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29.02.2012 Annette Schütte, Chinese Crested Dogs of Candymoor Castle

Der Chinese Crested Dog

Eine seltene Rasse unter den Hunden ist der Chinese Crested Dog, auch als Chinesischer Schopfhund bekannt. Auf Ausstellungen kann man diese Hunderasse besonders wegen ihrer Haarlosigkeit mit gewagter Frisur bewundern. Dass der Chinese Crested Dog auch sonst sehr interessant ist, berichtet uns Züchterin Annette Schütte.

Chinese Crested Dog Dreamy auf einer Ausstellung in Dresden. (Foto: A. Schütte)

Meine Liebe zu den Chinese Crested Dogs begann 2006. Auf einer Ausstellung in Dortmund sah ich zum ersten mal einen Chinesischen Schopfhund in Natura und ich war hellauf begeistert. So einen lebhaften, verspielten, witzigen kleinen Clown hatte ich noch nicht erlebt. Zu Hause versuchte ich, so viele Informationen wie möglich über den Chinesischen Schopfhund zu bekommen. Das gestaltete sich allerdings sehr schwierig, da es keine deutschsprachigen Bücher über den Chinese Crested Dog gibt. So dauerte es noch zwei Jahre, bis ich meinen Traumhund gefunden hatte.

Mittlerweile ist mein kleiner Sonnenschein schon einmal "Mama" geworden und natürlich habe ich eine ihrer Töchter behalten. Die Abgabe der anderen Welpen ist mir sehr schwer gefallen. Der ganze Wurf war ein Traum, was mir die neuen Besitzer, mit denen ich immer noch regen Kontakt pflege, immer wieder aufs Neue bestätigen. Ein paar neue Chinese Crested Dogs haben inzwischen unseren Rudelbestand vergrößert und jeder Tag mit den kleinen quirligen Wesen beschert mir ein neues Glück.

Chinesische Schopfhunde sind stets fröhliche kleine Hunde, die niemals bösartig sind. Sofern es möglich ist, begleiten mich meine Hunde auf Schritt und Tritt und nehmen immer am Familienleben teil. Boxen, Käfige oder Extrazimmer gibt es bei mir nicht, meine Hunde dürfen sich überall frei bewegen. Da ich ebenso bei der Welpenaufzucht sehr viel Zeit, Liebe und Herzblut in die Kleinen stecke, versteht es sich von selbst, dass ich aus diesen Gründen höchstens zwei Würfe im Jahr habe. Die Würfe kann man mit einem Lotteriespiel vergleichen, man weiß nie, was drin sein wird.

Hairless- und Powderpuff-Welpen sind gemeinsam in den Würfen. Leider ist die Variante der Powderpuff-Chinese Crested relativ unbekannt. Im Standard wird der Powderpuff genauso wie der Hairless beschrieben, nur dass sein Haarkleid aus der Unterwolle mit einem weichen, langen Haarschleier besteht, dieses ist sein besonderes Merkmal.

Der Chinese Crested ist eine Rasse, die noch weitestgehend frei von Krankheiten ist und erreicht auch nicht selten ein Alter von bis zu 17 Jahren. Dabei bleibt er bis ins hohe Alter immer ein wunderbarer Familienhund, der gerne verspielt und gelehrig für jeden Spaß zu haben ist.

Beim Agility und beim Dogdancing ist er sehr gelehrig und mit großem Eifer dabei. Seine bedingungslose Anhänglichkeit und die sanfte Art machen es seinem Besitzer leicht, ihn zu erziehen. Daher braucht man sicher nicht zu betonen, dass dieser Hund sich eher zurückziehen wird, wenn man hart und streng mit ihm umgeht. Somit wird dieser kleine, einzigartige Hund sicherlich immer ein Begleiter für ganz besondere Menschen sein.

Geschichte

Die Entstehungsgeschichte der Rasse reicht weit in vorgeschichtliche Zeiten zurück und liegt manchmal etwas im Dunkeln. Vor Jahrtausenden entstand in Afrika aus einer Mutation ein haarloser Hund; so entstand der "Canis Africanis". Man züchtete diese Hunde weiter. Vor langer Zeit kamen haarlose Hunde von Afrika nach China, von dort mit Teeschiffen nach Amerika. Die Frühgeschichte des Chinese Crested Dogs in Amerika ist schwer zu ergründen. Schon während der Han-Dynastie (200 v. Chr bis 200 n. Chr.) züchteten die Chinesen der Mandarinkaste aus dem haarlosen "Hunting Dog" (Jagdhund) den "Treasure House Guardian" (kostbarer Hüter des Hauses).

Diese Hunde passten in die Welt der schönen Dinge wie Porzellan, Seiden und sanfte anmutige Frauen. Man züchtete diese Hunde mit großer Sorgfalt und Liebe. Eine voraztekische Kultur verehrte die haarlosen Hunde als Repräsentanten perfekter und selbstloser Liebe. Die Hunde dieser Zeit wurden mit ihren Herren als Teil der Grabbeigaben begraben. Statuen und Bilder haarloser Hunde wurden in den Pyramiden der ägyptischen Pharaonen gefunden. Sie wurden von allen verehrt (da man diesen Hunden mystische Kräfte nachsagte), aber nur von der Elite besessen. Im 13. Und 14. Jahrhundert entdeckten die spanischen Eroberer haarlose Hunde in Mexico, Süd- und Zentralamerika. Die Seefahrer nahmen diese Hunde mit nach Spanien und verkauften sie dort an wohlhabende Adelige.

Zwischen 1850 und 1860 sammelte der bekannte Hundenarr und Ausstellungsrichter Mr. Taunton seltene Hunderassen auf seinen Weltreisen. Seine Zucht Chinesischer Schopfhunde brachte den ersten Ausstellungshund mit dem Namen "Chinese Emperor" hervor. Die Richter seiner Zeit waren von diesen Hunden nicht so begeistert wie ihr Züchter und lehnten die Bewertung ab. Die Hunde wurden als Kuriosität angesehen und in Londons Zoologischem Garten ausgestellt. Mr. Taunton ist auch für den ersten Import eines Afghan Hound nach England verantwortlich. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass der Chinese Crested Dog mit dem Afghan Hound eng verwandt ist, da Körperstruktur und Temperament sehr ähnlich sind.

Seit 1965 die Zucht der Chinese Crested Dogs in England anerkannt wurde, stieg die Zahl der Züchter kontinuierlich. Die vorsichtige Zucht und das Wissen um die Genetik der Haarlosen brachte diese gesunden, lieben und intelligenten Hunde hervor, die wir heute als Chinesischen Schopfhund so lieben.

Gesamterscheinung

Ein kleiner, lebhafter und anmutiger Hund. Mittelstarke bis feine Knochen. Glatter, haarloser Körper mit Haarwuchs an Füßen, Kopf und Rute oder bedeckt mit einem weichen Haarschleier.

Merkmale: Es gibt zwei verschiedene Typen: Den rassigen und feinknochigen "Deer"-Typ (Hirschtyp) und den im Körper und Knochenbau schwereren "Cobby"-Typ.

Kopf und Schädel: Leicht gerundeter und länglicher Schädel. Wangen fein gemeißelt, trocken und flach, sich zum Fang hin verjüngend. Stop leicht betont, aber nicht extrem. Kopf glatt, ohne übertriebene Faltenbildung. Die Kopflänge vom Hinterhauptbein bis zum Stop gleicht der Fanglänge vom Stop zur Nasenspitze. Sich leicht verjüngender Fang, jedoch niemals spitz; trocken, ohne schwere Lefzen. Die Nase ist ein wichtiges Merkmal: schmal, im Einklang mit dem Fang. Jede Farbe ist erlaubt. Anmutiger Kopf mit aufmerksamem Ausdruck. Straffe und dünne Lippen. Die Länge des Schopfes beliebig, lang und wallend bevorzugt; spärlicher Schopf wird toleriert.

Auge: So dunkel, dass sie schwarz erscheinen. Kein oder nur ganz wenig weiß zeigend. Mittlere Größe. Weit auseinander. Ohren: Tief angesetzt: Der höchste Punkt des Ohransatzes auf einer Linie mit dem äußeren Augenwinkel. Groß und aufgerichtet, mit oder ohne Befransung. Nur bei den Powderpuffs sind Hängeohren erlaubt.

Gebiss: Kräftiger Kiefer mit perfektem, regelmäßigem Scherenschluss, d.h. die obere Zahnreihe überdeckt knapp die untere. Die vorderen Zahnleisten stehen rechtwinklig zu den Zahnreihen der Backenzähne.

Hals: Schlank, ohne Wamme, lang und mit anmutigem Übergang in die kräftigen Schultern. In der Bewegung hoch getragen und leicht gebogen.

Front: Schultern trocken, fest anliegend und gut zurückgelegt. Läufe lang und schmal, gut unter dem Körper stehend. Ellenbogen fest am Körper, Fesseln fein, fest und fast senkrecht. Pfoten weder nach innen noch nach außen gedreht.

Rumpf: Mittellang bis lang. Geschmeidig. Brust eher breit und tief, nicht fassförmig aufgerippt. Brustbein nicht vorstehend. Das Bruststück setzt sich über die Ellenbogen fort. Bauchlinie mäßig aufgezogen.

Hinterhand: Hinterteil gut gerundet und muskulös. Straffe Lendenpartie. Kniegelenke fest und lang, weich in die gut niedergelassenen Sprunggelenke übergehend. Der Grad der Winkelung muss so sein, dass die Rückenlinie gerade ist. Hinterläufe in gutem Abstand voneinander.

Pfoten: Extreme Hasenpfoten; schmal und sehr lang mit einzigartiger Verlängerung der Zehenglieder, besonders an den Vorderpfoten, so dass der Eindruck eines zusätzlichen Gelenks entsteht. Krallen von beliebiger Farbe, mäßig lang. Socken im Idealfall bis über die Zehen, aber nicht höher als bis über das Fesselgelenk. Pfoten weder nach innen noch nach außen gedreht.

Rute: Hoch angesetzt. In der Bewegung nach oben oder auswärts getragen. Lang und spitz zulaufend. Ziemlich gerade. Nicht geringelt oder seitwärts eingedreht. Im Stand natürlich fallend. Befederung lang und fließend, nicht über das letzte Drittel hinausgehend. Spärliche Rutenbehaarung wird toleriert.

Bewegung: Lang, fließend und elegant mit gutem Ausgreifen und viel Schub.

Haarkleid: Keine großen behaarten Stellen auf dem Körper. Haut feinkörnig. Haut fühlt sich weich und warm an. Das Haarkleid des Powderpuffs besteht aus Unterhaar mit langem, weichen Deckhaar. Der Haarschleier ist ein besonderes Rassemerkmal.

Farbe: Jede Farbe oder Farbkombination erlaubt.

Größe: Ideale Wiederisthöhe bei Rüden: 28 bis 33 cm. Ideale Wiederisthöhe bei Hündinnen: 23 bis 30 cm. Das Gewicht schwankt beträchtlich, sollte jedoch nicht über 5,5 kg liegen.

Fehler: Jede Abweichung von den genannten Punkten wird im Verhältnis ihrer Bedeutung und ihres Schweregrades als Fehler gewertet.
Anmerkung: Rüden müssen zwei seitlich normal entwickelte, völlig in den Hodensack abgestiegene Hoden aufweisen.

Charakter: Chinese Crested Dogs sind kleine, elegante und sehr verschmuste Hunde. Dabei intelligent und absolut treu. Oft werden sie als kleine, lustige Gesellen bezeichnet. Sie sind aufgrund ihrer Verspieltheit und Freundlichkeit ideale Hunde für Familien mit Kindern und lassen sich gut in Etagenwohnungen halten. Das Fehlen von Fell macht es den Tierhaar-Allergikern möglich, mit einem Chinesischen Schopfhund zusammenzuleben. Auch wenn man nur allergisch auf Haare in Kleidung, Möbeln und Teppichen reagiert, ist dies ein angenehmer Umstand. Die Intelligenz dieser Hunde liegt weit über dem Durchschnitt, wobei ihre Fähigkeit, Liebe zu geben, unendlich ist. Es sind extrovertierte Tiere im wahrsten Sinne des Wortes.

Es ist eine Fehleinschätzung, dass diese Hunde sehr zerbrechlich sind und zu Krankheiten neigen, im Gegenteil, sie sind hart im Nehmen, selten krank und immer sehr gut gelaunt. Ihre Haut ist widerstandsfähig und auch bei Minusgraden benötigen sie keine spezielle Kleidung. Zum Glück ist die Zucht dieser Rasse nie eine kommerzielle gewesen, darum sind die Hunde dieser Rasse so charakterfest und individuell.

Pflege des Chinese Crested Dogs

Bei den Chinesischen Schopfhunden gibt es auch unterschiedliche Variationen in der Behaarung, das ist den meisten Menschen wahrscheinlich gar nicht bekannt. So verschieden die Hunde in ihrem Fell sind, so unterschiedlich ist auch ihre Pflege.

Die Hairless-Hunde werden in 3 Typen aufgeteilt:

  • True Hairless - Dieser Typ hat nahezu keine Körperbehaarung.
  • Moderate Hairless - Dieser Typ hat eine leichte Behaarung auf dem Rücken und an den Beinen.
  • Hairy Hairless - Dieser Typ hat zusätzlich zu Rücken- und Beinbehaarung auch an den Körperseiten eine leichte Behaarung. Eine gute Behaarung auf dem Schopf, an der Rute und an den Socken ist erwünscht.

Auf Ausstellungen sind meistens Hairy Hairless-Hunde vertreten, da sie einfach eine deutlich voluminösere Behaarung aufweisen. Für die Pflege und Sauberkeit der Haut und Haare bei beiden Varianten des Chinese Crested empfehle ich, auf qualitativ hochwertige Produkte zu achten. Einen True Hairless-Hund kann man für den Hausgebrauch auch mal schnell zwischendurch mit einem feuchten Baby-Öltuch abreiben. Um einen Chinese Crested Dog (meistens Hairy Hairless) in Ausstellungskondition zu halten, bade ich meine Hunde aller zwei Wochen, ganz unabhängig von dem Grad der Verschmutzung. Ich verwende gerne eine Haarschneidemaschine von Wella Contura, um den Körper an den Stellen von der Behaarung zu befreien, an denen sie nicht erwünscht ist.

Für die Ausstellung ist dann jedoch eine Nassrasur notwendig. Ich lasse die Körperbehaarung gerne im lauwarmen Wasser einweichen und rasiere dann mit einem guten Handrasierer. Danach wasche ich die Haut und die Haare mit einem professionellen Hunde-Shampoo. Es ist besonders darauf zu achten, dass nach dem Waschen das Shampoo gründlich ausgespült wird. Nach dem Bad werden die Haare gefönt und die Haut wird einer parfümfreien Creme eingerieben oder eingeölt.

Eine kleine Besonderheit gibt es im Sommer zu beachten. Die Chinesischen Schopfhunde sind die einzigen Hunde, die im Sommer/Winter ihre Hautfarbe verändern. Ein im Sommer dunkler Hund wird im Winter heller (das liegt an seinem Melanin-Anteil in der Haut). Bei den hellen Hauttypen des Hairless ist bei starker Sonneneinstrahlung darauf zu achten, dass sie eingecremt werden, um die Haut vor Sonnenbrand zu schützen. Man kann es ungefähr mit sehr hellhäutigen Menschen vergleichen, die im Sommer auch eher einen Sonnenbrand bekommen als dunkelhäutige Menschen.

Der Powderpuff ist eine ganz andere Nummer. Ich vergleiche ihn immer mit einem Mini-Afghanen. Bei ihm werden nur das Gesicht und der Halsbereich bis zum Brustbein in V-Form mit der Haarschneidemaschine rasiert. Je nach Geschmack kann man den Powderpuff für die Ausstellung auch mal nass rasieren. Für den Hausgebrauch rasiere und bade ich meinen Powderpuff aller 14 Tage, es kommt dabei allerdings auf die Wetterlage und den Grad seiner Verschmutzung an. Das tägliche Bürsten jedoch ist bei mir Pflicht, da es sonst leicht zu Verfilzungen unter den Armen und im Bauchbereich kommen kann. Auch beim Baden des Powderpuffs verwende ich natürlich qualitativ hochwertige Produkte, welche ich dann vorsichtig von oben nach unten einmassiere, um die Haare nicht zu verknoten. Genauso verfahre ich beim Ausspülen. Ich habe mir zur Regel gemacht, wenn ich denke, ich habe das Shampoo genug ausgespült, spüle ich noch eine Minute länger, damit auch alle Shampoo-Reste ausgewaschen sind. Danach wird der Chinese Crested Dog geföhnt. Dabei sollte man in Schichten vorgehen, damit auch alle Knötchen leicht und ohne zu ziepen entfernt werden.

Mein Zuchtziel ist es, gesunde, lebhafte Hunde aus Nackt-Powderpuff-Verpaarung im rassetypischen Standard gemeinsam mit meinen Hündinnen aufzuziehen, um die Größe zu erhalten. Dieses Vorhaben gestaltet sich recht schwierig, da die meisten Chinese Crested Dogs heute weit vom Rassestandard abweichen. Des Weiteren lege ich sehr großen Wert auf gute Gebisse und ein freies, aufgeschlossenes Wesen. Zur Zucht verwende ich nur Hunde, die auf prcd-PRA (Erkrankung der Netzhaut) und PLL (primäre Linsenluxatation) getested und natürlich körperlich und organisch vollkommen gesund sind. Außerdem werden bei mir die Hairless-Hunde auf das FOXI3-Gen getestet, welches für die Haarlosigkeit verantwortlich ist, so dass sich die neuen Besitzer sicher sein können, keinen rasierten Powderpuff zu bekommen.

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weitere Bilder:

Sehr schön frisierte Hündin Hilary, ein Hairless. (Foto: A. Schütte)
Born to be Wild of Candymoor Castle, ein Powderpuff. (Foto: A. Schütte)
Hairless Believe my Love of Candymoor Castle. (Foto: A. Schütte)
Die Welpen in ihrer unterschiedlichen Fellart. Hier drei Powderpuff und ein Hairless. (Foto: A. Schütte)