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05.05.2015 Olaf Anderfuhr, Tierheilpraktiker

Erkältung bei Hund, Katze & Co.

Über Husten, Schnupfen und andere Symptome bei Haustieren

Von den jahreszeitlich bedingten Erkrankungen sind nicht nur wir Menschen betroffen, sondern auch unsere Haustiere haben dafür eine Veranlagung. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören unter anderem Erkrankungen der oberen Atemwege. Allgemeine Symptome des Krankheitsbildes sind Husten, Nasenausfluss, Atemnot, stenotische Atemgeräusche, Leistungsabfall und unter Umständen auch eine Zyanose, sichtbar durch bläuliche Verfärbungen der Haut und Schleimhäute. Der Tierheilpraktiker Olaf Anderfuhr erklärt uns diese für Hund und Katze.

Ein Hund mit Husten und Schnupfen. (Foto: Olaf Anderfuhr)

Eines der charakteristischsten Merkmale ist der Husten, der in der exspiratorischen Phase (Ausatmung) einen natürlichen Reflex darstellt, um die Atemwege zu reinigen. Der Husten ist eine Antwort auf Reizungen der Schleimhäute in den oberen Atemwegen, des Kehlkopfes und der Lunge. Je nach Ort der Reizung hat der Husten verschiedene charakteristische Merkmale.

Schlund/Rachen (Pharynx)

Tritt der Husten beim Schluckakt auf, kann man auf eine Entzündung in diesem Bereich (Pharyngitis) schließen.

Kehlkopf (Larynx)

Hier entsteht der Husten ohne Inspiration (Einatmung) oder Exspiration (Ausatmung), sondern durch Druck auf die Stellknorpel, die für die Verengung bzw. Erweiterung der Stimmbänder und somit der Stimmritze verantwortlich sind.

Luftröhre (Trachea)

Bellender, trockener und lauter Husten weist auf eine Tracheitis hin, was aber auch eine akute Entzündung der oberen Bronchien mit sich bringen kann.

Bronchien verbunden mit Husten

Wenn der Husten nach einer tiefen Inspiration (Einatmung) wieder für längere Zeit aufhört, deutet dies auf eine erhöhte Sekretansammlung in den Bronchien hin, die aber noch gut durchlüftet sind. Tritt der Husten bei Kälte, Staub oder anderen Reizungen (allergiebedingt) auf, ist langanhaltend und mit Leistungsschwäche verbunden, so weist dies auf spastische Zustände in den Bronchien hin. Ein schwacher und mit wenig Sekretauswurf gekennzeichneter Husten deutet auf eine verschleppte Bronchitis hin, aber auch ein chronisches Lungenemphysem (krankhafte Überblähung der Lunge) kann dadurch gekennzeichnet sein. Bei einer Influenza ("echte" Grippe), die auch unsere Haustiere heimsuchen kann, ist grundsätzlich darauf zu achten, dass der Husten nicht trocken wird, also es muss Sekret abgehustet werden.

Husten ist aber nur dann nützlich, wenn abhustbarer Schleim in den Luftwegen vorhanden ist. Kann der Schleim nicht abgehustet werden, weil er eingedickt oder eingetrocknet ist, leidet unser Haustier zusätzlich zum Beispiel an Schlafstörungen und einer verminderten Futteraufnahme, was wiederum Sekundärerkrankungen nach sich ziehen kann. Schleimlösende Mittel sind hier schon sehr hilfreich, entlasten unser Haustier und lassen es bald wieder genesen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel kann der Husten bei einem Lungenemphysem oder bei Asthma das Platzen von Lungenbläschen (Alveolen) verursachen. In diesem Fall ist eine symptomatische Hustenbehandlung begleitend durchzuführen, um den Husten zu unterdrücken. Husten kann weiter auftreten bei Asthma, Pneumonie (Lungenentzündung), Lungenödem, Emphysem, Parasiten (vorwiegend beim Rind, Schaf, Esel, selten beim Pferd), Linksherzinsuffizienz (besonders beim Hund), durch Aspiration (Einatmen) von Futter, bei Rachen- und Schlundlähmungen usw.

Nasenausfluss

Der Nasenausfluss kann sich durch verschiedene Arten der Beschaffenheit darstellen. Wichtig hierbei ist die Tatsache, dass der Nasenausfluss immer bilateral (beidseitig) auftreten muss, um auf eine Infektion der Atemwege oder Allergie schließen zu können.

Einseitiger Nasenausfluss hat primär nichts mit einer Erkältungskrankheit zu tun, sondern ist meist ein Hinweis auf raumgreifende Prozesse, wie Tumore, lokale Geschwüre (Ulzerationen) und Polypen. Auch Fremdkörper im "Nasengang" oder Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) können hier die Ursache sein. Der seröse Nasenausfluss ist eiweißreich und wässrig bis milchig. Eine geringe Schädigung (Irritation) der Schleimhäute wird hier häufig durch eine Erkältung oder eine unkomplizierte Virusinfektion verursacht. Katarrhalischer (Entzündung der Schleimhäute), schleimiger und seröser Nasenausfluss ist noch fast durchsichtig (transparent) und schon etwas dicker, was auf eine bakterielle Infektion und stärkere Irritation der Schleimhäute hinweist. Mukopurulenter (eitrig-schleimig) Nasenausfluss ist schon gelblich durch bakterielle Infektion der Schleimhäute gekennzeichnet und noch geruchslos. Purulenter (eitrig) Nasenausfluss hat einen intensiven Geruch und ist aggressiv auf noch intakte Schleimhautbereiche. Der Geruch ist bedingt durch die sich selbstauflösenden (autolytischen) Gewebereste, die neben entzündlichem Exsudat (Absonderung), Bakterien und Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Ausfluss enthalten sind.

Bei der Bestimmung und Benennung der Erkrankung werden die vorgenannten Begrifflichkeiten verwendet, um eine einheitliche medizinische Sprache zu sprechen, zum Beispiel: seriöse Rhinitis (gewöhnlicher Schnupfen mit wässrigem Nasenausfluss).

Aber auch beim gesunden Haustier kann es zum Nasenausfluss kommen, und zwar in Form von Kondenswasser, was aber physiologisch bedingt ist. Ebenso bei einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) kann klare Flüssigkeit in Form von Tränen durch den Tränenkanal (Canalis naso lacrimalis) vom Bindehautsack (Saccus conjunctivae) in die Nase gelangen und abfließen. Beim Pferd kann Nasenausfluss auch auf eine Lähmung des Rachenraumes und/oder der Speiseröhre (Ösophagus) hindeuten, da wieder hervorgebrachtes Futter nur über die Nase abfließen kann. Auch bei einer Luftsackerkrankung kann es zum Nasenausfluss kommen und zeigt sich besonders beim Grasen von Boden. Nasenausfluss kann also nicht nur bei einer Erkältung auftreten und es gibt, liebe/r Leser/in, Einiges zu beachten.

Sollten Sie Symptome, wie zuvor beschrieben, bei Ihrem Haustier bemerken, so zögern Sie bitte nicht, einen Tierarzt oder Tierheilpraktiker Ihres Vertrauens zu konsultieren, denn es geht um die Gesundheit Ihres Lieblings und schlussendlich auch um ein stressfreies Miteinander im Sozialverband Familie. Die hier gemachten Ausführungen und Erklärungen sind nur beispielhaft und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Besuch eines Tierarztes oder Tierheilpraktikers wird bei Auftreten der beschriebenen Symptome in jedem Fall empfohlen.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

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