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05.04.2013 Mayk Preiß, Blindenführhundschule "mobil" Chemnitz

Die Blindenführhundschule "mobil" stellt sich vor

Um blinden Menschen den Alltag zu erleichtern, werden in ganz Deutschland Blindenführhunde ausgebildet. Der Hund muss perfekt ausgebildet sein, um seinem Führhundhalter auch wirklich eine Hilfe zu sein. Eine innovative Idee hatte die Blindenführhundschule "mobil" in Chemnitz: Erst wenn der Hundetrainer drei Stunden mit verbundenen Augen problemlos durch die Großstadt kommt, gilt der Hund als ausgebildet.

Der Blindenhund bei der Ampelbetätigung. (Foto: M. Preiß)

Unser Unternehmen, welches in Chemnitz zu Hause ist, hat bundesweit Blindenführhunde im Einsatz, die ihr blindes Frauchen oder Herrchen sicher durch den Alltag bringen und begleiten.

Unsere Schule

Im Juli 2004 gründete ich, Mayk Preiß, die Blindenführhundschule "mobil". Die Anfänge waren schwer, da Unterkünfte gefunden werden mussten. Ich brachte meine Hunde in einer vorhandenen Hundeschule in einer Zwingeranlage unter, aber schon mit der Aussicht, dass es hier noch eine Veränderung geben muss. Meine Trainerinnen nahmen die sich in Ausbildung befindlichen Hunde mit zu sich nach Hause und gaben ihnen so die wichtige Wohnungsgewöhnung. Im Jahr 2007 zog ich aus der Hundeschule aus, um eine moderne und für Blindenführhunde geeignete Schule zu errichten. Das Objekt, was uns seit dieser Zeit zur Verfügung steht, ist nun besonders gut für jeden einzelnen Blindenhund und dessen Ausbildung geeignet. Alle Hunde sind in extra eingerichteten 18 m² großen Zimmern untergebracht, die jeweils mit mehreren Fenstern ausgestattet sind. Drei große Ausläufe mit je fast 1000 m² Größe gewährleisten, dass unsere Hunde in ihrer Freizeit auch Hund sein können. Es gibt genug Platz für Spiele mit anderen Artgenossen.

Das Umfeld muss stimmen, denn wir verlangen von unseren Hunden ein hohes Maß an Konzentration bei der Arbeit und wollen wiederum ihre Freizeit so hundegerecht wie möglich gestalten. In Zusammenarbeit mit dem Weißen Stock e. V. Chemnitz habe ich gemeinsam ein Konzept für die Schule erarbeitet. Maßgeblicher Schwerpunkt dieser Konzeption ist die hohe Qualität in der Ausbildung der Führhunde unter Berücksichtigung der Wünsche, Bedürfnisse und eventuell besonderer Problemlagen der künftigen Führhundbesitzer. Die Festschreibung von entsprechenden Qualitätskriterien in einem Vertragswerk macht unsere Arbeit zum einen transparent und zum anderen ist somit auch eine Kontrollmöglichkeit durch die Krankenkassen gegeben. Um den gesetzten Zielen gerecht zu werden, haben wir innerhalb der Blindenführhundschule eine Aufgabenverteilung vorgenommen.

Qualitätsprüfung

Seit fast zehn Jahren besteht nun die Blindenführhundschule aus Sachsen, sie war und ist auf Grund ihres einmaligen Konzeptes innovativ. Als erste Blindenführhundschule in Deutschland wurden und werden bis heute alle ausgebildeten Führhunde, vor der Einarbeitung mit seinem künftigen Besitzer, von einem Gespannprüfer überprüft. Bei dieser so genannten Qualitätsprüfung muss der Führhundtrainer unter Sichtentzug eine Strecke von etwa drei Stunden in einer Großstadt bewältigen, wobei alle Elemente der Ausbildung überprüft werden. Wenn der Hund seine Arbeit sicher und ohne Fehler zeigt, wird er für die Übergabe zugelassen.
Die Kosten für einen Blindenhund werden in Deutschland von den Krankenkassen übernommen. Auf Grund unserer guten Leistungen haben wir mit allen wichtigen Krankenkassen Verträge, um die Versorgung zu gewährleisten.

Unsere Philosophie

Das Ziel unserer Arbeit ist es, Blindenführhunde auszubilden, die den Alltag ihrer Arbeit mit hohem Niveau und vor allen Dingen mit sicherem Wesen meistern. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es von höchster Notwendigkeit, viel Zeit für die Suche dafür geeigneter Hunde aufzubringen. Bevor wir aber von Hundeausbildung, speziell von Führhundausbildung sprechen, muss vorher geklärt werden, wer die Maßstäbe für die Ausbildung der Hunde setzt. Führhundausbildung von vor 30 Jahren ist mit Sicherheit nicht mehr mit der heutigen Ausbildung vergleichbar. Sowohl die Ausbildungsmethodik als auch die zu erbringende Leistung der Führhunde hat sich über die Jahre verändert. Wir sind der Meinung, dass die jeweilige Gesellschaft und ihre Anforderungen zu einem großen Anteil das Wesen sowie die Ausbildung unserer Blindenhunde bestimmt. In unserer Schule steht Innovation und Sachverstand an oberster Stelle. Wir bilden keine Blindenführhunde als Hobby aus und wir sind auch keine Hundeschule die zum Überleben nebenbei ab und zu versucht einen Blindenhund auszubilden. In unserer Führhundschule werden nur Hunde in die Ausbildung genommen, mit dem festen Ziel später als Führhund arbeiten zu können. Wir zeigen uns auch aus diesen Grund sehr transparent. So kann uns jeder besuchen und sich von unserer Arbeit überzeugen. Wenn man mit Führhunden mit der Konsequenz und so großem Zeitaufwand arbeitet wie wir, bleibt kein Platz für andere Sachen. Denn nur durch diese hohe Qualifizierung sind wir in der Lage, uns fachgerecht mit allen Arbeiten rund um den Führhund auszuzeichnen. Ständige Schulungen sind dabei genauso selbstverständlich wie viele Gespräche mit Betroffenen, um optimal auf deren Bedürfnisse eingehen zu können. Der wichtigste Punk für jeden Führhundhalter ist die Einarbeitung. Wir sind auch hier einen Weg gegangen, der dem Betroffenen entgegen kommt: Die gesamte Zeit der Einarbeitung findet vor Ort also im Wohnumfeld des späteren Führhundhalters statt. Nur Hunde, die nach Beendigung ihrer Ausbildung eine Qualifikationsprüfung bei einem anerkannten Gespannprüfer abgelegt haben, kommen hier zum Einsatz. Nach der Einarbeitung stehen wir natürlich auch weiterhin bei Fragen und Problemen zur Verfügung.

Das Team und die Hunde

Das Team besteht aus mir, drei Trainern und drei Tierpflegern. Wir unterhalten freundschaftliche Beziehungen zu Führhundschulen in Schweden, Australien sowie den USA. In den letzten Jahren haben wir folgende Rassen zum Blindenhund ausgebildet: Labrador, Golden Retriever, Deutscher Schäferhund, Riesenschnauzer, Großpudel, Airedale Terrier, Australian Shepherd. Für die Zukunft haben wir zusätzlich noch zwei neue Rassen, die uns für das Jahr 2014 zur Verfügung stehen sollen. Es handelt sich um Flat-Coated Retriever und Curly-Coated Retriever.

Wir suchen noch Patenfamilien, die sich vorstellen können einem Welpen zehn Monate ein Zuhause zu geben, um ihn für ein Leben als Blindenführhund vorzubereiten. Die spätere Ausbildung wird etwa zehn Monate dauern, aber nur unter der Voraussetzung, dass der tierärztliche Gesundheitscheck im Alter von einem Jahr keine gesundheitlichen Mängel ergibt.

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