dieser Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse werden zu wenige der wichtigen Verdauungsenzyme produziert und somit die Nährstoffe aus der Nahrung nicht ausreichend gespaltet und verwertet. Der Hund magert dadurch selbst bei großen Futtermengen ab, auch sein Allgemeinbefinden ist gestört. Es werden vermehrt große Kotmengen abgesetzt, die noch unverdaute Nahrungsbestandteile enthalten können, fettreich und schaumig bis pastös sind und einen fauligen Geruch besitzen. Als Folge stellen sich außerdem Mangelerscheinungen wie Abmagerung, Anämie, Hautschädigungen oder ein stumpfes Fell ein. Vor allem der Deutsche Schäferhund ist für eine Pankreasinsuffizienz prädispositioniert.

Ursachen und Risikofaktoren einer Pankreatitis

Die Ursachen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sind bisher nur unzureichend geklärt. Es konnten allerdings Zusammenhänge zwischen der Entstehung einer akuten Pankreatitis  und der vorherigen Aufnahme ungeeigneten Futters, insbesondere von sehr fettiger Nahrung und Toxinen, der Verabreichung bestimmter Medikamente sowie Übergewicht beobachtet werden. Darüber hinaus gelten Erkrankungen der hormonbildenden Drüsen, wie beispielsweise Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenrindenüberfunktion (Cushing-Syndrom) und eine Hyperlipidämie, d. h. einem erhöhten Fettgehalt im Blut, als Risikofaktoren für die Entwicklung einer Pankreatitis.

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Die Sicherung der Diagnose einer Pankreatitis erfolgt über die Kombination verschiedener Untersuchungen und Tests, um sie von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen sicher abzugrenzen. So wird vordergründig das Blut des Hundes untersucht und auf das Vorhandensein pankreasspezifischer Enzyme, d. h. erhöhter Werte für cPLI und TLI überprüft. Aber auch bildgebende Verfahren, wie beispielsweise Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen kommen zum Einsatz, um eine Größenänderung oder Gewebeveränderungen des Pankreas sichtbar zu machen. Zudem kann eine  Biopsie der Bauchspeicheldrüse notwendig sein, um tumoröse Veränderungen ausschließen zu können. Die Pankreasinsuffizienz hingegen wird vorrangig durch die Untersuchung einer Kotprobe auf bestimmte Stoffe (z. B. Pankreas-Elastase) diagnostiziert, aber auch Bluttests kommen hier zum Einsatz.

Therapiemöglichkeiten

Als eine erste therapeutische Maßnahme wird bei einer akuten Pankreatitis, neben der Schmerzbehandlung, eine Futteraussetzung empfohlen. Durch die fehlende Nahrung wird die Bauchspeicheldrüse nicht zur Ausscheidung des Verdauungssaftes stimuliert und kann sich regenerieren. Ist der Patient sehr geschwächt, muss dem Hund frühzeitig über eine Sonde ein leichtverdaulicher Nahrungsbrei zugeführt werden. Wenn sich das Tier unter dieser Vorgehensweise weitestgehend stabilisiert hat und keine akuten Symptome, insbesondere Erbrechen, mehr bestehen, kann mit einer speziellen Schonkost begonnen werden.

Da bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung vor allem die Fettverdauung beeinträchtigt ist, sollten die Futterrationen fettarm gestaltet werden. Doch auch Aminosäuren, die im Protein enthalten sind, können bei einigen Hunden Probleme verursachen. Deshalb muss für jeden Hund die Futterzusammensetzung ermittelt werden, die am besten verträglich ist. Dabei ist es sehr wichtig, dass nur hochverdauliche Kohlenhydrat- und Proteinquellen herangezogen werden. Um einem Mangel der für den Organismus wichtigen Linolsäure vorzubeugen, sollten hochwertige Pflanzenöle ergänzt werden, da von diesen bereits kleine Mengen ausreichen und sie die Bauchspeicheldrüse nicht unnötig belasten. Um die Produktion des Verdauungssekretes nicht zu stark zu stimulieren, wie es bei einem übermäßig gefüllten Magen der Fall ist, sollte die Futterration auf viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt werden. Darüber hinaus sind häufige und plötzliche Futterwechsel zu vermeiden.

Des Weiteren wurde durch Untersuchungen festgestellt, dass bei Hunden, die an einer chronischen Pankreasinsuffizienz leiden, oftmals ein Vitamin B12-Mangel vorliegt. Daher wird therapiebegleitend eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin B12 empfohlen. Bei schweren und anhaltenden Durchfällen oder Erbrechen sollten dem erkrankten Hund zudem auch Kalium, Natrium und Chlorid verabreicht werden, um den gestörten Elektrolythaushalt wieder auszugleichen.

Bei der Pankreasinsuffizienz hingegen ist die wichtigste Therapiemaßnahme die Zufuhr von Enzymen, um die Verdauung von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen zu erleichtern. Dabei werden dem Hund die Pankreasenzyme, am besten in Pulverform, zusammen mit dem Futter verabreicht. Es hat sich zudem bewährt, die Enzyme bereits einige Zeit vor der Fütterung der Nahrung beizufügen. Dadurch findet die Vorverdauung der Nahrungsbestandteile bereits außerhalb des Körpers statt und der Hund kann das Futter anschließend problemlos aufnehmen und verwerten, ohne dass seine Bauchspeicheldrüse zu stark belastet wird. Wichtig ist auch, dass das Futter selbst hochverdaulich ist, um die Magen- und Darmkapazität nicht mit einer enormen Futtermenge zu überlasten.

Über die Autorin: Johanna Klickermann hat an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig studiert. Sie war nach dem Erlangen der Approbation im Jahre 2004 als Praxisvertretung und Assistentin im Kleintierbereich tätig. Seit Mai 2013 ist sie als Tierärztin bei dem Hundefutter-Hersteller futalis in Leipzig tätig. Hier ist Frau Klickermann fachliche Ansprechpartnerin für die Tierärzte im Bereich Vertrieb und ist unter anderem für die inhaltliche Erstellung von Informationsmaterialien verantwortlich. Darüber hinaus begleitet sie als Ernährungsexpertin öffentliche Veranstaltungen und Events.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

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