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08.02.2006 Silke Meermann, Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland e.V.

Border Collie in Not

Der Border Collie ist nicht nur ein sehr schöner, sondern in erster Linie auch ein sehr lernbegieriger, arbeitseifriger Hund. Die geistige und körperliche Unterforderung dieses Hundes bekommt dann auch zuletzt die Notvermittlung der Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland e.V. zu spüren. Frau Silke Meermann, Pressebeauftragte der Arbeitsgemeinschaft, berichtet hier von diesen Problemen.

In den letzten Jahren erfreut sich der Border Collie stets zunehmender Beliebtheit. Durch sein "intelligentes Image", Erfolge im Hundesport und Auftritte in Fernsehspots steigt seine Popularität, was sich auch an den Statistiken des VDH ablesen lässt: Von Jahr zu Jahr werden mehr geborene Welpen registriert, im Jahr 2003 waren es über 840 Welpen. Kehrseite der Medaille ist, dass auch die Anzahl der Border Collies, die in Tierheimen landet oder deren Besitzer auf andere Weise versuchen, ihre Hunde abzugeben, ebenfalls ständig wächst.

Da es sich beim Border Collie um eine Hunderasse handelt, die über Jahrhunderte auf ihre spezielle Arbeitsleistung hin gezüchtet wurde, stellen diese Hunde auch heute noch besondere Anforderungen an ihre Besitzer: Zwar sind sie überaus lernbegierig, was dazu führt, dass sie in den richtigen Händen sehr leicht zu erziehen sind - wird ihre Intelligenz jedoch nicht gezielt gefordert, sind Probleme meist vorprogrammiert. Neben körperlicher Beanspruchung braucht der Border Collie vor allem "Kopfarbeit" - 20 km Laufen am Fahrrad sind für ihn weniger befriedigend als 10 Minuten Arbeit am Vieh. Mehr als bei anderen Rassen besteht beim Border Collie die Gefahr, dass er durch mangelnde Auslastung Verhaltensstörungen entwickelt oder sich Beschäftigungsmöglichkeiten sucht, mit denen er zu einem Problem für seine Umwelt wird.

Dies bekommen dann auch Birte Gersdorf und Uta Kielau von der Notvermittlung der Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland e.V. zu spüren. Birte Gersdorf, Tierärztin und selbst Besitzerin von drei Hunden und etwa 60 Schafen berichtet: "Jeden Tag kommen etwa 5 bis 25 Anfragen von Besitzern, die ihren Hund abgeben möchten - allein in den ersten 2 Monaten des Jahres 2004 sind knapp 40 Border Collies dazugekommen, die ein neues zu Hause suchen." Teilweise will man auch schon Border Collie-Welpen wieder zurück bringen.

Erreicht eine Anfrage die Notvermittlung, steht an erster Stelle eine möglichst genaue Einschätzung des Hundes, dann beginnt die Suche nach einer Pflegestelle für eine vorübergehende Unterbringung und schließlich nach einem dauerhaften Vermittlungsplatz. Dabei arbeitet die Initiative der ABCD e.V. eng mit Tierheimen und anderen Organisationen wie der Initiative von Natalie Seyffert vom Club für britische Hütehunde und der privaten Notvermittlung "Countrydog" von Gesa Kuhn zusammen. Falls möglich wird außerdem überprüft, ob der Hund Interesse an der Arbeit an Schafen zeigt. Zwar sind viele Hunde, die abgegeben werden "unterbeschäftigt", es kommt jedoch auch vor, dass Hunde zur Vermittlung stehen, die zur täglichen Arbeit am Vieh angeschafft wurden, hierzu aber nicht geeignet sind.

Trotz großen persönlichen - finanziellen wie zeitlichen - Einsatzes und der Mithilfe zahlreicher Helfer aus der ABCD gibt es oft zu wenig Pflegestellen und zu wenig Border Collie-erfahrene Interessenten für eine dauerhafte Vermittlung. "Zu viele Welpen und Junghunde gelangen in die falschen Hände - meist sind es dann die Rüden, die nach der Pubertät im Alter von etwa zwei Jahren Probleme bereiten", so Birte Gersdorf. Gleichzeitig kommen aber auch immer mehr "graue Schnauzen", also ältere Hunde, in die Vermittlung, für die sich kaum Interessenten finden.

Im Jahr 2003 konnten durch die Initiative "Border Collies in Not" knapp 170 Hunde vermittelt werden. Natürlich ist jede Vermittlung, durch die ein Hund ein neues, geeigneteres zu Hause findet, ein Erfolg - alarmierend ist jedoch, dass überhaupt so viele Besitzer sich nicht mehr in der Lage sehen, ihren Border Collie zu behalten.

Der Border Collie ist ein anspruchsvoller Hund. Jeder, der sich einen solchen Hund anschafft, sollte sich vorher überlegen, ob er dessen Anforderungen gerecht werden kann. Es wäre wünschenswert, wenn so möglichst vielen Hunden ein "Vermittlungsschicksal" erspart werden könnte.

Haben Sie weitere Fragen zur Notvermittlung, können Sie eine Pflegestelle zur Verfügung stellen oder interessieren Sie sich für einen Border Collie aus zweiter Hand, besuchen Sie die Notvermittlung im Internet unter www.bordercollie-in-not.de oder wenden Sie sich direkt an eine der unten genannten Adressen:

Notvermittlung der Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland e.V.

Birte Gersdorf birte_g@hotmail.com 039932 48895
Uta Kielau MKielau@aol.com 04155 808540

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