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14.02.2014 Mario Jessat, Snautz.de

Deutscher Meister im Schlittenhundewagenrennen off Snow mit 67 Jahren

"Es ist ein Sport für mich, der mit meiner Liebe zu Hunden eine Symbiose ergibt"

Für alle Hundesportfreunde, die es rasant lieben, ist der Schlittenhundesport eine willkommene Sportart. Ob am Trainingswagen, am Scooter, am Fahrrad oder am Schlitten, alles ist möglich. Wir möchten in zwei Artikeln über den Sport berichten und zwei seiner Sieger vorstellen. Den Anfang macht Gerhard Baumann, Deutscher Meister im Schlittenhunderennen mit Wagen 2013 in der 6-Hunde-Klasse.

zweiter Lauf von drei Läufen zur Mitteldeutschen Meisterschaft 2012 in Moosbach. (Foto: C. Löffler)

Deutscher und Mitteldeutscher Meister im fortgeschrittenen Alter

Man kann auch im fortgeschrittenen Alter in dieser Sportart noch sehr erfolgreich sein.
Gerhard Baumann macht es den Jüngeren vor und siegt mit 67 Jahren in der 6-Hunde-Klasse im Wagenrennen. Im Schlittenhunderennen mit Wagen off Snow kann er sich nun Deutscher Meister 2013 nennen. Das ist bemerkenswert, denn er ist ein Späteinsteiger. Erst seit fünf Jahren betreibt er diesen Sport und sammelte in dieser Zeit u.a. die folgenden Titel:

Deutsche Meisterschaft im Schlittenhunderennen mit Wagen off Snow:

  • Deutscher Meister 2013
  • Deutscher Vize Meister 2012
  • Deutscher Vize Meister 2011
  • 3. Platz 2010

Mitteldeutsche Meisterschaft im Schlittenhunderennen mit Wagen off Snow:

  • Mitteldeutscher Meister 2012
  • Mitteldeutscher Meister 2011
  • Mitteldeutscher Meister und Vizemeister 2010 (mit 2 verschiedenen Teams)
  • Mitteldeutscher Meister 2009

Internationale Schlittenhunderennen mit Wagen off Snow:

  • 7. Platz EM 2012, Christianslust, Deutschland
  • 7. Platz WM 2013, Falze di Piave, Italien

Vom Schäfer zum Rennsportler

Gerhard Baumann ist von Beruf Schäfer und züchtet Deutsche Schäferhunde. Seinen Beruf und seine Zucht betreibt er mit Leidenschaft. Aber auch dabei verglich er seine Arbeit an den Hunden mit Berufskollegen. So nahm er erfolgreich am Bundesleistungshüten der Deutschen Schäferhunde teil.

Jeden Tag des Jahres muss man für die Tiere da sein. Durch die Schäferhunde kam er zum Schlittenhundesport. Um seine Schäferhunde auch anderweitig auszulasten, wollte er sie zu Zughunden ausbilden, um sie in einem guten Trainingszustand zu halten und den Muskelaufbau zu fördern. Ein ehemaliger Kollege von Gerhard Baumann betrieb damals Schlittenhundesport und kam mit seinen Hunden zum Wagentraining. Gerhard stellte schnell fest, dass er diese Sportart und die Bewegung mit den Hunden auch sehr mag. So begann es. Erst zogen seine Schäferhunde den Trainingswagen, dann gesellten sich die Schlittenhunde dazu. Seine ersten vier Hunde, so genannte Scandinavian Hounds, auch als Europäische Schlittenhunde bekannt, bekam er geschenkt. Die vier Hunde hatten bei anderen ausgedient oder waren dort nicht mehr gut genug. Er trainierte sie und konnte mit diesen schon die Mitteldeutsche Meisterschaft gewinnen.

Der Scandinavien Hound

Der Scandinavian Hound ist ein Gebrauchshund und extra für den Rennsport gezüchtet. Er ist eine Kreuzung aus English Pointer, Deutsch Kurzhaar und Husky. So um 1950 begann die Zucht dieser Gebrauchsrasse für den Schlittenhundesport. Es sind sehr menschenfreundliche Hunde, wie wir bei einem Besuch bei Gerhard feststellen konnten. Außerdem haben sie den unbändigen Willen zum Laufen.

Gerhard Baumann's Erfolgsrezept

"Training", sagt Gerhard, wenn man ihn nach den Gründen für seinen Erfolg fragt, "Ausdauer und Wille, das gehört überall dazu. Und gute Hunde". Anfangs kaufte er sich die Zuchthunde bei erfahrenen Schlittenhunde-Züchtern. Heute züchtet er selbst. Mit Erfolg, wie man sieht. So gehörten neben seinem Hund Dodge und den drei Hunden Jet, Timex und Zyklon schon sein eigener Nachwuchs Blacky, Lucy und Lotte zu den diesjährigen Siegerhunden.

Die Hunde trainiert er fünf mal die Woche am Trainingswagen. Dabei spielt das Wetter keine Rolle. "Ist nun einmal ein Outdoorsport", sagt er. Mit seinen Schafen war er schließlich auch immer an der frischen Luft.

Große Ausläufe für die Hunde gehören dazu. Da können sie sich gut bewegen, wenn er einmal nicht fährt. Dort tummeln sich nun zehn Hounds, sodass er bei eventuellen Verletzungen eines Hundes, Formschwäche oder Läufigkeit auch mal die Hunde wechseln kann. Nicht jeder Tag ist gleich, auch nicht bei den Hunden. Trainieren muss er sie natürlich alle.

Diejenigen, die ihn besser kennen, wissen es anders zu beschreiben: "Naturtalent, super Gleichgewichtsgefühl", sagen sie, "und gute Hand für die Hundezucht". Wissen und stetes bereit sein zum Lernen, das zeichnet ihn aus. Er nimmt die Sache ernst und hat natürlich einen großen Wille zum Siegen. "Ich mache mir sehr viel Mühe mit meinen Hunden. Sie sind Sportskameraden", sagt er. "Aber ich fahre nicht, um ewig der Letzte zu sein. Natürlich will ich gewinnen, das gehört dazu. Es ist ein Sport für mich, der mit meiner Liebe zu Hunden eine Symbiose ergibt."

Über sein Alter ärgert er sich da ein wenig. "Ich fühle mich immer noch topfit", sagt er. "Aber ich hätte diesen Sport schon vor zwanzig Jahren kennen lernen sollen.“ Da standen aber die Schafe, seine Existenz, im Vordergrund. "Und nun müsste ich mehr auf dem Schnee trainieren." In seinem Leipziger Sachsenland gibt es davon eher wenig. Daher besucht er Trainingslager.

Im letzten Jahr hatte er Zeit, auch im Ausland mit den Hunden zu starten. So nahm er an der Weltmeisterschaft 2013 in Italien teil. Dort schaffte er trotz gebrochenem Rad und gebrochener Aufhängung den 7. Platz. Nun, mit drei Rädern kommt auch nicht jeder ins Ziel. Wir wünschen ihm noch viele erfolgreiche Jahre mit seinen Hunden in diesem Sport.

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weitere Bilder:

Schlammbad mal anders. Schlittenhunderennen mit Wagen, WM in Italien 2013. (Foto: C. Löffler)
Noch ist er sauber… Schlittenhunderennen mit Wagen, WM in Italien 2013. (Foto: C. Löffler)