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19.07.2013 Claudia Hußmann, Hundeschule "Schnettlersche Mühle"

Clickertraining für Hunde (Teil 3): Clickern mit Welpen

Was die Kleinen mit dem Clicker alles lernen können

Vor einer Weile haben wir zwei Artikel zum Thema Clickertraining für Hunde veröffentlicht. In dem einen erläuterte Claudia Hußmann die Grundlagen des Clickertrainings und beschrieb im zweiten Teil verschiedene Einsatzmöglichkeiten für die Arbeit mit dem Clicker. Im dritten Teil beschreibt sie, wie das Clickertraining bei Welpen funktioniert und was damit trainiert werden kann.

Clickertraining mit Welpen: Click für Anfassen. (Foto: C. Hußmann)

Oft denken die Menschen, Clickertraining braucht man nur zum Trainieren von Tricks. Dazu hatte ich ja in meinen vorigen Artikeln schon etwas geschrieben und erklärt, warum Clickertraining auf ganz verschiedenen Gebieten zum Einsatz kommen kann. Oft werde ich gefragt, ob man denn Clickertraining auch schon beim Welpen einsetzen kann. Natürlich kann man das, hier erkläre ich wie es funktioniert und welche Vorteile es hat.

Welpen lernen rasend schnell

Wenn ich in der Welpengruppe den Clicker einsetze, bin ich immer wieder erstaunt, wie schnell die Welpen den Zusammenhang zwischen Click und Leckerli hergestellt haben. Meist sind sie nach fünf bis zehn Wiederholungen schon voll dabei. Und es ist verblüffend, wie schnell Welpen mit dem Clicker lernen und wie eifrig und aufmerksam sie sind. Sie laufen neben ihren Menschen her, sie machen mit Begeisterung Sitz und Platz und kommen angerast wie der Wind.

Meine Vermutung ist, dass es für sie einfacher ist mit dem Clicker, weil sich das Geräusch vom ständigen Redefluss der Menschen sehr deutlich abhebt. Die Information ist viel klarer und präziser als ein Wort.

Ab welchem Alter kann man mit dem Clickertraining anfangen?

Ich hatte das große Glück, dass ich bei einer befreundeten Züchterin bereits mit den vier Wochen alten Welpen clickern durfte. Das war natürlich eine Herausforderung, denn die Welpen sind in dem Alter noch relativ ungeschickt beim Leckerli nehmen. Am besten funktioniert es daher mit Welpenbrei oder etwas Ähnlichem, was sie vom Finger ablecken können.

Dass sie nach dem Click den Finger zum Ablecken bekommen, haben sie sehr schnell kapiert. Ich habe dann geübt, dass sie mit der Nase an die leere (!!!) Hand stupsen. Das hat erstaunlich schnell geklappt. Auch wenn die Kleinen noch etwas tollpatschig waren, haben sie sich eifrig bemüht und konnten sich nach ein paar Trainingseinheiten auch schon zwei Minuten konzentrieren.

Das Tollste daran war, mit welcher Begeisterung diese kleinen Racker schon bei der Sache waren und sich schon fast darum gestritten haben, wer als nächstes trainieren darf. Nach dem Clickertraining waren sie aber richtig müde und haben geschlafen wie die Murmeltiere.

Im Alter von sechs Wochen konnte ich dann bereits üben, dass sie an der Leine mitlaufen. Die Welpen kannten bei der Abgabe also bereits Halsband und das Laufen an der Leine und auch bei Richtungswechseln ihrem Menschen zu folgen. Eine tolle Sache für die zukünftigen Besitzer.

Was muss man beim Clickertraining mit Welpen beachten?

Im Prinzip funktioniert das Clickertraining wie mit dem erwachsenen Hund. Allerdings sollte man anfangs wirklich ganz kurze Trainingseinheiten machen. Eine Minute ist schon viel. Anfangs trainiert man noch kürzer. Wenn der Welpe etwas zehn Mal ganz toll macht, ist das eine super Leistung und man kann eine Pause einlegen. Lieber zehn Mal gerne und schnell hingelegt als hundert Mal mühsam und lustlos.

Die Leckerli sollten wirklich sehr klein und weich sein. Die Welpen haben mit ihren spitzen Milchzähnen doch häufiger etwas Probleme mit dem Kauen. Oder man nimmt gleich Hundeleberwurst aus der Tube, da kann der Welpe dann einfach lecken.

Was kann man mit dem Welpen trainieren?

Man kann alle Übungen trainieren, die man sowieso mit dem Welpen trainiert. Sitz, Platz, an lockerer Leine laufen, Kommen – also alle „Standard-Übungen“. Der Clicker eignet sich darüber hinaus besonders gut für die nicht so üblichen Aufgaben. Dazu gehören zum Beispiel Geschirr anziehen, Maul aufmachen, Augentropfen bekommen, Medizin nehmen oder Ohren saubermachen.
Am liebsten fange ich immer mit dem Handtarget an. Dabei lernt der Hund, mit der Nase an die leere Hand zu stupsen und in einem zweiten Schritt, der leeren Hand zu folgen. Beherrscht der Welpe diese Übung, kann man ihn damit überall positionieren ohne ihn berühren zu müssen, was dem Welpen meist viel angenehmer ist.
Man kann damit das Kommen üben und auch das Fußgehen. Man kann die Übung auch abändern, so dass der Welpe länger an der Hand bleiben muss und ihn damit an einer Stelle halten. Das kann beim Tierarztbesuch sehr hilfreich sein.
Alle Übungen hier aufzuzählen und im Einzelnen zu erklären, würde zu lange dauern. Am besten begibt man sich in eine Hundeschule, die mit positiver Verstärkung arbeitet und lässt es sich dort vom Trainer zeigen.

Gibt es Übungen, bei denen man den Clicker besser nicht einsetzt?

Ich bin wirklich ein absoluter Clickerfan und es gibt kaum Übungen, bei denen ich keinen Clicker einsetze. Eine Ausnahme sind „Ruheübungen“.
Wenn man den Welpen für ruhiges Verhalten belohnen möchte, tut man das am besten durch ruhiges Zureden oder ein ruhiges Lob und einen großen Keks. In diesem Fall kann der Click oder ein enthusiastisches Lob den Welpen aus der Ruhe holen und das möchte man ja in dieser Situation gar nicht haben.
Liegt der Welpe also in seinem Körbchen und stört nicht, kann man einfach dort hingehen, ihn ruhig loben und ihm einen dicken Keks vor die Nase legen. Dann hat man das Verhalten belohnt ohne ihn „hochzuscheuchen“. Und er lernt, dass es sich durchaus lohnt, einfach in seinem Körbchen zu liegen.

Gibt es negative Nebenwirkungen durch das Clickertraining?

Kritiker behaupten manchmal, dass durch die „Technik“ die Bindung zum Welpen gestört wird oder die Kommunikation mit dem Welpen sich auf diese „Technik“ reduziert. Oder dass der Welpe nur noch auf den Click wartet.

Das Training mit dem Clicker ersetzt natürlich nicht den Körperkontakt und die „ganz normale“ Kommunikation mit dem Welpen. Man rennt ja nicht den ganzen Tag nur noch mit dem Clicker durch die Gegend, sondern benutzt ihn zur Kommunikation, da wo es angebracht ist – nämlich beim Training.

Ansonsten legt man selbstverständlich ganz normale Schmuse-, Tobe- und Knuddeleinheiten ein. Wie jeder Welpenbesitzer, der keinen Clicker einsetzt. Der Vorteil des Clickertrainings ist, dass man beim Training einfach viel klarer ist und der Welpe dadurch viel schneller lernt. Voraussetzung ist natürlich, dass der Mensch verstanden hat, wie Clickertraining funktioniert.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Verfassers wieder, nicht die Meinung von Snautz.de. Snautz.de ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit verantwortlich.

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weitere Bilder:

Clickertraining mit Welpen: Click für Pipi draußen. (Foto: C. Hußmann)