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17.04.2014 Andrea Baumbach, Wolfs- und Großspitz-Züchterin

Der Deutsche Spitz wie er wirklich ist

In ihrem letzten Artikel hat Spitz-Züchterin Andrea Baumbach mit den Vorurteilen gegenüber dem Deutschen Spitz aufgeräumt. Im zweiten Teil ihres Artikels über den Spitz berichtet sie über Aussehen, Wesen und Eigenschaften dieser unterschätzten Rasse.

Wolfsspitz bei einer Geländeübung: balancieren oder über Leitern gehen fällt Spitzen aufgrund ihrer geschickten Motorik leicht. (Foto: M. Baumbach)

Viele Gründe sprechen für die Spitze. Mit Statistiken ist belegt:

  • Spitze gehören mit den Pudeln zu den langlebigsten Rassehunden,
  • in einer Studie zum Vergleich von der Gesundheit von Mischligen und Rassehunden, wurden die Spitze als besonders gesunde Hunderasse bezeichnet,
  • rassetypische Erbkrankheiten sind praktisch nicht vorhanden.

Nicht nur die robuste Gesundheit und Langlebigkeit spricht für diese Rasse, das prächtige Fell ist sehr pflegeleicht, ausgenommen manche Show-Linien, wo auf extreme Fell-Fülle gezüchtet wird, die stellen aber eher die Ausnahme dar.

Es ist eine der wenigen Rassen, die keine Spezialisten sind, sondern als reine Familien- und Begleithunde gezüchtet und gehalten wurden. Daraus resultiert eine sehr geringe Neigung zum Jagen bei den meisten Spitzen. Sie schließen sich sehr eng an ihre Familie an und sind ausgesprochen kinderlieb. Es handelt sich in der Regel um äußerst instinktsichere Hunde von sicherem Wesen.

Verwendung

Unsere Hunde werden erfolgreich im Agility, der Obidience, als Besuchshunde im Seniorenheim sowie in einem Projekt als Schul-Hunde eingesetzt. Hervorgetan haben sich Spitze schon als Fährten- oder Rettungshunde und geradezu erstaunlich sind ihre Leistungen als Hypo-Hunde, das sind Hunde, die die Unterzuckerung anzeigen. Hier gibt es mehr als eine Begebenheit, in der schon der junge Welpe, der noch recht neu in der Familie ist, die Unterzuckerung hartnäckig angezeigt hat.

Zurückhaltung gegenüber Fremden

Diese besonders enge Bindung an die eigene Familie führt dazu, dass fast alle Spitze Fremden gegenüber ausgesprochen zurückhaltend sind. So macht man sich natürlich nicht als jedermanns Liebling bekannt, das hat in der Enge der heutige Zeit aber auch etliche Vorzüge.
Einmal war ich mit einer unserer Spitz-Hündinnen allein in einem Hotel, in dem zur gleichen Zeit eine große Jagdgesellschaft mit etlichen Hunden und mehrere Familien logierten. Das Frühstücksbuffet befand sich in einem Nebenraum. So legte ich die Hündin unter meinem Tisch ab und begab mich ins Nebenzimmer. Das erschien der Hündin dann doch etwas merkwürdig und sie streckte ihren Kopf unter dem Tischtuch hervor, um nach mir Ausschau zu halten. Einer der Jagdhunde im Frühstücksraum tat seiner Freude über die neue Hundebekanntschaft lautstark kund und hüpfte begeistert auf und ab. Auch die Kinder des Nebentisches freuten sich über den puscheligen Hundekopf der unter dem Tischtuch hervor lugte und versuchten mit Wurstscheiben die Aufmerksamkeit meiner Hündin zu erregen. Aber ein Spitz hat nur Augen für seinen Menschen. Weder die Wurst noch den fröhlich-lautstarken Hund würdigte sie auch nur mit einem Blick. Dies veranlasste die Gattin des Jägers dazu zu sagen: "Siehst du, so geht gut erzogener Hund!" Ob sie das auch gesagt hätte, wenn sie gewusst hätte, dass es sich um einen Spitz handelt?

Allerlei Größen und Farben

Bedauerlicherweise handelt es sich bei den Zwergspitzen um die bekannteste und am weitesten verbreitete Varietät. So ist der bekannteste Hund auf Facebook ein bis zur Unkenntlichkeit frisierter Zwerg. Einige Promis tragen Zwergspitze als farblich passendes Accessoire herum. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass starke Verzwergung zu Problemen führen kann. Bekannt sind die Zwerge auch als Pommeranien oder Pom. Wesentlich robuster und richtig ernst zu nehmende Hunde sind dann wieder die Kleinspitze und die Mittelspitze die von 23 bis 39 cm reichen, die großen Varietäten der Groß- und Wolfsspitze sind zwischen 40 und 60 cm groß. Dabei unterscheiden sich Groß- und Wolfsspitze eigentlich nur in der Farbe voneinander, Wolfsspitze sind immer graugewolkt. Lediglich ein Verein in Deutschland trennt diese beiden Varietäten strikt, während im restlichen Europa und auch in Deutschland diese beiden Varietäten miteinander verpaart werden können. Großspitze kommen in den Farben weiß, braun, schwarz, gescheckt und andersfarben vor. Bei Klein- und Mittelspitzen kommen fast alle Farben vor.

Typisch

Typisch für Spitze und allen gemeinsam, ist das Wesen: Es sind lebhafte, gelehrige Hunde, die keinen hohen Trieb haben, weder zum Jagen noch zum Hüten. Sie eigenen sich als Familien- , Reit-Begleit-Hunde sowie als Hunde für den Freizeit-Sport. Es sind ausdauernde Läufer und hervorragende Springer. Sie sind gegenüber Fremden meist sehr zurückhaltend. Es sind aufmerksame Wächter der eigenen Wohnung oder des Hauses. Tumulte bei den Nachbarn lassen sie allerdings kalt, so ist nicht zu befürchten, dass der Spitz ohne Anlass bellt. Eines Nachts murrte mein Mann: Deine Hunde bellen! Nach diesem Wink mit dem Zaunpfahl schaute ich aus dem Fenster und sah 3 junge Herren auf der Fahrbahn laufen, der mittlere der drei trug weder Hose noch Unterhose, bei erfrischenden Temperaturen. Man sieht, ein Spitz bellt nicht ohne Grund, denn die drei waren den Hunden einfach zu suspekt. Spitze benötigen, wie alle anderen Hunderassen auch, eine liebevoll-konsequente Erziehung, sind aber leichtführig und wollen gefallen.

Zur Autorin und wie man auf den Spitz kommt

Andrea Baumbach, Jahrgang 1965, 3 Kinder, berufstätig, Nebenerwerbslandwirt, Pferdetrainer. Hineingeboren in eine Familie in der Hundesport betrieben wurde, erhielt ich meinen ersten eigenen Hund als ich gerade 5 Jahre alt war, ein entzückender Dackel. Es folgten einige Mischlinge und gerettete Hunde, darunter mehrere Rotties. Dann ein Drahthaar-Mix, ein Bouvier des Flandres. Dann die ersten Border Collies zum Hüten für die Rinder und die Schafe. Ergänzt wurde das Hüte-Team durch einen deutschen Schäferhund, der gut arbeitete, mich aber auch zum Spezialisten in Sachen Futtermittel-Allergie machte. Als dann der letzte Border ging, gab es auch keine Schafe und Rinder mehr auf dem Hof. Da für mich klar ist, dass der Border ein phantastischer Hütehund ist, der aber als Familienhund einfach nicht wirklich zeigen kann, was in ihm steckt, sollte es eine andere Rasse werden.

Folgende Ansprüche habe ich angelegt:

  • gesund und langlebig
  • intelligent und leicht trainierbar
  • sportlich
  • als Reit-Begleit-Hund geeignet, wenig Jagdtrieb
  • pflegeleicht
  • kinderlieb

Heraus kam der erste Spitz. Inzwischen bin ich ein echter Fan dieser witzigen Hunderasse. Vielleicht kann dieser Artikel dazu beitragen, den zu Unrecht in schlechtem Ruf stehenden Spitz zu rehabilitieren.

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weitere Bilder:

Wolfsspitz beim Kontaktzonentraining. (Foto: M. Baumbach)
Großspitz beim Weitsprung. (Foto: M. Baumbach)
Junge Großspitze cremefarben. (Foto: M. Baumbach)
Großspitze sable-farben. (Foto: M. Baumbach)
In der Phase des Wechsels vom Kinder- zum Jugend-Fell sehen sie oft etwas seltsam aus. Kenner nennen das liebevoll "Affengesichtsphase". (Foto: M. Baumbach)
Spitz und Mensch: eine ganz besonders innige Beziehung haben Spitze zu ihren Menschen. (Foto: M. Baumbach)
Der Wolfsspitzwelpe hat den Schuh geklaut und dann die Blumen aus der Schale ausgebuddelt, um für sich und seine Beute einen guten Platz zu haben. (Foto: M. Baumbach)
Aus den ausgekämmten Haaren der Spitze lässt siche eine wunderbar weiche Wolle spinnen, die gar nicht mehr nach Hund riecht und sehr wärmend ist. (Foto: M. Baumbach)
Weißer Großspitz beim Seilspringen. (Foto: M. Baumbach)