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18.10.2007 Mario Jessat, Snautz.de

Die BRH-Rettungshundestaffel Franken e.V. stellt sich vor

Immer wieder trifft das Hundefinder-Team bei Hundeveranstaltungen auf Rettungshundestaffeln. Über ihre Arbeit und die Suche nach neuen Helfern mit und ohne Hund haben wir mit Jean Schreiber und Elke Bichler von der Rettungshundestaffel Franken gesprochen.

Ein Rettungshund sucht in Trümmern (Foto: Rettungshundestaffel Franken e.V.)

Was tut Ihre Rettungshundestaffel denn eigentlich?

Unsere Rettungshundestaffel sucht vermisste und verschütte Personen in Waldgebieten, Wald oder Buschgelände, Wiesen und Gebirge. Wir suchen dabei unter anderem vermisste Personen, die sich verlaufen haben, Kinder, die sich aus Angst verstecken, Kranke, die schnell Hilfe brauchen, Schockopfer nach Unfällen, Personen mit suiziden Absichten. Alarmiert werden wir über die Leitstelle der Polizei und der Feuerwehr. Die Alarmierung bzw. der Einsatz ist kostenfrei!

Und wie können Sie nun helfen?

Rettungshundeführer/innen haben eine qualifizierte Erstversorgung absolviert, sind des weiteren mit Funkgerät und der Funksprache, Karte und Kompass, Erste Hilfe, Mensch und Hund, Arbeitstechniken und der Gegebenheit angepasster Suchtaktik vertraut. Die Rettungshunde sind speziell ausgebildet, Menschen zu suchen und zu finden. Der geprüfte Rettungshund wird mindestens zweimal in der Woche trainiert und es finden simulierte Einsatzübungen statt, um so die Einsatzfähigkeit immer wieder erneut unter Beweis zu stellen. Außerdem muss das RH-Team (Hund und Hundeführer) nach der ersten Hauptprüfung jährlich an einer Wiederholungsprüfung teilnehmen.

Wie durchsuchen Sie ein Gebiet?

Rettungshunde-Teams suchen ein Gebiet schneller als jede andere Suchmannschaft ab, da die um ein Vielfaches höhere Geschwindigkeit des Hundes das Suchtempo bestimmt. Nächtliche Dunkelheit beeinträchtigt die Suche nicht. Unsere Hunde jagen kein Wild und lassen sich nicht von weiteren Suchmannschaften, Bergungsarbeiten und Geräuschen etc. ablenken. Rettungshunde sind im Einsatz optisch und akustisch gekennzeichnet (Kenndecke, Glocken, Blinklicht). Sie zeigen im Suchgebiet alle auffindbaren Personen an, ob diese versteckt liegen, sich in einem Erdloch oder auf einem Hochsitz befinden.

Wie Sie uns im Vorab mitteilten, sind Sie immer auf der Suche nach neuen Mitarbeitern?

Wir sind immer auf der Suche nach tatkräftigen Hundeführern/innen mit Herz, die unser Team unterstützen. Auch ohne Hund sind Sie herzlich willkommen, da die Funktion des "Helfers" äußerst wichtig ist.

Welche Anforderungen werden an den Hundeführer gestellt?

Geistig und körperlich beweglich und belastbar. Gefordert sind zudem Teamgeist, viel Zeit, Ausdauer, Disziplin und finanzielle Aufwendungen.

Und welche an den Hund?

Er muss gesund, körperlich leistungsfähig und wesensfest sein mit guter Nasenveranlagung. Rasse und Aussehen sind unwichtig. Vorteilhaft ist eine mittlere Größe. Bei Zwergen oder Riesen gibt es meist Probleme im Gelände mit der Ausdauer, und bei zu großen Hunden im Einsatzfall mit dem Transport.

Spielt das Alter des Hundes eine Rolle?

Schon im Welpenalter kann begonnen werden, doch auch später sind Hunde ausgesprochen lernfreudig. Da die Ausbildung jedoch gut zwei Jahre dauert, macht es z.B. wenig Sinn, mit einem fünf Jahre alten Hund zu beginnen.

Wann und wo wird geübt?

Übungstage sind Donnerstag abends und Samstag oder Sonntag. Es gibt verschiedene Übungsplätze im Raum Nürnberg-Fürth und im Landkreis. Die Begleithundeprüfung kann kann parallel zur Ausbildung abgelegt werden. Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Natürlich ist ein einmaliges "Schnuppertraining" kostenlos, leider aber auch wenig aussagekräftig. Daher bietet unsere Staffel eine Kennenlernkarte an. Sie bezahlen 50 EUR und nehmen dafür an zwölf Übungstagen teil. Erst nach diesen zwölf Übungstagen entscheiden Sie sich, ob Sie einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen. Andere Rettungshundeteams haben da andere Geflogenheiten. Informieren Sie sich bitte dort.

Was bedeutet "BRH"?

Der Bundesverband Rettungshunde e.V. ist der größte Dachverband privater Rettungshundestaffeln. Wir sind Mitglied des Hundeverbandes Rettungshunde e.V. und eingetragen im Vereinsregister Fürth. Zudem ist er privat, da die Mitglieder im Unterschied zu öffentlich-rechtlichen Organisationen (THW, DRK, ASB usw.) keinerlei Zuschüsse erhalten und alle Kosten aus der eigenen Tasche bezahlen. Im Gegenzug können sie aber auch nicht zum Einsatz gezwungen werden, alle Einsätze erfolgen freiwillig. Alle Rettungshundeführer/innen arbeiten ehrenamtlich. Der Verein finanziert sich ausschließlich durch private Spenden und bezieht keine öffentlichen Mittel.

Hundefinder.de bedankt sich bei Jean Schreiber und Elke Bichler für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg bei der Arbeit mit den Rettungshunden. Anmerkung von Hundefinder.de: Unter den unten genannten Homepages können Sie sich bei Interesse um eine Aufnahme als Helfer oder Hundeführer bewerben.

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weitere Bilder:

Rettungshund auf einer Klappleiter (Foto: Rettungshundestaffel Franken e.V.)
Bei der Übung im Tunnel (Foto: Rettungshundestaffel Franken e.V.)
Ein Rettungshund wird ins Gelände geschickt (Foto: Rettungshundestaffel Franken e.V.)
Der Rettungshund zeigt die gefundene Person an (Foto: Rettungshundestaffel Franken e.V.)
Arbeiten auf der waagerechten Leiter (Foto: Rettungshundestaffel Franken e.V.)
Ein Rettungshund auf einem Übungsbrett (Foto: Rettungshundestaffel Franken e.V.)