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21.03.2014 Nadine Reckinger, Tierheilpraktikerin

Blutegeltherapie bei Tieren: Kleiner Biss mit großer Wirkung

Die Blutegeltherapie kann viele Beschwerden bei Tieren lindern, ein bis zwei Behandlungen reichen oft schon aus. Welche Krankheiten behandelt werden können und wie genau die Blutegeltherapie funktioniert, erklärt Tierheilpraktikerin Nadine Reckinger im folgenden Artikel.

Der Medizinische Blutegel wird bis zu 15 cm lang. (Foto: N. Reckinger)

Die Naturheilkunde erfreut sich schon lange nicht mehr nur in der Humanbehandlung immer größerer Beliebtheit, sondern zunehmend wächst auch das Interesse der Tierbesitzer, ihre Vierbeiner mit alternativen Möglichkeiten zu behandeln.

Eine altbewährte, aber lange in Vergessenheit geratene Therapiemethode ist die Blutegeltherapie. Hier liegt der Nutzen der kleinen Sauger in ihrem Speichel, einem wahren Cocktail aus schmerzlindernden und entzündungshemmenden Substanzen.

Der Blutegel

Der Medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) kommt natürlicherweise im Süßwasser in weiten Gebieten Europas, Nordafrika und Kleinasien vor. Für therapeutische Zwecke werden die Blutegel in speziellen Zuchtstätten gezüchtet oder importiert und 32 Wochen unter kontrollierten Bedingungen in Quarantäne gehalten.

Mit seinem mercedessternförmigen Beißapparat und den kleinen Calcitzähnchen hat der Blutegel die Möglichkeit sich auch durch die dickste Haut von Tieren, wie  z.B. Rindern oder Pferden "durchzubeißen". Dabei injiziert er eine Art Schmerzmittel in die Haut des Patienten, die das Ansaugen weitgehend schmerzfrei macht.

Wirkungsweise der Blutegeltherapie

Hauptwirkstoff des Blutegelspeichels ist das gerinnungshemmende Hirudin, das in Verbindung mit dem Wirkstoff Calin ein bis zu 12-stündiges Nachbluten bewirken kann. Daher spricht man bei der Blutegeltherapie auch von einem Mikroaderlass. Durch die gerinnungshemmenden Eigenschaften und das Nachbluten wird das Gewebe entschlackt, Giftstoffe und Ablagerungen werden abtransportiert und das Gewebe vermehrt durchblutet. Die Produktion von neuen Blutkörperchen wird angeregt und der behandelte Bereich vermehrt mit Sauerstoff versorgt. Durch die Beschleunigung des Lymphstroms können auch Ödeme abgebaut und Blutergüsse behandelt werden. Weitere Wirkstoffe sind Bdelline und Egline die mit ihrer entzündungshemmenden Eigenschaft die Behandlung von Arthrosen mit Blutegeln in den Vordergrund stellen. Der Wirkstoff Hyaluronidase hat dazu eine stark gewebelockernde Eigenschaft, die zur Behandlung von Muskelschmerzen und Verspannungen genutzt wird.

Therapeutische Möglichkeiten und Einsatzbereiche der Blutegeltherapie

So sind die Therapiemöglichkeiten durch diesen Wirkstoffcocktail, von dem noch viele Inhaltsstoffe gar nicht ausreichend erforscht sind, sehr weitreichend.

Der wohl größte Einsatzbereich, besonders bei unseren Haustieren, ist die Behandlung von Arthrosen. In Verbindung mit verschiedenen physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten ist hier ein großer Therapieerfolg zu verzeichnen. Durch die Reduzierung der Schmerzen ist die anschließende Mobilisierung der Gelenke und Muskeln durch eine physiotherapeutische Behandlung wirkungsvoller und effektiver.

Durch das Ansetzen der Blutegel um den betroffenen Gelenksbereich wird eine Schmerzlinderung erzielt und das bei Entzündungen und Arthrose schlecht durchblutete und gestaute Gewebe mit Sauerstoff versorgt.

Ein zweiter großer Behandlungsbereich sind Sehnen-, Bänder und Muskelzerrungen/Risse, die durch eine Blutegeltherapie optimal behandelt werden können. Auch eine Nachbehandlung von Operationswunden ist durchaus sinnvoll. Eventuell entstandene Blutergüsse und Ödeme werden abtransportiert, die Entzündung und der Schmerz im geschädigten Bereich wird minimiert, die Wundheilung beschleunigt und der Stoffwechsel für eine optimale Heilung angeregt.

Oft reicht schon eine ein- bis zweimalige Behandlung aus, um eine Schmerzlinderung für 3-6 Monate zu erzielen. Eine Wiederholung nach ca. einer Woche macht oft Sinn, da das Gewebe im betroffenen Bereich durch die erste Behandlung bereits gelockert ist und der Wirkstoffcocktail der Blutegel mit der zweiten Behandlung in tiefere Gewebsschichten eindringen kann und die Selbstheilungskräfte des Körpers somit vermehrt angeregt werden.

Ablauf einer Blutegelbehandlung

Vor der Behandlung mit Blutegeln sollten alle Salben im betroffenen Bereich abgesetzt werden. Blutegel reagieren sehr empfindlich auf Gerüche oder „fremde“ Substanzen im Blut, was ein Anbeißen durchaus erschweren kann. So sollte auch auf die Zufütterung von z.B. Knoblauch, Ingwer oder bestimmter Medikamente (soweit möglich) einige Tage vorab verzichtet werden.

Auch die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten ist im Vorfeld abzuklären. Bei dickem Fell wird der Bereich, in dem die Blutegel angesetzt werden rasiert, bei dünnem, weichem Fell ist das oft auch gar nicht nötig und die kleinen Blutegel suchen sich ihren Weg an die Haut.

Nachdem die Blutegel „angebissen“ haben, kann das Saugen zwischen einer halben und ca. anderthalb Stunden dauern. In dieser Zeit kann der Blutegel das fünffache seines Eigengewichtes an Blut aufnehmen (ca. 8-10 ml).

Hat sich der Blutegel genügend vollgesaugt, lässt er zuerst sein Hinterteil hängen und fällt einige Zeit später ab. Keinesfalls sollte er während des Saugvorgangs vorzeitig von der Bissstelle gewaltsam abgenommen werden, da der Blutegel dann unter Stress gerät und es vorkommen kann, dass er den Darminhalt in die Bissstelle entleert!

Nachsorge der Bissstelle

Ein Nachbluten bis zu 12 Stunden ist möglich und durchaus erwünscht. Wenn möglich sollte der behandelte Bereich daher gar nicht oder nur wenn nötig mit einem leichten Verband verbunden werden. Das Infektionsrisiko ist durch das Nachbluten aber auch ohne Verband relativ gering. Um die Bissstelle kann es zu einem leichten Juckreitz oder Schwellungen kommen. Der Blutegel wird nach der Behandlung vom Therapeuten wieder mitgenommen und nur einmalig verwendet.

Indikationen der Blutegeltherapie im Überblick

  • Arthrose/Arthritis
  • Diskopathie
  • Cauda Equina
  • Sehnenentzündungen
  • Muskelentzündungen
  • Muskelverspannungen
  • Meniskus- und Kreuzbandprobleme
  • Hüftgelenksdysplasie
  • Bursitis
  • Spondylosen
  • Ödeme/Blutergüsse
  • Neuralgien
  • u.v.m.

Das Einsatzgebiet des Blutegels ist weitreichend und in Kombination mit anderen alternativen Therapien können die Selbstheilungskräfte unserer Vierbeiner optimal angeregt und viele Erkrankungen auf sanfte Weise behandelt werden.

Möchten Sie mehr über die Möglichkeiten der Blutegeltherapie erfahren? Für weitere Informationen und Fragen stehe ich gerne zur Verfügung unter reckinger@hippocare-thp.de

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weitere Bilder:

Ein Blutegel hat sich bei der Blutegeltherapie am Hinterlauf des Hundes festgesaugt. (Foto: N. Reckinger)
Mit Medizinischen Blutegeln können viele Beschwerden gelindert werden. (Foto: N. Reckinger)